Minden

Der Kreis hat Rücken - unter anderem: DAK-Gesundheitsreport veröffentlicht

Anna Strathmeier

Minden (mt). Frank Wolff, Chef der DAK-Gesundheit im Kreis, hält einen Gamingkontroller hoch. Er möchte damit auf die Sucht „Internet Gaming Disorder“ (Computerspielsucht) aufmerksam machen. Denn der jährliche DAK-Gesundheitsreport hat jetzt erstmals auch das Thema Gaming und dessen Auswirkungen auf den Arbeitsalltag untersucht.

Ein Ergebnis: 58 Prozent der in Nordrhein-Westfalen Beschäftigten spielen Computerspiele. Bei knapp sieben Prozent von diesen ist die Nutzung bereits „riskant“, abhängig sind 0,4 Prozent. Hinter dieser auf dem ersten Blick geringen Zahl verbergen sich 31.000 Personen. Fast die Hälfte dieser Süchtigen spielt auch während der Arbeitszeit und zehn Prozent – also 3.100 – geben an, dass ihre Fehltage auch mit dem Spielen zusammenhängen.

Zum Vergleich: Laut der Studie sind 0,8 Prozent der Menschen in NRW, die einen Job haben, alkoholabhängig, 2,5 Prozent kommen nicht von der E-Zigarette los und 19,3 Prozent sind zigarettenabhängig.

Frank Wolff und Dr. Elke Lustfeld stellten den DAK-Gesundheitsreport 2019 vor. - © Foto: Anna Strathmeier
Frank Wolff und Dr. Elke Lustfeld stellten den DAK-Gesundheitsreport 2019 vor. (© Foto: Anna Strathmeier)

„Das ist ein schweres Kapitel“, sagt Dr. Elke Lustfeld, Amtsleiterin des Kreisgesundheitsamtes. Problematisch sei es, dass bei Computerpielsucht keine Abstinenz möglich sei. Gründe dafür: Das Internet ist überall, Verbote sind kaum durchzusetzen. Wolff sieht es zudem kritisch, dass die Sucht schon früh beginnen kann, da Kinder heutzutage viel im Netz unterwegs sind. „Eltern müssen da präventiv wirken“, sagt er.

Doch es liegt nicht nur daran, dass im Jahr 2018 in NRW 4,3 Prozent der Erwerbstätigen krankgeschrieben waren. Die meisten Fehltage verursachten, wie im Jahr zuvor auch, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Im Kreis Minden-Lübbecke zählen diese Fälle 23,7 Prozent, gefolgt von Erkrankungen des Atmungssystems (14,4 Prozent) und auf dem dritten Platz den psychischen Erkrankungen mit 13,7 Prozent.

Doch es lasse sich klar sagen, dass die Region gesünder wird. Wo 2017 noch 4,7 Prozent der Beschäftigten krank geschrieben wurden, so waren es im Jahr 2018 nur noch 4,5 Prozent. Auffällig ist jedoch, dass 2018 in Großstädten wie Düsseldorf der Krankenstand mit 3,6 Prozent viel geringer ausgefallen ist. „Das liegt daran, dass es Wirtschaftszweige gibt, die einen höheren Krankenstand haben oder eben einen geringeren“, erklärt Lustfeld.

Und weil es hier in der Region zum Beispiel viele Kliniken und Rehakliniken gibt – und damit auch viele Beschäftigte in den körperlich sehr fordernden Gesundheitsberufen – ist der Krankenstand hier auch vergleichsweise hoch.

Positiv zu bewerten sei jedoch, dass die psychischen Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind. Lustfeld erklärt das damit, dass heute Hilfe schneller aufgesucht wird. Neben den typischen Erkrankungen wie Depression fallen unter diese Kategorie auch Süchte. Dazu zählen die bereits genannte Internet Gaming Disorder, aber auch der regelmäßige Tabakkonsum oder die Alkoholsucht.

Die am meisten verbreitete Sucht ist immer noch das Rauchen. 19,3 Prozent der Beschäftigten in NRW sind zigarettenabhängig. Davon raucht etwa jeder Zweite auch während der Arbeitszeit, also außerhalb der Arbeitspausen.

Dank der Verbote von Werbung, abschreckender Bilder und rauchfreier Zonen sei der Tabakkonsum aber deutlich gesunken. Mit 64 Prozent Nichtrauchern lässt insbesondere die jüngere Generation eher die Finger von Zigaretten.

Kritisch gesehen werden, müsse aber auch der Alkoholkonsum. Auffällig sei, dass drei Viertel der direkten Krankmeldungen aufgrund von einer Abhängigkeit auf den Konsum dieser Substanz zurück fielen. „Keine Droge verursacht so umfangreiche soziale und gesundheitliche Schäden in de Gesellschaft wie Alkohol“, sagt Wolff.

Von einem riskanten Alkoholkonsum wird gesprochen, wenn Männer täglich mehr als zwei 0,3 Liter-Gläser Bier zu sich nehmen oder bei Frauen schon ab einem 0,3 Liter-Glas am Tag. Die höchsten Zahlen verzeichnen bei der Auswertung junge Leute im Alter von 18 bis 29 mit einem Prozentsatz von 16,1. Mit dem fortschreitenden Alter nehme der Konsum jedoch ab, so die Erkenntnisse aus der jüngsten Umfrage der DAK.

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MindenDer Kreis hat Rücken - unter anderem: DAK-Gesundheitsreport veröffentlichtAnna StrathmeierMinden (mt). Frank Wolff, Chef der DAK-Gesundheit im Kreis, hält einen Gamingkontroller hoch. Er möchte damit auf die Sucht „Internet Gaming Disorder“ (Computerspielsucht) aufmerksam machen. Denn der jährliche DAK-Gesundheitsreport hat jetzt erstmals auch das Thema Gaming und dessen Auswirkungen auf den Arbeitsalltag untersucht. Ein Ergebnis: 58 Prozent der in Nordrhein-Westfalen Beschäftigten spielen Computerspiele. Bei knapp sieben Prozent von diesen ist die Nutzung bereits „riskant“, abhängig sind 0,4 Prozent. Hinter dieser auf dem ersten Blick geringen Zahl verbergen sich 31.000 Personen. Fast die Hälfte dieser Süchtigen spielt auch während der Arbeitszeit und zehn Prozent – also 3.100 – geben an, dass ihre Fehltage auch mit dem Spielen zusammenhängen. Zum Vergleich: Laut der Studie sind 0,8 Prozent der Menschen in NRW, die einen Job haben, alkoholabhängig, 2,5 Prozent kommen nicht von der E-Zigarette los und 19,3 Prozent sind zigarettenabhängig. „Das ist ein schweres Kapitel“, sagt Dr. Elke Lustfeld, Amtsleiterin des Kreisgesundheitsamtes. Problematisch sei es, dass bei Computerpielsucht keine Abstinenz möglich sei. Gründe dafür: Das Internet ist überall, Verbote sind kaum durchzusetzen. Wolff sieht es zudem kritisch, dass die Sucht schon früh beginnen kann, da Kinder heutzutage viel im Netz unterwegs sind. „Eltern müssen da präventiv wirken“, sagt er. Doch es liegt nicht nur daran, dass im Jahr 2018 in NRW 4,3 Prozent der Erwerbstätigen krankgeschrieben waren. Die meisten Fehltage verursachten, wie im Jahr zuvor auch, Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Im Kreis Minden-Lübbecke zählen diese Fälle 23,7 Prozent, gefolgt von Erkrankungen des Atmungssystems (14,4 Prozent) und auf dem dritten Platz den psychischen Erkrankungen mit 13,7 Prozent. Doch es lasse sich klar sagen, dass die Region gesünder wird. Wo 2017 noch 4,7 Prozent der Beschäftigten krank geschrieben wurden, so waren es im Jahr 2018 nur noch 4,5 Prozent. Auffällig ist jedoch, dass 2018 in Großstädten wie Düsseldorf der Krankenstand mit 3,6 Prozent viel geringer ausgefallen ist. „Das liegt daran, dass es Wirtschaftszweige gibt, die einen höheren Krankenstand haben oder eben einen geringeren“, erklärt Lustfeld. Und weil es hier in der Region zum Beispiel viele Kliniken und Rehakliniken gibt – und damit auch viele Beschäftigte in den körperlich sehr fordernden Gesundheitsberufen – ist der Krankenstand hier auch vergleichsweise hoch. Positiv zu bewerten sei jedoch, dass die psychischen Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind. Lustfeld erklärt das damit, dass heute Hilfe schneller aufgesucht wird. Neben den typischen Erkrankungen wie Depression fallen unter diese Kategorie auch Süchte. Dazu zählen die bereits genannte Internet Gaming Disorder, aber auch der regelmäßige Tabakkonsum oder die Alkoholsucht. Die am meisten verbreitete Sucht ist immer noch das Rauchen. 19,3 Prozent der Beschäftigten in NRW sind zigarettenabhängig. Davon raucht etwa jeder Zweite auch während der Arbeitszeit, also außerhalb der Arbeitspausen. Dank der Verbote von Werbung, abschreckender Bilder und rauchfreier Zonen sei der Tabakkonsum aber deutlich gesunken. Mit 64 Prozent Nichtrauchern lässt insbesondere die jüngere Generation eher die Finger von Zigaretten. Kritisch gesehen werden, müsse aber auch der Alkoholkonsum. Auffällig sei, dass drei Viertel der direkten Krankmeldungen aufgrund von einer Abhängigkeit auf den Konsum dieser Substanz zurück fielen. „Keine Droge verursacht so umfangreiche soziale und gesundheitliche Schäden in de Gesellschaft wie Alkohol“, sagt Wolff. Von einem riskanten Alkoholkonsum wird gesprochen, wenn Männer täglich mehr als zwei 0,3 Liter-Gläser Bier zu sich nehmen oder bei Frauen schon ab einem 0,3 Liter-Glas am Tag. Die höchsten Zahlen verzeichnen bei der Auswertung junge Leute im Alter von 18 bis 29 mit einem Prozentsatz von 16,1. Mit dem fortschreitenden Alter nehme der Konsum jedoch ab, so die Erkenntnisse aus der jüngsten Umfrage der DAK.