Minden

Klinikteich kippt ohne Trinkwasserzufuhr um

Stefan Koch

Die Planer des Teiches am Johannes-Wesling-Klinikum gingen offenbar davon aus, dass das Regenwasser für dessen Speisung ausreicht. Jetzt hat der Klimawandel für einen Engpass bei der Versorgung gesorgt. MT- - © Foto: Alex Lehn
Die Planer des Teiches am Johannes-Wesling-Klinikum gingen offenbar davon aus, dass das Regenwasser für dessen Speisung ausreicht. Jetzt hat der Klimawandel für einen Engpass bei der Versorgung gesorgt. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Minden (mt). Die Dürreperiode des vergangenen und aktuellen Jahres hat auch dem Teich an der Südseite des Johannes-Wesling-Klinikums zu schaffen gemacht. Damit das künstlich angelegte Gewässer biologisch nicht umkippte, musste die Verwaltung in größerem Umfang Trinkwasser zuführen. Trotz vorübergehender Versorgungsprobleme in einigen Kommunen des Mühlenkreises hatte der Versorger keine Bedenken.

Wie Karin Kottkamp von der Unternehmenskommunikation des Klinikums mitteilt, dient der Teich als Regenauffangbecken für das Klinikgelände. Insofern werde er zunächst aus dem Regenwasser des gesamten Klinikgeländes gespeist.

Doch das reicht angesichts des Klimawandels wohl nicht mehr aus. „In der Dürreperiode vor allem im August des vergangenen Jahres wurde in Absprache mit dem Wasserversorger Frischwasser zum Auffüllen des Sees verwendet“, erklärt Kottkamp. Ohne eine externe Zufuhr von Wasser wäre der See umgekippt, wie regelmäßige Proben des Sauerstoffgehalts im Wasser gezeigt hätten. „Alle Fische und Lebewesen wären in diesem Fall verendet.“

Nach der Fertigstellung des Klinikums im Jahr 2008 zog in den Teich zunehmend Leben ein. Es gibt neben Karpfen und einigen Barschen Enten und weitere Wasservögel. Auch ein standorttreuer Fischreiher ist gesichtet worden. „Insgesamt dient der Teich zahlreichen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum“, so Kottkamp.

Etwa zwei Millionen Liter Wasser leitete die Verwaltung der Mühlenkreiskliniken in Kooperation mit dem Wasserversorger im vergangenen Jahr über einen längeren Zeitraum in den Teich, um das Fischsterben zu verhindern. Auch in diesem Jahr war eine externe Frischwasserzufuhr notwendig, da im Laufe des Sommers wieder zu wenig Regen fiel. Hierbei wurden etwa 1,7 Millionen Liter Wasser nachgefüllt. „Solche Notaktionen im Sommer waren bislang eine Ausnahme“, teilt dazu Karin Kottkamp mit. Die Kosten für das Trinkwasser hätten im vergangenen Jahr 4.000 Euro betragen. Für dieses Jahr seien 3.000 Euro veranschlagt.

Da der Teich bei der Planung des Johannes-Wesling-Klinikums ausschließlich als Regenauffangbecken für das gesamte Gelände konzipiert wurde, hat er keinen weiteren natürlichen Zulauf. Das Gewässer ist etwas 1,5 Meter tief, hat eine Länge von 350 Metern und ist bis zu 30 Meter breit. Bei zu starken Niederschlägen versickert das überschüssige Wasser im benachbarten Riehegraben.

Nach Auskunft von Kottkamp habe es in Bezug auf die Wasserversorgung des Teiches auch Anregungen aus dem Betrieblichen Vorschlagswesen der Mühlenkreiskliniken gegeben. „Ein Vorschlag hat sich unter anderem mit der Nutzung von Regenwasser zum Auffüllen beschäftigt.“ Da der Teich ohnehin als Regenauffangbecken gedient habe, sei dieser Vorschlag bereits umgesetzt gewesen. Die Idee des Mitarbeiters sei dennoch mit einer Geldprämie belohnt worden.

Übrigens: Die Mutmaßung, dass Pumpen im Keller des in einem Urstromtal gelegenen Johannes-Wesling-Klinikums laufen, um überschüssiges Grundwasser zu entfernen, bezeichnet das Klinikum als ein Gerücht. Dieses halte sich seit der Bauzeit hartnäckig, so Kottkamp. „Lediglich in der Bauphase vor über zehn Jahren wurde, wie bei jedem größeren Bauwerk üblich, Grund- und Regenwasser aus der Baugrube abgepumpt.“

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MindenKlinikteich kippt ohne Trinkwasserzufuhr umStefan KochMinden (mt). Die Dürreperiode des vergangenen und aktuellen Jahres hat auch dem Teich an der Südseite des Johannes-Wesling-Klinikums zu schaffen gemacht. Damit das künstlich angelegte Gewässer biologisch nicht umkippte, musste die Verwaltung in größerem Umfang Trinkwasser zuführen. Trotz vorübergehender Versorgungsprobleme in einigen Kommunen des Mühlenkreises hatte der Versorger keine Bedenken. Wie Karin Kottkamp von der Unternehmenskommunikation des Klinikums mitteilt, dient der Teich als Regenauffangbecken für das Klinikgelände. Insofern werde er zunächst aus dem Regenwasser des gesamten Klinikgeländes gespeist. Doch das reicht angesichts des Klimawandels wohl nicht mehr aus. „In der Dürreperiode vor allem im August des vergangenen Jahres wurde in Absprache mit dem Wasserversorger Frischwasser zum Auffüllen des Sees verwendet“, erklärt Kottkamp. Ohne eine externe Zufuhr von Wasser wäre der See umgekippt, wie regelmäßige Proben des Sauerstoffgehalts im Wasser gezeigt hätten. „Alle Fische und Lebewesen wären in diesem Fall verendet.“ Nach der Fertigstellung des Klinikums im Jahr 2008 zog in den Teich zunehmend Leben ein. Es gibt neben Karpfen und einigen Barschen Enten und weitere Wasservögel. Auch ein standorttreuer Fischreiher ist gesichtet worden. „Insgesamt dient der Teich zahlreichen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum“, so Kottkamp. Etwa zwei Millionen Liter Wasser leitete die Verwaltung der Mühlenkreiskliniken in Kooperation mit dem Wasserversorger im vergangenen Jahr über einen längeren Zeitraum in den Teich, um das Fischsterben zu verhindern. Auch in diesem Jahr war eine externe Frischwasserzufuhr notwendig, da im Laufe des Sommers wieder zu wenig Regen fiel. Hierbei wurden etwa 1,7 Millionen Liter Wasser nachgefüllt. „Solche Notaktionen im Sommer waren bislang eine Ausnahme“, teilt dazu Karin Kottkamp mit. Die Kosten für das Trinkwasser hätten im vergangenen Jahr 4.000 Euro betragen. Für dieses Jahr seien 3.000 Euro veranschlagt. Da der Teich bei der Planung des Johannes-Wesling-Klinikums ausschließlich als Regenauffangbecken für das gesamte Gelände konzipiert wurde, hat er keinen weiteren natürlichen Zulauf. Das Gewässer ist etwas 1,5 Meter tief, hat eine Länge von 350 Metern und ist bis zu 30 Meter breit. Bei zu starken Niederschlägen versickert das überschüssige Wasser im benachbarten Riehegraben. Nach Auskunft von Kottkamp habe es in Bezug auf die Wasserversorgung des Teiches auch Anregungen aus dem Betrieblichen Vorschlagswesen der Mühlenkreiskliniken gegeben. „Ein Vorschlag hat sich unter anderem mit der Nutzung von Regenwasser zum Auffüllen beschäftigt.“ Da der Teich ohnehin als Regenauffangbecken gedient habe, sei dieser Vorschlag bereits umgesetzt gewesen. Die Idee des Mitarbeiters sei dennoch mit einer Geldprämie belohnt worden. Übrigens: Die Mutmaßung, dass Pumpen im Keller des in einem Urstromtal gelegenen Johannes-Wesling-Klinikums laufen, um überschüssiges Grundwasser zu entfernen, bezeichnet das Klinikum als ein Gerücht. Dieses halte sich seit der Bauzeit hartnäckig, so Kottkamp. „Lediglich in der Bauphase vor über zehn Jahren wurde, wie bei jedem größeren Bauwerk üblich, Grund- und Regenwasser aus der Baugrube abgepumpt.“