Minden

Wie Klaus-Joachim Riechmann und Imina Ibrügger Wagner gepackt hat

Ursula Koch

Klaus-Joachim und Claudia Riechmann hat Wagner gepackt.
Klaus-Joachim und Claudia Riechmann hat Wagner gepackt.

Minden (mt). Die Mindener Opernproduktionen haben das Zeug, sogar Opernmuffel zu Enthusiasten zu bekehren. Der Mindener Rechtsanwalt Klaus-Joachim Riechmann hat erst durch die moderne Oper „Friedrich und Katte“ von Wolfgang Knuth, die der ehemalige Theaterleiter Bertram Schulte zum Stadtjubiläum in Auftrag gegeben hatte, Feuer für das Genre gefangen. „Ich habe vorher Rockmusik der 60er/70er-Jahre gehört“, erzählt er. Die Preußen-Oper hat er sich dann trotzdem zwei oder drei Mal angesehen: „Ich fand das hochinteressant.“

Dann kam der „Fliegende Holländer“, den der Mindener Wagner-Verband 2002 als erste Wagner-Oper mit der Nordwestdeutschen Philharmonie, Frank Beermann und dem Stadttheater auf die kleine Bühne brachte. Das Live-Erlebnis hat den Mindener gepackt, die Sänger aus unmittelbarer Nähe zu erleben. „Man wird wie von einem Sog in die Musik hineingezogen“, sagt er.

Der Mindenerin Imina Ibrügger erging es ganz ähnlich. Sie wurde von Freundinnen überredet, „Tannhäuser“ anzusehen. „Meine Mutter liebte Wagner“, sagt sie. Sie selber habe als 68-erin Wagner abgelehnt, ohne sich mit ihm und seinen Werken beschäftigt zu haben. „Ich habe mir die CD gekauft. Nach dem ersten Hören dachte ich, oh je, das wird ja schön.“ Sie gab aber nicht sofort auf. „Beim dritten Mal hören, entdeckte ich die Schönheiten.“ Nach der Premiere hat sie dann glatt noch eine zweite Vorstellung besucht. Bei „Lohengrin“ lief es ähnlich. Über die CD fand sie zuerst keinen Zugang. „Inzwischen ist das meine Lieblingsoper.“ Von „Tristan und Isolde“ hat sie in Minden jede Vorstellung besucht. Und zu den vier „Ring“-Opern hat die pensionierte Direktorin der Grundschule Minderheide neben sämtlichen Vorstellungen auch noch etliche Proben besucht. „Die Nähe ist die große Faszination“, sagt auch sie. In Paris habe sie einmal Anna Netrebko gehört. „Die war so weit weg, dass ich sie nur anhand ihrer Stimme erkannt habe.“

Lieblingsoper von Imina Ibrügger ist "Lohengrin".
Lieblingsoper von Imina Ibrügger ist "Lohengrin".

Riechmann nennt „Tristan und Isolde“ seine Lieblingsoper. Die hat er inzwischen an vielen Orten gesehen, ebenso wie Lohengrin. Aber die Mindener Inszenierung von Andreas von Stegmann hat ihn am meisten beeindruckt, wegen der „großartigen Lichtregie und den herausragenden Sängern Dara Hobbs und Andreas Schager“. Riechmann wechselt von Aufführung zu Aufführung seinen Platz im Theater. Die Premiere schaut er zusammen mit seiner Frau immer in der ersten Reihe. „Die Nähe zu den Sänger bekommt man sonst nirgends.“ Das Musikerlebnis sei allerdings im zweiten Rang besonders klar. Er sehe allerdings auch gerne, wie die Musik im Orchester entsteht. Seit dem „Ring“ ist er auch ein Fan von Thomas Mohr. „Er ist der variabelste und beeindruckendste Sänger.“

Auch für Imina Ibrügger können die Bayreuther Inszenierungen nicht mit Minden mithalten. Tannhäuser dort fand sie „entsetzlich“, Tristan „so etwas Tristes, so furchtbar nüchtern“. Ein bis zwei Opern schaut sie jedes Jahr – auch von anderen Komponisten. Als „Wagner-Fan“ würde sie sich nicht bezeichnen. „Ich habe große Hochachtung vor Wagner. Er hat die grundsätzlichen Themen der Menschheit gewählt“, sagt sie. Seit dem „Ring“ gehört sie zu den so genannten „Schlummer-Eltern“. Ihre Einlieger-Wohnung hat sie Frank Beermanns Assistenten Thomas Fohr zur Verfügung gestellt. „Ich freu mich sehr, dass ich einige Dinge aus den Proben erfahre“, sagt die Mindenerin. Zum zweiten Zyklus kommen ihre Schwestern aus Hamburg und Wien zu Besuch, eine Xousine aus Hannover reist ebenso an wie ihr Sohn und ihre Schwiegertochter für „Die Walküre“. „Das wird ein richtiges Familienfest“, freut sich Ibrügger.

„Man hat sich schon daran gewöhnt, dass jeden September Festspielzeit im Bayreuth des Nordens ist“, findet Klaus-Joachim Riechmann. Es würde etwas fehlen, wenn es das in Zukunft nicht mehr geben würde.

Die Autorin ist erreichbarunter (05 71) 882 170 oder Ursula.Koch@MT.de

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