Minden

Der Ring zum „Ring“ für Jutta Hering-Winckler

Ursula Koch

Bürgermeister Michael Jäcke überreicht den Ehrenring der Stadt Minden an Dr. Jutta Hering-Winckler.
Bürgermeister Michael Jäcke überreicht den Ehrenring der Stadt Minden an Dr. Jutta Hering-Winckler.

Minden (mt). „Natürlich geht das alles weiter", ist Eva Wagner-Pasquier überzeugt. Die Urenkelin des Komponisten war die Erste, die der Vorsitzenden des Mindener Wagner-Verbandes, Dr. Jutta Hering-Winckler, gestern beim Festakt in der Scala einen Orden anheftete – einen Button mit der Aufschrift „The ring is my thing" (Der Ring ist meine Sache). Es blieb nicht die letzte Auszeichnung an diesem Nachmittag vor der „Rheingold"-Premiere als Auftakt in die zyklische Aufführung von Richard Wagners vierteiligem Mammutwerk „Der Ring des Nibelungen": Bürgermeister Michael Jäcke überraschte die Mindenerin mit dem Ehrenring der Stadt.

Zuvor gab es viel Lob und Dank und es wird immer wieder deutlich, dass hier zwar ein Motor am Werk ist, aber viele Menschen mitgezogen haben. Hering-Winckler selber spricht bescheiden von „unserem kleinen Opernwunder". Keiner hätte je gedacht, „dass wir den Zyklus in Minden genießen können". Richard Wagners Opern-Tetralogie sei allen Beteiligten zu Anfang wie ein riesiger Berg vorgekommen. „Die Strapazen lohnen sich immer, wenn man das Gipfelkreuz erreicht hat", meinte sie und dankte dem Vorstand dafür, dass sie „diesen Spleen mitgetragen haben", den Mitgliedern für die vielen „hilfreichen Gesten", etwa sich als „Schlummer-Eltern" für die Sänger zur Verfügung zu stellen. Den heimischen Unternehmen dankte sie für das tatkräftige Sponsoring, neben der Förderung durch die Kunststiftung NRW und die Bezirksregierung. Sie äußerte aber auch einen dringenden Wunsch, den sie nach der Überreichung des Ehrenrings noch einmal direkt an den Bürgermeister adressierte: Dass die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD) weiter Bestandteil des Mindener Kulturlebens bleibt – auch ohne Wagner.

Einen Göttervater mit lässigem Gestus stellt Reantus Mészár als Wotan in der „Rheingold“-Inszenierung von Gerd Heinz dar. MT-Fotos: Alex Lehn - © Lehn,Alexander
Einen Göttervater mit lässigem Gestus stellt Reantus Mészár als Wotan in der „Rheingold“-Inszenierung von Gerd Heinz dar. MT-Fotos: Alex Lehn (© Lehn,Alexander)

NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, strich heraus, wie besonders die Aufführung des „Rings" in einer Stadt wie Minden, deren Theater nicht über ein eigenes Ensemble verfügt, ist. Für viele „normale Stadttheater" sei schon die Aufführung einer Wagner-Oper undenkbar, strich NRW-Kulturminsterin Isabel Pfeiffer-Poensgen die Besonderheit der Mindener „Ring"-Aufführung heraus. Der hiesige Wagner-Verband sei „weltweit der einzige, der sich traut, so etwas zu realisieren". Und: „Der Ring toppt alles, was sie vorher auf die Beine gestellt haben." Sie sprach das „Mindener Modell" an, das aus der Not geboren wurde, weil ein Wagner-Orchester einfach nicht in den kleinen Orchestergraben des Stadttheaters passt. Daher sitzen die Musiker der Nordwestdeutschen Philharmonie seit der ersten Mindener Wagner-Inszenierung des „Fliegenden Holländers" 2002 auf der Bühne, die Sänger agieren vor dem Bühnenportal. „Sie können stolz sein auf ihr Orchester", sagte die Ministerin über die NWD, die als eines von drei Landesorchestern auch ihr Orchester ist.

Pfeiffer-Poensgen hob das „außerordentliche bürgerschaftliche Engagement" hervor, ohne dass es die Mindener Festspiele nicht geben würde. „Sie beweisen, was Menschen erreichen können, wenn sie sich gemeinsam auf den Weg machen."

Bürgermeister Michael Jäcke sprach von einem „Ereignis, das es in dieser Region so noch nicht gab und welches es in einem Programmtheater bundesweit ebenfalls noch nicht gab." Auch er stellte in seinem Dank die Gemeinschaftsleistung von Wagner-Verband, der Nordwestdeutschen Philharmonie sowie dem Team des Stadttheaters heraus. Aber ohne Jutta Hering-Winckler „gäbe es keine Wagner-Opern als Eigenproduktionen in Minden. Und ohne Sie gäbe es erst recht nicht den „Ring" in unserer 84.000-Einwohner-Stadt." Sie habe „das Unmögliche möglich gemacht".

Seit sie 1999 den Vorsitz des Wagner-Verbandes übernommen habe, hätte sie viel bewegt. Jäcke verwies auf die vorangegangenen Wagner-Produktionen mit dem „Fliegenden Holländer" (2002) zum 90-jährigen Bestehen des Verbandes, „Tannhäuser" (2005), „Lohengrin" (2009) und „Tristan und Isolde" (2012).

Das „musste eigentlich zwangsläufig den „Ring" nach sich ziehen". Auch der Bürgermeister betont im gleichen Atemzug, welchen Kraftakt das für alle Beteiligten bedeutet. Das ehrenamtliche Engagement, das darin stecke, sei „unbezahlbar und unendlich wertvoll".

Mit großer Mehrheit habe der Rat der Stadt am 11. Juli in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, Jutta Hering-Winckler den Ehrenring der Stadt Minden zu verleihen. „Durch Ihren langjährigen, ehrenamtlichen und unermüdlichen Einsatz haben Sie das Ansehen der Stadt Minden in außergewöhnlicher und beispielhafter Weise erhöht." Ihr sei es gelungen, „hochwertige und auch deutschlandweit beachtete Opernereignisse in Minden zu realisieren". Den Ehrenring habe die Stadt seit 1963 erst 27 Mal vergeben – zuletzt 2016 an den Gründer des Amateur-Kabaretts „Mindener Stichlinge", Birger Hausmann.

„Das Lob habe ich nicht alleine verdient. Es müssten etwa 400 Ringe geschmiedet werden", dankte Hering-Winckler in der ihr eigenen Bescheidenheit, fügte dann aber doch noch einen Wunsch hinzu: Ich möchte einmal mit Ilse Finkeldey beim Freischießen in einer Kutsche durch die Stadt gefahren werden.

Aufführungstermine

Der Zyklus I startete gestern mit „Rheingold", „Die Walküre" folgt am 15. September, „Siegfried" am 19. September und endet am 22. September mit der „Götterdämmerung".

Der Zyklus II wird gespielt am 26. und 29. September, 3. und 6. Oktober.

Auch für einzelne Aufführungen gibt es noch einige Karten
. An den Aufführungstagen hält Hans Martin Gräbner jeweils um 11 Uhr einen Einführungsvortrag im Ratsgymnasium.

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MindenDer Ring zum „Ring“ für Jutta Hering-WincklerUrsula KochMinden (mt). „Natürlich geht das alles weiter", ist Eva Wagner-Pasquier überzeugt. Die Urenkelin des Komponisten war die Erste, die der Vorsitzenden des Mindener Wagner-Verbandes, Dr. Jutta Hering-Winckler, gestern beim Festakt in der Scala einen Orden anheftete – einen Button mit der Aufschrift „The ring is my thing" (Der Ring ist meine Sache). Es blieb nicht die letzte Auszeichnung an diesem Nachmittag vor der „Rheingold"-Premiere als Auftakt in die zyklische Aufführung von Richard Wagners vierteiligem Mammutwerk „Der Ring des Nibelungen": Bürgermeister Michael Jäcke überraschte die Mindenerin mit dem Ehrenring der Stadt. Zuvor gab es viel Lob und Dank und es wird immer wieder deutlich, dass hier zwar ein Motor am Werk ist, aber viele Menschen mitgezogen haben. Hering-Winckler selber spricht bescheiden von „unserem kleinen Opernwunder". Keiner hätte je gedacht, „dass wir den Zyklus in Minden genießen können". Richard Wagners Opern-Tetralogie sei allen Beteiligten zu Anfang wie ein riesiger Berg vorgekommen. „Die Strapazen lohnen sich immer, wenn man das Gipfelkreuz erreicht hat", meinte sie und dankte dem Vorstand dafür, dass sie „diesen Spleen mitgetragen haben", den Mitgliedern für die vielen „hilfreichen Gesten", etwa sich als „Schlummer-Eltern" für die Sänger zur Verfügung zu stellen. Den heimischen Unternehmen dankte sie für das tatkräftige Sponsoring, neben der Förderung durch die Kunststiftung NRW und die Bezirksregierung. Sie äußerte aber auch einen dringenden Wunsch, den sie nach der Überreichung des Ehrenrings noch einmal direkt an den Bürgermeister adressierte: Dass die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD) weiter Bestandteil des Mindener Kulturlebens bleibt – auch ohne Wagner. NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, strich heraus, wie besonders die Aufführung des „Rings" in einer Stadt wie Minden, deren Theater nicht über ein eigenes Ensemble verfügt, ist. Für viele „normale Stadttheater" sei schon die Aufführung einer Wagner-Oper undenkbar, strich NRW-Kulturminsterin Isabel Pfeiffer-Poensgen die Besonderheit der Mindener „Ring"-Aufführung heraus. Der hiesige Wagner-Verband sei „weltweit der einzige, der sich traut, so etwas zu realisieren". Und: „Der Ring toppt alles, was sie vorher auf die Beine gestellt haben." Sie sprach das „Mindener Modell" an, das aus der Not geboren wurde, weil ein Wagner-Orchester einfach nicht in den kleinen Orchestergraben des Stadttheaters passt. Daher sitzen die Musiker der Nordwestdeutschen Philharmonie seit der ersten Mindener Wagner-Inszenierung des „Fliegenden Holländers" 2002 auf der Bühne, die Sänger agieren vor dem Bühnenportal. „Sie können stolz sein auf ihr Orchester", sagte die Ministerin über die NWD, die als eines von drei Landesorchestern auch ihr Orchester ist. Pfeiffer-Poensgen hob das „außerordentliche bürgerschaftliche Engagement" hervor, ohne dass es die Mindener Festspiele nicht geben würde. „Sie beweisen, was Menschen erreichen können, wenn sie sich gemeinsam auf den Weg machen." Bürgermeister Michael Jäcke sprach von einem „Ereignis, das es in dieser Region so noch nicht gab und welches es in einem Programmtheater bundesweit ebenfalls noch nicht gab." Auch er stellte in seinem Dank die Gemeinschaftsleistung von Wagner-Verband, der Nordwestdeutschen Philharmonie sowie dem Team des Stadttheaters heraus. Aber ohne Jutta Hering-Winckler „gäbe es keine Wagner-Opern als Eigenproduktionen in Minden. Und ohne Sie gäbe es erst recht nicht den „Ring" in unserer 84.000-Einwohner-Stadt." Sie habe „das Unmögliche möglich gemacht". Seit sie 1999 den Vorsitz des Wagner-Verbandes übernommen habe, hätte sie viel bewegt. Jäcke verwies auf die vorangegangenen Wagner-Produktionen mit dem „Fliegenden Holländer" (2002) zum 90-jährigen Bestehen des Verbandes, „Tannhäuser" (2005), „Lohengrin" (2009) und „Tristan und Isolde" (2012). Das „musste eigentlich zwangsläufig den „Ring" nach sich ziehen". Auch der Bürgermeister betont im gleichen Atemzug, welchen Kraftakt das für alle Beteiligten bedeutet. Das ehrenamtliche Engagement, das darin stecke, sei „unbezahlbar und unendlich wertvoll". Mit großer Mehrheit habe der Rat der Stadt am 11. Juli in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, Jutta Hering-Winckler den Ehrenring der Stadt Minden zu verleihen. „Durch Ihren langjährigen, ehrenamtlichen und unermüdlichen Einsatz haben Sie das Ansehen der Stadt Minden in außergewöhnlicher und beispielhafter Weise erhöht." Ihr sei es gelungen, „hochwertige und auch deutschlandweit beachtete Opernereignisse in Minden zu realisieren". Den Ehrenring habe die Stadt seit 1963 erst 27 Mal vergeben – zuletzt 2016 an den Gründer des Amateur-Kabaretts „Mindener Stichlinge", Birger Hausmann. „Das Lob habe ich nicht alleine verdient. Es müssten etwa 400 Ringe geschmiedet werden", dankte Hering-Winckler in der ihr eigenen Bescheidenheit, fügte dann aber doch noch einen Wunsch hinzu: Ich möchte einmal mit Ilse Finkeldey beim Freischießen in einer Kutsche durch die Stadt gefahren werden. AufführungstermineDer Zyklus I startete gestern mit „Rheingold", „Die Walküre" folgt am 15. September, „Siegfried" am 19. September und endet am 22. September mit der „Götterdämmerung".
Der Zyklus II wird gespielt am 26. und 29. September, 3. und 6. Oktober.
Auch für einzelne Aufführungen gibt es noch einige Karten
. An den Aufführungstagen hält Hans Martin Gräbner jeweils um 11 Uhr einen Einführungsvortrag im Ratsgymnasium.