Minden

Tenor Thomas Mohr wagt beim "Ring des Nibelungen" den vierteiligen Kraftakt

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Generalprobe der Mindener Inszenierung der Wagner-Oper „Rheingold“ im Stadttheater. Foto: Lehn - © Lehn,Alexander
Generalprobe der Mindener Inszenierung der Wagner-Oper „Rheingold“ im Stadttheater. Foto: Lehn (© Lehn,Alexander)

Minden (mt/och). Ein ambitionierter Plan ist aufgegangen: In Minden startete gestern die zyklische Aufführung von Richard Wagners Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen". Selbst vor fünf Jahren, als Wagner-Verband, Stadttheater und Nordwestdeutsche Philharmonie das Projekt planten, war der Zyklus noch mehr eine Idee, ein ehrgeiziges Ziel, das die Partner zwar fest im Blick hatten, aber von dem sie nicht sicher waren, ob sie es stemmen könnten. Sie können, das ist fast schon selbstverständlich und doch die Sensation – an einem Theater ohne eigenes Ensemble, mit wenigen Technikern, finanziert überwiegend aus privaten Spenden.

Und das künstlerische Ergebnis kann sich sehen lassen. Dafür sorgen von Anfang an Frank Beermann mit der Nordwestdeutschen Philharmonie, dem Sinfonieorchester, das sich seit 2002 immer wieder auch als hervorragendes Opernorchester erweist. Regisseur Gerd Heinz ist ein Altmeister seiner Zunft, der den Dramatiker Wagner beim Wort nimmt, seine Interpretation konsequent dem Werk unterordnet. Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlössmann ist auf das Nötigste reduziert, aber doch sehr wandlungsfähig, vor allem in Einheit mit der Videogestaltung von Matthias Lippert.

Erstaunlich auch: Gegenüber der Rheingold-Premiere vor vier Jahren sind nur vier neue Sängerinnen und Sänger dabei. Alle übrigen zehn Rollen sind in der Besetzung konstant geblieben. Renatus Mészár gestaltet weiterhin den Göttervater Wotan, Heiko Trinsinger singt den hassgetriebenen Alberich, Kathrin Göring die Fricka, Tijl Faveyts den Riesen Fasolt, Julia Bauer dei Göttin Freia. Christine Buffle und Tiina Penttinen bilden dieses Mal zusammen mit Ines Lex die Rheintöchter und tauchen dann auch in den weiteren Opern wieder als Walküren und Nornen auf.

Allen voran aber ist der Tenor Thomas Mohr zu nennen. Er überzeugt in den vergangenen vier Jahren in all seinen Rollen, von Loge in „Rheingold" über Siegmund in „Die Walküre" bis zu Siegfried in dem gleichnamigen Werk und in der „Götterdämmerung". Damit stellt er sich unter die wenigen Sänger, die überhaupt alle Tenor-Partien im „Ring" gesungen haben. Dazu zählen Manfred Jung, 1982 als Siegfried mit einem Grammy für die Bayreuther „Ring"-Einspielung von Pierre Boulez ausgezeichnet, oder René Kollo. Der Norddeutsche, Professor an der Hochschule der Künste in Bremen, hat in Minden einen wahren Kraftakt vor sich: Er singt alle vier Partien in elf Tagen.

In seiner Interpretation des wagnerschen Gesamtkunstwerks schlägt Gerd Heinz einen Bogen von der Urzeit, angedeutet mit einem Kostümbild in Grau und archaischen Gesichtsbemalungen, über das Mittelalter und die Industrialisierung bis in eine nahe Zukunft.

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MindenTenor Thomas Mohr wagt beim "Ring des Nibelungen" den vierteiligen KraftaktMinden (mt/och). Ein ambitionierter Plan ist aufgegangen: In Minden startete gestern die zyklische Aufführung von Richard Wagners Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen". Selbst vor fünf Jahren, als Wagner-Verband, Stadttheater und Nordwestdeutsche Philharmonie das Projekt planten, war der Zyklus noch mehr eine Idee, ein ehrgeiziges Ziel, das die Partner zwar fest im Blick hatten, aber von dem sie nicht sicher waren, ob sie es stemmen könnten. Sie können, das ist fast schon selbstverständlich und doch die Sensation – an einem Theater ohne eigenes Ensemble, mit wenigen Technikern, finanziert überwiegend aus privaten Spenden. Und das künstlerische Ergebnis kann sich sehen lassen. Dafür sorgen von Anfang an Frank Beermann mit der Nordwestdeutschen Philharmonie, dem Sinfonieorchester, das sich seit 2002 immer wieder auch als hervorragendes Opernorchester erweist. Regisseur Gerd Heinz ist ein Altmeister seiner Zunft, der den Dramatiker Wagner beim Wort nimmt, seine Interpretation konsequent dem Werk unterordnet. Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlössmann ist auf das Nötigste reduziert, aber doch sehr wandlungsfähig, vor allem in Einheit mit der Videogestaltung von Matthias Lippert. Erstaunlich auch: Gegenüber der Rheingold-Premiere vor vier Jahren sind nur vier neue Sängerinnen und Sänger dabei. Alle übrigen zehn Rollen sind in der Besetzung konstant geblieben. Renatus Mészár gestaltet weiterhin den Göttervater Wotan, Heiko Trinsinger singt den hassgetriebenen Alberich, Kathrin Göring die Fricka, Tijl Faveyts den Riesen Fasolt, Julia Bauer dei Göttin Freia. Christine Buffle und Tiina Penttinen bilden dieses Mal zusammen mit Ines Lex die Rheintöchter und tauchen dann auch in den weiteren Opern wieder als Walküren und Nornen auf. Allen voran aber ist der Tenor Thomas Mohr zu nennen. Er überzeugt in den vergangenen vier Jahren in all seinen Rollen, von Loge in „Rheingold" über Siegmund in „Die Walküre" bis zu Siegfried in dem gleichnamigen Werk und in der „Götterdämmerung". Damit stellt er sich unter die wenigen Sänger, die überhaupt alle Tenor-Partien im „Ring" gesungen haben. Dazu zählen Manfred Jung, 1982 als Siegfried mit einem Grammy für die Bayreuther „Ring"-Einspielung von Pierre Boulez ausgezeichnet, oder René Kollo. Der Norddeutsche, Professor an der Hochschule der Künste in Bremen, hat in Minden einen wahren Kraftakt vor sich: Er singt alle vier Partien in elf Tagen. In seiner Interpretation des wagnerschen Gesamtkunstwerks schlägt Gerd Heinz einen Bogen von der Urzeit, angedeutet mit einem Kostümbild in Grau und archaischen Gesichtsbemalungen, über das Mittelalter und die Industrialisierung bis in eine nahe Zukunft.