Minden

Immer wieder werden an Kitas Spielgeräte zerstört - auf dem Schaden bleiben die Einrichtungen sitzen

Jan Henning Rogge

Minden (mt). Die Täter kamen am Freitagabend gegen 18.30 Uhr, ihr Vorgehen ähnelte dem vorhergehender Attacken: Sie kletterten über den Zaun, schmissen ein Spielschiff um, auf dem mehrere Kinder schaukeln können, zertrümmerten einen Stuhl. Doch diesmal war die Polizei rechtzeitig vor Ort, weil ein Nachbar den Vorfall bemerkt hatte. Mit zwei Streifenwagen rückten die Beamten an, schnitten den Jugendlichen den Fluchtweg ab. Kleinlaut gaben die 13 bis 14-Jährigen zu, auf dem Gelände der der Kita Ernst-Moritz-Arndt-Straße, kurz Kita EMA, randaliert zu haben. Ob es dieselben Täter waren, die schon am 5. Juli und einige Wochen davor hohen Sachschaden angerichtet haben? Das weiß die Kita-Leiterin Gabriele Hüppe nicht.

Pfarrer Thomas Pfuhl und Kita-Leiterin Gabriele Hüppe sind genervt von den Vandalismusschäden. Sie hoffen, dass nun Ruhe einkehrt. MT- - © Foto: Jan Henning Rogge
Pfarrer Thomas Pfuhl und Kita-Leiterin Gabriele Hüppe sind genervt von den Vandalismusschäden. Sie hoffen, dass nun Ruhe einkehrt. MT- (© Foto: Jan Henning Rogge)

Nur wenige Minuten reichten den Unbekannten damals, im Juli, um das mehrere tausend Euro teure große Trampolin im Garten kaputt zu machen. „Eine Kita-Mutter hatte damals Jugendliche gesehen, die das Trampolin auseinandergebrochen haben“, erzählt die Leiterin Gabriele Hüppe. Die Frau blieb stehen und rief die Polizei. Das bemerkten die Jugendlichen und flohen, ohne dass die Zeugin sie genau erkennen konnten. Als die Polizisten an der Kita an der Erlöserkirche um kurz vor 18 Uhr eintrafen, konnten sie nicht mehr tun, als den Fall aufzunehmen.

Erst wenige Wochen vorher hatten Unbekannte hier Kleinholz gemacht: Sie kippten das Spielschiff um, wobei eine Außenwand herausbrach. Sie traten mehrere Bretter eines Spielhauses heraus und zertrümmerten Bänke und Stühle. Auf dem entstandenen Sachschaden in Höhe von rund 1.500 Euro blieb die Kita, die zur St.-Martini-Gemeinde gehört, bislang sitzen: „Vandalismusschäden im Außenbereich deckt die Versicherung nicht ab“, sagt die Leiterin.

So wie ihr geht es auch anderen Kitas und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, die einen Spielplatz haben, egal ob der eingezäunt ist oder nicht – für Vandalismusschäden müssen sie selbst aufkommen. Teurer macht die Reparatur in solchen Fällen, dass es sich um speziell für Kitas zugelassene Spielgeräte handelt, die regelmäßig vom TÜV geprüft werden, um einen möglichst hohen Sicherheitsstandard zu erfüllen. Dabei geht es um Fragen wie die der Statik ebenso, wie um Klemm- oder Verletzungsgefahren. Deshalb reicht es auch nicht, wenn zum Beispiel Eltern einspringen und ein paar neue Bretter einbauen. „Da hätten wir viele, die das sofort machen würden“, sagt Hüppe. Doch um eine Gefährdung der Kinder zum Beispiel durch falsches Reparaturmaterial auszuschließen, dürfen die Geräte nur von Fachfirmen instand gesetzt werden – was die Kosten zusätzlich in die Höhe treibt.

Fälle wie diesen kennt Polizeipressesprecher Ralf Steinmeyer zur Genüge. Immer wieder werden Einrichtungen für Kinder und Kinderspielplätze Ziel von Zerstörungswut. „Dass ist leider polizeilicher Alltag und reicht von Graffiti bis zu schweren Beschädigungen. In solchen Fällen hat die Polizei leider nur begrenzte Möglichkeiten zu ermitteln“, erklärt er. Erwischen die Beamten die Täter nicht auf frischer Tat oder stehen keine oder unzureichende Beschreibungen der Verdächtigen zur Verfügung, haben sie kaum eine Möglichkeit, die Übeltäter zu fassen. Trotzdem rät Steinmeyer, immer die Polizei zu rufen: „Solche Vorfälle sollten konsequent angezeigt werden, auch um klar zu machen, dass so etwas in keiner Weise geduldet wird oder ein Kavaliersdelikt ist.“

Das bei den Kita-Kindern sehr beliebte Trampolin musste nach der Attacke abgebaut werden, da die Ersatzteil eine monatelange Lieferfrist haben. In diesem Jahr wird das Spielgerät vermutlich nicht mehr aufgebaut. Neben dem Verzicht haben die Kinder der Kita aber auch anderweitig unter der Aktion der Unbekannten zu leiden: Alle Reparaturen müssen aus dem laufenden Etat bezahlt werden. „Wir hätten das Geld für andere Dinge gut gebrauchen können“, sagt die Leiterin.

Ob die nun gefassten Jugendlichen auch für die vorausgegangenen Fälle verantwortlich sind, muss sich nun herausstellen. Fest steht: „Wenn wir jemanden erwischen, kommt auf denjenigen nicht nur eine Strafanzeige zu, sondern auch die Regressansprüche“, sagt Steinmeyer. Die Kitaangehörigen hoffen auf jeden Fall, nun erstmal Ruhe zu haben – denn eine vernünftige Lösung, dem Problem Herr zu werden, hatte dort niemand. „Was sollen wir denn machen?“, fragt Hüppe, „einen 2,10 Meter hohen Zaun bauen? Ich möchte mit dem Kindern doch nicht in einem Käfig sein!“ Auch eine Kameraüberwachung im Gespräch, doch die Kosten hierfür wären hoch und auch von der Kita selbst zu tragen gewesen. Polizeisprecher Steinmeyer rät, sich in solchen Fällen immer mit dem Kommissariat Vorbeugung abzusprechen. „Die Kollegen kommen und beraten kostenlos vor Ort.“ Und sonst gilt: „Lieber einmal zu viel die 110 rufen, als einmal zu wenig.“ Bei der Kita EMA hat das ja gut funktioniert.

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MindenImmer wieder werden an Kitas Spielgeräte zerstört - auf dem Schaden bleiben die Einrichtungen sitzenJan Henning RoggeMinden (mt). Die Täter kamen am Freitagabend gegen 18.30 Uhr, ihr Vorgehen ähnelte dem vorhergehender Attacken: Sie kletterten über den Zaun, schmissen ein Spielschiff um, auf dem mehrere Kinder schaukeln können, zertrümmerten einen Stuhl. Doch diesmal war die Polizei rechtzeitig vor Ort, weil ein Nachbar den Vorfall bemerkt hatte. Mit zwei Streifenwagen rückten die Beamten an, schnitten den Jugendlichen den Fluchtweg ab. Kleinlaut gaben die 13 bis 14-Jährigen zu, auf dem Gelände der der Kita Ernst-Moritz-Arndt-Straße, kurz Kita EMA, randaliert zu haben. Ob es dieselben Täter waren, die schon am 5. Juli und einige Wochen davor hohen Sachschaden angerichtet haben? Das weiß die Kita-Leiterin Gabriele Hüppe nicht. Nur wenige Minuten reichten den Unbekannten damals, im Juli, um das mehrere tausend Euro teure große Trampolin im Garten kaputt zu machen. „Eine Kita-Mutter hatte damals Jugendliche gesehen, die das Trampolin auseinandergebrochen haben“, erzählt die Leiterin Gabriele Hüppe. Die Frau blieb stehen und rief die Polizei. Das bemerkten die Jugendlichen und flohen, ohne dass die Zeugin sie genau erkennen konnten. Als die Polizisten an der Kita an der Erlöserkirche um kurz vor 18 Uhr eintrafen, konnten sie nicht mehr tun, als den Fall aufzunehmen. Erst wenige Wochen vorher hatten Unbekannte hier Kleinholz gemacht: Sie kippten das Spielschiff um, wobei eine Außenwand herausbrach. Sie traten mehrere Bretter eines Spielhauses heraus und zertrümmerten Bänke und Stühle. Auf dem entstandenen Sachschaden in Höhe von rund 1.500 Euro blieb die Kita, die zur St.-Martini-Gemeinde gehört, bislang sitzen: „Vandalismusschäden im Außenbereich deckt die Versicherung nicht ab“, sagt die Leiterin. So wie ihr geht es auch anderen Kitas und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, die einen Spielplatz haben, egal ob der eingezäunt ist oder nicht – für Vandalismusschäden müssen sie selbst aufkommen. Teurer macht die Reparatur in solchen Fällen, dass es sich um speziell für Kitas zugelassene Spielgeräte handelt, die regelmäßig vom TÜV geprüft werden, um einen möglichst hohen Sicherheitsstandard zu erfüllen. Dabei geht es um Fragen wie die der Statik ebenso, wie um Klemm- oder Verletzungsgefahren. Deshalb reicht es auch nicht, wenn zum Beispiel Eltern einspringen und ein paar neue Bretter einbauen. „Da hätten wir viele, die das sofort machen würden“, sagt Hüppe. Doch um eine Gefährdung der Kinder zum Beispiel durch falsches Reparaturmaterial auszuschließen, dürfen die Geräte nur von Fachfirmen instand gesetzt werden – was die Kosten zusätzlich in die Höhe treibt. Fälle wie diesen kennt Polizeipressesprecher Ralf Steinmeyer zur Genüge. Immer wieder werden Einrichtungen für Kinder und Kinderspielplätze Ziel von Zerstörungswut. „Dass ist leider polizeilicher Alltag und reicht von Graffiti bis zu schweren Beschädigungen. In solchen Fällen hat die Polizei leider nur begrenzte Möglichkeiten zu ermitteln“, erklärt er. Erwischen die Beamten die Täter nicht auf frischer Tat oder stehen keine oder unzureichende Beschreibungen der Verdächtigen zur Verfügung, haben sie kaum eine Möglichkeit, die Übeltäter zu fassen. Trotzdem rät Steinmeyer, immer die Polizei zu rufen: „Solche Vorfälle sollten konsequent angezeigt werden, auch um klar zu machen, dass so etwas in keiner Weise geduldet wird oder ein Kavaliersdelikt ist.“ Das bei den Kita-Kindern sehr beliebte Trampolin musste nach der Attacke abgebaut werden, da die Ersatzteil eine monatelange Lieferfrist haben. In diesem Jahr wird das Spielgerät vermutlich nicht mehr aufgebaut. Neben dem Verzicht haben die Kinder der Kita aber auch anderweitig unter der Aktion der Unbekannten zu leiden: Alle Reparaturen müssen aus dem laufenden Etat bezahlt werden. „Wir hätten das Geld für andere Dinge gut gebrauchen können“, sagt die Leiterin. Ob die nun gefassten Jugendlichen auch für die vorausgegangenen Fälle verantwortlich sind, muss sich nun herausstellen. Fest steht: „Wenn wir jemanden erwischen, kommt auf denjenigen nicht nur eine Strafanzeige zu, sondern auch die Regressansprüche“, sagt Steinmeyer. Die Kitaangehörigen hoffen auf jeden Fall, nun erstmal Ruhe zu haben – denn eine vernünftige Lösung, dem Problem Herr zu werden, hatte dort niemand. „Was sollen wir denn machen?“, fragt Hüppe, „einen 2,10 Meter hohen Zaun bauen? Ich möchte mit dem Kindern doch nicht in einem Käfig sein!“ Auch eine Kameraüberwachung im Gespräch, doch die Kosten hierfür wären hoch und auch von der Kita selbst zu tragen gewesen. Polizeisprecher Steinmeyer rät, sich in solchen Fällen immer mit dem Kommissariat Vorbeugung abzusprechen. „Die Kollegen kommen und beraten kostenlos vor Ort.“ Und sonst gilt: „Lieber einmal zu viel die 110 rufen, als einmal zu wenig.“ Bei der Kita EMA hat das ja gut funktioniert.