Minden

Feld- und Wühlmäuse machen Landwirten und Hobbygärtnern zu schaffen

nna Strathmeier, Cynthia Pfaffhausen un und Ingrun Waschneck

Die kleinen Nager durchlöchern die Erde und fressen den Bauern ihr Saatgut weg. Foto: Peter Steffen/dpa - © Peter Steffen
Die kleinen Nager durchlöchern die Erde und fressen den Bauern ihr Saatgut weg. Foto: Peter Steffen/dpa (© Peter Steffen)

Minden (mt/nw). Der Garten – Stolz eines jeden Hausbesitzers. Doch zurzeit sind viele Hobbygärtner verärgert, wenn sie ihr Refugium sehen. Keine grünen Wiesen, keine blühenden Pflanzen mehr. Stattdessen ist die Erde durchlöchert, die Pflanzen vertrocknet und das liebevoll angepflanzte Gemüse zerfressen.

Vor allem für Landwirte sind sie eine wahre Plage: Mäuse. Sie fressen Saatgut, knabbern Pflanzen und Rüben an und richtig zu vertreiben sind sie auch nicht. „Im Moment ist es ganz schlimm“, sagt Lutz Borcherding von dem Agrarhandel Raiffeisen-Markt Häverstädt. Er hat viele Kunden, die mit den kleinen Tieren zu kämpfen haben.

Dabei sind es im Grunde zwei verschiedene Plagen, die Gärtnern und Landwirten zu schaffen machen. „Die Mäuse, über die Privatpersonen klagen, sind meistens Wühlmäuse“, klärt Borcherding auf. Diese sind größer und haben einen längeren Schwanz als Feldmäuse. Außerdem sind sie gut durch die aufgewühlte Erde am Eingang ihrer Gänge zu erkennen. Im Gegensatz zu Feldmäusen fressen sie hauptsächlich Wurzeln von Pflanzen unterhalb der Erde an, wodurch Pflanzen trotz regelmäßigen Gießens vertrocknen.

Zur Bekämpfung der Feldmäuse hält Borcherding sogenannten Giftweizen für die Landwirte bereit. Dieser wird mithilfe einer „Legeflinte“ in den Löchern der Feldmäuse freigesetzt. Wenn die Tiere diesen dann essen, sterben sie und bleiben tot in den Löchern liegen. Der Giftweizen ist aber nur für Landwirte zugelassen, diese brauchen eine bestimmte Karte dafür. Für Privatpersonen oder Kleingartenvereine ist es fast unmöglich, an chemische Mittel gegen die kleinen Plagegeister zu kommen.

In den Baumärkten gibt es Köder gegen Hausmäuse. Diese können auch gegen Wühlmäuse eingesetzt werden, sind jedoch nicht dafür gedacht und erzielen somit nicht immer die gewünschte Wirkung. Grund dafür ist, dass die Mäuse aktuell ein großes Nahrungsangebot haben und die Köder gar nicht fressen, sondern in ihre Lager bringen. Dort verlieren sie durch die Feuchtigkeit ihre Wirkung. Somit bleibt dem Otto Normalverbraucher nur die natürliche Methode, um seinen Garten und die Pflanzen zu schützen. „Wir machen möglichst viel Lärm und stecken Flaschen und Stöcker in die Wühlmauslöcher“, berichtet Frau Reinhard vom Kleingartenverein Bärenkämpen.

Diese Mittel sind umweltfreundlicher als chemische Köder, da deren Gift unter Umständen auch den eigenen Haustieren oder Kindern, die im Garten spielen, schaden könnte. Auch Raubvögel die sich von den vergifteten Mäusen ernähren, können daran verenden. „Für Haus- und Kleingarten ist der chemische Einsatz nicht zu empfehlen“, sagt Henning Ehlers von der Landwirtschaftskammer, Kreisstelle Minden-Lübbecke. Den gewünschten Effekt erzielen Hausmittel jedoch auch nicht. „Es ist eine Welle, die man nicht stoppen kann, man kann nur damit leben“, meint Ehlers.

Aber warum ist die Mäusepopulation gerade dieses Jahr so hoch? „Für Feldmäuse herrschen super Bedingungen“, erklärt Ehlers. „Das vergangene Jahr war trocken, der Winter mild und auch dieses Jahr war heiß und trocken“, so der Agraringenieur. Das sind die optimalen Bedingungen für die Fortpflanzung. Schon im Alter von 14 Tagen können die weiblichen Nachkommen trächtig werden. Ehlers sagt, dass die Tiere auch ohne Regen genügend Wasser durch ihre Nahrung aufnehmen.

„In den Gärten ist es eher ein optisches Problem, doch die Landwirte erleiden durch die Nager durchaus einen ökonomischen Schaden“, betont Ehlers. So auch auf den Getreidefeldern von Landwirt Torsten Lange aus Pr. Oldendorf-Getmold. „Die Mäuse haben stellenweise wohl die Saat gefressen, so dass sich kahle Stellen gebildet haben“, berichtet er. Abhilfe kann erst eine sogenannte „tiefe Stoppelbearbeitung“ schaffen. Dabei werden die Felder 30 bis 35 Zentimeter tief umgepflügt. Dadurch würden Gänge, Nester und Vorratskammern zerstört, erklärt Ehlers.

Doch diese Methode hilft den Gartenbesitzern auch nicht. „Die hohe Mäusepopulation in diesem Jahr ist Teil der Natur“, sagt Ehlers. Es sei abzuwarten, wie es im nächstem Jahr aussieht.

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MindenFeld- und Wühlmäuse machen Landwirten und Hobbygärtnern zu schaffenIngrun Waschneck,Cynthia Pfaffhausen un,nna StrathmeierMinden (mt/nw). Der Garten – Stolz eines jeden Hausbesitzers. Doch zurzeit sind viele Hobbygärtner verärgert, wenn sie ihr Refugium sehen. Keine grünen Wiesen, keine blühenden Pflanzen mehr. Stattdessen ist die Erde durchlöchert, die Pflanzen vertrocknet und das liebevoll angepflanzte Gemüse zerfressen. Vor allem für Landwirte sind sie eine wahre Plage: Mäuse. Sie fressen Saatgut, knabbern Pflanzen und Rüben an und richtig zu vertreiben sind sie auch nicht. „Im Moment ist es ganz schlimm“, sagt Lutz Borcherding von dem Agrarhandel Raiffeisen-Markt Häverstädt. Er hat viele Kunden, die mit den kleinen Tieren zu kämpfen haben. Dabei sind es im Grunde zwei verschiedene Plagen, die Gärtnern und Landwirten zu schaffen machen. „Die Mäuse, über die Privatpersonen klagen, sind meistens Wühlmäuse“, klärt Borcherding auf. Diese sind größer und haben einen längeren Schwanz als Feldmäuse. Außerdem sind sie gut durch die aufgewühlte Erde am Eingang ihrer Gänge zu erkennen. Im Gegensatz zu Feldmäusen fressen sie hauptsächlich Wurzeln von Pflanzen unterhalb der Erde an, wodurch Pflanzen trotz regelmäßigen Gießens vertrocknen. Zur Bekämpfung der Feldmäuse hält Borcherding sogenannten Giftweizen für die Landwirte bereit. Dieser wird mithilfe einer „Legeflinte“ in den Löchern der Feldmäuse freigesetzt. Wenn die Tiere diesen dann essen, sterben sie und bleiben tot in den Löchern liegen. Der Giftweizen ist aber nur für Landwirte zugelassen, diese brauchen eine bestimmte Karte dafür. Für Privatpersonen oder Kleingartenvereine ist es fast unmöglich, an chemische Mittel gegen die kleinen Plagegeister zu kommen. In den Baumärkten gibt es Köder gegen Hausmäuse. Diese können auch gegen Wühlmäuse eingesetzt werden, sind jedoch nicht dafür gedacht und erzielen somit nicht immer die gewünschte Wirkung. Grund dafür ist, dass die Mäuse aktuell ein großes Nahrungsangebot haben und die Köder gar nicht fressen, sondern in ihre Lager bringen. Dort verlieren sie durch die Feuchtigkeit ihre Wirkung. Somit bleibt dem Otto Normalverbraucher nur die natürliche Methode, um seinen Garten und die Pflanzen zu schützen. „Wir machen möglichst viel Lärm und stecken Flaschen und Stöcker in die Wühlmauslöcher“, berichtet Frau Reinhard vom Kleingartenverein Bärenkämpen. Diese Mittel sind umweltfreundlicher als chemische Köder, da deren Gift unter Umständen auch den eigenen Haustieren oder Kindern, die im Garten spielen, schaden könnte. Auch Raubvögel die sich von den vergifteten Mäusen ernähren, können daran verenden. „Für Haus- und Kleingarten ist der chemische Einsatz nicht zu empfehlen“, sagt Henning Ehlers von der Landwirtschaftskammer, Kreisstelle Minden-Lübbecke. Den gewünschten Effekt erzielen Hausmittel jedoch auch nicht. „Es ist eine Welle, die man nicht stoppen kann, man kann nur damit leben“, meint Ehlers. Aber warum ist die Mäusepopulation gerade dieses Jahr so hoch? „Für Feldmäuse herrschen super Bedingungen“, erklärt Ehlers. „Das vergangene Jahr war trocken, der Winter mild und auch dieses Jahr war heiß und trocken“, so der Agraringenieur. Das sind die optimalen Bedingungen für die Fortpflanzung. Schon im Alter von 14 Tagen können die weiblichen Nachkommen trächtig werden. Ehlers sagt, dass die Tiere auch ohne Regen genügend Wasser durch ihre Nahrung aufnehmen. „In den Gärten ist es eher ein optisches Problem, doch die Landwirte erleiden durch die Nager durchaus einen ökonomischen Schaden“, betont Ehlers. So auch auf den Getreidefeldern von Landwirt Torsten Lange aus Pr. Oldendorf-Getmold. „Die Mäuse haben stellenweise wohl die Saat gefressen, so dass sich kahle Stellen gebildet haben“, berichtet er. Abhilfe kann erst eine sogenannte „tiefe Stoppelbearbeitung“ schaffen. Dabei werden die Felder 30 bis 35 Zentimeter tief umgepflügt. Dadurch würden Gänge, Nester und Vorratskammern zerstört, erklärt Ehlers. Doch diese Methode hilft den Gartenbesitzern auch nicht. „Die hohe Mäusepopulation in diesem Jahr ist Teil der Natur“, sagt Ehlers. Es sei abzuwarten, wie es im nächstem Jahr aussieht.