Der Standpunkt: Tiefe Konflikte unter Katholiken - Raum für Versöhnung?

Benjamin Piel

Es gibt Themen, die durchziehen die Bibel. Versöhnung gehört dazu. Das heißt nicht, dass unter Christen das Paradies auf Erden herrscht. Zumindest gibt die Realität wenig Anlass, davon auszugehen. Auch in Minden, wo in dieser Woche offenbar wurde, was für ein tiefer Riss verläuft zwischen reformwilligen und traditionsorientierten Katholiken.

Aber der große Anspruch des christlichen Glaubens könnte eine Hoffnung sein, dass die Katholiken diesem Anspruch gerecht werden wollen und aufeinander zugehen. „Und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander.“ Steht im dritten Kolosserbrief – also!

Bisher ist nicht viel davon Wirklichkeit in der katholischen Gemeinde. Im Gegenteil: Da trauten sich einige Frauen nicht, öffentlich Position zu beziehen. Die Lokalredaktion musste Quellenschutz zusichern. Unterschiedlicher Meinung zu sein und zu bleiben, geht vollkommen in Ordnung. Wo Menschen aber Angst haben müssen, zu sprechen, da läuft etwas schief – ganz gleich, worum es geht.

Es ist gut, dass die Zeit des Schweigens vorbei ist. Zwei Frauen beziehen auf der MT-Leserbriefseite in der Samstagsausgabe (Seite 9) Stellung. Sie stehen zu ihrer Sicht auf die Dinge und zwar mit ihrem vollen Namen. Eine von ihnen schreibt: „Wenn mich Freunde fragen, wie es sein kann, dass ich immer noch zu Sonntagsgottesdiensten gehe, antworte ich, dass ich keinem Menschen die Macht gebe, mich vom Glauben abzubringen.“ Das zu sagen, ist ein wichtiger erster Schritt. Die Gemeindeleitung sollte es nicht als Angriff werten, sondern als Mut, die inneren Nöte offen und öffentlich zu benennen. Das verdient Respekt – und keine Abwehr.

„Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet.“ Das ist auch so ein biblischer Satz. Für die Mindener Katholiken könnte er ein guter Grundsatz für kommende Zeiten sein.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

5 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Der Standpunkt: Tiefe Konflikte unter Katholiken - Raum für Versöhnung?Benjamin PielEs gibt Themen, die durchziehen die Bibel. Versöhnung gehört dazu. Das heißt nicht, dass unter Christen das Paradies auf Erden herrscht. Zumindest gibt die Realität wenig Anlass, davon auszugehen. Auch in Minden, wo in dieser Woche offenbar wurde, was für ein tiefer Riss verläuft zwischen reformwilligen und traditionsorientierten Katholiken. Aber der große Anspruch des christlichen Glaubens könnte eine Hoffnung sein, dass die Katholiken diesem Anspruch gerecht werden wollen und aufeinander zugehen. „Und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander.“ Steht im dritten Kolosserbrief – also! Bisher ist nicht viel davon Wirklichkeit in der katholischen Gemeinde. Im Gegenteil: Da trauten sich einige Frauen nicht, öffentlich Position zu beziehen. Die Lokalredaktion musste Quellenschutz zusichern. Unterschiedlicher Meinung zu sein und zu bleiben, geht vollkommen in Ordnung. Wo Menschen aber Angst haben müssen, zu sprechen, da läuft etwas schief – ganz gleich, worum es geht. Es ist gut, dass die Zeit des Schweigens vorbei ist. Zwei Frauen beziehen auf der MT-Leserbriefseite in der Samstagsausgabe (Seite 9) Stellung. Sie stehen zu ihrer Sicht auf die Dinge und zwar mit ihrem vollen Namen. Eine von ihnen schreibt: „Wenn mich Freunde fragen, wie es sein kann, dass ich immer noch zu Sonntagsgottesdiensten gehe, antworte ich, dass ich keinem Menschen die Macht gebe, mich vom Glauben abzubringen.“ Das zu sagen, ist ein wichtiger erster Schritt. Die Gemeindeleitung sollte es nicht als Angriff werten, sondern als Mut, die inneren Nöte offen und öffentlich zu benennen. Das verdient Respekt – und keine Abwehr. „Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet.“ Das ist auch so ein biblischer Satz. Für die Mindener Katholiken könnte er ein guter Grundsatz für kommende Zeiten sein.