Minden

„Geht der Alarm los, funktionierst du nur noch“ - Positives Fazit nach Feuerwehrübung

Carsten Korfesmeyer

Dennis Südmeier und seine Kollegen regeln im Einsatzwagen die Kommunikation. Auf einem Monitor ist beispielsweise eine Karte des Einsatzgebietes zu sehen. MT- - © Foto: Carsten Korfesmeyer
Dennis Südmeier und seine Kollegen regeln im Einsatzwagen die Kommunikation. Auf einem Monitor ist beispielsweise eine Karte des Einsatzgebietes zu sehen. MT- (© Foto: Carsten Korfesmeyer)

Minden (mt). Keine zehn Minuten sind seit der Alarmierung vergangen, da trifft das erste Feuerwehrauto auch schon am Waldrand in Luttern ein. Dass es sich um eine Großübung handelt, erfahren die Löschgruppenmitglieder aus Haddenhausen erst jetzt. Das senkt zwar den Stresslevel, ändert aber nichts am gestellten Auftrag. Büsche, Sträucher und Bäume brennen lichterloh – wenn auch nur laut Einsatzplan.

Es läuft wie am Schnürchen. Schläuche rollen und die Handgriffe sitzen. Noch vor sechs Uhr schießt das Wasser aus den Strahlrohren. Und inzwischen treffen auch die ebenfalls alarmierten Feuerwehrleute aus Hahlen, Bölhorst, Häverstädt, Dützen, Stemmer und der Stadtmitte ein. Rund 70 Kräfte verteilen sich auf dem Gelände und mehrere Anwohner stehen vor ihren Häusern. Blaulicht und Sirene hat viele Haddenhauser aufgeschreckt.

Feuerwehrübung in Haddenhausen

Weil die Waldbrandgefahr durch die lange Trockenheit hoch ist, ist das simulierte Szenario höchst aktuell. Einsatzleiter Marcus Friedrichs und sein Team wollen allerdings auch die sogenannte Alarmausrückplanung testen. Die legt fest, welche Löschgruppen unter bestimmten Voraussetzungen in einem Gebiet hinzugezogen werden. „Und natürlich wollen wir auch wissen, ob die jeweiligen Arbeitsabläufe funktionieren", sagt Holger Winterberg, der für die Pressearbeit der Freiwilligen Feuerwehr verantwortlich ist. Er weist noch auf eine weitere Herausforderung an diesem Morgen hin, denn: Weil sich der Einsatz in einer Hanglage befindet, verliert das Wasser auf seinem rund 500 Meter langen Weg in den Wald gewaltig an Druck. „Alle zehn Meter ein Bar", sagt er. An den Fahrzeugen müssen die Feuerwehrleute diesen Druckverlust ausgleichen.

Knappes Wasser ist ein weiteres Thema in der Großübung. Bei Flächenbränden des angenommenen Ausmaßes reichen die Hydranten in aller Regel nicht. Deshalb setzt die Feuerwehr auf die Unterstützung aus der Landwirtschaft. So bestehen Kontakte zu bestimmten Landwirten, die in solchen Fällen ihre Güllewagen mit Wasser betanken – und es mit den Traktoren an die Einsatzorte bringen. Thomas Sundermeier und Lennart Johanning sind Samstagfrüh alarmiert worden. Die Haddenhauser haben ihr Wasser vom Hahler Hafen geholt. Bis es in Luttern ankam, ist keine Stunde vergangen.

Viel los ist auch in dem Einsatzleitwagen, in dem speziell geschulte Einsatzkräfte die Kommunikation managen. „Von hier regeln wir die Abläufe", sagt Dennis Südmeier. Dem Unterbrandmeister aus Stemmer und seinen Kollegen steht moderne Technik zur Seite. Auf einem Monitor ist beispielsweise eine Karte des Einsatzgebietes zu sehen. Angrenzende Wohnbebauung oder örtliche Gegebenheiten sind dadurch leicht erkennbar. Südmeier hat wie alle im Wagen nichts von der Übung gewusst. „Geht der Alarm los, funktionierst du nur noch", antwortet er auf die Frage, was ihm als erstes durch den Kopf schoss, als sein Funkempfänger um 5.35 Uhr piepte.

Inzwischen ist es 120 Minuten später und der Flächenbrand allmählich zu Ende gespielt. Die ersten Feuerwehrfahrzeuge rücken bereits ab – und die Schläuche werden wieder zusammengerollt und in den Fahrzeugen verstaut. Einige Mitglieder der Löschgruppen plaudern miteinander. Sie stehen an ihren Feuerwehrautos oder sitzen am Straßenrand. Vielen von ihnen ist die Müdigkeit anzusehen, aber auch eine gewisse Zufriedenheit mit dem, was sie gerade getan haben. „Das hat alles perfekt geklappt", sagt auch Winterberg. Der Waldbrand in Luttern: Im Ernstfall wäre er wohl recht schnell unter Kontrolle gewesen.

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Minden„Geht der Alarm los, funktionierst du nur noch“ - Positives Fazit nach FeuerwehrübungCarsten KorfesmeyerMinden (mt). Keine zehn Minuten sind seit der Alarmierung vergangen, da trifft das erste Feuerwehrauto auch schon am Waldrand in Luttern ein. Dass es sich um eine Großübung handelt, erfahren die Löschgruppenmitglieder aus Haddenhausen erst jetzt. Das senkt zwar den Stresslevel, ändert aber nichts am gestellten Auftrag. Büsche, Sträucher und Bäume brennen lichterloh – wenn auch nur laut Einsatzplan. Es läuft wie am Schnürchen. Schläuche rollen und die Handgriffe sitzen. Noch vor sechs Uhr schießt das Wasser aus den Strahlrohren. Und inzwischen treffen auch die ebenfalls alarmierten Feuerwehrleute aus Hahlen, Bölhorst, Häverstädt, Dützen, Stemmer und der Stadtmitte ein. Rund 70 Kräfte verteilen sich auf dem Gelände und mehrere Anwohner stehen vor ihren Häusern. Blaulicht und Sirene hat viele Haddenhauser aufgeschreckt. Weil die Waldbrandgefahr durch die lange Trockenheit hoch ist, ist das simulierte Szenario höchst aktuell. Einsatzleiter Marcus Friedrichs und sein Team wollen allerdings auch die sogenannte Alarmausrückplanung testen. Die legt fest, welche Löschgruppen unter bestimmten Voraussetzungen in einem Gebiet hinzugezogen werden. „Und natürlich wollen wir auch wissen, ob die jeweiligen Arbeitsabläufe funktionieren", sagt Holger Winterberg, der für die Pressearbeit der Freiwilligen Feuerwehr verantwortlich ist. Er weist noch auf eine weitere Herausforderung an diesem Morgen hin, denn: Weil sich der Einsatz in einer Hanglage befindet, verliert das Wasser auf seinem rund 500 Meter langen Weg in den Wald gewaltig an Druck. „Alle zehn Meter ein Bar", sagt er. An den Fahrzeugen müssen die Feuerwehrleute diesen Druckverlust ausgleichen. Knappes Wasser ist ein weiteres Thema in der Großübung. Bei Flächenbränden des angenommenen Ausmaßes reichen die Hydranten in aller Regel nicht. Deshalb setzt die Feuerwehr auf die Unterstützung aus der Landwirtschaft. So bestehen Kontakte zu bestimmten Landwirten, die in solchen Fällen ihre Güllewagen mit Wasser betanken – und es mit den Traktoren an die Einsatzorte bringen. Thomas Sundermeier und Lennart Johanning sind Samstagfrüh alarmiert worden. Die Haddenhauser haben ihr Wasser vom Hahler Hafen geholt. Bis es in Luttern ankam, ist keine Stunde vergangen. Viel los ist auch in dem Einsatzleitwagen, in dem speziell geschulte Einsatzkräfte die Kommunikation managen. „Von hier regeln wir die Abläufe", sagt Dennis Südmeier. Dem Unterbrandmeister aus Stemmer und seinen Kollegen steht moderne Technik zur Seite. Auf einem Monitor ist beispielsweise eine Karte des Einsatzgebietes zu sehen. Angrenzende Wohnbebauung oder örtliche Gegebenheiten sind dadurch leicht erkennbar. Südmeier hat wie alle im Wagen nichts von der Übung gewusst. „Geht der Alarm los, funktionierst du nur noch", antwortet er auf die Frage, was ihm als erstes durch den Kopf schoss, als sein Funkempfänger um 5.35 Uhr piepte. Inzwischen ist es 120 Minuten später und der Flächenbrand allmählich zu Ende gespielt. Die ersten Feuerwehrfahrzeuge rücken bereits ab – und die Schläuche werden wieder zusammengerollt und in den Fahrzeugen verstaut. Einige Mitglieder der Löschgruppen plaudern miteinander. Sie stehen an ihren Feuerwehrautos oder sitzen am Straßenrand. Vielen von ihnen ist die Müdigkeit anzusehen, aber auch eine gewisse Zufriedenheit mit dem, was sie gerade getan haben. „Das hat alles perfekt geklappt", sagt auch Winterberg. Der Waldbrand in Luttern: Im Ernstfall wäre er wohl recht schnell unter Kontrolle gewesen.