Kommentar zu den Mühlenkreiskliniken: OP am offenen Herzen

Thomas Lieske

Es klingt alles so positiv. Mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Personal. Ja, auf den ersten Blick könnte man glatt meinen, bei den Mühlenkreiskliniken ist alles bei bester Gesundheit. Und dann noch ein Neubauprojekt in Bad Oeynhausen, die beiden dortigen Standorte sollen zu einem verschmelzen.

Dabei bluten die alten Wunden noch nach. Ein gescheitertes medizinisches Konzept, eine Chefarzt-Kündigung mit Rolle rückwärts und Vorwürfe an einen Arzt, der angeblich nicht mit Frauen im OP zusammenarbeiten will. Selbst wenn Letzteres nicht stimmen sollte: Es herrscht noch reichlich Unruhe bei den Mühlenkreiskliniken – ein hausgemachtes Problem.

Zahlen geben eben immer nur einen oberflächlichen Eindruck. Interessanter ist, was unter dem Deckmantel von Gewinn, Umsatz und Personalzahlen auf dem Papier geschieht. Das Krankenhaus Lübbecke soll vom Standort Rahden abgekoppelt werden. Stattdessen soll Minden die Regie übernehmen. Damit verbunden ist ein riesiger organisatorischer Akt. In Bad Oeynhausen soll aus zwei Kliniken eine werden – in einem Neubau. Auch das: ein riesiger organisatorischer Akt. Dazu eine große Personaloffensive. Denn auch an den Mühlenkreiskliniken geht der Fachkräftemangel nicht spurlos vorbei. Vielleicht ein vergleichsweise kleiner Akt – aber auch der bindet Ressourcen.

Dabei könnte der Klinikverbund nach allen Unruhen der letzten Monate dringend Bettruhe gebrauchen, um Kraft für das nächste Großprojekt zu sammeln. Stattdessen gehen die Verantwortlichen volles Risiko: Das jetzige Vorgehen gleicht einer OP am offenen Herzen.

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Kommentar zu den Mühlenkreiskliniken: OP am offenen HerzenThomas LieskeEs klingt alles so positiv. Mehr Umsatz, mehr Gewinn, mehr Personal. Ja, auf den ersten Blick könnte man glatt meinen, bei den Mühlenkreiskliniken ist alles bei bester Gesundheit. Und dann noch ein Neubauprojekt in Bad Oeynhausen, die beiden dortigen Standorte sollen zu einem verschmelzen. Dabei bluten die alten Wunden noch nach. Ein gescheitertes medizinisches Konzept, eine Chefarzt-Kündigung mit Rolle rückwärts und Vorwürfe an einen Arzt, der angeblich nicht mit Frauen im OP zusammenarbeiten will. Selbst wenn Letzteres nicht stimmen sollte: Es herrscht noch reichlich Unruhe bei den Mühlenkreiskliniken – ein hausgemachtes Problem. Zahlen geben eben immer nur einen oberflächlichen Eindruck. Interessanter ist, was unter dem Deckmantel von Gewinn, Umsatz und Personalzahlen auf dem Papier geschieht. Das Krankenhaus Lübbecke soll vom Standort Rahden abgekoppelt werden. Stattdessen soll Minden die Regie übernehmen. Damit verbunden ist ein riesiger organisatorischer Akt. In Bad Oeynhausen soll aus zwei Kliniken eine werden – in einem Neubau. Auch das: ein riesiger organisatorischer Akt. Dazu eine große Personaloffensive. Denn auch an den Mühlenkreiskliniken geht der Fachkräftemangel nicht spurlos vorbei. Vielleicht ein vergleichsweise kleiner Akt – aber auch der bindet Ressourcen. Dabei könnte der Klinikverbund nach allen Unruhen der letzten Monate dringend Bettruhe gebrauchen, um Kraft für das nächste Großprojekt zu sammeln. Stattdessen gehen die Verantwortlichen volles Risiko: Das jetzige Vorgehen gleicht einer OP am offenen Herzen.