Minden

Pyrotechniker tüftelt Programm mit 5.000 Effekten aus

Anja Peper

Zwei Tage benötigt das Team von Pyrotechnik Pook (Petershagen) vor Ort für den Aufbau der Show an der Schachtschleuse. Die Vorbereitungen für ein musiksynchrones Feuerwerk von 30 Minuten benötigen allerdings mehrere Monate. MT-Fotos: Anja Peper - © Anja Peper
Zwei Tage benötigt das Team von Pyrotechnik Pook (Petershagen) vor Ort für den Aufbau der Show an der Schachtschleuse. Die Vorbereitungen für ein musiksynchrones Feuerwerk von 30 Minuten benötigen allerdings mehrere Monate. MT-Fotos: Anja Peper (© Anja Peper)

Minden (mt). Nein, ein Feuerzeug braucht Thomas Schmidt (28) nicht für die Show am Samstag. Mit der Böllerei zu Silvester hat sein Job gar nichts gemein. Der Pyrotechniker programmiert musiksynchrone Feuerwerke für Großveranstaltungen. Das heißt: Egal ob Pop, Rock oder Klassik – die Effekte des Feuerwerks werden der ausgewählten Musik angepasst. Um das Publikum wirklich mit der Choreografie zu begeistern, müssen die Effekte vom Timing her haargenau passen. Das erfordert Know-how, hohen Material- und Arbeitsaufwand und auch künstlerisches Verständnis.

Wenn Thomas Schmidt und seine Kollegen von der Firma Pyrotechnik Pook (Petershagen) mit ihrem Equipment auf dem Festgelände anrücken, ist der größte Teil der Arbeit schon erledigt. Denn auch Pyrotechniker verbringen den größten Teil ihrer Zeit am Computer. Die Aufgabe: Auf Grundlage der vorgegebenen Musik drei Shows à zehn Minuten entwerfen. Drei Emotionen sollten dargestellt werden: „Feuer & Hass", „Luft & Liebe" sowie „Wasser & Vergänglichkeit." Am einfachsten ist es, Musik und Farben zum Thema Liebe zu finden – da ist die Online-Auswahl endlos. Die Symbolfarbe ist Rot, das weiß jedes Kind. Aber ein schön geformtes Herz aus mehreren Kometen über der Schachtschleuse entstehen zu lassen, das braucht schon Übung. Das funktioniert mit ausgetüftelter Programmierung und mit computergesteuerten Zündeinheiten für rund 5000 Effekte.

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Pyrotechniker Thomas Schmidt zündet das Feuerwerk mit Hilfe dieser Zündanlage mit verschlüsselter Übertragung. - © Anja Peper
Pyrotechniker Thomas Schmidt zündet das Feuerwerk mit Hilfe dieser Zündanlage mit verschlüsselter Übertragung. (© Anja Peper)

Vor allem müssen Pyrotechniker gut rechnen können. Weil die Sequenzen exakt abgestimmt sein müssen, ist die Programmierung so aufwendig. Aufstiegszeiten, Schussdauer, Entwicklung der Effekte nach dem Zünden – das alles will berechnet sein. „112 Meter müssen überwunden werden zwischen dieser Laterne und der gegenüberliegenden am anderen Ufer", das haben die Pyrotechniker nachgemessen. Das ist der Referenzwert fürs Wochenende. Bleibt noch die Frage: Wie steht der Wind? Gezündet wird von dem Gelände an der Werftstraße, weit genug weg von den Besuchern. Sicherheit ist oberstes Gebot. Wenn die Musik das Ohr erreicht, soll das Auge parallel dazu den Effekt sehen. Firmenchef Frank-Jürgen Pook und seine Mitarbeiter haben hohe Qualitätsansprüche. „Wirkt es so, wie wir es uns vorgestellt haben?" – Das ist die Frage, die sie bis zum Schlussapplaus beschäftigt.

Feuerwerk ist Überraschung am laufenden Band, wenn sich zischende Feuerschweife ausbreiten, bunte Bilder in den Himmel zaubern und knallend verglühen. Die Faszination dafür hat Thomas Schmidt vor zehn Jahren geplackt. 2009, damals war er gerade 18, besuchte er das Schützenfest in Alt-Espelkamp. Das Feuerwerk hat ihn so begeistert, dass er die Pyrotechniker einfach ansprach: „Könnt Ihr mir erklären, wie das geht?!" – Sie konnten. Das war der Anfang seiner eigenen Laufbahn.

Zum Aufbau rücken dann acht Kollegen mit dem kompletten Equipment an. Sie schleppen passende Abschussgestelle an – Marke Eigenbau. Diese Gestelle müssen vor allem stabil sein, damit sie dem punktuell hohen Druck beim Abschuss der Feuerwerksbomben standhalten. Darin sind reihenweise Rohre aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) angebracht. Damit der gewünschte Fächer-Effekt entsteht, ist der Winkel der Reihen unterschiedlich. In diese Rohre versenken die Mitarbeiter nun die verschiedenen Feuerwerksbomben – nach dem Plan, der am Computer entstanden ist. Die Bomben zerbersten mit so viel Druck, dass von der dünnen Papp-Hülle kaum etwas übrig bleibt, sagt Thomas Schmidt. Das Feuerwerk hinterlässt so gut wie keinen Müll, der am Folgetag aufgeräumt werden müsste. „Da kommen nur noch winzige Pappschnipsel runter, die dann biologisch abgebaut werden."

Außer dem Equipment fürs Feuerwerk schleppen die Mitarbeiter auch noch Stühle, Tische und einen Grill an den Ort der Veranstaltung. Schon für den Aufbau wird der Bereich, in dem das Feuerwerk gezündet wird, abgesperrt. Weder Fußgänger noch Radler sollen den Weg dann noch benutzen. Wenn dann alles fertig vorbereitet ist, lassen die Pyrotechniker das Material nicht mehr aus den Augen. Die Nacht vor der großen Show verbringen die Leute vom Team Pook im Wohnwagen.

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