Minden

Fluchtbrücke am Fort C soll nach Fertigstellung wieder verschwinden

Stefan Koch

Nachdem Dirk Gieseking von der Stadt die Baugenehmigung erhalten hatte, ließ er die Brücke bauen. Dabei sollte die Holzkonstruktion dem Denkmalschutz gerecht werden. MT- - © Foto: Stefan Koch
Nachdem Dirk Gieseking von der Stadt die Baugenehmigung erhalten hatte, ließ er die Brücke bauen. Dabei sollte die Holzkonstruktion dem Denkmalschutz gerecht werden. MT- (© Foto: Stefan Koch)

Minden (mt). Erst erhält die Erste Bürgerkompanie von der Stadt eine Baugenehmigung für eine Fluchtbrücke am Fort C, dann finanzieren Sponsoren und der Denkmalschutz das Projekt, dann legen die Kameraden Hand an, dann ist die Brücke fertig. Und dann soll sie offenbar wieder weg.

Dirk Gieseking jedenfalls ist sauer. Als Tischlermeister und langjähriger Inhaber eines Handwerksbetriebes hatte der Sergeant aus der Ersten Kompanie das Brückenbauprojekt betreut. Das hatte die Kompanie vor drei Jahren ins Leben gerufen, um Veranstaltungen im Außenbereich des Fort C zu ermöglichen. Eine größere Fluchtbrücke zur Evakuierung von Besuchern im Notfall war dazu erforderlich. Dazu hatte die Stadt ein Brandschutzkonzept erstellen lassen, das diesen zweiten Weg vorsieht. Er befindet sich auf der Südseite der Festungsanlage und führt über den mit Wasser gefüllten Festungsgraben zur Südpoterne (ein überbauter Verbindungsgang).

„Wir hatten der Stadt vor drei Jahren angeboten, die Fluchtbrücke in Eigenleistung anzulegen“, erinnert sich Gieseking. So trat der Förderverein der Ersten Bürgerkompanie als Bauherr auf, während die Stadt – selbst Eigentümerin der Festungsanlage – das Genehmigungsverfahren einleitete und bearbeitete. Im September 2016 erteilte sie die Baugenehmigung und ein Gruppe aus der Kompanie nahm die Arbeit auf.

„Wir bekamen damals die alten, verwendungsfähigen Bohlen der Fußgängerbrücke im Simeonsglacis, die damals abgebaut wurde“, so Gieseking. Die Statik für das Bauwerk am Fort habe er auf eigene Kosten ausarbeiten lassen. Sponsoren aus der Kompanie hätten Material beschafft. Der Denkmalschutz habe 10.000 Euro beigesteuert. Vor zwei Jahren besorgten sich die Brückenbauer noch einen Autokran der die optisch zum Bohlenbelag passenden Leimholzbinder über den Graben gelegt hatte. Mitte November 2017 meldete Gieseking dann den Vollzug. „Danach war es Aufgabe der Stadt, sich um den weiteren Wegeanschluss der 18,60 Meter langen Brücke zu kümmern“, so der Tischlermeister. Seitdem habe er nichts mehr gehört.

Allerdings: Auf Umwegen habe er dann vor einigen Monaten mitbekommen, dass die ganze Arbeit umsonst gewesen war. „Genaueres hat mir niemand mitgeteilt, es soll an Sicherheitsauflagen liegen.“

Auf MT-Anfrage teilt die Pressestelle der Mindener Stadtverwaltung mit, dass nach der Fertigstellung der Fluchtbrücke ein Gutachter diese überprüft habe. Dabei seien so erhebliche Mängel festgestellt worden, dass eine Abnahme in der derzeitigen Form nicht möglich sei. Teile der Konstruktion seien direkter Feuchtigkeit ausgesetzt. Eine Langlebigkeit könne somit nicht gewährleistet werden.

Was der Flop das kostet? „Die Stadt prüft derzeit über eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung alternative Konstruktionen“, teilt dazu die Pressestelle mit.

Da seitens der Stadt Minden kein zwingender Bedarf für die Fluchtbrücke auf ihrem Gelände – dem Fort C – besteht, sind bislang für deren Bau auch keine eigenen Mittel in den Haushalt aufgenommen worden. Diese Leistung hatte deshalb auch die Erste Kompanie übernommen. Allerdings gab Minden rund 21.000 Euro aus, um in der Festungsanlage einen Zugang mit Rampenausbildung, Tunnelbeleuchtung und Türverbreiterung für den Anschluss an die Brücke zu schaffen. Auch auf der anderen Seite des wassergefüllten Grabens muss die Stadt einen Weg zur Brücke anlegen.

Wie Gieseking weiterhin gehört haben will, soll nun eine Stahlbrücke für 125.000 Euro das hölzerne Bauwerk ersetzen. Er fragt sich, was der Denkmalschutz dazu sagen würde, wenn ein solche Objekt die Fortanlage aus dem 19. Jahrhundert mit der anderen Seite des Grabens verbindet. „Offenbar hat Minden Geld ohne Ende“, meint er sarkastisch. „Für Hospiz, Kindergärten, Schulen und Altenheime muss aber gesammelt werden.“

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MindenFluchtbrücke am Fort C soll nach Fertigstellung wieder verschwindenStefan KochMinden (mt). Erst erhält die Erste Bürgerkompanie von der Stadt eine Baugenehmigung für eine Fluchtbrücke am Fort C, dann finanzieren Sponsoren und der Denkmalschutz das Projekt, dann legen die Kameraden Hand an, dann ist die Brücke fertig. Und dann soll sie offenbar wieder weg. Dirk Gieseking jedenfalls ist sauer. Als Tischlermeister und langjähriger Inhaber eines Handwerksbetriebes hatte der Sergeant aus der Ersten Kompanie das Brückenbauprojekt betreut. Das hatte die Kompanie vor drei Jahren ins Leben gerufen, um Veranstaltungen im Außenbereich des Fort C zu ermöglichen. Eine größere Fluchtbrücke zur Evakuierung von Besuchern im Notfall war dazu erforderlich. Dazu hatte die Stadt ein Brandschutzkonzept erstellen lassen, das diesen zweiten Weg vorsieht. Er befindet sich auf der Südseite der Festungsanlage und führt über den mit Wasser gefüllten Festungsgraben zur Südpoterne (ein überbauter Verbindungsgang). „Wir hatten der Stadt vor drei Jahren angeboten, die Fluchtbrücke in Eigenleistung anzulegen“, erinnert sich Gieseking. So trat der Förderverein der Ersten Bürgerkompanie als Bauherr auf, während die Stadt – selbst Eigentümerin der Festungsanlage – das Genehmigungsverfahren einleitete und bearbeitete. Im September 2016 erteilte sie die Baugenehmigung und ein Gruppe aus der Kompanie nahm die Arbeit auf. „Wir bekamen damals die alten, verwendungsfähigen Bohlen der Fußgängerbrücke im Simeonsglacis, die damals abgebaut wurde“, so Gieseking. Die Statik für das Bauwerk am Fort habe er auf eigene Kosten ausarbeiten lassen. Sponsoren aus der Kompanie hätten Material beschafft. Der Denkmalschutz habe 10.000 Euro beigesteuert. Vor zwei Jahren besorgten sich die Brückenbauer noch einen Autokran der die optisch zum Bohlenbelag passenden Leimholzbinder über den Graben gelegt hatte. Mitte November 2017 meldete Gieseking dann den Vollzug. „Danach war es Aufgabe der Stadt, sich um den weiteren Wegeanschluss der 18,60 Meter langen Brücke zu kümmern“, so der Tischlermeister. Seitdem habe er nichts mehr gehört. Allerdings: Auf Umwegen habe er dann vor einigen Monaten mitbekommen, dass die ganze Arbeit umsonst gewesen war. „Genaueres hat mir niemand mitgeteilt, es soll an Sicherheitsauflagen liegen.“ Auf MT-Anfrage teilt die Pressestelle der Mindener Stadtverwaltung mit, dass nach der Fertigstellung der Fluchtbrücke ein Gutachter diese überprüft habe. Dabei seien so erhebliche Mängel festgestellt worden, dass eine Abnahme in der derzeitigen Form nicht möglich sei. Teile der Konstruktion seien direkter Feuchtigkeit ausgesetzt. Eine Langlebigkeit könne somit nicht gewährleistet werden. Was der Flop das kostet? „Die Stadt prüft derzeit über eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung alternative Konstruktionen“, teilt dazu die Pressestelle mit. Da seitens der Stadt Minden kein zwingender Bedarf für die Fluchtbrücke auf ihrem Gelände – dem Fort C – besteht, sind bislang für deren Bau auch keine eigenen Mittel in den Haushalt aufgenommen worden. Diese Leistung hatte deshalb auch die Erste Kompanie übernommen. Allerdings gab Minden rund 21.000 Euro aus, um in der Festungsanlage einen Zugang mit Rampenausbildung, Tunnelbeleuchtung und Türverbreiterung für den Anschluss an die Brücke zu schaffen. Auch auf der anderen Seite des wassergefüllten Grabens muss die Stadt einen Weg zur Brücke anlegen. Wie Gieseking weiterhin gehört haben will, soll nun eine Stahlbrücke für 125.000 Euro das hölzerne Bauwerk ersetzen. Er fragt sich, was der Denkmalschutz dazu sagen würde, wenn ein solche Objekt die Fortanlage aus dem 19. Jahrhundert mit der anderen Seite des Grabens verbindet. „Offenbar hat Minden Geld ohne Ende“, meint er sarkastisch. „Für Hospiz, Kindergärten, Schulen und Altenheime muss aber gesammelt werden.“