Minden

Altes Gericht und altes Gefängnis: Chancen für die Stadt

Monika Jäger

Nur wenige Meter Abstand liegen zwischen dem ehemaligen Gefängnis (links) und dem ehemaligen Amtsgericht (rechts). Daher sind die beiden Gebäude separat kaum zu verkaufen. MT- - © Foto: Monika Jäger
Nur wenige Meter Abstand liegen zwischen dem ehemaligen Gefängnis (links) und dem ehemaligen Amtsgericht (rechts). Daher sind die beiden Gebäude separat kaum zu verkaufen. MT- (© Foto: Monika Jäger)

Minden (mt). Das Finanzamt wird seine Außenstellen zu Beginn des kommenden Jahres nicht mehr im ehemaligen Gerichtsgebäude an der Kampstraße, sondern in der ehemaligen Landeszentralbank am Marienwall unterbringen. Das sei eine gute Nachricht für die Mindener Innenstadt, sagt Bau-Beigeordneter Lars Bursian. „Für den Einzelhandel wird die Gesamtsituation doch nicht einfacher. Um wichtiger ist die Entscheidung des Finanzamtes, in der Innenstadt zu bleiben."

Die weit verbreitete Ansicht, eine Stadt benötige im Grunde nur viele Geschäfte, teilt Bursian nicht. „Wir brauchen eine vielfältige Innenstadt mit vielfältigen Nutzungen." Aus diesem Blickwinkel sei ein Fitnessstudio ebenso wichtig wie ein Finanzamt. Denn das bringe Frequenz in die Stadt: Menschen, die etwas tun oder erledigen wollen, gehen dann durch die Fußgängerzone und können dort auch einkaufen.

Ein Frequenzbringer sei daher auch am jetzigen Standort der Außenstelle in der Oberen Altstadt wieder sehr wünschenswert. Bursian sagt aber auch, dass möglicherweise ein längerer Zeitraum bevorstehen könnte, in dem dieses Gebäude nicht genutzt wird. Denn der Besitzer, das Land Nordrhein-Westfalen, wird zunächst über seinen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) das in solchen Fällen übliche Verfahren in Gang setzen. Carsten Pilz, Sprecher des BLB NRW, auf MT-Anfrage dazu; „Um Entscheidungen über die anschießende Entwicklung dieser Liegenschaft treffen zu können, wird der BLB NRW den möglichen Flächenbedarf für andere Dienststellen des Landes NRW im Rahmen einer Entbehrlichkeitsprüfung abfragen."

Impressionen: Am ehemaligen Gefängnis. MT- - © Foto: Monika Jäger
Impressionen: Am ehemaligen Gefängnis. MT- (© Foto: Monika Jäger)

Das bedeutet: die Ressorts der Verwaltungen des Landes werden gebeten mitzuteilen, ob sie eine Liegenschaft oder Büroflächen in Minden brauchen. Erst, wenn klar ist, dass niemand Interesse hat, kommt das Haus auf den Markt.

So war es auch beim Regierungsgebäude am Weserglacis – dem, das in Minden als „ehemaliges BZA" bekannt ist. Dort hatte keine Landesbehörde Interesse, das Haus steht nun zum Verkauf.

Impressionen: Am ehemaligen Gefängnis. MT- - © Foto: Monika Jäger
Impressionen: Am ehemaligen Gefängnis. MT- (© Foto: Monika Jäger)

An der Kampstraße müssten genommen zwei Gebäude auf den Markt kommen. Denn nur wenige Meter hinter dem ehemaligen Gericht ist das ehemalige (ebenfalls leer stehende) Gefängnis. Beide Häuser stehen so eng zusammen, dass sie nicht getrennt genutzt und schon gar nicht verkauft werden können.

Das Ensemble spielt für die Zukunft der Oberen Altstadt eine zentrale Rolle. In den aktuellen Plänen der Stadt sollen hier zum Beispiel Wege durch die dicke denkmal-geschützte Gefängnismauer geschaffen und so das Areal erschlossen werden. Wie das Gefängnis künftig genutzt wird, wirkt sich nachdrücklich auf das Quartier aus.

Das ehemalige Gefängnis ist seit Jahren ungenutzt. MT- - © Foto: Monika Jäger
Das ehemalige Gefängnis ist seit Jahren ungenutzt. MT- (© Foto: Monika Jäger)

Bisher scheiterte jede Entwicklung allerdings daran, dass das – leere – Gefängnis wie ein siamesischer Zwilling mit dem – noch genutzten - ehemaligen Gerichtsgebäude zusammenhing. So hätten auch ernsthafte Investoren das Problem bekommen, dass ihre Kaufanfragen gar nicht hätten beantwortet werden können, weil das vordere Gebäude in Nutzung war. Und darum ist Bursian nun auch verhalten zuversichtlich, dass sich etwas tun könnte. Er ist überzeugt: Die Entwicklung werde eher leichter, wenn das gesamte Ensemble am Markt ist.

Das ehemalige Gericht an der Kampstraße sucht neue Mieter oder neue Besitzer. Das Finanzamt zieht hier aus. MT- - © Foto: Monika Jäger
Das ehemalige Gericht an der Kampstraße sucht neue Mieter oder neue Besitzer. Das Finanzamt zieht hier aus. MT- (© Foto: Monika Jäger)

Und er weist darauf hin, dass auch der Erwerb des Rampenlochs durch die Stadt eine Entwicklung im Bereich Gefängnis erleichtern werde. Wie schnell sich da was tut, hänge nun vom BLB NRW ab.

Auch im Besitz des Landes: Regierung am Weserglacis

Auch das Regierungsgebäude am Weserglacis (ehemaliges BZA) gehört dem Land Nordrhein-Westfalen. Diesen Bau nutzt zur Zeit die Stadt Minden, da das Rathaus in den kommenden Jahren umfassend saniert wird.

Im Frühjahr stand das reich verzierte Bauwerk zum Verkauf. Interessenten konnten sich an einem Bieterverfahren beteiligen, das der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW (BLB NRW) eröffnet hatte.

Die Stadt Minden hätte es gerne gesehen, wenn das Land NRW sich für eine weitere behördliche Nutzung entschieden hätte.

Zum aktuellen Stand teilte der Sprecher des BLB NRW, Carsten Pilz, jetzt auf MT-Anfrage mit, dass sich „der BLB NRW derzeit in Verkaufsverhandlungen mit dem Höchstbietenden befindet."

Nähere Angaben zur Art der Nutzung, die dieser Höchstbietende plant, machten weder Pilz noch die Stadt Minden.

Üblicherweise wollen Behörden interessierten Investoren zunächst Zeit geben, um die Möglichkeiten einer Entwicklung abseits von öffentlichen Diskussionen zu prüfen.

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenAltes Gericht und altes Gefängnis: Chancen für die StadtMonika JägerMinden (mt). Das Finanzamt wird seine Außenstellen zu Beginn des kommenden Jahres nicht mehr im ehemaligen Gerichtsgebäude an der Kampstraße, sondern in der ehemaligen Landeszentralbank am Marienwall unterbringen. Das sei eine gute Nachricht für die Mindener Innenstadt, sagt Bau-Beigeordneter Lars Bursian. „Für den Einzelhandel wird die Gesamtsituation doch nicht einfacher. Um wichtiger ist die Entscheidung des Finanzamtes, in der Innenstadt zu bleiben." Die weit verbreitete Ansicht, eine Stadt benötige im Grunde nur viele Geschäfte, teilt Bursian nicht. „Wir brauchen eine vielfältige Innenstadt mit vielfältigen Nutzungen." Aus diesem Blickwinkel sei ein Fitnessstudio ebenso wichtig wie ein Finanzamt. Denn das bringe Frequenz in die Stadt: Menschen, die etwas tun oder erledigen wollen, gehen dann durch die Fußgängerzone und können dort auch einkaufen. Ein Frequenzbringer sei daher auch am jetzigen Standort der Außenstelle in der Oberen Altstadt wieder sehr wünschenswert. Bursian sagt aber auch, dass möglicherweise ein längerer Zeitraum bevorstehen könnte, in dem dieses Gebäude nicht genutzt wird. Denn der Besitzer, das Land Nordrhein-Westfalen, wird zunächst über seinen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) das in solchen Fällen übliche Verfahren in Gang setzen. Carsten Pilz, Sprecher des BLB NRW, auf MT-Anfrage dazu; „Um Entscheidungen über die anschießende Entwicklung dieser Liegenschaft treffen zu können, wird der BLB NRW den möglichen Flächenbedarf für andere Dienststellen des Landes NRW im Rahmen einer Entbehrlichkeitsprüfung abfragen." Das bedeutet: die Ressorts der Verwaltungen des Landes werden gebeten mitzuteilen, ob sie eine Liegenschaft oder Büroflächen in Minden brauchen. Erst, wenn klar ist, dass niemand Interesse hat, kommt das Haus auf den Markt. So war es auch beim Regierungsgebäude am Weserglacis – dem, das in Minden als „ehemaliges BZA" bekannt ist. Dort hatte keine Landesbehörde Interesse, das Haus steht nun zum Verkauf. An der Kampstraße müssten genommen zwei Gebäude auf den Markt kommen. Denn nur wenige Meter hinter dem ehemaligen Gericht ist das ehemalige (ebenfalls leer stehende) Gefängnis. Beide Häuser stehen so eng zusammen, dass sie nicht getrennt genutzt und schon gar nicht verkauft werden können. Das Ensemble spielt für die Zukunft der Oberen Altstadt eine zentrale Rolle. In den aktuellen Plänen der Stadt sollen hier zum Beispiel Wege durch die dicke denkmal-geschützte Gefängnismauer geschaffen und so das Areal erschlossen werden. Wie das Gefängnis künftig genutzt wird, wirkt sich nachdrücklich auf das Quartier aus. Bisher scheiterte jede Entwicklung allerdings daran, dass das – leere – Gefängnis wie ein siamesischer Zwilling mit dem – noch genutzten - ehemaligen Gerichtsgebäude zusammenhing. So hätten auch ernsthafte Investoren das Problem bekommen, dass ihre Kaufanfragen gar nicht hätten beantwortet werden können, weil das vordere Gebäude in Nutzung war. Und darum ist Bursian nun auch verhalten zuversichtlich, dass sich etwas tun könnte. Er ist überzeugt: Die Entwicklung werde eher leichter, wenn das gesamte Ensemble am Markt ist. Und er weist darauf hin, dass auch der Erwerb des Rampenlochs durch die Stadt eine Entwicklung im Bereich Gefängnis erleichtern werde. Wie schnell sich da was tut, hänge nun vom BLB NRW ab. Auch im Besitz des Landes: Regierung am Weserglacis Auch das Regierungsgebäude am Weserglacis (ehemaliges BZA) gehört dem Land Nordrhein-Westfalen. Diesen Bau nutzt zur Zeit die Stadt Minden, da das Rathaus in den kommenden Jahren umfassend saniert wird. Im Frühjahr stand das reich verzierte Bauwerk zum Verkauf. Interessenten konnten sich an einem Bieterverfahren beteiligen, das der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW (BLB NRW) eröffnet hatte. Die Stadt Minden hätte es gerne gesehen, wenn das Land NRW sich für eine weitere behördliche Nutzung entschieden hätte. Zum aktuellen Stand teilte der Sprecher des BLB NRW, Carsten Pilz, jetzt auf MT-Anfrage mit, dass sich „der BLB NRW derzeit in Verkaufsverhandlungen mit dem Höchstbietenden befindet." Nähere Angaben zur Art der Nutzung, die dieser Höchstbietende plant, machten weder Pilz noch die Stadt Minden. Üblicherweise wollen Behörden interessierten Investoren zunächst Zeit geben, um die Möglichkeiten einer Entwicklung abseits von öffentlichen Diskussionen zu prüfen.