Minden

Immer mehr Verbraucher stellen Fragen zur Klima- und Umweltrelevanz

Monika Jäger

Wasserspielzeug kann Weichmacher enthalten. Foto: Caroline Seidel/ dpa - © DPA
Wasserspielzeug kann Weichmacher enthalten. Foto: Caroline Seidel/ dpa (© DPA)

Minden (mt/mob). Klimaschutz, Plastikfasten und Nachhaltigkeit sind absolute Trendthemen – das merkt auch Mindens Umweltberaterin Cornelia Franke-Röthemeyer. Sie ist seit 1996 in der Verbraucherberatungsstelle kreisweit für diesen Bereich zuständig. Neuerdings interessieren sich immer mehr Mindener dafür.

Eis-Plastikboxen sollten besser nicht weiterverwertet werden. Foto: Franziska Gabbert/dpa - © Franziska Gabbert
Eis-Plastikboxen sollten besser nicht weiterverwertet werden. Foto: Franziska Gabbert/dpa (© Franziska Gabbert)

„Es gibt deutlich mehr Anfragen als früher, zum Beispiel zum Thema Müll vermeiden, zu alternativen Verpackungsmöglichkeiten beim Einkauf und vor allem auch zum Trinkwasser“, sagt sie. Neben den gestiegenen Besucherzahlen in der Beratungsstelle kommen auch immer mehr Vereine und Gruppen auf sie zu und bitten um Vorträge. Oft sind deren Probleme topaktuell: Zurzeit muss Franke-Röthemeyer beispielsweise viele Fragen zum Strauch-Schädling Buchsbaumzünsler beantworten.

„Umweltschutz wird für die Menschen in ihrem Alltag immer relevanter“, so Franke-Röthemeyer. „Ich finde wirklich großartig, dass sich das nun immer stärker in der Gesellschaft verankert.“ Einer Analyse des Datenauswertungsportals „Statista“ zufolge haben Mitte 2019 die Umweltverbände mehr Mitglieder als politische Parteien: Eigenen Angaben zufolge kämen BUND, Greenpeace und NABU zusammen auf mehr als 1,7 Millionen Mitglieder; alle zurzeit im Bundestag vertretenen Parteien hätten gemeinsam nur 1,2 Millionen Mitglieder.

Viele Bambus-Becher enthalten Schadstoffe. Foto: Zacharie Scheurer/dpa - © Zacharie Scheurer
Viele Bambus-Becher enthalten Schadstoffe. Foto: Zacharie Scheurer/dpa (© Zacharie Scheurer)

Die Sorge wegen versteckter Schadstoffe ist ein Beispiel dafür, wie komplex die Themen inzwischen sind. Und weil da oft Fachwissen nötig ist, hat die Verbraucherzentrale NRW im Internet reagiert und eine spezielle Seite aufgelegt. Unter www.verbraucherzentrale.nrw/schadstoffe kann dort jeder seine persönlichen Fragen stellen – zum Beispiel nach Schadstoffen im Haus, in Möbeln, Kosmetika, Kleidung, Küchenutensilien. Die Antworten sind für alle Nutzer sichtbar. Im Laufe der Zeit soll sich so eine wachsende digitale Frage-Antwort-Plattform mit Informationen und praktischen Ratschlägen zu Schadstoffen aus allen Bereichen des täglichen Lebens entwickeln.

Alternative für To-Go-Pappbecher: Edelstahl oder Porzellan. 

Foto: Andrea Warnecke/dpa - © Andrea Warnecke
Alternative für To-Go-Pappbecher: Edelstahl oder Porzellan.
Foto: Andrea Warnecke/dpa (© Andrea Warnecke)

In der Mindener Beratungsstelle geht es jetzt im Sommer meist um Saisontypisches. Franke-Röthemeier muss dabei immer wieder mit weit verbreiteten Irrtümern aufräumen. Darum hat sie hier einige Antworten auf die häufigsten Fragen zusammengestellt. Rat und Infos zu Schadstoffen im Haushalt gibt es auch bei der Umweltberatung in Minden, Telefon (05 71) 38 63 79 05. Kontakt online unter www.verbraucherzentrale.nrw/umweltberatung.

Ist Weichmacher in Wasserspielzeug?

Ja, durchaus. Planschbecken, Wasserbälle und Badetiere zum Aufblasen sind hergestellt aus elastischem PVC (Polyvinylchlorid), manchmal erkennbar am Recycling-Code 03. Dieses Plastikmaterial setzt Weichmacher frei und enthält oft auch weitere Schadstoffe.

Cornelia Franke-Röthemeyer. - © Foto: pr
Cornelia Franke-Röthemeyer. (© Foto: pr)

Unbedenklicher und langlebiger als ein aufblasbares Planschbecken ist eine Wasser- und Sandmuschel aus hartem Kunststoff. Für Schwimmanfänger und Wasserspaßratten sind flexible Schwimmnudeln aus Polyethylenschaum eine umweltfreundlichere Alternative.

Sind Eisdosenwiederverwertbar?

Lieber nicht. Leere Plastikdosen für industriell hergestelltes Eis aus dem Supermarkt eignen sich nicht zur Aufbewahrung anderer Lebensmittel. Die Kunststoffboxen sind nur für einmaligen Gebrauch gedacht. Wer in eine solche Dose etwa heiße und fetthaltige Suppe füllt, der riskiert, dass sich Chemikalien aus der Dose herauslösen und ins Lebensmittel übergehen.

Bei Sonnencreme lohnt ein Blick auf das Etikett. 

Foto: Sina Schuldt/dpa - © Sina Schuldt
Bei Sonnencreme lohnt ein Blick auf das Etikett.
Foto: Sina Schuldt/dpa (© Sina Schuldt)

Sollte Campinggeschirraus Aluminium sein?

Eher nein. Eine zu hohe Dosis des Leichtmetalls Aluminium über Essen und Getränke zu sich zu nehmen, ist gesundheitsschädlich. Töpfe, Pfannen, Schüsseln und Essgeschirr für die Outdoor-Verköstigung können den giftigen Gehalt des Aluminiums an die Speisen abgeben, besonders wenn Salziges oder Saures in den Topf und auf den Teller kommen. Daher sind leichte Edelstahl-Campingtöpfe die unbedenklichere Wahl für unterwegs.

Wie gut ist Geschirraus Bambus?

Bambusgeschirr ist nicht besser als Plastik. Es besteht neben Bambusmehl zu einem großen Teil aus Kunststoffen.

Häufig findet sich ein zu hoher Gehalt an Melamin und Formaldehyd in Bechern, Tellern und Co. Wiederverwendbares Geschirr aus PE (Polyethylen) oder PP (Polypropylen) ist unschädlicher, ebenfalls leicht und unzerbrechlich. Porzellan zum Picknick wäre ebenfalls eine prima nachhaltige Alternative.

Wie schadstofffrei sindTrinkflaschen?

Varianten aus Edelstahl und Glas sind die Favoriten, bei denen die Chemie zur Getränkeaufbewahrung stimmt. Edelstahlflaschen gibt es häufig auch mit Thermoausstattung, so dass im Sommer die Getränke schön kühl bleiben. Bei Kunststoffflaschen ist am ehesten noch Polypropylen empfehlenswert. Trinkflaschen aus Polycarbonat hingegen können gesundheitsschädliche Bisphenole freisetzen.

Was ist eigentlich in Sonnencremes?

Einige chemische Lichtschutzfilter in Sonnencremes stehen im Verdacht, den Hormonhaushalt zu schädigen. In zertifizierter Naturkosmetik ist die Verwendung dieser Stoffe verboten. Dort werden ausschließlich mineralische Filter gegen die UV-Strahlung eingesetzt. Diese dürfen auch als winzige Nanoteilchen verwendet werden, die eventuell eine vorgeschädigte Haut durchdringen könnten. Die winzigen Pigmentteilchen sind unter dem Begriff „nano“ bei den Inhaltsstoffen zu finden.

Die Autorin ist erreichbar unter (0571) 882 148 oder Monika. Jaeger@MT.de

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MindenImmer mehr Verbraucher stellen Fragen zur Klima- und UmweltrelevanzMonika JägerMinden (mt/mob). Klimaschutz, Plastikfasten und Nachhaltigkeit sind absolute Trendthemen – das merkt auch Mindens Umweltberaterin Cornelia Franke-Röthemeyer. Sie ist seit 1996 in der Verbraucherberatungsstelle kreisweit für diesen Bereich zuständig. Neuerdings interessieren sich immer mehr Mindener dafür. „Es gibt deutlich mehr Anfragen als früher, zum Beispiel zum Thema Müll vermeiden, zu alternativen Verpackungsmöglichkeiten beim Einkauf und vor allem auch zum Trinkwasser“, sagt sie. Neben den gestiegenen Besucherzahlen in der Beratungsstelle kommen auch immer mehr Vereine und Gruppen auf sie zu und bitten um Vorträge. Oft sind deren Probleme topaktuell: Zurzeit muss Franke-Röthemeyer beispielsweise viele Fragen zum Strauch-Schädling Buchsbaumzünsler beantworten. „Umweltschutz wird für die Menschen in ihrem Alltag immer relevanter“, so Franke-Röthemeyer. „Ich finde wirklich großartig, dass sich das nun immer stärker in der Gesellschaft verankert.“ Einer Analyse des Datenauswertungsportals „Statista“ zufolge haben Mitte 2019 die Umweltverbände mehr Mitglieder als politische Parteien: Eigenen Angaben zufolge kämen BUND, Greenpeace und NABU zusammen auf mehr als 1,7 Millionen Mitglieder; alle zurzeit im Bundestag vertretenen Parteien hätten gemeinsam nur 1,2 Millionen Mitglieder. Die Sorge wegen versteckter Schadstoffe ist ein Beispiel dafür, wie komplex die Themen inzwischen sind. Und weil da oft Fachwissen nötig ist, hat die Verbraucherzentrale NRW im Internet reagiert und eine spezielle Seite aufgelegt. Unter www.verbraucherzentrale.nrw/schadstoffe kann dort jeder seine persönlichen Fragen stellen – zum Beispiel nach Schadstoffen im Haus, in Möbeln, Kosmetika, Kleidung, Küchenutensilien. Die Antworten sind für alle Nutzer sichtbar. Im Laufe der Zeit soll sich so eine wachsende digitale Frage-Antwort-Plattform mit Informationen und praktischen Ratschlägen zu Schadstoffen aus allen Bereichen des täglichen Lebens entwickeln. In der Mindener Beratungsstelle geht es jetzt im Sommer meist um Saisontypisches. Franke-Röthemeier muss dabei immer wieder mit weit verbreiteten Irrtümern aufräumen. Darum hat sie hier einige Antworten auf die häufigsten Fragen zusammengestellt. Rat und Infos zu Schadstoffen im Haushalt gibt es auch bei der Umweltberatung in Minden, Telefon (05 71) 38 63 79 05. Kontakt online unter www.verbraucherzentrale.nrw/umweltberatung. Ist Weichmacher in Wasserspielzeug? Ja, durchaus. Planschbecken, Wasserbälle und Badetiere zum Aufblasen sind hergestellt aus elastischem PVC (Polyvinylchlorid), manchmal erkennbar am Recycling-Code 03. Dieses Plastikmaterial setzt Weichmacher frei und enthält oft auch weitere Schadstoffe. Unbedenklicher und langlebiger als ein aufblasbares Planschbecken ist eine Wasser- und Sandmuschel aus hartem Kunststoff. Für Schwimmanfänger und Wasserspaßratten sind flexible Schwimmnudeln aus Polyethylenschaum eine umweltfreundlichere Alternative. Sind Eisdosenwiederverwertbar? Lieber nicht. Leere Plastikdosen für industriell hergestelltes Eis aus dem Supermarkt eignen sich nicht zur Aufbewahrung anderer Lebensmittel. Die Kunststoffboxen sind nur für einmaligen Gebrauch gedacht. Wer in eine solche Dose etwa heiße und fetthaltige Suppe füllt, der riskiert, dass sich Chemikalien aus der Dose herauslösen und ins Lebensmittel übergehen. Sollte Campinggeschirraus Aluminium sein? Eher nein. Eine zu hohe Dosis des Leichtmetalls Aluminium über Essen und Getränke zu sich zu nehmen, ist gesundheitsschädlich. Töpfe, Pfannen, Schüsseln und Essgeschirr für die Outdoor-Verköstigung können den giftigen Gehalt des Aluminiums an die Speisen abgeben, besonders wenn Salziges oder Saures in den Topf und auf den Teller kommen. Daher sind leichte Edelstahl-Campingtöpfe die unbedenklichere Wahl für unterwegs. Wie gut ist Geschirraus Bambus? Bambusgeschirr ist nicht besser als Plastik. Es besteht neben Bambusmehl zu einem großen Teil aus Kunststoffen. Häufig findet sich ein zu hoher Gehalt an Melamin und Formaldehyd in Bechern, Tellern und Co. Wiederverwendbares Geschirr aus PE (Polyethylen) oder PP (Polypropylen) ist unschädlicher, ebenfalls leicht und unzerbrechlich. Porzellan zum Picknick wäre ebenfalls eine prima nachhaltige Alternative. Wie schadstofffrei sindTrinkflaschen? Varianten aus Edelstahl und Glas sind die Favoriten, bei denen die Chemie zur Getränkeaufbewahrung stimmt. Edelstahlflaschen gibt es häufig auch mit Thermoausstattung, so dass im Sommer die Getränke schön kühl bleiben. Bei Kunststoffflaschen ist am ehesten noch Polypropylen empfehlenswert. Trinkflaschen aus Polycarbonat hingegen können gesundheitsschädliche Bisphenole freisetzen. Was ist eigentlich in Sonnencremes? Einige chemische Lichtschutzfilter in Sonnencremes stehen im Verdacht, den Hormonhaushalt zu schädigen. In zertifizierter Naturkosmetik ist die Verwendung dieser Stoffe verboten. Dort werden ausschließlich mineralische Filter gegen die UV-Strahlung eingesetzt. Diese dürfen auch als winzige Nanoteilchen verwendet werden, die eventuell eine vorgeschädigte Haut durchdringen könnten. Die winzigen Pigmentteilchen sind unter dem Begriff „nano“ bei den Inhaltsstoffen zu finden. Die Autorin ist erreichbar unter (0571) 882 148 oder Monika. Jaeger@MT.de