Kommentar zum abgemähten Kunstwerk: Dumm gelaufen

Ursula Koch

Ursula Koch, Kommentarfoto - © Lehn Alexander
Ursula Koch, Kommentarfoto (© Lehn Alexander)

Kunst ist nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Das hat damit zu tun, dass Können kein ausschließliches Kriterium ist, sondern auch das Konzept, der dahinter stehende Gedanke. In der zeitgenössischen Kunst ist vielfach der Prozess selbst das Werk.

Das kann zu Missverständnissen führen, für die es zahlreiche Beispiele gibt. Legendär ist die von Joseph Beuys mit Fett, Mullbinden und Pflastern gestaltete Badewanne, die zwei Genossinnen bei einer SPD-Feier im Depot des Museums Schloss Morsbroich entdeckten und sie als ideal zum Gläserspülen ansahen. Ähnliches passierte im Museum am Ostwall in Dortmund mit einem Werk von Martin Kippenberger und sogar bei der Documenta.

Aber auch in der jüngeren Mindener Vergangenheit sorgte eine künstlerische Intervention für eine Intervention. Damals hatte zum Melitta-Förderpreis der Künstler Peter Dombrowe das Denkmal des Großen Kurfürsten drehen lassen, sodass der Vertreter der preußischen Regierung in Richtung Berlin-Brandenburg schaute. Das gefiel dem Bürgerbataillon nicht, das dem Standbild zum Auftakt des Freischießens einen Kranz zu Füßen legt. Der Einfluss der Traditionsfreunde auf die Stadt reichte aus, dass die Skulptur für die Dauer des Festes wieder in Richtung Innenstadt gedreht wurde. Alle Erklärungen und Gespräche halfen nichts, es fehlte schlicht die Bereitschaft, sich mit Kunst auseinanderzusetzen. Dagegen ist das versehentliche Mähen einer noch wachsenden Bodenskulptur doch allzu menschlich.

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Kommentar zum abgemähten Kunstwerk: Dumm gelaufenUrsula KochKunst ist nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Das hat damit zu tun, dass Können kein ausschließliches Kriterium ist, sondern auch das Konzept, der dahinter stehende Gedanke. In der zeitgenössischen Kunst ist vielfach der Prozess selbst das Werk. Das kann zu Missverständnissen führen, für die es zahlreiche Beispiele gibt. Legendär ist die von Joseph Beuys mit Fett, Mullbinden und Pflastern gestaltete Badewanne, die zwei Genossinnen bei einer SPD-Feier im Depot des Museums Schloss Morsbroich entdeckten und sie als ideal zum Gläserspülen ansahen. Ähnliches passierte im Museum am Ostwall in Dortmund mit einem Werk von Martin Kippenberger und sogar bei der Documenta. Aber auch in der jüngeren Mindener Vergangenheit sorgte eine künstlerische Intervention für eine Intervention. Damals hatte zum Melitta-Förderpreis der Künstler Peter Dombrowe das Denkmal des Großen Kurfürsten drehen lassen, sodass der Vertreter der preußischen Regierung in Richtung Berlin-Brandenburg schaute. Das gefiel dem Bürgerbataillon nicht, das dem Standbild zum Auftakt des Freischießens einen Kranz zu Füßen legt. Der Einfluss der Traditionsfreunde auf die Stadt reichte aus, dass die Skulptur für die Dauer des Festes wieder in Richtung Innenstadt gedreht wurde. Alle Erklärungen und Gespräche halfen nichts, es fehlte schlicht die Bereitschaft, sich mit Kunst auseinanderzusetzen. Dagegen ist das versehentliche Mähen einer noch wachsenden Bodenskulptur doch allzu menschlich.