Kommentar zum Thema "Unterhaltsvorschuss": Schlecht gemacht

veröffentlicht

Von Thomas Lieske

Der erste Blick täuscht: Mit dem enormen Anstieg der Ausgaben für Unterhaltsvorschuss im Kreis Minden-Lübbecke könnte man meinen, dass plötzlich viel weniger Elternteile ihrer Pflicht nachkommen, Unterhalt zu zahlen. Tatsächlich sprechen die Zahlen bei genauerem Hinschauen eine andere Sprache. Die ist für die betroffenen Kinder und ihr alleinerziehendes Elternteil womöglich sogar weniger dramatisch als für die Kommunen selbst.

Nach der Unterhaltsreform Mitte 2017 sind Kinder nun länger unterhaltsberechtigt als zuvor. Auch jene Heranwachsenden zwischen 13 und 18 Jahren haben nun Anspruch darauf. Die können aber in der gleichen Familie leben, wie die Sechs-, Sieben- oder Achtjährigen, die in der Statistik auftauchen – und vom gleichen nichtzahlenden Elternteil betroffen sein. Zum anderen rutschen diejenigen, die ihr zwölftes Lebensjahr vollendet haben, nun nicht mehr aus der Statistik heraus, sondern laufen weitere sechs Jahre durch.

Für die Kommunen sollte die Reform eine Erleichterung bringen, tönten damals diejenigen Politiker, die sich dafür eingesetzt haben. Tatsächlich aber ächzen die Städte und Gemeinden ziemlich unter der finanziellen Mehrbelastung und auch Mehrarbeit. Die Aktenordner werden dicker, die Bearbeitung aufwendiger.

Die Reform für Unterhaltsvorschuss war eine gut gemeinte Sache. Doch sie ist ganz klar: schlecht gemacht. ?Seite 6

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Kommentar zum Thema "Unterhaltsvorschuss": Schlecht gemachtVon Thomas Lieske Der erste Blick täuscht: Mit dem enormen Anstieg der Ausgaben für Unterhaltsvorschuss im Kreis Minden-Lübbecke könnte man meinen, dass plötzlich viel weniger Elternteile ihrer Pflicht nachkommen, Unterhalt zu zahlen. Tatsächlich sprechen die Zahlen bei genauerem Hinschauen eine andere Sprache. Die ist für die betroffenen Kinder und ihr alleinerziehendes Elternteil womöglich sogar weniger dramatisch als für die Kommunen selbst. Nach der Unterhaltsreform Mitte 2017 sind Kinder nun länger unterhaltsberechtigt als zuvor. Auch jene Heranwachsenden zwischen 13 und 18 Jahren haben nun Anspruch darauf. Die können aber in der gleichen Familie leben, wie die Sechs-, Sieben- oder Achtjährigen, die in der Statistik auftauchen – und vom gleichen nichtzahlenden Elternteil betroffen sein. Zum anderen rutschen diejenigen, die ihr zwölftes Lebensjahr vollendet haben, nun nicht mehr aus der Statistik heraus, sondern laufen weitere sechs Jahre durch. Für die Kommunen sollte die Reform eine Erleichterung bringen, tönten damals diejenigen Politiker, die sich dafür eingesetzt haben. Tatsächlich aber ächzen die Städte und Gemeinden ziemlich unter der finanziellen Mehrbelastung und auch Mehrarbeit. Die Aktenordner werden dicker, die Bearbeitung aufwendiger. Die Reform für Unterhaltsvorschuss war eine gut gemeinte Sache. Doch sie ist ganz klar: schlecht gemacht. ?Seite 6