Kommentar zum Thema Franzosenkreuz zerstört: Idiotenfreiheit

Stefan Koch

Foto 2018 von www.ChristianSchwier.de - © Foto 2018 von www.ChristianSchwier.de
Foto 2018 von www.ChristianSchwier.de (© Foto 2018 von www.ChristianSchwier.de)

Waren es braun-nationale Patrioten, die dem Gedenkkreuz für in der Gefangenschaft verstorbene Soldaten aus dem deutsch-französischen Krieg den letzen Schlag versetzt hatten? Waren es Islamisten, die – wie in Sozialen Netzwerken vermutet – in der Flüchtlingswelle bis nach Minden gelangt waren, um ihren Haß auf alles christlich-abendländische auszuleben?

Wohl eher nicht. Attacken auf Objekte im öffentlichen Raum sind meist frei von einem Sinn und einer Richtung – auch wenn die geschundenen Gegenstände vielleicht noch die eine oder andere verblasste Botschaft in die Jetztzeit transportiert haben mögen.

So sind es wohl auch nicht Dumpfbacken mit linkspazifistischer Neigung, die ihrer Friedensliebe durch Abschlagen der Nase der Skulptur des umstrittenen Turnvaters Jahn an der Marienstraße in schlichter Form einen Ausdruck geben wollten. Und die nach der Restaurierung das gleiche Objekt heute sichtbar mit rotem Material besudelten. Wie auch der sinnfrei entstellte Soldat im Weserglacis – er erinnert an das in Minden stationierte Hann. Pionierbataillon 10 – Metamorphosen bis hin zur Unkenntlichkeit durchläuft.

Ungeachtet der Gründe von Zerstörungswut wünschen sich viele nach spektakulären Taten, dass Friedhöfe und öffentliche Parkanlagen abgeriegelt, überwacht und kaum noch zugänglich werden. Aber will sich eine offene Gesellschaft solche Einschränkungen wirklich leisten? Es gilt, dass Freiheit immer auch die Freiheit der Idioten ist.

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Kommentar zum Thema Franzosenkreuz zerstört: IdiotenfreiheitStefan KochWaren es braun-nationale Patrioten, die dem Gedenkkreuz für in der Gefangenschaft verstorbene Soldaten aus dem deutsch-französischen Krieg den letzen Schlag versetzt hatten? Waren es Islamisten, die – wie in Sozialen Netzwerken vermutet – in der Flüchtlingswelle bis nach Minden gelangt waren, um ihren Haß auf alles christlich-abendländische auszuleben? Wohl eher nicht. Attacken auf Objekte im öffentlichen Raum sind meist frei von einem Sinn und einer Richtung – auch wenn die geschundenen Gegenstände vielleicht noch die eine oder andere verblasste Botschaft in die Jetztzeit transportiert haben mögen. So sind es wohl auch nicht Dumpfbacken mit linkspazifistischer Neigung, die ihrer Friedensliebe durch Abschlagen der Nase der Skulptur des umstrittenen Turnvaters Jahn an der Marienstraße in schlichter Form einen Ausdruck geben wollten. Und die nach der Restaurierung das gleiche Objekt heute sichtbar mit rotem Material besudelten. Wie auch der sinnfrei entstellte Soldat im Weserglacis – er erinnert an das in Minden stationierte Hann. Pionierbataillon 10 – Metamorphosen bis hin zur Unkenntlichkeit durchläuft. Ungeachtet der Gründe von Zerstörungswut wünschen sich viele nach spektakulären Taten, dass Friedhöfe und öffentliche Parkanlagen abgeriegelt, überwacht und kaum noch zugänglich werden. Aber will sich eine offene Gesellschaft solche Einschränkungen wirklich leisten? Es gilt, dass Freiheit immer auch die Freiheit der Idioten ist.