Minden

Ende mit Folgen: Warum in Minden künftig viele Filme nicht mehr aktuell im Kino laufen

Monika Jäger

Minden (mt). „Die Birke bleibt“, sagt Christina Ruhs – auch wenn „Cinema am Schwan“ und „Savoy“ demnächst schließen. Deren letzte Vorstellung wird allerdings wohl schon Ende August sein, so die Kinobetreiberin. „Wir müssen am 26. September die Schlüssel abgeben und vorher alles ausräumen:“ Das Mindener Publikum werde deutlich spüren, wenn es nur noch ein Kino gibt, denn der Verleih bestimmter topaktueller Filme ist an feste Auflagen gebunden. Neue Disney-Filme beispielsweise könne sie künftig nicht mehr zum Bundesstart zeigen, erwartet Christina Ruhs. „Da gibt es strenge Verträge“: Drei bis vier Wochen nur diesen einen Film im Kino, in jeder Vorstellung, 14, 16, 18, 20, spät...: „Das läuft in Minden vielleicht in der ersten Woche gut, aber danach abends nicht mehr.“

Wie das Publikum darauf reagieren wird, bleibe abzuwarten. Ruhs blickt nicht ohne Bitterkeit auf die Entwicklung: „Das Kino in Oeynhausen lebt doch von Minden.“ Immer wieder hatte Familie Ruhs versucht, ihre Pläne für ein Multiplex zu verwirklichen.

Zu diesem Thema gibt und gab es allerdings unterschiedliche Sichtweisen zwischen Ruhs und den zuständigen Behörden, zu denen auch die Stadt Minden gehört. Während zum Beispiel die Kinofamilie immer wieder betonte, sie habe fertige Pläne in der Schublade und brauche nur das „Go“, standen planungsrechtlich ungeklärte Fragen im Raum. Zuletzt war es um das Seitz-Enzinger-Noll-Gelände an der Ringstraße gegangen, das Ruhs erworben hatten. Ein Kino konnte jedoch hier nicht ohne weiteres errichtet werden. Denn Zu- und Abfahrten von der belebten Hauptstraße waren dort ebenso ein kaum zu klärendes Problem wie der Lärmschutz für die Bewohner des angrenzenden Quartiers.

Über den anstehenden Abschied von den beiden kleinen Kinos ist Christina Ruhs alles andere als glücklich. Zumal es der Hausbesitzer gewesen sei, der ihnen im Januar fristgerecht gekündigt habe (der Pachtvertrag lief mit halbjähriger Kündigungsfrist), und nicht anders herum. Der übrigens bestätigt das auf MT-Anfrage, macht aber auch nochmals deutlich, dass er sich für das Objekt eine Zukunft wünschte, mit der „das Potenzial der schönen Räumlichkeiten ausgenutzt“ werde. Das könnte Gastronomie, eine Event-Location oder auch wieder ein Kino sein.

Auch, wenn beide Seiten sagen, es habe keinen Streit gegeben, klingt in Christina Ruhs' Worten an, dass der Zustand der Räume mehrfach Thema gewesen sein muss. Dass beide Säle eine Renovierung vertragen hätten und das Ambiente zu wünschen übrig ließ – etwas, das viele MT-Online-Kommentatoren nach dem ersten Bericht anmerkten – ist Christina Ruhs klar. „Man überlegt sich eben, ob man in ein Pachtobjekt viel Geld reinsteckt, wo man nicht weiß, wann und ob man es wieder rausbekommt.“ Dennoch sei über eine neue Bestuhlung nachgedacht worden, die allerdings „zwischen 150.000 und 200.000 Euro“ kosten könne. Es habe Pläne gegeben, diese beiden Säle noch stärker zu einem Programmkino umzugestalten.

Wird das Geld jetzt in die „Birke“ investiert? Ruhs: „Wahrscheinlich.“ Auch die Birke wird gepachtet, das Gebäude ist inzwischen im Besitz einer Stiftung. Die alte Technik im „Cinema“ und „Savoy“ wird ausgebaut und aufbewahrt – „für Ersatzteile“. Haben sich die Mindener Kinos zuletzt überhaupt noch getragen, oder stimmt der Eindruck vieler MT-Online-Kommentatoren, dass sie meist leer standen? „Wir waren froh, wenn wir nichts zubuttern mussten“, sagt Ruhs dazu. Insgesamt habe es sich gerechnet. Zu guten Filmen kämen auch in der Regel genug Besucher, oft seien es in Minden Familien. „Kino ist eben immer noch ein besonderes Gemeinschaftserlebnis.“

Im Juni 2011 hatten Ruhs die Kinos übernommen und seither unter anderem in digitale Technik investiert. Ihnen gehört auch das Kino in Rinteln mit vier Sälen. Wie sich diese Branche weiterentwickelt? Ruhs mag da keine Prognose wagen. Nur einmal sagt sie: „Die Leute streamen eben viel.“

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MindenEnde mit Folgen: Warum in Minden künftig viele Filme nicht mehr aktuell im Kino laufenMonika JägerMinden (mt). „Die Birke bleibt“, sagt Christina Ruhs – auch wenn „Cinema am Schwan“ und „Savoy“ demnächst schließen. Deren letzte Vorstellung wird allerdings wohl schon Ende August sein, so die Kinobetreiberin. „Wir müssen am 26. September die Schlüssel abgeben und vorher alles ausräumen:“ Das Mindener Publikum werde deutlich spüren, wenn es nur noch ein Kino gibt, denn der Verleih bestimmter topaktueller Filme ist an feste Auflagen gebunden. Neue Disney-Filme beispielsweise könne sie künftig nicht mehr zum Bundesstart zeigen, erwartet Christina Ruhs. „Da gibt es strenge Verträge“: Drei bis vier Wochen nur diesen einen Film im Kino, in jeder Vorstellung, 14, 16, 18, 20, spät...: „Das läuft in Minden vielleicht in der ersten Woche gut, aber danach abends nicht mehr.“ Wie das Publikum darauf reagieren wird, bleibe abzuwarten. Ruhs blickt nicht ohne Bitterkeit auf die Entwicklung: „Das Kino in Oeynhausen lebt doch von Minden.“ Immer wieder hatte Familie Ruhs versucht, ihre Pläne für ein Multiplex zu verwirklichen. Zu diesem Thema gibt und gab es allerdings unterschiedliche Sichtweisen zwischen Ruhs und den zuständigen Behörden, zu denen auch die Stadt Minden gehört. Während zum Beispiel die Kinofamilie immer wieder betonte, sie habe fertige Pläne in der Schublade und brauche nur das „Go“, standen planungsrechtlich ungeklärte Fragen im Raum. Zuletzt war es um das Seitz-Enzinger-Noll-Gelände an der Ringstraße gegangen, das Ruhs erworben hatten. Ein Kino konnte jedoch hier nicht ohne weiteres errichtet werden. Denn Zu- und Abfahrten von der belebten Hauptstraße waren dort ebenso ein kaum zu klärendes Problem wie der Lärmschutz für die Bewohner des angrenzenden Quartiers. Über den anstehenden Abschied von den beiden kleinen Kinos ist Christina Ruhs alles andere als glücklich. Zumal es der Hausbesitzer gewesen sei, der ihnen im Januar fristgerecht gekündigt habe (der Pachtvertrag lief mit halbjähriger Kündigungsfrist), und nicht anders herum. Der übrigens bestätigt das auf MT-Anfrage, macht aber auch nochmals deutlich, dass er sich für das Objekt eine Zukunft wünschte, mit der „das Potenzial der schönen Räumlichkeiten ausgenutzt“ werde. Das könnte Gastronomie, eine Event-Location oder auch wieder ein Kino sein. Auch, wenn beide Seiten sagen, es habe keinen Streit gegeben, klingt in Christina Ruhs' Worten an, dass der Zustand der Räume mehrfach Thema gewesen sein muss. Dass beide Säle eine Renovierung vertragen hätten und das Ambiente zu wünschen übrig ließ – etwas, das viele MT-Online-Kommentatoren nach dem ersten Bericht anmerkten – ist Christina Ruhs klar. „Man überlegt sich eben, ob man in ein Pachtobjekt viel Geld reinsteckt, wo man nicht weiß, wann und ob man es wieder rausbekommt.“ Dennoch sei über eine neue Bestuhlung nachgedacht worden, die allerdings „zwischen 150.000 und 200.000 Euro“ kosten könne. Es habe Pläne gegeben, diese beiden Säle noch stärker zu einem Programmkino umzugestalten. Wird das Geld jetzt in die „Birke“ investiert? Ruhs: „Wahrscheinlich.“ Auch die Birke wird gepachtet, das Gebäude ist inzwischen im Besitz einer Stiftung. Die alte Technik im „Cinema“ und „Savoy“ wird ausgebaut und aufbewahrt – „für Ersatzteile“. Haben sich die Mindener Kinos zuletzt überhaupt noch getragen, oder stimmt der Eindruck vieler MT-Online-Kommentatoren, dass sie meist leer standen? „Wir waren froh, wenn wir nichts zubuttern mussten“, sagt Ruhs dazu. Insgesamt habe es sich gerechnet. Zu guten Filmen kämen auch in der Regel genug Besucher, oft seien es in Minden Familien. „Kino ist eben immer noch ein besonderes Gemeinschaftserlebnis.“ Im Juni 2011 hatten Ruhs die Kinos übernommen und seither unter anderem in digitale Technik investiert. Ihnen gehört auch das Kino in Rinteln mit vier Sälen. Wie sich diese Branche weiterentwickelt? Ruhs mag da keine Prognose wagen. Nur einmal sagt sie: „Die Leute streamen eben viel.“