Minden

Lidl reißt seine Filiale in der Stiftstraße ab und baut neu - der Verkauf läuft "kompakt" weiter

Jürgen Langenkämper

Die Tage sind gezählt: Der Lidl in der Stiftstraße schließt am Samstag. Der Verkauf läuft danach in der gegenüberliegenden Ladenzeile weiter. MT- - © Foto: Alex Lehn
Die Tage sind gezählt: Der Lidl in der Stiftstraße schließt am Samstag. Der Verkauf läuft danach in der gegenüberliegenden Ladenzeile weiter. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Minden (mt). Das Auge isst mit. Gemäß dem alten Sprichwort schicken sich derzeit Mindens Lebensmittelhändler an, ihre Läden herauszuputzen. Nach Aldi in der Stiftsallee, Edeka Röthemeier in der Kutenhauser Straße und Penny in der Marienstraße, wo noch gewerkelt wird, ist in Kürze die Lidl-Filiale in der Stiftstraße dran. Am Samstag schließt der 15 Jahre alte Bau. Danach wird er abgerissen, und die Filialdirektion der Discounter-Kette baut komplett neu. Bis zur Neueröffnung im Winter 2020 läuft der Verkauf auf kleinerer Fläche als „Lidl kompakt“ in der gegenüberliegenden Ladenzeile auf demselben Gelände weiter.

Im September 2004 eröffnet, ist der schlichte Bau architektonisch und technisch in die Jahre gekommen, vor allem scheint er aber funktionell nicht mehr den Anforderungen des Betreibers zu entsprechen. Dabei geht es gar nicht um die schiere Größe. „Die Verkaufsfläche steigt um rund 100 Quadratmeter von 1.270 auf 1.380 Quadratmeter“, sagt Christian Körkemeier aus der Immobilien-Abteilung der in Paderborn ansässigen Regionaldirektion. Elf derartige Bauprojekte haben die Lidl-Architekten und -Bauingenieure in den nächsten Monaten in ihrem Zuständigkeitsbereich in OWL und einem kleinen angrenzenden Teil in Niedersachsen „vor der Brust“.

Der Markt in der Stiftstraße ist die erste der drei Filialen in Minden, die ein neues Gewand erhalten sollen. Wie das aussehen soll, ist seit Ende März am Schwabenring zu sehen, wo der Discounter auf dem ehemaligen WEZ-Gelände seine vierte Filiale im Stadtgebiet errichtet hat, „ein Expansionsstandort“, wie Körkemeier sagt. Wann die anderen Umbauten erfolgen, sei gegenwärtig noch nicht absehbar.

Sehr klare Vorstellungen hat die Regionaldirektion dagegen davon, wie die Geschäfte in der Stiftstraße während der Bauphase weitergehen sollen. Bereits angelaufen ist nämlich die Ausstattung eines leerstehenden ehemaligen Getränkemarktes in der Ladenzeile auf demselben Areal, dem einstigen Melitta-Mitarbeiterparkplatz und früheren Gelände der 1970 abgerissenen Hufeisenfabrik Hoppe & Homann.

Nach der letztmaligen Schließung der jetzigen Filiale am Samstagabend um 18 Uhr werden in den ersten Tagen der Folgewoche die Regale des gegenüberliegenden Provisoriums eingeräumt. Bereits am Donnerstag kommender Woche werde der Betrieb zu den üblichen Öffnungszeiten von 7 bis 21 Uhr weitergeführt, kündigt Immobilienleiter Matthias Sontheimer aus Paderborn an. „Dafür haben wir die leerstehenden Flächen des Fachmarktzentrums zu einem ,Lidl Kompakt umgebaut.“ Während der rund sechs Monate langen Bauphase steht dort eine Verkaufsfläche von 600 Quadratmetern zur Verfügung.

Weiterhin ergänzt Sontheimer, „dass wir sehr froh sind, den Standort im vergangenen Jahr von unserem Vermieter erworben haben zu können“. Dadurch eröffnete sich Lidl auch die Möglichkeit, den Standort in Absprache mit Architekten, Fachplanern und der Stadtverwaltung ganz anders aufzustellen. „Der neue Markt wird um 180 Grad gedreht“, blickt Sontheimer voraus. Konkret bedeutet dies, dass der gegenüber dem bisherigen Gebäudetyp grundlegend veränderte Eingangsbereich zur Straße ausgerichtet ist, statt unscheinbar im rückwärtigen Gelände zu liegen. Mit Sontheimers Worten wird der neue Bau „durch seine deutlich hochwertigere Architektur viel besser an der Stiftstraße präsentiert“. Das Konzept hat Lidl bereits bei ausländischen Töchtern praktiziert, wo das Baurecht keine so hohen Anforderungen stellt wie in Deutschland – und eben auch in Minden am Schwabenring.

Angestrebt werden durch den Neubau aber nicht mehr Regalmeter und eine Ausweitung des Sortimentes, sondern großzügigere Gänge für die Kunden und – für die Kunden eher unsichtbar – eine leichtere Warenverfügbarkeit, mehr Lagerflächen, eine optimierte Logistik und eine bessere Arbeitsumgebung für die Mitarbeiter, wie Körkemeier sagt.

Zwangsläufig bringt der Neubau eine Neugestaltung der Parkplatzanlage des „Stift Centers“, wie das Unternehmen das Ensemble in seinem Gesamtbesitz nennen möchte, mit sich. Der Parkplatz solle „revitalisiert“ werden, wie Sontheimer sagt, und „den heutigen Ansprüchen der Kunden und Automobile angepasst“ werden – und die werden immer breiter, wie mancher schon beim Öffnen der eigenen Autotüren und am Hinein- und Hinauszwängen gemerkt haben mag. „Die Stellplätze werden größer – 5,20 Meter mal 2,70 Meter“, sagt Körkemeier. Mit der Stadt werde die Begrünung abgestimmt – „zur Optimierung des Straßenbildes an der Stiftstraße“. Einer spezieller Sonnenschutz mit Schattenparkplätzen wie in südlichen Ländern und auch vereinzelt schon im Stadtgebiet ist – auch in Zeiten des Klimawandels – nicht gesondert vorgesehen.

Zu den Investitionskosten macht der Discounter keine Angaben – wohl aus unternehmenspolitischen Erwägungen. Aber angesichts einer anhaltenden Baukonjunktur und steigender Preise in den beteiligten Gewerken dürfte keine Kalkulation wie die vorhergehenden ausfallen.

Vom alten Gebäude bleibe nichts erhalten, sagt Körkemeier. „Discounter-Ruinen“, wie aus früheren Jahrzehnten an vielen Stellen übrig geblieben und anderen Nutzungen zugeführt – sollen der Vergangenheit angehören. Neubau am bestehenden Standort heißt die Maxime. „Dies Ziel wird deutschlandweit angestrebt“, sagt Körkemeier, „jedoch bremsen behördliche Auflagen oder auch Verhandlungen mit Investorengesellschaften derartige Investitionen häufig aus, so dass es zu städtebaulichen Missständen kommt bzw. der Eindruck von ,Discounter-Ruinen entstehen mag“. In der Mindener Bauverwaltung stieß das Unternehmen auf keine unüberwindbaren Probleme. „Wir freuen uns sehr, dass wir hier die Unterstützung für das Projekt erhalten haben“, sagt der Paderborner.

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MindenLidl reißt seine Filiale in der Stiftstraße ab und baut neu - der Verkauf läuft "kompakt" weiterJürgen LangenkämperMinden (mt). Das Auge isst mit. Gemäß dem alten Sprichwort schicken sich derzeit Mindens Lebensmittelhändler an, ihre Läden herauszuputzen. Nach Aldi in der Stiftsallee, Edeka Röthemeier in der Kutenhauser Straße und Penny in der Marienstraße, wo noch gewerkelt wird, ist in Kürze die Lidl-Filiale in der Stiftstraße dran. Am Samstag schließt der 15 Jahre alte Bau. Danach wird er abgerissen, und die Filialdirektion der Discounter-Kette baut komplett neu. Bis zur Neueröffnung im Winter 2020 läuft der Verkauf auf kleinerer Fläche als „Lidl kompakt“ in der gegenüberliegenden Ladenzeile auf demselben Gelände weiter. Im September 2004 eröffnet, ist der schlichte Bau architektonisch und technisch in die Jahre gekommen, vor allem scheint er aber funktionell nicht mehr den Anforderungen des Betreibers zu entsprechen. Dabei geht es gar nicht um die schiere Größe. „Die Verkaufsfläche steigt um rund 100 Quadratmeter von 1.270 auf 1.380 Quadratmeter“, sagt Christian Körkemeier aus der Immobilien-Abteilung der in Paderborn ansässigen Regionaldirektion. Elf derartige Bauprojekte haben die Lidl-Architekten und -Bauingenieure in den nächsten Monaten in ihrem Zuständigkeitsbereich in OWL und einem kleinen angrenzenden Teil in Niedersachsen „vor der Brust“. Der Markt in der Stiftstraße ist die erste der drei Filialen in Minden, die ein neues Gewand erhalten sollen. Wie das aussehen soll, ist seit Ende März am Schwabenring zu sehen, wo der Discounter auf dem ehemaligen WEZ-Gelände seine vierte Filiale im Stadtgebiet errichtet hat, „ein Expansionsstandort“, wie Körkemeier sagt. Wann die anderen Umbauten erfolgen, sei gegenwärtig noch nicht absehbar. Sehr klare Vorstellungen hat die Regionaldirektion dagegen davon, wie die Geschäfte in der Stiftstraße während der Bauphase weitergehen sollen. Bereits angelaufen ist nämlich die Ausstattung eines leerstehenden ehemaligen Getränkemarktes in der Ladenzeile auf demselben Areal, dem einstigen Melitta-Mitarbeiterparkplatz und früheren Gelände der 1970 abgerissenen Hufeisenfabrik Hoppe & Homann. Nach der letztmaligen Schließung der jetzigen Filiale am Samstagabend um 18 Uhr werden in den ersten Tagen der Folgewoche die Regale des gegenüberliegenden Provisoriums eingeräumt. Bereits am Donnerstag kommender Woche werde der Betrieb zu den üblichen Öffnungszeiten von 7 bis 21 Uhr weitergeführt, kündigt Immobilienleiter Matthias Sontheimer aus Paderborn an. „Dafür haben wir die leerstehenden Flächen des Fachmarktzentrums zu einem ,Lidl Kompakt‘ umgebaut.“ Während der rund sechs Monate langen Bauphase steht dort eine Verkaufsfläche von 600 Quadratmetern zur Verfügung. Weiterhin ergänzt Sontheimer, „dass wir sehr froh sind, den Standort im vergangenen Jahr von unserem Vermieter erworben haben zu können“. Dadurch eröffnete sich Lidl auch die Möglichkeit, den Standort in Absprache mit Architekten, Fachplanern und der Stadtverwaltung ganz anders aufzustellen. „Der neue Markt wird um 180 Grad gedreht“, blickt Sontheimer voraus. Konkret bedeutet dies, dass der gegenüber dem bisherigen Gebäudetyp grundlegend veränderte Eingangsbereich zur Straße ausgerichtet ist, statt unscheinbar im rückwärtigen Gelände zu liegen. Mit Sontheimers Worten wird der neue Bau „durch seine deutlich hochwertigere Architektur viel besser an der Stiftstraße präsentiert“. Das Konzept hat Lidl bereits bei ausländischen Töchtern praktiziert, wo das Baurecht keine so hohen Anforderungen stellt wie in Deutschland – und eben auch in Minden am Schwabenring. Angestrebt werden durch den Neubau aber nicht mehr Regalmeter und eine Ausweitung des Sortimentes, sondern großzügigere Gänge für die Kunden und – für die Kunden eher unsichtbar – eine leichtere Warenverfügbarkeit, mehr Lagerflächen, eine optimierte Logistik und eine bessere Arbeitsumgebung für die Mitarbeiter, wie Körkemeier sagt. Zwangsläufig bringt der Neubau eine Neugestaltung der Parkplatzanlage des „Stift Centers“, wie das Unternehmen das Ensemble in seinem Gesamtbesitz nennen möchte, mit sich. Der Parkplatz solle „revitalisiert“ werden, wie Sontheimer sagt, und „den heutigen Ansprüchen der Kunden und Automobile angepasst“ werden – und die werden immer breiter, wie mancher schon beim Öffnen der eigenen Autotüren und am Hinein- und Hinauszwängen gemerkt haben mag. „Die Stellplätze werden größer – 5,20 Meter mal 2,70 Meter“, sagt Körkemeier. Mit der Stadt werde die Begrünung abgestimmt – „zur Optimierung des Straßenbildes an der Stiftstraße“. Einer spezieller Sonnenschutz mit Schattenparkplätzen wie in südlichen Ländern und auch vereinzelt schon im Stadtgebiet ist – auch in Zeiten des Klimawandels – nicht gesondert vorgesehen. Zu den Investitionskosten macht der Discounter keine Angaben – wohl aus unternehmenspolitischen Erwägungen. Aber angesichts einer anhaltenden Baukonjunktur und steigender Preise in den beteiligten Gewerken dürfte keine Kalkulation wie die vorhergehenden ausfallen. Vom alten Gebäude bleibe nichts erhalten, sagt Körkemeier. „Discounter-Ruinen“, wie aus früheren Jahrzehnten an vielen Stellen übrig geblieben und anderen Nutzungen zugeführt – sollen der Vergangenheit angehören. Neubau am bestehenden Standort heißt die Maxime. „Dies Ziel wird deutschlandweit angestrebt“, sagt Körkemeier, „jedoch bremsen behördliche Auflagen oder auch Verhandlungen mit Investorengesellschaften derartige Investitionen häufig aus, so dass es zu städtebaulichen Missständen kommt bzw. der Eindruck von ,Discounter-Ruinen‘ entstehen mag“. In der Mindener Bauverwaltung stieß das Unternehmen auf keine unüberwindbaren Probleme. „Wir freuen uns sehr, dass wir hier die Unterstützung für das Projekt erhalten haben“, sagt der Paderborner.