Minden

Borkenkäferplage: Zustand des Waldes in Minden-Lübbecke verschlechtert sich dramatisch

Sebastian Radermacher

Der Borkenkäfer-Befall hat dem Wald im Kreis Minden-Lübbecke arg zugesetzt. Markus Uhr vom Regionalforstamt OWL nennt die Entwicklung „verheerend“. Foto: Matthias Hiekel/dpa - © Matthias Hiekel
Der Borkenkäfer-Befall hat dem Wald im Kreis Minden-Lübbecke arg zugesetzt. Markus Uhr vom Regionalforstamt OWL nennt die Entwicklung „verheerend“. Foto: Matthias Hiekel/dpa (© Matthias Hiekel)

Minden (mt). Markus Uhr steht vor etwa 30 aufeinandergestapelten Baumstämmen, mitten im Wald bei Häverstädt. Mit einem Messer ritzt der Förster einen kleinen Schlitz in eine der Fichten. Um das Problem zu verdeutlichen, benötigt er keine Kraftanstrengung: Ein etwa 50 Zentimeter langes Stück Rinde löst sich sofort und fällt auf den Boden. „Dieser Baum war nicht mehr zu retten. Gegen die Masse an Borkenkäfern hatte er keine Chance“, bedauert der 49-Jährige und zeigt auf die Innenseite der Rinde: Zahlreiche winzige Gänge machen deutlich, wie stark sich die Krabbeltiere im Inneren des Baumes ausgebreitet hatten.

Markus Uhr bezeichnet die aktuelle Entwicklung als verheerend. „Der Wald im Kreis Minden-Lübbecke ist so stark von Borkenkäfern befallen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr“, sagt der Revierförster des Regionalforstamtes OWL. In seiner Zuständigkeit liegen Waldflächen in Petershagen, Hille, Minden, Bad Oeynhausen und Porta Westfalica – er muss eine Gesamtfläche von 480 Quadratkilometern im Blick haben.

Warum ist die Lage so dramatisch? Das hänge mit dem Zusammenspiel von Sturm, Hitze und Dürre im vergangenen Jahr zusammen, was zu einer massiven Vermehrung des Borkenkäfers geführt habe, erklärt Uhr. Los ging es mit dem Orkantief „Friederike“, das am 18. Januar 2018 – auf den Tag genau elf Jahre nach „Kyrill“ – über NRW hinwegfegte. „Durch den nassen Winter waren die Böden im Wiehengebirge sehr weich und Friederike hatte leichtes Spiel“, erklärt Uhr. Er schätzt, dass allein in seinem Revier 8.000 bis 10.000 Bäume entwurzelt oder abgeknickt wurden.

Der Borkenkäfer ist natürlicher Bestandteil eines gesunden Waldes, er gehört zum Ökosystem dazu. Gesunde Bäume können sich normalerweise auch gut gegen ihn wehren: Bohrt der Käfer eine Fichte an, gibt diese Harz ab und verklebt damit das Insekt. Vermehrt sich der Borkenkäfer allerdings massenhaft, kommen die Bäume mit der Harzproduktion nicht mehr hinterher und stoßen mit dieser Abwehrmethode an ihre Grenzen. Gleichzeitig setzten die Käfer einen Duftstoff ab und locken somit weitere Artgenossen an, erklärt Uhr. Sie bohren sich durch die Rinde, um im Inneren ihre Larven abzulegen. Dabei zerstören sie die Leitungen, durch die Wasser und Nährstoffe transportiert werden. Der Baum verdurstet.

Förster Markus Uhr zeigt ein Stück Fichtenrinde, die von Borkenkäfern befallen war. MT- - © Foto: rad
Förster Markus Uhr zeigt ein Stück Fichtenrinde, die von Borkenkäfern befallen war. MT- (© Foto: rad)

Genau diese negative Entwicklung beobachten Uhr und seine Kollegen aus den anderen Forstämtern in NRW – sie sind Mitarbeiter des Landesbetriebs Wald und Holz – sehr stark seit dem vergangenen Jahr. Beflügelt von dem Super-Sommer 2018 mit einer wochenlangen Hitze- und Dürreperiode konnte sich der Borkenkäfer nämlich massiv vermehren. Gleichzeitig waren die Bäume durch die Witterung geschwächt. „Es hat leider von Februar bis Oktober 2018 viel zu wenig geregnet. In Minden-Lübbecke fiel nur knapp die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags“, sagt Uhr. Bis zu vier Generationen konnten die Krabbeltiere 2018 bilden, normal seien zwei. „Aus der Brut eines einzigen Käferweibchens im Frühjahr folgten am Ende des Jahres bis zu 250.000 Nachkommen“, verdeutlicht der Förster.

Vorne saftiges Grün, dahinter vertrocknetes Braun: Zahlreiche Fichten in diesem Waldstück in Petershagen-Quetzen sind vom Borkenkäfer befallen und nicht mehr zu retten. MT- - © Foto: Thomas Traue
Vorne saftiges Grün, dahinter vertrocknetes Braun: Zahlreiche Fichten in diesem Waldstück in Petershagen-Quetzen sind vom Borkenkäfer befallen und nicht mehr zu retten. MT- (© Foto: Thomas Traue)

Etwa 1.500 Festmeter an von Käfern befallenem Holz (ein Festmeter ist ein Kubikmeter feste Holzmasse) hat Uhr 2018 in seinem Revier fällen müssen. In diesem Jahr waren es bereits weitere 1.500 Festmeter. Und das ist noch lange nicht das Ende. Denn trotz der Anstrengungen, die befallene Bäume zu fällen und bis zum Frühjahr abzutransportieren, seien etliche Käfer in den Boden zur Überwinterung entkommen. Uhr bezieht sich auf aktuelle Zahlen von Experten, wonach mehr als 900.000 Käfer je Hektar Befallsfläche im Boden überwintert haben. In Wäldern, in denen die befallenen Bäume nicht aufgearbeitet wurden, kämen 3,8 Millionen Borkenkäfer pro Hektar hinzu, die unter der Baumrinde überwintern konnten. Uhr: „Bis Mitte Mai haben sich alle Käfer in bislang gesunde Fichten eingebohrt und dort ihre Eier gelegt. Die befallenen Bäume sterben jetzt unabwendbar ab – und die Massenvermehrung geht in die nächste Runde.“

Was die Waldbesitzer hart trifft: Wegen des großen Nadelholzangebots aus der Borkenkäferbekämpfung sind die Preise auf dem Markt im Keller. „Da bleibt beim Verkauf nicht viel übrig – das ist bitter. Viele Waldbesitzer verlieren ganze Bestände, die Erlöse sind minimal und dann steht in den nächsten Jahren die Wiederbewaldung an, der Unmut ist riesig“, sagt Uhr. Die Sägewerke könnten diese Unmengen gar nicht aufnehmen, es fehlten zudem Lkw-Kapazitäten, um das Holz schnell genug abzutransportieren. Der Nadelholzmarkt in Europa sei quasi zusammengebrochen. „Dieser Stapel hier wurde nach China verkauft“, sagt Uhr beim Termin in Häverstädt.

Der Förster und seine Kollegen sind seit „Friederike“ im Dauereinsatz gegen den Borkenkäfer. Konsequent durchforsten sie die Flächen. Dabei seien die sichtbar abgestorbenen Bäume gar nicht das Hauptproblem. Denn der Käfer benötigt saftige, aber möglichst geschwächte Exemplare. „Wenn wir einen befallenen Baum ausfindig gemacht haben, müssen wir uns zwingend die Fichten um ihn herum genau ansehen“, erklärt Uhr. Denn wenn sich die Larven unter der Rinde entwickelt haben, bohren sie sich Löcher nach draußen, fliegen zum nächsten Baum und machen dort weiter. „Wenn wir einen befallenen Baum nicht ausfindig machen, können am Ende des Jahres bis zu 120 weitere Bäume abgestorben sein“, betont er. „Das ist aufwendige Detektiv-Arbeit.“ Optimal ist es, wenn die Bäume entdeckt werden, wo sich die Larven gerade erst eingenistet haben. „Wenn wir ihn dann fällen und entfernen, bleiben die Fichten im Umkreis verschont.“ Das sei aber nicht immer der Fall .

Was dem Förster wichtig ist: „Auch wenn es für Außenstehende manchmal einen anderen Eindruck macht: Wir fällen nur Bäume, die nicht mehr zu retten sind.“ Es könne sein, dass ein Baum noch komplett grüne Nadeln habe, aber vom Borkenkäfer bereits so stark befallen sei, dass er keine Überlebenschance habe. „Dann müssen wir eingreifen.“ Und da die Situation so prekär ist, müssen die Förster nun auch teilweise Insektizide einsetzen, um die Käfer zu töten. „Wenn es nicht mehr anders geht, müssen wir spritzen. Sonst kriegen wir das Problem nicht mehr in den Griff.“

Der Anteil der Fichten im Wiehengebirge ist seit Jahren auf dem Rückzug. Nur noch zwölf Prozent der Waldfläche ist von diesen Nadelbäumen bewachsen, sagt Uhr. Die hier beherrschende Baumart bleibt die Buche mit einem Anteil von über 50 Prozent. Doch auch Buchen sterben jetzt vermehrt in Folge der Trockenheit, ebenso Lärchen und Birken. Zwar sind aktuell meist nur einzelne Buchen zu erkennen, deren Kronen kahl geworden sind. Doch Uhr befürchtet, dass die Zahl deutlich zunehmen wird. „Vor allem am Südhang des Wiehen, zwischen Dehme und Porta, sind schon massive Schäden zu beobachten“, sagt er. Das Problem bei den Buchen: Verschiedene Insekten, etwa der kleine Buchenborkenkäfer, aber auch Pilze- und Bakterieninfektionen sind an ihrem Sterben beteiligt. Zudem ist Buchenholz nicht so widerstandsfähig, befallene Kronen werden schneller brüchig als bei anderen Baumarten. Und den Förstern fehlen obendrein Erfahrungswerte mit Borkenkäferbefall an Buchen. „Wir wissen nicht, ob wir etwas dagegen unternehmen können“, sagt Uhr.

Alle Schäden, die die Förster zurzeit beobachten, seien Folgen der letztjährigen Witterung. Auch dieses Jahr sei bislang zu trocken, betont Uhr. „Die möglichen Folgen von zwei aufeinander folgenden Trockenjahren möchte ich mir nicht ausmalen.“ Für die nächsten Wochen hofft er deshalb auf reichlich Regen und niedrigere Temperaturen. Auch wenn er sich mit dieser Aussage in den Sommerferien keine Freunde macht. „Das würde den Bäumen ungemein helfen, und die Borkenkäfer könnte sich nicht so schnell vermehren“, sagt der Förster.

Käferarten

- Drei Arten von Borkenkäfern gelten als besonders relevant in Fichtenwäldern:

- Der Buchdrucker ist der gefährlichste Schadorganismus. Er befällt den Stammbereich in mittelalten bis alten Fichtenbeständen (ab 50 bis 60 Jahre).

- Der Kupferstecher bevorzugt dünnborkige Stammteile im Kronenbereich älterer Fichten sowie Jungpflanzen. Schon dünne Äste und Kronenmaterial ab einem Durchmesser von drei Zentimetern können bruttaugliches Material für ihn sein.

- Der Gestreifte Nutzholzborkenkäfer befällt eingeschlagenes Nadelholz, absterbende Bäume oder auch frische Stöcke. Sein Befall kann das Holz erheblich entwerten, eine Gefährdung für die Wälder ist er aber nicht. (Quelle: Wald und Holz NRW)

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MindenBorkenkäferplage: Zustand des Waldes in Minden-Lübbecke verschlechtert sich dramatischSebastian RadermacherMinden (mt). Markus Uhr steht vor etwa 30 aufeinandergestapelten Baumstämmen, mitten im Wald bei Häverstädt. Mit einem Messer ritzt der Förster einen kleinen Schlitz in eine der Fichten. Um das Problem zu verdeutlichen, benötigt er keine Kraftanstrengung: Ein etwa 50 Zentimeter langes Stück Rinde löst sich sofort und fällt auf den Boden. „Dieser Baum war nicht mehr zu retten. Gegen die Masse an Borkenkäfern hatte er keine Chance“, bedauert der 49-Jährige und zeigt auf die Innenseite der Rinde: Zahlreiche winzige Gänge machen deutlich, wie stark sich die Krabbeltiere im Inneren des Baumes ausgebreitet hatten. Markus Uhr bezeichnet die aktuelle Entwicklung als verheerend. „Der Wald im Kreis Minden-Lübbecke ist so stark von Borkenkäfern befallen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr“, sagt der Revierförster des Regionalforstamtes OWL. In seiner Zuständigkeit liegen Waldflächen in Petershagen, Hille, Minden, Bad Oeynhausen und Porta Westfalica – er muss eine Gesamtfläche von 480 Quadratkilometern im Blick haben. Warum ist die Lage so dramatisch? Das hänge mit dem Zusammenspiel von Sturm, Hitze und Dürre im vergangenen Jahr zusammen, was zu einer massiven Vermehrung des Borkenkäfers geführt habe, erklärt Uhr. Los ging es mit dem Orkantief „Friederike“, das am 18. Januar 2018 – auf den Tag genau elf Jahre nach „Kyrill“ – über NRW hinwegfegte. „Durch den nassen Winter waren die Böden im Wiehengebirge sehr weich und Friederike hatte leichtes Spiel“, erklärt Uhr. Er schätzt, dass allein in seinem Revier 8.000 bis 10.000 Bäume entwurzelt oder abgeknickt wurden. Der Borkenkäfer ist natürlicher Bestandteil eines gesunden Waldes, er gehört zum Ökosystem dazu. Gesunde Bäume können sich normalerweise auch gut gegen ihn wehren: Bohrt der Käfer eine Fichte an, gibt diese Harz ab und verklebt damit das Insekt. Vermehrt sich der Borkenkäfer allerdings massenhaft, kommen die Bäume mit der Harzproduktion nicht mehr hinterher und stoßen mit dieser Abwehrmethode an ihre Grenzen. Gleichzeitig setzten die Käfer einen Duftstoff ab und locken somit weitere Artgenossen an, erklärt Uhr. Sie bohren sich durch die Rinde, um im Inneren ihre Larven abzulegen. Dabei zerstören sie die Leitungen, durch die Wasser und Nährstoffe transportiert werden. Der Baum verdurstet. Genau diese negative Entwicklung beobachten Uhr und seine Kollegen aus den anderen Forstämtern in NRW – sie sind Mitarbeiter des Landesbetriebs Wald und Holz – sehr stark seit dem vergangenen Jahr. Beflügelt von dem Super-Sommer 2018 mit einer wochenlangen Hitze- und Dürreperiode konnte sich der Borkenkäfer nämlich massiv vermehren. Gleichzeitig waren die Bäume durch die Witterung geschwächt. „Es hat leider von Februar bis Oktober 2018 viel zu wenig geregnet. In Minden-Lübbecke fiel nur knapp die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags“, sagt Uhr. Bis zu vier Generationen konnten die Krabbeltiere 2018 bilden, normal seien zwei. „Aus der Brut eines einzigen Käferweibchens im Frühjahr folgten am Ende des Jahres bis zu 250.000 Nachkommen“, verdeutlicht der Förster. Etwa 1.500 Festmeter an von Käfern befallenem Holz (ein Festmeter ist ein Kubikmeter feste Holzmasse) hat Uhr 2018 in seinem Revier fällen müssen. In diesem Jahr waren es bereits weitere 1.500 Festmeter. Und das ist noch lange nicht das Ende. Denn trotz der Anstrengungen, die befallene Bäume zu fällen und bis zum Frühjahr abzutransportieren, seien etliche Käfer in den Boden zur Überwinterung entkommen. Uhr bezieht sich auf aktuelle Zahlen von Experten, wonach mehr als 900.000 Käfer je Hektar Befallsfläche im Boden überwintert haben. In Wäldern, in denen die befallenen Bäume nicht aufgearbeitet wurden, kämen 3,8 Millionen Borkenkäfer pro Hektar hinzu, die unter der Baumrinde überwintern konnten. Uhr: „Bis Mitte Mai haben sich alle Käfer in bislang gesunde Fichten eingebohrt und dort ihre Eier gelegt. Die befallenen Bäume sterben jetzt unabwendbar ab – und die Massenvermehrung geht in die nächste Runde.“ Was die Waldbesitzer hart trifft: Wegen des großen Nadelholzangebots aus der Borkenkäferbekämpfung sind die Preise auf dem Markt im Keller. „Da bleibt beim Verkauf nicht viel übrig – das ist bitter. Viele Waldbesitzer verlieren ganze Bestände, die Erlöse sind minimal und dann steht in den nächsten Jahren die Wiederbewaldung an, der Unmut ist riesig“, sagt Uhr. Die Sägewerke könnten diese Unmengen gar nicht aufnehmen, es fehlten zudem Lkw-Kapazitäten, um das Holz schnell genug abzutransportieren. Der Nadelholzmarkt in Europa sei quasi zusammengebrochen. „Dieser Stapel hier wurde nach China verkauft“, sagt Uhr beim Termin in Häverstädt. Der Förster und seine Kollegen sind seit „Friederike“ im Dauereinsatz gegen den Borkenkäfer. Konsequent durchforsten sie die Flächen. Dabei seien die sichtbar abgestorbenen Bäume gar nicht das Hauptproblem. Denn der Käfer benötigt saftige, aber möglichst geschwächte Exemplare. „Wenn wir einen befallenen Baum ausfindig gemacht haben, müssen wir uns zwingend die Fichten um ihn herum genau ansehen“, erklärt Uhr. Denn wenn sich die Larven unter der Rinde entwickelt haben, bohren sie sich Löcher nach draußen, fliegen zum nächsten Baum und machen dort weiter. „Wenn wir einen befallenen Baum nicht ausfindig machen, können am Ende des Jahres bis zu 120 weitere Bäume abgestorben sein“, betont er. „Das ist aufwendige Detektiv-Arbeit.“ Optimal ist es, wenn die Bäume entdeckt werden, wo sich die Larven gerade erst eingenistet haben. „Wenn wir ihn dann fällen und entfernen, bleiben die Fichten im Umkreis verschont.“ Das sei aber nicht immer der Fall . Was dem Förster wichtig ist: „Auch wenn es für Außenstehende manchmal einen anderen Eindruck macht: Wir fällen nur Bäume, die nicht mehr zu retten sind.“ Es könne sein, dass ein Baum noch komplett grüne Nadeln habe, aber vom Borkenkäfer bereits so stark befallen sei, dass er keine Überlebenschance habe. „Dann müssen wir eingreifen.“ Und da die Situation so prekär ist, müssen die Förster nun auch teilweise Insektizide einsetzen, um die Käfer zu töten. „Wenn es nicht mehr anders geht, müssen wir spritzen. Sonst kriegen wir das Problem nicht mehr in den Griff.“ Der Anteil der Fichten im Wiehengebirge ist seit Jahren auf dem Rückzug. Nur noch zwölf Prozent der Waldfläche ist von diesen Nadelbäumen bewachsen, sagt Uhr. Die hier beherrschende Baumart bleibt die Buche mit einem Anteil von über 50 Prozent. Doch auch Buchen sterben jetzt vermehrt in Folge der Trockenheit, ebenso Lärchen und Birken. Zwar sind aktuell meist nur einzelne Buchen zu erkennen, deren Kronen kahl geworden sind. Doch Uhr befürchtet, dass die Zahl deutlich zunehmen wird. „Vor allem am Südhang des Wiehen, zwischen Dehme und Porta, sind schon massive Schäden zu beobachten“, sagt er. Das Problem bei den Buchen: Verschiedene Insekten, etwa der kleine Buchenborkenkäfer, aber auch Pilze- und Bakterieninfektionen sind an ihrem Sterben beteiligt. Zudem ist Buchenholz nicht so widerstandsfähig, befallene Kronen werden schneller brüchig als bei anderen Baumarten. Und den Förstern fehlen obendrein Erfahrungswerte mit Borkenkäferbefall an Buchen. „Wir wissen nicht, ob wir etwas dagegen unternehmen können“, sagt Uhr. Alle Schäden, die die Förster zurzeit beobachten, seien Folgen der letztjährigen Witterung. Auch dieses Jahr sei bislang zu trocken, betont Uhr. „Die möglichen Folgen von zwei aufeinander folgenden Trockenjahren möchte ich mir nicht ausmalen.“ Für die nächsten Wochen hofft er deshalb auf reichlich Regen und niedrigere Temperaturen. Auch wenn er sich mit dieser Aussage in den Sommerferien keine Freunde macht. „Das würde den Bäumen ungemein helfen, und die Borkenkäfer könnte sich nicht so schnell vermehren“, sagt der Förster. Käferarten - Drei Arten von Borkenkäfern gelten als besonders relevant in Fichtenwäldern: - Der Buchdrucker ist der gefährlichste Schadorganismus. Er befällt den Stammbereich in mittelalten bis alten Fichtenbeständen (ab 50 bis 60 Jahre). - Der Kupferstecher bevorzugt dünnborkige Stammteile im Kronenbereich älterer Fichten sowie Jungpflanzen. Schon dünne Äste und Kronenmaterial ab einem Durchmesser von drei Zentimetern können bruttaugliches Material für ihn sein. - Der Gestreifte Nutzholzborkenkäfer befällt eingeschlagenes Nadelholz, absterbende Bäume oder auch frische Stöcke. Sein Befall kann das Holz erheblich entwerten, eine Gefährdung für die Wälder ist er aber nicht. (Quelle: Wald und Holz NRW)