Minden

Fast wie früher: MT-Praktikantinnen Jette (18) und Michelle (21) testen E-Roller

Anja Peper

Duales System: Bei diesem Modell gibt es zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen hinten und vorne. MT-Fotos: Alex Lehn - © Alex Lehn
Duales System: Bei diesem Modell gibt es zwei unabhängig voneinander funktionierende Bremsen hinten und vorne. MT-Fotos: Alex Lehn (© Alex Lehn)

Minden (mt/dpa). Manche Städte stöhnen schon jetzt über eine „Plage" – auf Minden rollt der Trend gerade erst zu: E-Scooter, die elektrischen Tretroller. Sie sind technisch generalüberholt und mit etwa 20 Stundenkilometern deutlich schneller als die Modelle aus der Kindheit. Das MT will's wissen: Wie ist es, damit zu fahren? Wie klappt das Kurvenfahren, wie funktioniert das Bremsen? Als Testerinnen sind die beiden MT-Praktikantinnen Jette (18) und Michelle (21) im Einsatz. Beide haben noch nie zuvor auf einem elektrischen Scooter gestanden. Allerdings hatten beide als Kind einen Tretroller.

Nhat Pham, Verkaufsleiter beim Media Markt Porta Westfalica, erklärt den Beiden vorab alles Wissenswerte für die Testfahrt: Nachdem der Ständer hochgeklappt ist, holt man mit einem Bein Schwung, rollt los und gibt erst dann mit dem roten Hebel Gas. Es gibt ein duales Bremssystem, also zwei unabhängig von einander funktionierende Bremsen vorne und hinten. „Im Notfall: Abspringen und den Roller zur Seite werfen", rät Nhat Pham. Dazu kommt es beim MT-Test zum Glück nicht. Obwohl keine Helmpflicht besteht, setzen beide Testerinnen auf einen Fahrradhelm: Motto „Safety First" – Sicherheit zuerst.

„Einfach zusammenfaltbar, aber mit etwa 14 Kilogramm ist der Roller nicht gerade ein Leichtgewicht“, findet Michelle (21). - © Alex Lehn
„Einfach zusammenfaltbar, aber mit etwa 14 Kilogramm ist der Roller nicht gerade ein Leichtgewicht“, findet Michelle (21). (© Alex Lehn)

Der chinesische Hersteller Xiaomi hat sich bisher vor allem mit Smartphones einen Namen auf dem deutschen Markt gemacht. Genauso intuitiv ist auch der Roller zu bedienen. „Macht Spaß!", sind sich die beiden Praktikantinnen, die sich abwechseln, sofort einig. Allerdings dürfen sie auch ein relativ hochwertiges Produkt testen: 599 Euro kostet dieses Test-Modell. Der Akku wird an einer herkömmlichen Steckdose aufgeladen. Die Reichweite beträgt maximal 45 Kilometer.

Warum das sowohl für Pendler als auch für kleine Einkäufe eine praktische Alternative ist, können sich Jette und Michelle gut vorstellen. Sie sind klappbar und relativ leicht zu transportieren – mit einer Einschränkung: „Nicht gerade ein Leichtgewicht", findet Michelle, die den Roller ins Auto wuppt. 14 Kilogramm wiegt dieses Modell, kann dafür aber auch einiges aushalten: Eine maximale Tragkraft von 100 Kilogramm.

Als Kind hatte Jette auch einen Roller. Die neuen Modelle sind allerdings technisch generalüberholt und deutlich schneller.
Als Kind hatte Jette auch einen Roller. Die neuen Modelle sind allerdings technisch generalüberholt und deutlich schneller.

„Elektrokleinfahrzeuge mit Lenkstange" ist im Behördendeutsch das Wort für E-Scooter. Jette kennt sie schon gut aus ihrer Heimatstadt Hamburg, wo sie schon länger das Straßenbild prägen: 2160 E-Scooter von vier Anbietern rollen mittlerweile durch die Stadt. Das befürchtete Chaos sei bisher ausgeblieben, melden die Hamburger Medien.

Allerdings: Während einer Kontrolle in der Mönckebergstraße wurden 15 Verstöße mit E-Scootern in zwei Stunden gezählt, unter anderem wurden rote Ampeln ignoriert.

Nicht ganz ohne Grund empfiehlt der TÜV, vor der ersten Fahrt mit dem E-Scooter üben. Wegen der kleinen Räder reagieren die Roller auf Bordsteinkanten oder Unebenheiten anders als Fahrräder. Auch der schmale Lenker ist gewöhnungsbedürftig. „Man sollte sich nicht sofort in den öffentlichen Verkehr begeben, sondern zunächst auf einem geschützten Platz üben", sagt Thomas Rohr, Zweiradexperte des TÜV Rheinland. Kurvenfahren, Bremsen, Ausweichmanöver und Gas geben sollten in Ruhe ausprobiert werden.

Seit dem 15. Juni ist der Betrieb von sogenannten E-Scooter/Elektrorollern im Straßenverkehr erlaubt. Allerdings gelten für die neuen Fortbewegungsmittel Vorschriften und Regeln, die es zu beachten gilt. Sie müssen zum Beispiel eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) oder Einzelbetriebserlaubnis besitzen und bestimmte technische Erfordernisse erfüllen. Darüber hinaus besteht Versicherungspflicht. Die entsprechenden Kennzeichen sind an der Rückseite anzubringen. Der ADAC fordert einen Monat nach der Zulassung klare Regeln, um Chaos auf den Straßen zu vermeiden.

Es kommt ins Rollen

Kommentar von Anja Peper

Früher hätte er sich das wohl nicht getraut. Aber heute räumt ein guter Bekannter – ansonsten politisch vollkommen korrekt – unumwunden ein: „Als Autofahrer gehen mir Radfahrer auf den Geist. Als Radfahrer hasse ich die Autofahrer. Und wenn ich zu Fuß bin, hasse ich sie ALLE." Was soll man da sagen? Vielleicht: Schon bald begrüßen wir als Newcomer auf unseren Straßen: die E-Scooter-Fans.

Inzwischen sind „Elektrokleinfahrzeuge mit Lenkstange" (Behördendeutsch) offiziell zugelassen. Und die MT-Prognose nach dem Selbstversuch lautet: E-Scooter werden über kurz oder lang auch in Minden ein Renner. Denn für Pendler bieten sie Vorteile. Die letzten Kilometer zwischen Bahnhof und Firma lassen sich damit schnell zurücklegen. Und niemand muss sich den Kopf zerbrechen, wo er sein Rad sicher ankettet. Bekanntlich ist das am Mindener Bahnhof ein Dauerthema. So ein Roller lässt sich ganz einfach zusammenklappen und in die Firma mitnehmen. Diese Möglichkeit könnte auch die Kombination mit Busfahren wieder attraktiver machen.

Und: Tretroller machen Spaß. Wer in der Kindheit schon so ein Gefährt hatte, fühlt sich prompt wieder übermütig wie mit sieben oder acht. Allerdings: Die Dinger sind schnell. Bevor Sie also den Unwillen der anderen Verkehrsteilnehmer (siehe oben) auf sich ziehen: Erst üben, bevor man sich ins Getümmel stürzt. Unbedingt Kopfsteinpflaster meiden. Und: Finger weg von Drogen. Danke!

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MindenFast wie früher: MT-Praktikantinnen Jette (18) und Michelle (21) testen E-RollerAnja PeperMinden (mt/dpa). Manche Städte stöhnen schon jetzt über eine „Plage" – auf Minden rollt der Trend gerade erst zu: E-Scooter, die elektrischen Tretroller. Sie sind technisch generalüberholt und mit etwa 20 Stundenkilometern deutlich schneller als die Modelle aus der Kindheit. Das MT will's wissen: Wie ist es, damit zu fahren? Wie klappt das Kurvenfahren, wie funktioniert das Bremsen? Als Testerinnen sind die beiden MT-Praktikantinnen Jette (18) und Michelle (21) im Einsatz. Beide haben noch nie zuvor auf einem elektrischen Scooter gestanden. Allerdings hatten beide als Kind einen Tretroller. Nhat Pham, Verkaufsleiter beim Media Markt Porta Westfalica, erklärt den Beiden vorab alles Wissenswerte für die Testfahrt: Nachdem der Ständer hochgeklappt ist, holt man mit einem Bein Schwung, rollt los und gibt erst dann mit dem roten Hebel Gas. Es gibt ein duales Bremssystem, also zwei unabhängig von einander funktionierende Bremsen vorne und hinten. „Im Notfall: Abspringen und den Roller zur Seite werfen", rät Nhat Pham. Dazu kommt es beim MT-Test zum Glück nicht. Obwohl keine Helmpflicht besteht, setzen beide Testerinnen auf einen Fahrradhelm: Motto „Safety First" – Sicherheit zuerst. Der chinesische Hersteller Xiaomi hat sich bisher vor allem mit Smartphones einen Namen auf dem deutschen Markt gemacht. Genauso intuitiv ist auch der Roller zu bedienen. „Macht Spaß!", sind sich die beiden Praktikantinnen, die sich abwechseln, sofort einig. Allerdings dürfen sie auch ein relativ hochwertiges Produkt testen: 599 Euro kostet dieses Test-Modell. Der Akku wird an einer herkömmlichen Steckdose aufgeladen. Die Reichweite beträgt maximal 45 Kilometer. Warum das sowohl für Pendler als auch für kleine Einkäufe eine praktische Alternative ist, können sich Jette und Michelle gut vorstellen. Sie sind klappbar und relativ leicht zu transportieren – mit einer Einschränkung: „Nicht gerade ein Leichtgewicht", findet Michelle, die den Roller ins Auto wuppt. 14 Kilogramm wiegt dieses Modell, kann dafür aber auch einiges aushalten: Eine maximale Tragkraft von 100 Kilogramm. „Elektrokleinfahrzeuge mit Lenkstange" ist im Behördendeutsch das Wort für E-Scooter. Jette kennt sie schon gut aus ihrer Heimatstadt Hamburg, wo sie schon länger das Straßenbild prägen: 2160 E-Scooter von vier Anbietern rollen mittlerweile durch die Stadt. Das befürchtete Chaos sei bisher ausgeblieben, melden die Hamburger Medien. Allerdings: Während einer Kontrolle in der Mönckebergstraße wurden 15 Verstöße mit E-Scootern in zwei Stunden gezählt, unter anderem wurden rote Ampeln ignoriert. Nicht ganz ohne Grund empfiehlt der TÜV, vor der ersten Fahrt mit dem E-Scooter üben. Wegen der kleinen Räder reagieren die Roller auf Bordsteinkanten oder Unebenheiten anders als Fahrräder. Auch der schmale Lenker ist gewöhnungsbedürftig. „Man sollte sich nicht sofort in den öffentlichen Verkehr begeben, sondern zunächst auf einem geschützten Platz üben", sagt Thomas Rohr, Zweiradexperte des TÜV Rheinland. Kurvenfahren, Bremsen, Ausweichmanöver und Gas geben sollten in Ruhe ausprobiert werden. Seit dem 15. Juni ist der Betrieb von sogenannten E-Scooter/Elektrorollern im Straßenverkehr erlaubt. Allerdings gelten für die neuen Fortbewegungsmittel Vorschriften und Regeln, die es zu beachten gilt. Sie müssen zum Beispiel eine Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) oder Einzelbetriebserlaubnis besitzen und bestimmte technische Erfordernisse erfüllen. Darüber hinaus besteht Versicherungspflicht. Die entsprechenden Kennzeichen sind an der Rückseite anzubringen. Der ADAC fordert einen Monat nach der Zulassung klare Regeln, um Chaos auf den Straßen zu vermeiden. Es kommt ins Rollen Kommentar von Anja Peper Früher hätte er sich das wohl nicht getraut. Aber heute räumt ein guter Bekannter – ansonsten politisch vollkommen korrekt – unumwunden ein: „Als Autofahrer gehen mir Radfahrer auf den Geist. Als Radfahrer hasse ich die Autofahrer. Und wenn ich zu Fuß bin, hasse ich sie ALLE." Was soll man da sagen? Vielleicht: Schon bald begrüßen wir als Newcomer auf unseren Straßen: die E-Scooter-Fans. Inzwischen sind „Elektrokleinfahrzeuge mit Lenkstange" (Behördendeutsch) offiziell zugelassen. Und die MT-Prognose nach dem Selbstversuch lautet: E-Scooter werden über kurz oder lang auch in Minden ein Renner. Denn für Pendler bieten sie Vorteile. Die letzten Kilometer zwischen Bahnhof und Firma lassen sich damit schnell zurücklegen. Und niemand muss sich den Kopf zerbrechen, wo er sein Rad sicher ankettet. Bekanntlich ist das am Mindener Bahnhof ein Dauerthema. So ein Roller lässt sich ganz einfach zusammenklappen und in die Firma mitnehmen. Diese Möglichkeit könnte auch die Kombination mit Busfahren wieder attraktiver machen. Und: Tretroller machen Spaß. Wer in der Kindheit schon so ein Gefährt hatte, fühlt sich prompt wieder übermütig wie mit sieben oder acht. Allerdings: Die Dinger sind schnell. Bevor Sie also den Unwillen der anderen Verkehrsteilnehmer (siehe oben) auf sich ziehen: Erst üben, bevor man sich ins Getümmel stürzt. Unbedingt Kopfsteinpflaster meiden. Und: Finger weg von Drogen. Danke!