Minden

Stadt baut in oberer Altstadt barrierefreies Pflaster ein

Stefan Koch

Einen Vorgeschmack auf die Barrierefreiheit geben bislang einzelne Flecken im historischen Pflaster. Bis alles eine sinnvolle Strecke ergibt, vergehen noch viele Monate. MT- - © Foto: Stefan Koch
Einen Vorgeschmack auf die Barrierefreiheit geben bislang einzelne Flecken im historischen Pflaster. Bis alles eine sinnvolle Strecke ergibt, vergehen noch viele Monate. MT- (© Foto: Stefan Koch)

Minden (mt). Seit mehr als vier Jahren ruht der Barriere-Atlas für die Mindener Innenstadt in den Schubladen der Stadtverwaltung – doch er schläft nicht. Das lässt sich seit einigen Monaten an den beigefarbenen Steinen in der Pflasterung der oberen Altstadt beobachten. Immer wieder kommt ein neuer Teil aus glattem Fahrbahnbelag zwischen den höckrigen Steinen aus der Zeit der Pferdefuhrwerke hinzu, weil das der Leitfaden so vorsieht. Die neuen Flächen sollen es Personen in Rollstühlen, mit Rollatoren oder Kinderwagen ermöglichen, ohne Rumpeln von A nach B zu gelangen. Im Zuge der Tiefbauarbeiten in diesem Bereich bot sich die behindertengerechte Umgestaltung an. Bis Ende des Jahres soll jeder Rollstuhlfahrer in der Ritter-, Königs-, Simeonstraße und dem Trockenhof problemlos alle Ziele erreichen können.

„Für Rollstuhlfahrer besteht die Gefahr, dass sich die Vorderräder im Altstadtpflaster verhaken und dann der ganze Rollstuhl umkippt“, berichtet Ulrich Spönemann, Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderungen und Mitglied bei den Fittingen. Nach seinem Test des neuen, glatten Pflasters meint er: „Unsere Erwartungen wurden erfüllt. Es hilft, sich unfallfrei in der oberen Altstadt zu bewegen.“

Ein Gutachterbüro hatte nach mehrjähriger Arbeit ein Verzeichnis von Stellen auf Mindener Stadtgebiet erarbeitet, die für Menschen mit Behinderungen Hindernisse darstellen. So lang eine Untersuchung mit 300 Punkten auf 170 Seiten vor, bei der auch Anregungen vieler Mindener einbezogen waren, die auf Fragebögen, Stadtrundgänge und Diskussionsrunden zurück gingen. Dabei achteten die Experten darauf, dass sich die Barrieren finanziell tragbar und realitätsnah abbauen lassen. Schon die Umgestaltung der Fußgängerzone zeigte eine entsprechende Wirkung. Da die Veränderungen im Zuge von Bauarbeiten vorangehen sollen, erfolgt der Barriere-Abbau sukzessiv über einen langen Zeitraum. Der Mindener Rat beschloss den Barriere-Atlas Anfang 2015 als Handlungskonzept. Das Land und der Bund fördern die einzelnen Baumaßnahmen in Höhe von 80 Prozent. Den Rest muss die Stadt tragen.

Wie Eckhard Rüter, Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderungen, erläutert, habe sich die Stadt im Rahmen ihres integrierten Handlungskonzeptes das Ziel gesetzt, in der Innenstadt und insbesondere am ZOB und im Bereich Bäckerstraße und Scharn die gesamte historische Innenstadt barrierefreier zu gestalten. Nachdem zuletzt die Pflasterung des Trockenhofes fertiggestellt worden sei, folge nun die obere Altstadt. „Eine wichtige Aufgabe ist es dabei, den oberen Teil der Innenstadt mit dem unteren rollstuhlgerecht zu verbinden“, so Rüter. Dies sei nun ein erster Schritt – wann es dazu auch den viel diskutierte Fahrstuhl an der Martinitreppe gebe, ließe sich derzeit nicht prognostizieren.

Von vielen Bürgern kaum bemerkt vollzog die Stadt den ersten Schritt Anfang Jahres, indem sie an das neue Pflaster des Trockenhofes eine weitere, muschelkalkfarbene Pflasterfläche in Richtung Ritterstraße anfügte. Dann folgte eine Querung in der Ritterstraße. Nicht weit davon entfernt bekam das Areal um das ehemalige Puppencafé einen frischen Belag, der für Gummireifen aller Art taugt. Es folgten noch weitere Querungen wie jene, die sich jetzt vor dem Eingang des Mindener Museums befindet.

Rüter: „Es geht nicht nur darum, die obere Altstadt für Rollstuhlfahrer zugänglich zu machen, sondern auch darum, Menschen die generell schlecht zu Fuß unterwegs sind, den Weg frei zu machen.“ So sei in der Strecke des Trockenhofes eine taktile Leitlinie für Blinde eingearbeitet. Die ende zwar vor der Ritterstraße – Menschen ohne Sehvermögen könnten sich aber vom Endpunkt aus an den Häuserwänden weiter orientieren, um ans Ziel zu gelangen.

Bislang stellen sich die neuen Pflasterflächen als unzusammenhängende Elemente dar. Zu der barrierefreien Wegführung durch die obere Altstadt kommt noch eine Verbreiterung des Gehweges der Ritterstraße auf einer Länge vom Museum bis zur Königstraße – das allerdings erst ab Ende der Baupause Mitte August. Auch mehrere Parkplätze an der Ritterstraße sollen dann zugunsten der Passierbarkeit auf der Strecke verschwinden.

Wenn dann spätestens Ende des Jahres die obere Altstadt für Menschen im Rollstuhl erschlossen ist, wird die Stadt weitere Projekte realisieren, die der Barriere-Atlas vorgibt. Die befinden sich in der Königstraße, der Hahler Straße und der Schlagde. Daneben gibt es noch weitere kleinere Baustellen in dem Leitfaden.

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MindenStadt baut in oberer Altstadt barrierefreies Pflaster einStefan KochMinden (mt). Seit mehr als vier Jahren ruht der Barriere-Atlas für die Mindener Innenstadt in den Schubladen der Stadtverwaltung – doch er schläft nicht. Das lässt sich seit einigen Monaten an den beigefarbenen Steinen in der Pflasterung der oberen Altstadt beobachten. Immer wieder kommt ein neuer Teil aus glattem Fahrbahnbelag zwischen den höckrigen Steinen aus der Zeit der Pferdefuhrwerke hinzu, weil das der Leitfaden so vorsieht. Die neuen Flächen sollen es Personen in Rollstühlen, mit Rollatoren oder Kinderwagen ermöglichen, ohne Rumpeln von A nach B zu gelangen. Im Zuge der Tiefbauarbeiten in diesem Bereich bot sich die behindertengerechte Umgestaltung an. Bis Ende des Jahres soll jeder Rollstuhlfahrer in der Ritter-, Königs-, Simeonstraße und dem Trockenhof problemlos alle Ziele erreichen können. „Für Rollstuhlfahrer besteht die Gefahr, dass sich die Vorderräder im Altstadtpflaster verhaken und dann der ganze Rollstuhl umkippt“, berichtet Ulrich Spönemann, Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderungen und Mitglied bei den Fittingen. Nach seinem Test des neuen, glatten Pflasters meint er: „Unsere Erwartungen wurden erfüllt. Es hilft, sich unfallfrei in der oberen Altstadt zu bewegen.“ Ein Gutachterbüro hatte nach mehrjähriger Arbeit ein Verzeichnis von Stellen auf Mindener Stadtgebiet erarbeitet, die für Menschen mit Behinderungen Hindernisse darstellen. So lang eine Untersuchung mit 300 Punkten auf 170 Seiten vor, bei der auch Anregungen vieler Mindener einbezogen waren, die auf Fragebögen, Stadtrundgänge und Diskussionsrunden zurück gingen. Dabei achteten die Experten darauf, dass sich die Barrieren finanziell tragbar und realitätsnah abbauen lassen. Schon die Umgestaltung der Fußgängerzone zeigte eine entsprechende Wirkung. Da die Veränderungen im Zuge von Bauarbeiten vorangehen sollen, erfolgt der Barriere-Abbau sukzessiv über einen langen Zeitraum. Der Mindener Rat beschloss den Barriere-Atlas Anfang 2015 als Handlungskonzept. Das Land und der Bund fördern die einzelnen Baumaßnahmen in Höhe von 80 Prozent. Den Rest muss die Stadt tragen. Wie Eckhard Rüter, Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderungen, erläutert, habe sich die Stadt im Rahmen ihres integrierten Handlungskonzeptes das Ziel gesetzt, in der Innenstadt und insbesondere am ZOB und im Bereich Bäckerstraße und Scharn die gesamte historische Innenstadt barrierefreier zu gestalten. Nachdem zuletzt die Pflasterung des Trockenhofes fertiggestellt worden sei, folge nun die obere Altstadt. „Eine wichtige Aufgabe ist es dabei, den oberen Teil der Innenstadt mit dem unteren rollstuhlgerecht zu verbinden“, so Rüter. Dies sei nun ein erster Schritt – wann es dazu auch den viel diskutierte Fahrstuhl an der Martinitreppe gebe, ließe sich derzeit nicht prognostizieren. Von vielen Bürgern kaum bemerkt vollzog die Stadt den ersten Schritt Anfang Jahres, indem sie an das neue Pflaster des Trockenhofes eine weitere, muschelkalkfarbene Pflasterfläche in Richtung Ritterstraße anfügte. Dann folgte eine Querung in der Ritterstraße. Nicht weit davon entfernt bekam das Areal um das ehemalige Puppencafé einen frischen Belag, der für Gummireifen aller Art taugt. Es folgten noch weitere Querungen wie jene, die sich jetzt vor dem Eingang des Mindener Museums befindet. Rüter: „Es geht nicht nur darum, die obere Altstadt für Rollstuhlfahrer zugänglich zu machen, sondern auch darum, Menschen die generell schlecht zu Fuß unterwegs sind, den Weg frei zu machen.“ So sei in der Strecke des Trockenhofes eine taktile Leitlinie für Blinde eingearbeitet. Die ende zwar vor der Ritterstraße – Menschen ohne Sehvermögen könnten sich aber vom Endpunkt aus an den Häuserwänden weiter orientieren, um ans Ziel zu gelangen. Bislang stellen sich die neuen Pflasterflächen als unzusammenhängende Elemente dar. Zu der barrierefreien Wegführung durch die obere Altstadt kommt noch eine Verbreiterung des Gehweges der Ritterstraße auf einer Länge vom Museum bis zur Königstraße – das allerdings erst ab Ende der Baupause Mitte August. Auch mehrere Parkplätze an der Ritterstraße sollen dann zugunsten der Passierbarkeit auf der Strecke verschwinden. Wenn dann spätestens Ende des Jahres die obere Altstadt für Menschen im Rollstuhl erschlossen ist, wird die Stadt weitere Projekte realisieren, die der Barriere-Atlas vorgibt. Die befinden sich in der Königstraße, der Hahler Straße und der Schlagde. Daneben gibt es noch weitere kleinere Baustellen in dem Leitfaden.