Minden

Vier Unfälle in 24 Stunden: Warum die Birne in Minden so tückisch ist

Thomas Lieske

Dieser Mercedes wurde bei dem Unfall am Samstagmorgen komplett zerstört. Auch ein VW erlitt Totalschaden. Weil der Wagen auch eine Fußgängerampel rammte, fiel die gesamte Anlage aus. Das sorgte für drei weitere Unfälle an gleicher Stelle. MT- - © Foto: Thomas Lieske
Dieser Mercedes wurde bei dem Unfall am Samstagmorgen komplett zerstört. Auch ein VW erlitt Totalschaden. Weil der Wagen auch eine Fußgängerampel rammte, fiel die gesamte Anlage aus. Das sorgte für drei weitere Unfälle an gleicher Stelle. MT- (© Foto: Thomas Lieske)

Minden (mt). Das Trümmerfeld zieht sich über Dutzende Meter. Zwei zerstörte Autos stehen auf der Fahrbahn und der Verkehrsinsel. Dass dieser Unfall am Samstagmorgen an der Verkehrsbirne zwar ohne Verletzte, dafür aber mit zwei kaputten Autos und einer zerstörten Ampelanlage endet, noch weitreichende Folgen haben wird, ahnt zu diesem Zeitpunkt niemand. Gleich dreimal wird es bis zum Sonntagmorgen an selber Stelle krachen, dabei wird ein Mann verletzt. Am Ende greift sogar die Stadt als Ordnungsbehörde ein, bestückt die Kreuzungsbereiche mit zusätzlichen Schildern: Achtung, 30 km/h, Stopp-Zeichen.

Und trotzdem kommt es immer wieder zu Beinahe-Unfällen. Viele Autos fahren in die Birne, ohne anzuhalten. Warum ist dieser Kreuzungsbereich rund um die Verkehrsbirne so problematisch? Das MT hat am Sonntag mit dem Fahrschullehrer Sebastian Säger aus Möllbergen gesprochen. Er kennt die Birne aus diversen Fahrten. Und weiß: „Das ist schon ein Nadelöhr. Viele umfahren die Birne sogar extra über Neesen, um nach Minden zu kommen.“ Eine ausgefallene Ampel an genau dieser Stelle zieht aus Sägers Sicht gleich mehrere nach sich. Problem eins: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. „Die Leute kennen die Stelle und vertrauen darauf, dass die Ampel den Verkehr schon regelt“, erklärt Säger. Die ist nun aber ausgefallen. Das überfordere die Autofahrer schnell, glaubt der Experte. „Neue Beschilderungen in solchen Bereichen fallen dann oft nicht auf.“

Unfall an der Birne (Plus-Inhalt)

Problem Nummer zwei: Sowohl die Ring- als auch die Porta- als auch die Strecke aus der Birne Richtung Stadt erinnern optisch aufgrund mehrerer Fahrspuren an eine Vorfahrtsstraße. „Gerade für die, die aus dem Weserauentunnel in die Birne und dann Richtung Ringstraße fahren, gilt dieser Eindruck. Weil die Leute gerade von einer Bundesstraße kommen“, erklärt Säger. An genau dieser Stelle hat es auch mehrfach gekracht.

Das MT hat sich am Sonntagmorgen selbst einen Eindruck vor Ort gemacht. Und tatsächlich: Viele Autofahrer scheinen mit der neuen Situation überfordert zu sein. Nicht wenige fahren ohne anzuhalten in den Kreuzungsbereich ein. Dabei stehen an den Ampelmasten große Stoppschilder. Auch das Tempo 30 wird scheinbar nicht selten ignoriert. Mehrfach kommt es zu Vollbremsungen, fünfmal stehen Autos aus verschiedenen Richtungen Schnauze an Schnauze. Säger erinnert: „Fällt eine Ampel als Vorfahrtsregeler aus, gelten die Verkehrszeichen, die angebracht sind.“ Und gibt es keine Schilder, dann gilt: rechts vor links.

Mit zusätzlichen Verkehrsschildern hat die Stadt an der Birne eingegriffen, um die Kreuzung mit ausgefallener Ampel zu sichern.
Mit zusätzlichen Verkehrsschildern hat die Stadt an der Birne eingegriffen, um die Kreuzung mit ausgefallener Ampel zu sichern.

Bei allen neuen Problemen bleibt die Birne aus Sägers Sicht ein Problembereich. „Viele Fahrschüler sind fast übertrieben glücklich, wenn ihre Prüffahrt nicht da durchgeht“, weiß er. Mit dieser Einschätzung ist er bei Weitem nicht allein. Zahlreiche Facebook-Nutzer reagieren auf die Online-Artikel des MT zu den Verkehrsunfällen. Auch sie schätzen die Birne als ein Nadelöhr ein. Einige gehen sogar soweit und betiteln sie als „Fehlkonstruktion“, an der es häufig zu Unfällen komme. Immer wieder an gleicher Stelle. Zudem bemängeln einige, dass die Phasen zwischen Rot auf der einen und Grün auf der anderen Straße zu kurz seien. Das MT wird den Hinweisen nachgehen.

Die Polizei bat die Autofahrer am Wochenende um besondere Vorsicht an dieser Stelle und hoffte, dass die Ampel am Montag repariert werde.

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MindenVier Unfälle in 24 Stunden: Warum die Birne in Minden so tückisch istThomas LieskeMinden (mt). Das Trümmerfeld zieht sich über Dutzende Meter. Zwei zerstörte Autos stehen auf der Fahrbahn und der Verkehrsinsel. Dass dieser Unfall am Samstagmorgen an der Verkehrsbirne zwar ohne Verletzte, dafür aber mit zwei kaputten Autos und einer zerstörten Ampelanlage endet, noch weitreichende Folgen haben wird, ahnt zu diesem Zeitpunkt niemand. Gleich dreimal wird es bis zum Sonntagmorgen an selber Stelle krachen, dabei wird ein Mann verletzt. Am Ende greift sogar die Stadt als Ordnungsbehörde ein, bestückt die Kreuzungsbereiche mit zusätzlichen Schildern: Achtung, 30 km/h, Stopp-Zeichen. Und trotzdem kommt es immer wieder zu Beinahe-Unfällen. Viele Autos fahren in die Birne, ohne anzuhalten. Warum ist dieser Kreuzungsbereich rund um die Verkehrsbirne so problematisch? Das MT hat am Sonntag mit dem Fahrschullehrer Sebastian Säger aus Möllbergen gesprochen. Er kennt die Birne aus diversen Fahrten. Und weiß: „Das ist schon ein Nadelöhr. Viele umfahren die Birne sogar extra über Neesen, um nach Minden zu kommen.“ Eine ausgefallene Ampel an genau dieser Stelle zieht aus Sägers Sicht gleich mehrere nach sich. Problem eins: Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. „Die Leute kennen die Stelle und vertrauen darauf, dass die Ampel den Verkehr schon regelt“, erklärt Säger. Die ist nun aber ausgefallen. Das überfordere die Autofahrer schnell, glaubt der Experte. „Neue Beschilderungen in solchen Bereichen fallen dann oft nicht auf.“ Problem Nummer zwei: Sowohl die Ring- als auch die Porta- als auch die Strecke aus der Birne Richtung Stadt erinnern optisch aufgrund mehrerer Fahrspuren an eine Vorfahrtsstraße. „Gerade für die, die aus dem Weserauentunnel in die Birne und dann Richtung Ringstraße fahren, gilt dieser Eindruck. Weil die Leute gerade von einer Bundesstraße kommen“, erklärt Säger. An genau dieser Stelle hat es auch mehrfach gekracht. Das MT hat sich am Sonntagmorgen selbst einen Eindruck vor Ort gemacht. Und tatsächlich: Viele Autofahrer scheinen mit der neuen Situation überfordert zu sein. Nicht wenige fahren ohne anzuhalten in den Kreuzungsbereich ein. Dabei stehen an den Ampelmasten große Stoppschilder. Auch das Tempo 30 wird scheinbar nicht selten ignoriert. Mehrfach kommt es zu Vollbremsungen, fünfmal stehen Autos aus verschiedenen Richtungen Schnauze an Schnauze. Säger erinnert: „Fällt eine Ampel als Vorfahrtsregeler aus, gelten die Verkehrszeichen, die angebracht sind.“ Und gibt es keine Schilder, dann gilt: rechts vor links. Bei allen neuen Problemen bleibt die Birne aus Sägers Sicht ein Problembereich. „Viele Fahrschüler sind fast übertrieben glücklich, wenn ihre Prüffahrt nicht da durchgeht“, weiß er. Mit dieser Einschätzung ist er bei Weitem nicht allein. Zahlreiche Facebook-Nutzer reagieren auf die Online-Artikel des MT zu den Verkehrsunfällen. Auch sie schätzen die Birne als ein Nadelöhr ein. Einige gehen sogar soweit und betiteln sie als „Fehlkonstruktion“, an der es häufig zu Unfällen komme. Immer wieder an gleicher Stelle. Zudem bemängeln einige, dass die Phasen zwischen Rot auf der einen und Grün auf der anderen Straße zu kurz seien. Das MT wird den Hinweisen nachgehen. Die Polizei bat die Autofahrer am Wochenende um besondere Vorsicht an dieser Stelle und hoffte, dass die Ampel am Montag repariert werde.