Minden/Münster

Immer noch Engpass beim Blutdrucksenker

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Wenn die Pharmafirmen nicht die auf dem Rezept aufgeführten Medikamente liefern können, müssen Apotheker die Patienten zum Arzt zurück schicken. - Foto: Friso Gentsch/dpa (© Friso Gentsch)
Wenn die Pharmafirmen nicht die auf dem Rezept aufgeführten Medikamente liefern können, müssen Apotheker die Patienten zum Arzt zurück schicken. (Foto: Friso Gentsch/dpa (© Friso Gentsch))

Minden/Münster (mt/sk). Ein Jahr Valsartan-Skandal: Im Juli 2018 sind die ersten Präparate des Blutdrucksenkers zurückgerufen worden, nachdem bekannt geworden war, dass das Mittel mit einem potenziell krebserregenden Stoff verunreinigt war. Zwölf Monate später sind die Probleme noch immer nicht ganz gelöst: Nach wie vor verzeichnen Apotheker Lieferengpässe bei den Blutdrucksenkern. Doch die Folgen des Valsartan-Skandals hätten für Patienten noch viel gravierender sein können.

„Noch schlimmer wäre vermutlich gewesen, wenn viele Patienten aus Verunsicherung einfach keine Blutdrucksenker mehr genommen hätten“, blickt Manuela Schier, Apothekerin in Minden und Vorsit-zende der Bezirksgruppe Minden-Lübbecke des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL) auf das vergangene Jahr zurück. Gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei es für den Erfolg der Behandlung wichtig, dass Patienten ihre Arzneimittel konsequent einnehmen. Ansonsten steige das Risiko von Folgeerkrankungen – bis hin zu Schlaganfällen und Herzinfarkten.

Vor allem zu Beginn des Skandals hat Manuela Schier in ihrer Apotheke jeden Tag viele Gespräche geführt, Patienten informiert und persönlich beraten, um in Absprache mit dem Arzt die Therapie umzustellen. Und noch heute hilft sie angesichts der Lieferengpässe, zu denen auch der Valsartan-Skandal geführt hat, für die Patienten sichere Alternativen zu finden.

„Ohne die Apothekerinnen und Apotheker und die intensive Beratung vor Ort wären die Auswirkungen dieses Skandals kaum beherrschbar gewesen“, sagt Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe. „Das hätte man mit Versendern nicht stemmen können“, fügt er hinzu. Der Skandal habe gezeigt, wie wichtig eine gute Versorgung durch Präsenzapotheken sei.

Der Skandal habe aber auch deutlich gemacht, wie bedeutsam die Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel in Deutschland sei. „Ohne die Preisbindung wäre der Skandal die Versicherten möglicherweise teuer gekommen. Denn die Preise für andere Blutdrucksenker hätten vermutlich angezogen, nachdem die Valsartan-Präparate aus dem Markt genommen werden mussten und ein Engpass entstand“, warnt Michels.

Derzeit fürchten die Apotheker, dass diese Preisbindung in Deutschland kippen könnte – weil die EU sie für unzulässig hält. Zwar arbeitet das Gesundheitsministerium an einem Gesetz, um die Festpreise zu sichern. Die Apotheker jedoch haben Sorge, dass dieser Entwurf nicht rechtssicher ist. „Wir erwarten aber vom Gesetzgeber eine verlässliche und rechtlich wirksame Lösung, die die sichere Versor-gung der Patienten zu gleichen, fairen Preisen gewährleistet“, so Michels.

Apothekerverband

1.900 öffentliche Haupt- und Filial-Apotheken in Westfalen-Lippe versorgen die Bevölkerung mit Arzneimitteln. Der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) vertritt die Interessen von knapp 1.400 Mitgliedern mit mehr als 1.800 Apotheken und ist Arbeitgeberverband der Apothekeninhaber.

Der AVWL versteht sich als Zweckverband für die wirtschaftlichen, rechtlichen und berufspolitischen Interessen seiner Mitglieder und vertritt diese nach außen. Er ist Forum für die Definition der verbandspolitischen Ziele und Dienstleistungsorganisation für seine Mitglieder sowie Mittler bei Verbandsproblemen.

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Minden/MünsterImmer noch Engpass beim BlutdrucksenkerMinden/Münster (mt/sk). Ein Jahr Valsartan-Skandal: Im Juli 2018 sind die ersten Präparate des Blutdrucksenkers zurückgerufen worden, nachdem bekannt geworden war, dass das Mittel mit einem potenziell krebserregenden Stoff verunreinigt war. Zwölf Monate später sind die Probleme noch immer nicht ganz gelöst: Nach wie vor verzeichnen Apotheker Lieferengpässe bei den Blutdrucksenkern. Doch die Folgen des Valsartan-Skandals hätten für Patienten noch viel gravierender sein können. „Noch schlimmer wäre vermutlich gewesen, wenn viele Patienten aus Verunsicherung einfach keine Blutdrucksenker mehr genommen hätten“, blickt Manuela Schier, Apothekerin in Minden und Vorsit-zende der Bezirksgruppe Minden-Lübbecke des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL) auf das vergangene Jahr zurück. Gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei es für den Erfolg der Behandlung wichtig, dass Patienten ihre Arzneimittel konsequent einnehmen. Ansonsten steige das Risiko von Folgeerkrankungen – bis hin zu Schlaganfällen und Herzinfarkten. Vor allem zu Beginn des Skandals hat Manuela Schier in ihrer Apotheke jeden Tag viele Gespräche geführt, Patienten informiert und persönlich beraten, um in Absprache mit dem Arzt die Therapie umzustellen. Und noch heute hilft sie angesichts der Lieferengpässe, zu denen auch der Valsartan-Skandal geführt hat, für die Patienten sichere Alternativen zu finden. „Ohne die Apothekerinnen und Apotheker und die intensive Beratung vor Ort wären die Auswirkungen dieses Skandals kaum beherrschbar gewesen“, sagt Dr. Klaus Michels, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe. „Das hätte man mit Versendern nicht stemmen können“, fügt er hinzu. Der Skandal habe gezeigt, wie wichtig eine gute Versorgung durch Präsenzapotheken sei. Der Skandal habe aber auch deutlich gemacht, wie bedeutsam die Preisbindung für verschreibungspflichtige Arzneimittel in Deutschland sei. „Ohne die Preisbindung wäre der Skandal die Versicherten möglicherweise teuer gekommen. Denn die Preise für andere Blutdrucksenker hätten vermutlich angezogen, nachdem die Valsartan-Präparate aus dem Markt genommen werden mussten und ein Engpass entstand“, warnt Michels. Derzeit fürchten die Apotheker, dass diese Preisbindung in Deutschland kippen könnte – weil die EU sie für unzulässig hält. Zwar arbeitet das Gesundheitsministerium an einem Gesetz, um die Festpreise zu sichern. Die Apotheker jedoch haben Sorge, dass dieser Entwurf nicht rechtssicher ist. „Wir erwarten aber vom Gesetzgeber eine verlässliche und rechtlich wirksame Lösung, die die sichere Versor-gung der Patienten zu gleichen, fairen Preisen gewährleistet“, so Michels. Apothekerverband 1.900 öffentliche Haupt- und Filial-Apotheken in Westfalen-Lippe versorgen die Bevölkerung mit Arzneimitteln. Der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) vertritt die Interessen von knapp 1.400 Mitgliedern mit mehr als 1.800 Apotheken und ist Arbeitgeberverband der Apothekeninhaber. Der AVWL versteht sich als Zweckverband für die wirtschaftlichen, rechtlichen und berufspolitischen Interessen seiner Mitglieder und vertritt diese nach außen. Er ist Forum für die Definition der verbandspolitischen Ziele und Dienstleistungsorganisation für seine Mitglieder sowie Mittler bei Verbandsproblemen.