Minden

Mieter mit wenig Geld bekommen immer mehr Probleme

Stefan Koch

Minden (mt). Rund 80 Prozent der Meldungen, die im MT-Crowdnewsroom in Zusammenarbeit mit dem Recherchezentrum Correctiv beim Projekt „Wem gehört Minden" eingegangen sind, betreffen die Wohnhaus Minden GmbH. Die Gesellschaft ist mit rund 3.000 Wohnungen der größte Vermieter in der Stadt. „Wir leben von unserer Beziehung mit den Menschen", erklärte Eugen Pankratz Anfang des Jahres im MT-Interview. Seit 2015 ist er erst als Prokurist und dann Geschäftsführer für die Wohnhaus zuständig.

Doch die Reaktionen von Mietern zeigen auch jetzt wieder, dass die renditeorientierte Sanierung von Wohnanlagen durch die Gesellschaft Konflikte produziert. In der öffentlichen Wahrnehmung werden sogar Missstände der Wohnhaus zugeschrieben, an denen sie gar nicht beteiligt ist. So beschwerten sich Leser über nicht erbrachte Reinigungsleistungen in den Objekten Siebenbauern 26 und 28 a bis c. „Damit haben wir aber nichts zu tun", erklärt Pankratz. Der Eigentümer, der hier offenbar gemeint ist, ist woanders zu suchen.

Nach dem Verkauf der Wohnhaus- Immobilien an Berliner Investoren durch die Stadt Minden war es viele Jahre still geblieben. Wegen des Abzugs der britischen Soldaten stand damals jede fünfte Wohnung leer. Mit den seit einigen Jahren steigenden Mieten und Immobilienpreisen änderte sich aber der Umgang des Eigentümers mit seinen Objekten – und denen, die darin wohnen.

So bekamen vor drei Jahren Mieter der Wohnhaus ein Schreiben, dass sie die bislang gratis genutzten Stellflächen für ihre Wagen bezahlen müssen. Gleichzeitig gab es Konflikte im Zusammenhang mit den Modernisierungsarbeiten an den drei Blöcken Liebigstraße 1 bis 3 in Bärenkämpen. Mieter, die zum Teil schon 50 Jahre dort lebten, mussten für immer ihre Wohnungen verlassen und fühlten sich in eine existenzielle Krise gestürzt. Einige beklagten, dass die Wohnhaus massiven Druck auf sie ausübte, um sie zur freiwilligen Kündigung zu veranlassen.

Im Zusammenhang mit dem Projekt „Wem gehört Minden" berichtete eine Leserin zudem, dass die Wohnhaus Minden alle zwei Jahre konsequent die Miete erhöhe. Das soll im Fall von Sozialhilfebeziehern dazu geführt haben, dass die Ämter die Wohnkosten nicht mehr in voller Höhe übernehmen, so dass die Betroffenen nach zum Teil jahrzehntelanger Mietdauer in kleinere Wohnungen umziehen müssen – nicht selten treffe es Menschen mit Handicaps.

Ob die Wohnhaus generell alle zwei Jahre die Miete heraufsetzt? Pankratz weist darauf hin, dass nach der gesetzlichen Regelung die Wohnhaus sogar schon nach zwölf Monaten die Miete erhöhen könne. Der Gesetzgeber habe die Möglichkeit für solche Mieterhöhungen vorgesehen, weil auch die Kosten eines Vermieters stiegen und von den Mieten bezahlt werden müssten. „Die Wohnhaus Minden GmbH ist zwar ein Wirtschaftsunternehmen, berücksichtigt jedoch auch die Interessen der Mieter. Wir erhöhen die Mieten mit Augenmaß", meint Pankratz. So schaffe die Wohnhaus eine „klare Transparenz" für die ersten fünf Jahre der Mietlaufzeit. „Die Miete muss absehbar sein und soll sich nicht zwölf Monate nach Einzug einfach ungeplant verändern und einen Umzug erforderlich machen."

Auch der Umgang mit Mietern, die in Rückstände geraten sind, gibt Anlass zu Beschwerden. So sollen Mitarbeiter der Wohnhaus auf hohen, dreistellige Abzahlungen bestehen und sich nicht auf kleinere Summen einlassen – das alles mit dem Verweis auf den rechtlichen Rahmen.

„Die Wohnhaus Minden wird als Vermieter geschätzt", erklärt Pankratz zu dieser Darstellung. „Zahlreiche Mieter wohnen seit dem Erstbezug über fünf Jahrzehnte in unseren Wohnungen. Über 80 Prozent unserer Mieter empfehlen uns weiter." Die meisten neuen Nachbarn kämen auf Empfehlung der Mieter. „Mit Mietern die auf uns wegen Zahlungsschwierigkeiten zukommen, finden wir in der Regel individuelle und praktikable Lösungen."

Problematisch soll es auch sein, wenn die Wohnhaus für Sozialhilfebezieher die Miete erhöht und an das zuständige Jobcenter Nebenkostenabrechnungen verschickt, die innerhalb der kürzesten gesetzlichen Frist zu begleichen sind. Das Jobcenter des Kreises ist für alle Bezieher von Unterstützung zuständig, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Die Pressestelle des Kreises teilt dazu allerdings mit, dass der Aufwand bei der Anpassung der Miete marginal sei. Auch die Frist von drei Monaten nach Eingang der Erhöhungsbegehren durch die Wohnhaus sei vertretbar.

Leser berichteten zudem, dass es wiederholt Schwierigkeiten mit den Nebenkostenabrechnungen gebe, da diese oft nicht nachvollziehbare Buchungen enthielten. Ohne sich auf die konkreten Fälle beziehen zu können – so waren die Angaben gegenüber dem MT vertraulich – teilt Pankratz mit: „Wir werden unserer Verantwortung bei den Nebenkosten gerecht." Die Wohnhaus-Mieter sparten mehr als 27 Prozent der Nebenkosten im Vergleich zum Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbundes. Das bedeute, dass ein Wohnhausmieter im Jahr mehr als 700 Euro spare. „Wir sind als Vermieter außerdem mit einer zuverlässigen Buchhaltung ausgestattet, so dass unsere Nebenkostenabrechnungen korrekt erstellt werden." Die Reklamationsquote liege deshalb bei deutlich unter einem Prozent der Abrechnungen.

Lesen Sie hierzu auch:

- Sanierte Wohnungen werden zur Geldquelle

Hier finden Sie alle Artikel zum Projekt „Wem gehört Minden"

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MindenMieter mit wenig Geld bekommen immer mehr ProblemeStefan KochMinden (mt). Rund 80 Prozent der Meldungen, die im MT-Crowdnewsroom in Zusammenarbeit mit dem Recherchezentrum Correctiv beim Projekt „Wem gehört Minden" eingegangen sind, betreffen die Wohnhaus Minden GmbH. Die Gesellschaft ist mit rund 3.000 Wohnungen der größte Vermieter in der Stadt. „Wir leben von unserer Beziehung mit den Menschen", erklärte Eugen Pankratz Anfang des Jahres im MT-Interview. Seit 2015 ist er erst als Prokurist und dann Geschäftsführer für die Wohnhaus zuständig. Doch die Reaktionen von Mietern zeigen auch jetzt wieder, dass die renditeorientierte Sanierung von Wohnanlagen durch die Gesellschaft Konflikte produziert. In der öffentlichen Wahrnehmung werden sogar Missstände der Wohnhaus zugeschrieben, an denen sie gar nicht beteiligt ist. So beschwerten sich Leser über nicht erbrachte Reinigungsleistungen in den Objekten Siebenbauern 26 und 28 a bis c. „Damit haben wir aber nichts zu tun", erklärt Pankratz. Der Eigentümer, der hier offenbar gemeint ist, ist woanders zu suchen. Nach dem Verkauf der Wohnhaus- Immobilien an Berliner Investoren durch die Stadt Minden war es viele Jahre still geblieben. Wegen des Abzugs der britischen Soldaten stand damals jede fünfte Wohnung leer. Mit den seit einigen Jahren steigenden Mieten und Immobilienpreisen änderte sich aber der Umgang des Eigentümers mit seinen Objekten – und denen, die darin wohnen. So bekamen vor drei Jahren Mieter der Wohnhaus ein Schreiben, dass sie die bislang gratis genutzten Stellflächen für ihre Wagen bezahlen müssen. Gleichzeitig gab es Konflikte im Zusammenhang mit den Modernisierungsarbeiten an den drei Blöcken Liebigstraße 1 bis 3 in Bärenkämpen. Mieter, die zum Teil schon 50 Jahre dort lebten, mussten für immer ihre Wohnungen verlassen und fühlten sich in eine existenzielle Krise gestürzt. Einige beklagten, dass die Wohnhaus massiven Druck auf sie ausübte, um sie zur freiwilligen Kündigung zu veranlassen. Im Zusammenhang mit dem Projekt „Wem gehört Minden" berichtete eine Leserin zudem, dass die Wohnhaus Minden alle zwei Jahre konsequent die Miete erhöhe. Das soll im Fall von Sozialhilfebeziehern dazu geführt haben, dass die Ämter die Wohnkosten nicht mehr in voller Höhe übernehmen, so dass die Betroffenen nach zum Teil jahrzehntelanger Mietdauer in kleinere Wohnungen umziehen müssen – nicht selten treffe es Menschen mit Handicaps. Ob die Wohnhaus generell alle zwei Jahre die Miete heraufsetzt? Pankratz weist darauf hin, dass nach der gesetzlichen Regelung die Wohnhaus sogar schon nach zwölf Monaten die Miete erhöhen könne. Der Gesetzgeber habe die Möglichkeit für solche Mieterhöhungen vorgesehen, weil auch die Kosten eines Vermieters stiegen und von den Mieten bezahlt werden müssten. „Die Wohnhaus Minden GmbH ist zwar ein Wirtschaftsunternehmen, berücksichtigt jedoch auch die Interessen der Mieter. Wir erhöhen die Mieten mit Augenmaß", meint Pankratz. So schaffe die Wohnhaus eine „klare Transparenz" für die ersten fünf Jahre der Mietlaufzeit. „Die Miete muss absehbar sein und soll sich nicht zwölf Monate nach Einzug einfach ungeplant verändern und einen Umzug erforderlich machen." Auch der Umgang mit Mietern, die in Rückstände geraten sind, gibt Anlass zu Beschwerden. So sollen Mitarbeiter der Wohnhaus auf hohen, dreistellige Abzahlungen bestehen und sich nicht auf kleinere Summen einlassen – das alles mit dem Verweis auf den rechtlichen Rahmen. „Die Wohnhaus Minden wird als Vermieter geschätzt", erklärt Pankratz zu dieser Darstellung. „Zahlreiche Mieter wohnen seit dem Erstbezug über fünf Jahrzehnte in unseren Wohnungen. Über 80 Prozent unserer Mieter empfehlen uns weiter." Die meisten neuen Nachbarn kämen auf Empfehlung der Mieter. „Mit Mietern die auf uns wegen Zahlungsschwierigkeiten zukommen, finden wir in der Regel individuelle und praktikable Lösungen." Problematisch soll es auch sein, wenn die Wohnhaus für Sozialhilfebezieher die Miete erhöht und an das zuständige Jobcenter Nebenkostenabrechnungen verschickt, die innerhalb der kürzesten gesetzlichen Frist zu begleichen sind. Das Jobcenter des Kreises ist für alle Bezieher von Unterstützung zuständig, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Die Pressestelle des Kreises teilt dazu allerdings mit, dass der Aufwand bei der Anpassung der Miete marginal sei. Auch die Frist von drei Monaten nach Eingang der Erhöhungsbegehren durch die Wohnhaus sei vertretbar. Leser berichteten zudem, dass es wiederholt Schwierigkeiten mit den Nebenkostenabrechnungen gebe, da diese oft nicht nachvollziehbare Buchungen enthielten. Ohne sich auf die konkreten Fälle beziehen zu können – so waren die Angaben gegenüber dem MT vertraulich – teilt Pankratz mit: „Wir werden unserer Verantwortung bei den Nebenkosten gerecht." Die Wohnhaus-Mieter sparten mehr als 27 Prozent der Nebenkosten im Vergleich zum Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbundes. Das bedeute, dass ein Wohnhausmieter im Jahr mehr als 700 Euro spare. „Wir sind als Vermieter außerdem mit einer zuverlässigen Buchhaltung ausgestattet, so dass unsere Nebenkostenabrechnungen korrekt erstellt werden." Die Reklamationsquote liege deshalb bei deutlich unter einem Prozent der Abrechnungen. 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