Minden

Minden soll ein sicherer Hafen für Geflüchtete werden

Christine Riechmann

Stefan Schraube-Neumann (links) und Katja Sonntag vom Welthaus sowie Superintendent Jürgen Tiemann gehören zu den Initiatoren der Mindener Seebrücke. MT- - © Foto: Christine Riechmann
Stefan Schraube-Neumann (links) und Katja Sonntag vom Welthaus sowie Superintendent Jürgen Tiemann gehören zu den Initiatoren der Mindener Seebrücke. MT- (© Foto: Christine Riechmann)

Minden (mt). Der Aufruf ist kurz und knapp, die Idee dahinter weitreichend und nachhaltig: Minden soll sicherer Hafen werden. Der evangelische Kirchenkreis, die gemeinnützige Initiative Hope, das Welthaus und einige andere Mindener Gruppen und Organisationen haben sich zusammengetan und sich der internationalen Bewegung Seebrücke angeschlossen. Anhänger dieser Bewegung bekennen sich zu ihrer Verantwortung, Menschen zu helfen und Schutz zu gewähren, die durch Krieg, Verfolgung und andere Notlagen ihre Heimat verlassen haben und in Europa beziehungsweise Deutschland Zuflucht suchen.

Menschen auf dem Mittelmeer sterben zu lassen, um Flüchtlinge von Europas Grenzen fernzuhalten, sei unerträglich, unverantwortlich und inakzeptabel, meint Stefan Straube-Neumann vom Mindener Welthaus. Gemeinsam mit seiner Kollegin Katja Sonntag gehört er zu den Initiatoren der Mindener Seebrücke. Migration sei schon immer Teil europäischer Geschichte gewesen. Statt die Grenzen dicht zu machen, bräuchte es ein offenes Europa, solidarische Städte und sichere Häfen.

Die Seebrücke fordert die Bundesregierung, die Landesregierung NRW sowie die zuständigen Behörden auf, bis zur Vereinbarung einer humanitären EU-weiten Aufnahmeregelung für aus Seenot gerettete Geflüchtete zusätzliche Aufnahmeplätze in Deutschland anzubieten. Städten und Gemeinden, die sich dazu bereit erklären, solle es umgehend ermöglicht werden, diese Menschen direkt aufzunehmen. Alle notwendigen Ressourcen für eine menschenwürdige Versorgung seien von Bund und Land NRW den Kommunen zur Verfügung zu stellen.

„Unser Ziel ist es, durch eine partei- und fraktionsübergreifende Initiative einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung herbeizuführen, der Minden zu einem sicheren Hafen erklärt und anbietet, schiffbrüchige Geflüchtete in Minden Schutz und Aufnahme zu bieten“, erklärt Katja Sonntag. Dies solle in der Ratssitzung am 11. Juli geschehen.

Mit dem Antrag an die Stadt wollen die Initiatoren die Verantwortung nicht an die Stadt abtreten. „Wir wollen damit einen formellen Rahmen schaffen“, sagt Stefan Schraube-Neumann. Die Umsetzung der inhaltlichen Ziele der Initiative liege im Ehrenamt.

Um diese Ziele einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen und möglichst viele Unterschriften für den Antrag an die Stadt zu sammeln, veranstalten die Initiatoren der Mindener Seebrücke am Samstag, 15. Juni, um 13 Uhr eine Kundgebung auf dem Marktplatz. Im Anschluss an „Martini um 12“ werden Mitglieder verschiedener Organisationen Erklärungen zum Thema geben. Außerdem wird Martin Kolek von seinen Einsätzen auf dem internationalen Rettungsschiff Seawatch berichten. Der Nachbarschaftschor und Musiker der Hafenschule machen Musik. Bereits ab 11 Uhr werden Unterstützer der Mindener Seebrücke an Ständen vom Poos bis zum Marktplatz über die Initiative informieren und Unterschriften sammeln.

„Schön, dass in Minden von vielen Menschen die Bereitschaft da ist, so etwas zu unterstützen“, freut sich Superintendent Jürgen Tiemann, der als Vertreter des Evangelischen Kirchenkreises zu den Initiatoren der Seebrücke gehört, über die Offenheit der Mindener.

Die Autorin ist erreichbar unter Telefon (0571) 882 169 oder Christine.Riechmann@MT.de

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MindenMinden soll ein sicherer Hafen für Geflüchtete werdenChristine RiechmannMinden (mt). Der Aufruf ist kurz und knapp, die Idee dahinter weitreichend und nachhaltig: Minden soll sicherer Hafen werden. Der evangelische Kirchenkreis, die gemeinnützige Initiative Hope, das Welthaus und einige andere Mindener Gruppen und Organisationen haben sich zusammengetan und sich der internationalen Bewegung Seebrücke angeschlossen. Anhänger dieser Bewegung bekennen sich zu ihrer Verantwortung, Menschen zu helfen und Schutz zu gewähren, die durch Krieg, Verfolgung und andere Notlagen ihre Heimat verlassen haben und in Europa beziehungsweise Deutschland Zuflucht suchen. Menschen auf dem Mittelmeer sterben zu lassen, um Flüchtlinge von Europas Grenzen fernzuhalten, sei unerträglich, unverantwortlich und inakzeptabel, meint Stefan Straube-Neumann vom Mindener Welthaus. Gemeinsam mit seiner Kollegin Katja Sonntag gehört er zu den Initiatoren der Mindener Seebrücke. Migration sei schon immer Teil europäischer Geschichte gewesen. Statt die Grenzen dicht zu machen, bräuchte es ein offenes Europa, solidarische Städte und sichere Häfen. Die Seebrücke fordert die Bundesregierung, die Landesregierung NRW sowie die zuständigen Behörden auf, bis zur Vereinbarung einer humanitären EU-weiten Aufnahmeregelung für aus Seenot gerettete Geflüchtete zusätzliche Aufnahmeplätze in Deutschland anzubieten. Städten und Gemeinden, die sich dazu bereit erklären, solle es umgehend ermöglicht werden, diese Menschen direkt aufzunehmen. Alle notwendigen Ressourcen für eine menschenwürdige Versorgung seien von Bund und Land NRW den Kommunen zur Verfügung zu stellen. „Unser Ziel ist es, durch eine partei- und fraktionsübergreifende Initiative einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung herbeizuführen, der Minden zu einem sicheren Hafen erklärt und anbietet, schiffbrüchige Geflüchtete in Minden Schutz und Aufnahme zu bieten“, erklärt Katja Sonntag. Dies solle in der Ratssitzung am 11. Juli geschehen. Mit dem Antrag an die Stadt wollen die Initiatoren die Verantwortung nicht an die Stadt abtreten. „Wir wollen damit einen formellen Rahmen schaffen“, sagt Stefan Schraube-Neumann. Die Umsetzung der inhaltlichen Ziele der Initiative liege im Ehrenamt. Um diese Ziele einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen und möglichst viele Unterschriften für den Antrag an die Stadt zu sammeln, veranstalten die Initiatoren der Mindener Seebrücke am Samstag, 15. Juni, um 13 Uhr eine Kundgebung auf dem Marktplatz. Im Anschluss an „Martini um 12“ werden Mitglieder verschiedener Organisationen Erklärungen zum Thema geben. Außerdem wird Martin Kolek von seinen Einsätzen auf dem internationalen Rettungsschiff Seawatch berichten. Der Nachbarschaftschor und Musiker der Hafenschule machen Musik. Bereits ab 11 Uhr werden Unterstützer der Mindener Seebrücke an Ständen vom Poos bis zum Marktplatz über die Initiative informieren und Unterschriften sammeln. „Schön, dass in Minden von vielen Menschen die Bereitschaft da ist, so etwas zu unterstützen“, freut sich Superintendent Jürgen Tiemann, der als Vertreter des Evangelischen Kirchenkreises zu den Initiatoren der Seebrücke gehört, über die Offenheit der Mindener. Die Autorin ist erreichbar unter Telefon (0571) 882 169 oder Christine.Riechmann@MT.de