Minden

Schützengilde Minden-Nordstadt ist in Frauenhänden

Michael Grundmeier

Viel Applaus spendeten die Zuschauer den Schützen beim Einmarsch auf dem Sportplatz. - © Foto: Michael Grundmeier
Viel Applaus spendeten die Zuschauer den Schützen beim Einmarsch auf dem Sportplatz. (© Foto: Michael Grundmeier)

Minden (mig). Kaiserwetter verwöhnte die Teilnehmer des Stadt- und Volksschützenfestes auf dem Bierpohl-Sportplatz. Höhepunkt war die Ausrufung eines Königinnenpaars – für die Schützengilde Minden-Nordstadt eine Premiere.

Die Fahnen vorneweg und trotz des heißen Wetters formell gekleidet, marschierten die Schützen auf den Sportplatz. Mit dabei: Schützen aus Hahlen, Minderheide, Stemmer, Minden-West und der 5. Kompanie des Mindener Bürgerbataillons. Ein eindrucksvolles Aufgebot, das beim Publikum gut ankam. „Die sind aber richtig fesch“, meinte ein ältere Dame mit leuchtenden Augen.

Premiere: Das Königinnenpaar Vivien und Lena Rutha (Dritte und Fünfte von links) hat die Regentschaft in der Schützengilde Minden-Nordstadt übernommen.
Premiere: Das Königinnenpaar Vivien und Lena Rutha (Dritte und Fünfte von links) hat die Regentschaft in der Schützengilde Minden-Nordstadt übernommen.

Neben der Tradition zeichnet die Schützen seit jeher eine bemerkenswerte Offenheit aus. Hier kann im Grunde jeder Mitglied werden – und das nicht erst seit gestern. Ein gutes Beispiel dafür ist das neue „Königspaar“, das der 1. Vorsitzende der Schützengilde, Fritz Aßmann an diesem Tag bekannt gab. Manch ein Zuhörer war zwar zunächst etwas irritiert („Hat der gerade zwei Frauennamen vorgelesen?“), aber nein, ein Fehler war Aßmann nicht unterlaufen. Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat der Verein ein rein weibliches Königs-, oder besser: Königinnenpaar. Lena Rutha (Königin) und Vivien Rutha (Prinzgemahlin). „Wir haben uns in den letzten Jahren sehr geöffnet und sind viel offener, als manche Leute denken“, sagt Marcus Bleidorn, der 2. Vorsitzende des Vereins. Tradition sei zwar wichtig und gehöre auch essenziell dazu – „wir gehen aber mit der Zeit, haben beispielsweise auch das Schießen mit Blasrohr im Programm“. Frauen sind, laut Bleidorn, schon lange im Verein aktiv – „und die dürfen auch schon seit langem mitschießen“. Jugendkönig wurde Finnley Gertzen, Juniorenkönig Mika Manke. Alterskönigin ist Ursel Meier, Vizekönig Jörg Münscher.

Die Proklamation der Stadtkönige übernahm der Vorsitzende des Stadtschützenverbandes, Rüdiger Eichhorn. Eichhorn kam auch auf die schwierige Jahreshauptversammlung des Verbandes zu sprechen Man habe sich damals entschlossen, den Verband weiter am Leben zu halten, auch wenn man betont habe, dass es immer schwieriger werde, das gelebte Schützenwesen in der Tradition, aber auch im Sportschießen erfolgreich weiterzuführen. „Wir und ich stellen uns fortan dieser Aufgabe, dazu brauchen wir aber auch eure Mitarbeit.“ Die Bereitschaft der Schützengilde Minden-Nordstadt das Stadtschützenfest kurzfristig in das vereinseigene Schützenfest zu integrieren, wertete Eichhorn als „Beispiel gelebter Unterstützung und Anerkennung des Vorhabens“.

Eichhorn forderte die Schützen auf, das Image der angeschlossenen Vereine weiter zu entwickeln und dem Trend entgegenzuwirken, „dass wir immer weniger Aktive werden“. Erneut habe sich ein Verein des Schützenverbandes „Stadt Minden“ aus dem aktiven Vereinsleben zurückgezogen, zwei weitere seien nur noch sporadisch bei den Veranstaltungen. „Wir werden versuchen zu helfen, wo und wie auch immer es geht.“

Den Schützen rief Eichhorn zu: „Haltet die Gemeinschaften aufrecht, werbt alle in der Familie und im persönlichen Freundeskreis für unsere sozial so wichtige Komponente des Miteinanders“. Zur Proklamation bat Eichhorn dann Joris Winterberg (Stadtschülerkönig), Niklas-Walter Bleidorn (Stadtjugendkönig), Sonja Aßmann (Stadtkönigin) nach vorn.

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MindenSchützengilde Minden-Nordstadt ist in FrauenhändenMichael GrundmeierMinden (mig). Kaiserwetter verwöhnte die Teilnehmer des Stadt- und Volksschützenfestes auf dem Bierpohl-Sportplatz. Höhepunkt war die Ausrufung eines Königinnenpaars – für die Schützengilde Minden-Nordstadt eine Premiere. Die Fahnen vorneweg und trotz des heißen Wetters formell gekleidet, marschierten die Schützen auf den Sportplatz. Mit dabei: Schützen aus Hahlen, Minderheide, Stemmer, Minden-West und der 5. Kompanie des Mindener Bürgerbataillons. Ein eindrucksvolles Aufgebot, das beim Publikum gut ankam. „Die sind aber richtig fesch“, meinte ein ältere Dame mit leuchtenden Augen. Neben der Tradition zeichnet die Schützen seit jeher eine bemerkenswerte Offenheit aus. Hier kann im Grunde jeder Mitglied werden – und das nicht erst seit gestern. Ein gutes Beispiel dafür ist das neue „Königspaar“, das der 1. Vorsitzende der Schützengilde, Fritz Aßmann an diesem Tag bekannt gab. Manch ein Zuhörer war zwar zunächst etwas irritiert („Hat der gerade zwei Frauennamen vorgelesen?“), aber nein, ein Fehler war Aßmann nicht unterlaufen. Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat der Verein ein rein weibliches Königs-, oder besser: Königinnenpaar. Lena Rutha (Königin) und Vivien Rutha (Prinzgemahlin). „Wir haben uns in den letzten Jahren sehr geöffnet und sind viel offener, als manche Leute denken“, sagt Marcus Bleidorn, der 2. Vorsitzende des Vereins. Tradition sei zwar wichtig und gehöre auch essenziell dazu – „wir gehen aber mit der Zeit, haben beispielsweise auch das Schießen mit Blasrohr im Programm“. Frauen sind, laut Bleidorn, schon lange im Verein aktiv – „und die dürfen auch schon seit langem mitschießen“. Jugendkönig wurde Finnley Gertzen, Juniorenkönig Mika Manke. Alterskönigin ist Ursel Meier, Vizekönig Jörg Münscher. Die Proklamation der Stadtkönige übernahm der Vorsitzende des Stadtschützenverbandes, Rüdiger Eichhorn. Eichhorn kam auch auf die schwierige Jahreshauptversammlung des Verbandes zu sprechen Man habe sich damals entschlossen, den Verband weiter am Leben zu halten, auch wenn man betont habe, dass es immer schwieriger werde, das gelebte Schützenwesen in der Tradition, aber auch im Sportschießen erfolgreich weiterzuführen. „Wir und ich stellen uns fortan dieser Aufgabe, dazu brauchen wir aber auch eure Mitarbeit.“ Die Bereitschaft der Schützengilde Minden-Nordstadt das Stadtschützenfest kurzfristig in das vereinseigene Schützenfest zu integrieren, wertete Eichhorn als „Beispiel gelebter Unterstützung und Anerkennung des Vorhabens“. Eichhorn forderte die Schützen auf, das Image der angeschlossenen Vereine weiter zu entwickeln und dem Trend entgegenzuwirken, „dass wir immer weniger Aktive werden“. Erneut habe sich ein Verein des Schützenverbandes „Stadt Minden“ aus dem aktiven Vereinsleben zurückgezogen, zwei weitere seien nur noch sporadisch bei den Veranstaltungen. „Wir werden versuchen zu helfen, wo und wie auch immer es geht.“ Den Schützen rief Eichhorn zu: „Haltet die Gemeinschaften aufrecht, werbt alle in der Familie und im persönlichen Freundeskreis für unsere sozial so wichtige Komponente des Miteinanders“. Zur Proklamation bat Eichhorn dann Joris Winterberg (Stadtschülerkönig), Niklas-Walter Bleidorn (Stadtjugendkönig), Sonja Aßmann (Stadtkönigin) nach vorn.