Minden

Mindener Paar hilft Kindern in Indien

Michael Grundmeier

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Minden (mig). Im Ruhestand sind Ludger Franzen und Monika Höning noch lange nicht. „Wir haben nach einer Aufgabe gesucht, bei der wir helfen können“, sagt das Paar. Ihr Projekt fanden sie in Indien – dank der Hilfe von Olga Wolf aus Oberlübbe („Lift2Life Amravati“) und einer Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) vor Ort („Bahujan Hitaya“).

Dass es rund drei Jahre dauerte, bis die beiden etwas Geeignetes fanden, liegt an ihrer Profession. Ludger Franzen (69) ist Hochschullehrer, Monika Höning war Lehrerin. „Für Menschen mit einem nicht-technischen Beruf ist es gar nicht so einfach, etwas zu finden“, erklärt sie.

Was hat sie dazu bewogen, zwei Monate in Indien zu verbringen? „Wir erleben die Ungerechtigkeiten, die die sogenannte erste Welt der sogenannten dritten Welt antut. Wir hatten ein inneres Bedürfnis, wenigstens ein bisschen zu helfen“, sagt Monika Höning. Beiden war es wichtig, Bedürftige zu unterstützen sowie Land und Leute im Alltag kennenzulernen.

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Olga Wolf kennt Amravati aus eigener Anschauung. Hier hat sie 2014 ein Schulwohnheim für Mädchen aufgebaut – dank finanzieller Unterstützung der Firma Audatex, beziehungsweise der „Soldera“-Holding. Zusätzlich wurden zwei Zentren eröffnet, in denen Frauen ausgebildet werden. „Ich möchte Kindern, die in eine aussichtslose Situation hineingeboren wurden, durch eine bessere Ausbildung helfen, den Grundstein für eine bessere Zukunft zu legen“, beschreibt Wolf ihre Motivation. Für viele Frauen und Mädchen seien die Heime ein Zufluchtsort und der Start in eine bessere Zukunft. Das Schulwohnheim zielt vor allem auf verstoßene Töchter oder Mädchen, die Opfer häuslicher Gewalt oder einer Vergewaltigung wurden.

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In diesem Jahr arbeiteten Ludger Franzen und Monika Höning dort mit Mädchen und Jungen, vor allem in der schulischen Ausbildung. „Wir haben Mathe, Englisch oder Naturwissenschaften gemacht, aber auch Theater gespielt“, sagt Franzen. Daneben standen Musik, Akrobatik, Zaubertricks und Tanzen auf dem Programm. Dazu kam der Bau einer Kompostkiste, die helfen soll, den „unvorstellbaren Müll, der in den Straßen liegt“, einzudämmen.

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Weil die Kinder von 10 bis 17 Uhr zur Schule gehen, gab es weniger Zeit als gedacht. „Wir hätten gerne mehr mit ihnen gemacht“, sagen Ludger Franzen und Monika Höning. Abends seien die Kinder oft sehr müde gewesen. Dennoch gab es Projekte, die sie umsetzen konnten. „Wir haben viel englisch mit ihnen gesprochen, weil sie dazu nur wenige Möglichkeiten haben“, so Franzen. Außerdem habe man einen trostlosen Gemeinschaftsraum aufhübschen können.

Als wichtigstes Projekt kann die Theateraufführung gelten, die zum Schluss des Aufenthalts anstand. „Ich denke, das hat zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins beigetragen – dass sie auf der Bühne standen und alles super geklappt hat“. Die Kinder seien mit Begeisterung dabei gewesen und hätten ihre Rolle frei gesprochen. Unterm Strich war das Projekt ein Erfolg, sagt das Paar. Die Mädchen und Jungen seien „hungrig nach Bildung“.

Ludger Franzen und Monika Höning sind beeindruckt von Indien. „Wir sind hingegangen, um etwas zu geben und haben gemerkt, wir kriegen viel zurück“, sagt Höning. Die Reise habe sie gelassener gemacht und gezeigt, „wie gut es uns hier geht, während für andere das Leben so schwer ist“. Es gebe auch Dinge, um die die Inder sie nicht beneideten. „Die bedauern uns in Europa, weil so viele Menschen alleine leben.“ Und wenn man ihnen von alten Menschen erzähle, die von ihren Kindern in Heime abgeschoben würden, „dann sind die regelrecht entsetzt – so etwas gibt es da einfach nicht“.

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MindenMindener Paar hilft Kindern in IndienMichael GrundmeierMinden (mig). Im Ruhestand sind Ludger Franzen und Monika Höning noch lange nicht. „Wir haben nach einer Aufgabe gesucht, bei der wir helfen können“, sagt das Paar. Ihr Projekt fanden sie in Indien – dank der Hilfe von Olga Wolf aus Oberlübbe („Lift2Life Amravati“) und einer Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) vor Ort („Bahujan Hitaya“). Dass es rund drei Jahre dauerte, bis die beiden etwas Geeignetes fanden, liegt an ihrer Profession. Ludger Franzen (69) ist Hochschullehrer, Monika Höning war Lehrerin. „Für Menschen mit einem nicht-technischen Beruf ist es gar nicht so einfach, etwas zu finden“, erklärt sie. Was hat sie dazu bewogen, zwei Monate in Indien zu verbringen? „Wir erleben die Ungerechtigkeiten, die die sogenannte erste Welt der sogenannten dritten Welt antut. Wir hatten ein inneres Bedürfnis, wenigstens ein bisschen zu helfen“, sagt Monika Höning. Beiden war es wichtig, Bedürftige zu unterstützen sowie Land und Leute im Alltag kennenzulernen. Olga Wolf kennt Amravati aus eigener Anschauung. Hier hat sie 2014 ein Schulwohnheim für Mädchen aufgebaut – dank finanzieller Unterstützung der Firma Audatex, beziehungsweise der „Soldera“-Holding. Zusätzlich wurden zwei Zentren eröffnet, in denen Frauen ausgebildet werden. „Ich möchte Kindern, die in eine aussichtslose Situation hineingeboren wurden, durch eine bessere Ausbildung helfen, den Grundstein für eine bessere Zukunft zu legen“, beschreibt Wolf ihre Motivation. Für viele Frauen und Mädchen seien die Heime ein Zufluchtsort und der Start in eine bessere Zukunft. Das Schulwohnheim zielt vor allem auf verstoßene Töchter oder Mädchen, die Opfer häuslicher Gewalt oder einer Vergewaltigung wurden. In diesem Jahr arbeiteten Ludger Franzen und Monika Höning dort mit Mädchen und Jungen, vor allem in der schulischen Ausbildung. „Wir haben Mathe, Englisch oder Naturwissenschaften gemacht, aber auch Theater gespielt“, sagt Franzen. Daneben standen Musik, Akrobatik, Zaubertricks und Tanzen auf dem Programm. Dazu kam der Bau einer Kompostkiste, die helfen soll, den „unvorstellbaren Müll, der in den Straßen liegt“, einzudämmen. Weil die Kinder von 10 bis 17 Uhr zur Schule gehen, gab es weniger Zeit als gedacht. „Wir hätten gerne mehr mit ihnen gemacht“, sagen Ludger Franzen und Monika Höning. Abends seien die Kinder oft sehr müde gewesen. Dennoch gab es Projekte, die sie umsetzen konnten. „Wir haben viel englisch mit ihnen gesprochen, weil sie dazu nur wenige Möglichkeiten haben“, so Franzen. Außerdem habe man einen trostlosen Gemeinschaftsraum aufhübschen können. Als wichtigstes Projekt kann die Theateraufführung gelten, die zum Schluss des Aufenthalts anstand. „Ich denke, das hat zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins beigetragen – dass sie auf der Bühne standen und alles super geklappt hat“. Die Kinder seien mit Begeisterung dabei gewesen und hätten ihre Rolle frei gesprochen. Unterm Strich war das Projekt ein Erfolg, sagt das Paar. Die Mädchen und Jungen seien „hungrig nach Bildung“. Ludger Franzen und Monika Höning sind beeindruckt von Indien. „Wir sind hingegangen, um etwas zu geben und haben gemerkt, wir kriegen viel zurück“, sagt Höning. Die Reise habe sie gelassener gemacht und gezeigt, „wie gut es uns hier geht, während für andere das Leben so schwer ist“. Es gebe auch Dinge, um die die Inder sie nicht beneideten. „Die bedauern uns in Europa, weil so viele Menschen alleine leben.“ Und wenn man ihnen von alten Menschen erzähle, die von ihren Kindern in Heime abgeschoben würden, „dann sind die regelrecht entsetzt – so etwas gibt es da einfach nicht“.