Kommentar zum Thema Amok-Alarm an Schulen: Dran bleiben

Stefan Koch

Foto 2018 von www.ChristianSchwier.de - © Foto 2018 von www.ChristianSchwier.de
Foto 2018 von www.ChristianSchwier.de (© Foto 2018 von www.ChristianSchwier.de)

Bisher hat sich weder der Bildungsausschuss noch der Ausschuss für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz für den Amok-Alarm an den Mindener Schulen besonders interessiert. Angesichts der Sicherheitsdiskussion nach einer Serie religiös motivierter Anschläge – der einprägsamste vom Dezember 2016 in Berlin mit zwölf Todesopfern – und einem massiven Barrikadenbau an Weihnachtsmärkten in der Folge, ist da offenbar der Fokus am islamistischen Terror hängen geblieben. Und dass, obwohl noch vor zehn Jahren die Bundesrepublik durch die Schulmassaker in Erfurt und Winnenden mit jeweils größeren Opferzahlen erschüttert wurde und dies weitere Nachahmer im Gefolge hatte.

Natürlich haben die bis in den Massenmord erweiterten Suizide psychisch labiler Jugendlicher mit Zugang zu Waffen zu weitreichenden Konsequenzen geführt. Eine davon ist die Ausstattung von Schulen mit entsprechenden Alarmierungssystemen und Handlungsempfehlungen für den Fall, dass ein bewaffneter Täter ein Schulgebäude mit dem Ziel betritt, möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen. Auch in Minden war das geschehen. Und gerade diese Umsicht erfordert es, sich weiter mit dem Problem auseinanderzusetzen.

Denn immer wieder kommt es vor, dass Schüler versehentlich die Melder anrempeln, die dann die Amok-Ansagen auslösen. Wenn sich dann herausstellt, dass die Technik nicht robust genug ist und ausgetauscht werden muss, kann das teuer werden. Zudem gibt es unterschiedliche Systeme mit roten Alarmmeldern fürs Feuer, blauen für Notfälle aller Art und gelben für den Amoklauf. Dicke Ordner mit Richtlinien stehen dazu im Rektorenzimmern. Bislang ist es aber auch in Minden nicht vorgesehen, das Verhalten im Amok-Fall analog zu einer Brandübung zu proben, um den Beteiligten bessere Chancen zu geben, sich richtig zu verhalten.

Wenn der Fehl-Alarm an der Eine-Welt-Schule vom 20. Mai mit seinem massiven Polizeieinsatz in der Folge einen Sinn hatte, dann den, dass sich die Stadt in Zukunft um das Thema verstärkt kümmern will. Auf jeden Fall sollte die Zusammenarbeit zwischen der polizeilichen Prävention und den Schulen zum Umgang mit den Amok-Alarmierungen intensiviert werden.

Lesen Sie auch

Mindener Amok-Alarm wirft Fragen auf

Copyright © Mindener Tageblatt 2020
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

Kommentar zum Thema Amok-Alarm an Schulen: Dran bleibenStefan KochBisher hat sich weder der Bildungsausschuss noch der Ausschuss für Bürgerdienste, Sicherheit und Feuerschutz für den Amok-Alarm an den Mindener Schulen besonders interessiert. Angesichts der Sicherheitsdiskussion nach einer Serie religiös motivierter Anschläge – der einprägsamste vom Dezember 2016 in Berlin mit zwölf Todesopfern – und einem massiven Barrikadenbau an Weihnachtsmärkten in der Folge, ist da offenbar der Fokus am islamistischen Terror hängen geblieben. Und dass, obwohl noch vor zehn Jahren die Bundesrepublik durch die Schulmassaker in Erfurt und Winnenden mit jeweils größeren Opferzahlen erschüttert wurde und dies weitere Nachahmer im Gefolge hatte. Natürlich haben die bis in den Massenmord erweiterten Suizide psychisch labiler Jugendlicher mit Zugang zu Waffen zu weitreichenden Konsequenzen geführt. Eine davon ist die Ausstattung von Schulen mit entsprechenden Alarmierungssystemen und Handlungsempfehlungen für den Fall, dass ein bewaffneter Täter ein Schulgebäude mit dem Ziel betritt, möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen. Auch in Minden war das geschehen. Und gerade diese Umsicht erfordert es, sich weiter mit dem Problem auseinanderzusetzen. Denn immer wieder kommt es vor, dass Schüler versehentlich die Melder anrempeln, die dann die Amok-Ansagen auslösen. Wenn sich dann herausstellt, dass die Technik nicht robust genug ist und ausgetauscht werden muss, kann das teuer werden. Zudem gibt es unterschiedliche Systeme mit roten Alarmmeldern fürs Feuer, blauen für Notfälle aller Art und gelben für den Amoklauf. Dicke Ordner mit Richtlinien stehen dazu im Rektorenzimmern. Bislang ist es aber auch in Minden nicht vorgesehen, das Verhalten im Amok-Fall analog zu einer Brandübung zu proben, um den Beteiligten bessere Chancen zu geben, sich richtig zu verhalten. Wenn der Fehl-Alarm an der Eine-Welt-Schule vom 20. Mai mit seinem massiven Polizeieinsatz in der Folge einen Sinn hatte, dann den, dass sich die Stadt in Zukunft um das Thema verstärkt kümmern will. Auf jeden Fall sollte die Zusammenarbeit zwischen der polizeilichen Prävention und den Schulen zum Umgang mit den Amok-Alarmierungen intensiviert werden. Lesen Sie auch Mindener Amok-Alarm wirft Fragen auf