Minden

Bewohner fürchten nach Sanierung steigende Mieten

Stefan Koch

Wer sich vom äußeren Eindruck leiten lässt und auf das Innere des Hauses am Grünen Weg schließt, der liegt falsch. Innen ist alles modern und saniert. MT- - © Foto: Stefan Koch
Wer sich vom äußeren Eindruck leiten lässt und auf das Innere des Hauses am Grünen Weg schließt, der liegt falsch. Innen ist alles modern und saniert. MT- (© Foto: Stefan Koch)

Minden (mt). Die Außenfassade des Komplexes mit 32 Wohnungen zu rund 50 Quadratmetern hat schon lange nicht mehr den Farbtopf gesehen. Schwarzer Schmuddel zieht sich in langen Nasen dort entlang, wo das Regenwasser von den Brüstungen der Gehbalkone tropft. Aus Rissen im Brösel keimt der Farn. Das Gebäude am Grünen Weg 29 zeigt, wie trügerisch der äußere Schein ist. Denn drinnen ist fast alles tipptopp.

Zusammen mit den gleichaltrigen Objekten Roßbachstraße 2 und 4 teilt sich die 60er-Jahre-Immobilie aus dem ursprünglichen Bestand des damaligen Reichsbundes (heute Sozialverband Deutschland) die Heizanlage und bildet mit ihr eine Einheit. Mehrfach wechselte der Eigentümer des Immobilienensembles. Seit Mitte 2013 gehört es einer Fondsgesellschaft – der PropFund 3 Asset 3 Residential GmbH & Co. KG. Die Eurix Verwaltung GmbH aus Berlin kümmert sich um die Objekte. Das konnten die Mieter nach dem Wechsel den Schreiben entnehmen.

„Man kann grundsätzlich sagen, dass das ein positives Wohnen hier ist“, teilt eine Mieterin mit. Es gebe einen Hausmeisterservice, der über den Messanger-Dienst WhatsApp erreichbar sei. Bei größeren Problemen könnten sich die Mieter an die Berliner Verwaltung wenden. Die Mieterhöhungen seien in den früheren Jahren moderat gewesen. Und auch dem Sanierungsbedarf habe das Unternehmen bislang Rechnung getragen.

Verunsicherung bei einem Teil der Mieter herrschte allerdings vor dreieinhalb Jahren, als die Verwaltung mitteilte, dass die öffentliche Mietpreisbindung zum 31. Dezember 2016 auslaufe. Mit diesem Termin war der Fonds als Eigentümer berechtigt, sich am Mindener Mietspiegel zu orientieren. Mieter berichten, dass sie in der Folge zehn Prozent mehr Miete zahlen mussten. „Das ist eigentlich immer noch vertretbar, aber ich mache mir Sorgen, dass es noch mehr werden könnte“, sagt eine Betroffene.

Zu beobachten sei, dass der Eigentümer des Objekts viel Geld in dessen Modernisierung investiere. Die beiden Häuser an der Roßbachstraße mit je 15 Wohnungen, die zu der Anlage gehörten, hätten neben der Sanierung auch Rampen für Rollstuhlfahrer erhalten. Das Innere des Hauptgebäudes sei saniert worden. Und wenn eine Wohnung durch einen Auszug frei werde, erfolge dort eine Komplettsanierung, so dass die neuen Mieter 100 Euro mehr bezahlen müssten. Bewohner hatten auch beobachtet, dass bei größeren Schäden, beispielsweise im Badezimmer, die Hausverwaltung argumentiere, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohne und eine Komplettsanierung erforderlich sei. „Da ist man zwiegespalten, ob man eine Modernisierung wünscht und dann mehr bezahlen soll, oder sich mit dem gegenwärtigen Zustand abfindet“, sagt eine Mieterin, die gerne wüsste, wer der Eigentümer, die PropFund 3 Asset 3 Residential GmbH & Co. KG, ist.

Nach allgemein im Internet zugänglichen Informationen ist der Fonds im Handelsregister beim Amtsgericht Charlottenburg registriert. Andere ähnlich lautende Fonds bilden zusammen mit einer Investix Asset Management GmbH (Berlin) ein Firmengeflecht. Zur Investix-Gruppe gehört auch die Eurix Verwaltung GmbH. Nach eigener Darstellung auf der Homepage hat Eurix als Investix-Tochter die Aufgabe, die in den Fonds erworbenen Objekte selbst zu verwalten. „Insgesamt werden von uns weit über 2.000 interne und externe Wohn- und Geschäftseinheiten betreut. Hierunter fallen einzelne Mietwohnungen genauso wie Fachmarktzentren, Großwohnanlagen und Wohnungseigentumsgemeinschaften“, informiert das Unternehmen auf seiner Homepage.

Auf MT-Anfrage zu den Perspektiven der Anlage Grüner Weg/Roßbachstraße, teilt Robert Gansel, Prokurist der Investix Asset Management GmbH mit, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren 600.000 Euro in die Verbesserung der Gebäudequalität investiert habe. Unter anderem habe es Reparaturen des Daches gegeben sowie eine Erneuerung von Treppenpodesten, Sanitärbereichen, Wandbelegen, Eingangstüren und vieles mehr.

„Auch in Zukunft ist geplant, diese Maßnahmen fortzusetzen und einen zeitgemäßen Gebäudezustand zu schaffen“, so Gansel weiter. Hierfür werde es von Zeit zu Zeit „Mietanpassungen“ unter der Berücksichtigung der gesetzlichen Rahmenbedingungen geben, um die gerade in den vergangenen Jahren gestiegenen Baukosten auszugleichen. Trotz der zuletzt erhöhten Miete um zehn Prozent liege der durchschnittliche Mietzins nach Recherchen seines Hauses immer noch deutlich unter dem aktuellen Mietzins in der Umgebung.

Ob das in Zukunft so bleiben soll? „Zu einer zukünftigen Neuüberprüfung der Mietpreise gibt es heute noch keine konkreten Planungen“, teilt Gansel mit.

Wem gehört Minden?

- Mit diesem Projekt wollen wir gemeinsam mit den Bürgern mehr Transparenz auf dem Wohnungsmarkt schaffen und werden auch über interessante Beispiele berichten.

- Unter wem-gehoert-minden.de kann jeder der Redaktion mitteilen, wer der Eigentümer seiner Mietwohnung ist und welche Erfahrungen er mit dem Vermieter gemacht hat. Aus den gewonnenen Daten setzen wir ein Bild zusammen und recherchieren, wo sich Missstände zeigen.

- Das Projekt ist eineKooperation des Mindener Tageblattes mit Correctiv, demersten gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum (correctiv.org).

wem-gehoert-minden.de

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MindenBewohner fürchten nach Sanierung steigende MietenStefan KochMinden (mt). Die Außenfassade des Komplexes mit 32 Wohnungen zu rund 50 Quadratmetern hat schon lange nicht mehr den Farbtopf gesehen. Schwarzer Schmuddel zieht sich in langen Nasen dort entlang, wo das Regenwasser von den Brüstungen der Gehbalkone tropft. Aus Rissen im Brösel keimt der Farn. Das Gebäude am Grünen Weg 29 zeigt, wie trügerisch der äußere Schein ist. Denn drinnen ist fast alles tipptopp. Zusammen mit den gleichaltrigen Objekten Roßbachstraße 2 und 4 teilt sich die 60er-Jahre-Immobilie aus dem ursprünglichen Bestand des damaligen Reichsbundes (heute Sozialverband Deutschland) die Heizanlage und bildet mit ihr eine Einheit. Mehrfach wechselte der Eigentümer des Immobilienensembles. Seit Mitte 2013 gehört es einer Fondsgesellschaft – der PropFund 3 Asset 3 Residential GmbH & Co. KG. Die Eurix Verwaltung GmbH aus Berlin kümmert sich um die Objekte. Das konnten die Mieter nach dem Wechsel den Schreiben entnehmen. „Man kann grundsätzlich sagen, dass das ein positives Wohnen hier ist“, teilt eine Mieterin mit. Es gebe einen Hausmeisterservice, der über den Messanger-Dienst WhatsApp erreichbar sei. Bei größeren Problemen könnten sich die Mieter an die Berliner Verwaltung wenden. Die Mieterhöhungen seien in den früheren Jahren moderat gewesen. Und auch dem Sanierungsbedarf habe das Unternehmen bislang Rechnung getragen. Verunsicherung bei einem Teil der Mieter herrschte allerdings vor dreieinhalb Jahren, als die Verwaltung mitteilte, dass die öffentliche Mietpreisbindung zum 31. Dezember 2016 auslaufe. Mit diesem Termin war der Fonds als Eigentümer berechtigt, sich am Mindener Mietspiegel zu orientieren. Mieter berichten, dass sie in der Folge zehn Prozent mehr Miete zahlen mussten. „Das ist eigentlich immer noch vertretbar, aber ich mache mir Sorgen, dass es noch mehr werden könnte“, sagt eine Betroffene. Zu beobachten sei, dass der Eigentümer des Objekts viel Geld in dessen Modernisierung investiere. Die beiden Häuser an der Roßbachstraße mit je 15 Wohnungen, die zu der Anlage gehörten, hätten neben der Sanierung auch Rampen für Rollstuhlfahrer erhalten. Das Innere des Hauptgebäudes sei saniert worden. Und wenn eine Wohnung durch einen Auszug frei werde, erfolge dort eine Komplettsanierung, so dass die neuen Mieter 100 Euro mehr bezahlen müssten. Bewohner hatten auch beobachtet, dass bei größeren Schäden, beispielsweise im Badezimmer, die Hausverwaltung argumentiere, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohne und eine Komplettsanierung erforderlich sei. „Da ist man zwiegespalten, ob man eine Modernisierung wünscht und dann mehr bezahlen soll, oder sich mit dem gegenwärtigen Zustand abfindet“, sagt eine Mieterin, die gerne wüsste, wer der Eigentümer, die PropFund 3 Asset 3 Residential GmbH & Co. KG, ist. Nach allgemein im Internet zugänglichen Informationen ist der Fonds im Handelsregister beim Amtsgericht Charlottenburg registriert. Andere ähnlich lautende Fonds bilden zusammen mit einer Investix Asset Management GmbH (Berlin) ein Firmengeflecht. Zur Investix-Gruppe gehört auch die Eurix Verwaltung GmbH. Nach eigener Darstellung auf der Homepage hat Eurix als Investix-Tochter die Aufgabe, die in den Fonds erworbenen Objekte selbst zu verwalten. „Insgesamt werden von uns weit über 2.000 interne und externe Wohn- und Geschäftseinheiten betreut. Hierunter fallen einzelne Mietwohnungen genauso wie Fachmarktzentren, Großwohnanlagen und Wohnungseigentumsgemeinschaften“, informiert das Unternehmen auf seiner Homepage. Auf MT-Anfrage zu den Perspektiven der Anlage Grüner Weg/Roßbachstraße, teilt Robert Gansel, Prokurist der Investix Asset Management GmbH mit, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren 600.000 Euro in die Verbesserung der Gebäudequalität investiert habe. Unter anderem habe es Reparaturen des Daches gegeben sowie eine Erneuerung von Treppenpodesten, Sanitärbereichen, Wandbelegen, Eingangstüren und vieles mehr. „Auch in Zukunft ist geplant, diese Maßnahmen fortzusetzen und einen zeitgemäßen Gebäudezustand zu schaffen“, so Gansel weiter. Hierfür werde es von Zeit zu Zeit „Mietanpassungen“ unter der Berücksichtigung der gesetzlichen Rahmenbedingungen geben, um die gerade in den vergangenen Jahren gestiegenen Baukosten auszugleichen. Trotz der zuletzt erhöhten Miete um zehn Prozent liege der durchschnittliche Mietzins nach Recherchen seines Hauses immer noch deutlich unter dem aktuellen Mietzins in der Umgebung. Ob das in Zukunft so bleiben soll? „Zu einer zukünftigen Neuüberprüfung der Mietpreise gibt es heute noch keine konkreten Planungen“, teilt Gansel mit. Wem gehört Minden? - Mit diesem Projekt wollen wir gemeinsam mit den Bürgern mehr Transparenz auf dem Wohnungsmarkt schaffen und werden auch über interessante Beispiele berichten. - Unter wem-gehoert-minden.de kann jeder der Redaktion mitteilen, wer der Eigentümer seiner Mietwohnung ist und welche Erfahrungen er mit dem Vermieter gemacht hat. Aus den gewonnenen Daten setzen wir ein Bild zusammen und recherchieren, wo sich Missstände zeigen. - Das Projekt ist eineKooperation des Mindener Tageblattes mit Correctiv, demersten gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum (correctiv.org). wem-gehoert-minden.de