Minden

Millionenschwere Sanierung von St. Marien geplant

Carsten Korfesmeyer

67 Meter misst der Turm der Marienkirche. In insgesamt vier Abschnitten wird das um 1022 errichtete Bauwerk in den kommenden vier Jahren grundsaniert. Fotos: Alex Lehn
67 Meter misst der Turm der Marienkirche. In insgesamt vier Abschnitten wird das um 1022 errichtete Bauwerk in den kommenden vier Jahren grundsaniert. Fotos: Alex Lehn

Minden (mt). Es gibt Fördergelder vom Bund und deshalb keine halben Sachen. Komplett wollen die Verantwortlichen der Marienkirche das Bauwerk in den nächsten vier Jahren sanieren. Das kostet insgesamt 3,66 Millionen Euro, von der die Hälfte gefördert wird. Vier Bauabschnitte sind vorgesehen, mit dem Turm geht es los. Der macht Pfarrer Frieder Küppers und seinen Mitstreitern die meiste Sorge. Im Herbst 2017 krachte ein Gesteinsbrocken aus dem Gesims, das anschließende Gutachten zum baulichen Zustand war ein Schock. Denn die Schäden am Gebäude sind weitaus größer als befürchtet. Allein 1,8 Millionen Euro müssen her, um das prägende Element in Mindens Stadtsilhouette zu erhalten.

Geld, das die Mariengemeinde nicht hat, aber zwingend aufbringen muss, um den Turm zu erhalten. Zwar hält ihn der Pfarrer noch nicht für akut baufällig, die höchste Alarmstufe ruft er trotzdem schon aus. Passiere in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten nichts, müsse man irgendwann einmal das gesamte Areal drumherum aus Sicherheitsgründen absperren. „Schlimmstenfalls den Turm sogar zurückbauen“, sagt Küppers. Minden hätte damit ein markantes Wahrzeichen verloren.

Als sich im Herbst 2017 der Stein aus dem Gesims löste, zeigte sich der Sanierungsbedarf der Kirche.
Als sich im Herbst 2017 der Stein aus dem Gesims löste, zeigte sich der Sanierungsbedarf der Kirche.

Um das zu verhindern, startet St. Marien am Himmelfahrtstag die Spendenaktion „Himmel über Minden“. Der Slogan heißt deshalb so, weil kein Ort in der Stadt höher ist als der 67 Meter zählende Kirchturm. Läuft alles nach Plan, können Arbeiten bereits Ende Oktober starten. Sobald der Bewilligungsbescheid vorliegt, erhält Architekt Bernhard Brüggemann seinen Auftrag – und dann wird das Gebäude zunächst eingerüstet. Die Reinigungsarbeiten könnten noch in den Wintermonaten starten, bevor es nach Ende der Frostphase ans Eingemachte geht. Ziel ist, dass die Arbeiten am Turm 2020 erledigt sind. Küppers spricht von der wohl größten Sanierung der Marienkirche seit 130 Jahren. Damals brachte Pfarrer Rudolf Winzer das gesamte Gotteshaus auf Vordermann.

„Vertrautes erhalten – Neues schaffen“, heißt es weiter. Denn der Pfarrer und seine Mitstreiter betrachten die Sanierung als eine Chance, St. Marien aufzuwerten und neu zu gestalten. In der Auferstehungshalle im Turm möchten die Verantwortlichen ein sogenanntes „weißes Kolumbarium“ für Urnengräber schaffen. Menschen, die sich mit der Gemeinde ganz besonders verbunden fühlen, können sich dort bestatten lassen. „Der Bereich wird dann zum Friedhof umgewidmet“, erklärt Küppers. Das hat zur Folge, dass der südliche Eingang zum Haupteingang wird. „Wir gehen davon aus, dass er das früher schon war“, sagt er. Bis 2021 soll das Kolumbarium fertig sein. Dann geht es bis 2022 weiter ans Kirchenschiff, bevor mit der Gestaltung von Kirchplatz und Kreuzgang der letzte Abschnitt läuft. Küppers und sein Team sehen besonders in diesem Bereich eine Menge Gestaltungsmöglichkeiten. Dass man dem Areal eine neue Aufenthaltsqualität verleihen möchte, sei der Wunsch. Der Pfarrer kann sich dort Sitzflächen oder sogar einen Brunnen vorstellen. „Es soll ein öffentlicher Ort der Ruhe sein, der zum Verweilen einlädt“, sagt er. Dass der Kirchplatz aktuell nur als Parkfläche wahrgenommen werde, sei vollkommen unpassend. Der große Wunsch aller Beteiligten sei, ein modernes Kirchencafé am Weinberg zu öffnen.

Jeder Euro ist willkommen – und mit der Spendenaktion hofft man auch, einige Großspender in der Stadt zu erreichen. Gespräche laufen, heißt es von Küppers. 27 Jahre ist er in der St. Mariengemeinde tätig – und immer habe er gehofft, dass in Sachen Grundsanierung der Kelch an ihm vorüberziehen möge. Damit war jedoch abrupt Schluss, als sich der Stein löste. Der Pfarrer sagt offen, dass er lieber andere Projekte begleiten würde – beispielsweise Geld in die Kindergärten oder andere Bereiche der Kirchenarbeit zu stecken, von denen die Menschen unmittelbar etwas haben.

Der Theologe weiß allerdings auch um die hohe Verantwortung für die Marienkirche, mit der die meisten Mindener eine Menge Emotionen verbinden. Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) spricht im neuen Imagefilm der Kirchengemeinde das aus, was viele Menschen in der Stadt empfinden: Sieht er den Turm, habe er jedes Mal das Gefühl, endlich wieder Zuhause zu sein.

Der Autor ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 237 oder Carsten.Korfesmeyer@MT.de

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MindenMillionenschwere Sanierung von St. Marien geplantCarsten KorfesmeyerMinden (mt). Es gibt Fördergelder vom Bund und deshalb keine halben Sachen. Komplett wollen die Verantwortlichen der Marienkirche das Bauwerk in den nächsten vier Jahren sanieren. Das kostet insgesamt 3,66 Millionen Euro, von der die Hälfte gefördert wird. Vier Bauabschnitte sind vorgesehen, mit dem Turm geht es los. Der macht Pfarrer Frieder Küppers und seinen Mitstreitern die meiste Sorge. Im Herbst 2017 krachte ein Gesteinsbrocken aus dem Gesims, das anschließende Gutachten zum baulichen Zustand war ein Schock. Denn die Schäden am Gebäude sind weitaus größer als befürchtet. Allein 1,8 Millionen Euro müssen her, um das prägende Element in Mindens Stadtsilhouette zu erhalten. Geld, das die Mariengemeinde nicht hat, aber zwingend aufbringen muss, um den Turm zu erhalten. Zwar hält ihn der Pfarrer noch nicht für akut baufällig, die höchste Alarmstufe ruft er trotzdem schon aus. Passiere in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten nichts, müsse man irgendwann einmal das gesamte Areal drumherum aus Sicherheitsgründen absperren. „Schlimmstenfalls den Turm sogar zurückbauen“, sagt Küppers. Minden hätte damit ein markantes Wahrzeichen verloren. Um das zu verhindern, startet St. Marien am Himmelfahrtstag die Spendenaktion „Himmel über Minden“. Der Slogan heißt deshalb so, weil kein Ort in der Stadt höher ist als der 67 Meter zählende Kirchturm. Läuft alles nach Plan, können Arbeiten bereits Ende Oktober starten. Sobald der Bewilligungsbescheid vorliegt, erhält Architekt Bernhard Brüggemann seinen Auftrag – und dann wird das Gebäude zunächst eingerüstet. Die Reinigungsarbeiten könnten noch in den Wintermonaten starten, bevor es nach Ende der Frostphase ans Eingemachte geht. Ziel ist, dass die Arbeiten am Turm 2020 erledigt sind. Küppers spricht von der wohl größten Sanierung der Marienkirche seit 130 Jahren. Damals brachte Pfarrer Rudolf Winzer das gesamte Gotteshaus auf Vordermann. „Vertrautes erhalten – Neues schaffen“, heißt es weiter. Denn der Pfarrer und seine Mitstreiter betrachten die Sanierung als eine Chance, St. Marien aufzuwerten und neu zu gestalten. In der Auferstehungshalle im Turm möchten die Verantwortlichen ein sogenanntes „weißes Kolumbarium“ für Urnengräber schaffen. Menschen, die sich mit der Gemeinde ganz besonders verbunden fühlen, können sich dort bestatten lassen. „Der Bereich wird dann zum Friedhof umgewidmet“, erklärt Küppers. Das hat zur Folge, dass der südliche Eingang zum Haupteingang wird. „Wir gehen davon aus, dass er das früher schon war“, sagt er. Bis 2021 soll das Kolumbarium fertig sein. Dann geht es bis 2022 weiter ans Kirchenschiff, bevor mit der Gestaltung von Kirchplatz und Kreuzgang der letzte Abschnitt läuft. Küppers und sein Team sehen besonders in diesem Bereich eine Menge Gestaltungsmöglichkeiten. Dass man dem Areal eine neue Aufenthaltsqualität verleihen möchte, sei der Wunsch. Der Pfarrer kann sich dort Sitzflächen oder sogar einen Brunnen vorstellen. „Es soll ein öffentlicher Ort der Ruhe sein, der zum Verweilen einlädt“, sagt er. Dass der Kirchplatz aktuell nur als Parkfläche wahrgenommen werde, sei vollkommen unpassend. Der große Wunsch aller Beteiligten sei, ein modernes Kirchencafé am Weinberg zu öffnen. Jeder Euro ist willkommen – und mit der Spendenaktion hofft man auch, einige Großspender in der Stadt zu erreichen. Gespräche laufen, heißt es von Küppers. 27 Jahre ist er in der St. Mariengemeinde tätig – und immer habe er gehofft, dass in Sachen Grundsanierung der Kelch an ihm vorüberziehen möge. Damit war jedoch abrupt Schluss, als sich der Stein löste. Der Pfarrer sagt offen, dass er lieber andere Projekte begleiten würde – beispielsweise Geld in die Kindergärten oder andere Bereiche der Kirchenarbeit zu stecken, von denen die Menschen unmittelbar etwas haben. Der Theologe weiß allerdings auch um die hohe Verantwortung für die Marienkirche, mit der die meisten Mindener eine Menge Emotionen verbinden. Bürgermeister Michael Jäcke (SPD) spricht im neuen Imagefilm der Kirchengemeinde das aus, was viele Menschen in der Stadt empfinden: Sieht er den Turm, habe er jedes Mal das Gefühl, endlich wieder Zuhause zu sein. Der Autor ist erreichbar unter Telefon (05 71) 882 237 oder Carsten.Korfesmeyer@MT.de