Symbolfoto: MT-Archiv
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Düsseldorf/Minden

Mühlenkreis eine Clan-Hochburg in OWL

Lothar Schmalen

Düsseldorf/Minden (nw/los). 104 große türkisch-arabische Familienclans halten die Polizei in Nordrhein-Westfalen mit ihrer kriminellen Energie in Atem. Für die vergangenen drei Jahre zählte das Landeskriminalamt insgesamt 14.225 Straftaten. In Ostwestfalen-Lippe ist der Kreis Minden-Lübbecke die Hochburg der Clan-Kriminalität. Die Mindener Polizei hatte sich noch im Februar anders dazu geäußert (Plus-Inhalt).

Neben offen illegalen Aktivitäten (Rauschgifthandel, Glücksspiel, Sozialleistungsbetrug) betreiben die insgesamt fast 6.500 kriminellen Clanmitglieder auch scheinbar legale Geschäfte wie Autohandel, Sicherheits- oder Schlüsseldienste, meist mit dem Ziel zu betrügen, Geld zu waschen oder als Tarnung für kriminelle Vorhaben.

Die Zahlen gehen aus dem ersten Lagebericht Clankriminalität hervor, den Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) und der Chef der LKA-Abteilung für Organisierte Kriminalität, Thomas Jungbluth, vorlegten. Hauptstadt der kriminellen Clans in NRW ist Essen, das mit 2.439 Straftaten und 1.114 ansässigen Clan-Mitgliedern mit Abstand an der Spitze liegt, gefolgt von Recklinghausen (595 Clan-Mitgliedern) und Gelsenkirchen (522). Zur Einordnung: In Bielefeld sind lediglich 58 tatverdächtige Clanmitglieder der vergangenen drei Jahre ansässig.

In Ostwestfalen-Lippe ist der Kreis Minden-Lübbecke die Hochburg der Clan-Kriminalität. Der Mühlenkreis liegt sowohl was die Straftaten (191) als auch was die ansässigen Tatverdächtigen (92) anbelangt, an der Spitze in der nördlichen Region des Bundeslandes. Auffällig unter den ländlichen Gebieten in NRW ist auch Lippe mit 139 Straftaten und 68 ansässigen Clan-Mitgliedern.

Der Lagebericht weist zwei kriminelle Großfamilien aus, die Clans E. und O., die alleine für fast ein Fünftel aller Clan-Straftaten in NRW verantwortlich sind. Auffällig ist auch, dass relativ wenige Mehrfachtäter (insgesamt sechs Prozent der Tatverdächtigen) für ein Drittel aller Straftaten verantwortlich sind. Von den insgesamt 381 Mehrfachtätern unter den Clanmitgliedern gehörten alleine 73 den beiden Familien E. und O. an. Überrascht waren die Spezialisten des LKA auch darüber, dass 20 Prozent der kriminellen Clanmitglieder Frauen sind.

Die meisten der kriminellen Clan-Angehörigen sind zwischen 14 und 26 Jahre alt. Der jüngste registrierte Tatverdächtige war gerade zehn Jahre alt. Mehr als ein Drittel der Tatverdächtigen hat inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit. 31 Prozent sind Libanesen, 15 Prozent Türken und 13 Prozent Syrer.

Die häufigsten Straftaten: Rohheitsdelikte, Eigentumsdelikte, Betrügereien, Rauschgiftdelikte. Den Clans werden auch 24 versuchte und zwei vollendete Tötungsdelikte zur Last gelegt.

Die Migrationsgeschichte der Clans beginnt bereits vor mehr als 100 Jahren, als viele kurdische Großfamilien aus dem türkisch-syrischen Grenzraum zunächst in den Libanon flüchteten. Von dort siedelten sie im Laufe des 20. Jahrhunderts nach Deutschland oder in andere westeuropäischen Länder über.

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Düsseldorf/MindenMühlenkreis eine Clan-Hochburg in OWLLothar SchmalenDüsseldorf/Minden (nw/los). 104 große türkisch-arabische Familienclans halten die Polizei in Nordrhein-Westfalen mit ihrer kriminellen Energie in Atem. Für die vergangenen drei Jahre zählte das Landeskriminalamt insgesamt 14.225 Straftaten. In Ostwestfalen-Lippe ist der Kreis Minden-Lübbecke die Hochburg der Clan-Kriminalität. Die Mindener Polizei hatte sich noch im Februar anders dazu geäußert (Plus-Inhalt). Neben offen illegalen Aktivitäten (Rauschgifthandel, Glücksspiel, Sozialleistungsbetrug) betreiben die insgesamt fast 6.500 kriminellen Clanmitglieder auch scheinbar legale Geschäfte wie Autohandel, Sicherheits- oder Schlüsseldienste, meist mit dem Ziel zu betrügen, Geld zu waschen oder als Tarnung für kriminelle Vorhaben. Die Zahlen gehen aus dem ersten Lagebericht Clankriminalität hervor, den Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) und der Chef der LKA-Abteilung für Organisierte Kriminalität, Thomas Jungbluth, vorlegten. Hauptstadt der kriminellen Clans in NRW ist Essen, das mit 2.439 Straftaten und 1.114 ansässigen Clan-Mitgliedern mit Abstand an der Spitze liegt, gefolgt von Recklinghausen (595 Clan-Mitgliedern) und Gelsenkirchen (522). Zur Einordnung: In Bielefeld sind lediglich 58 tatverdächtige Clanmitglieder der vergangenen drei Jahre ansässig. In Ostwestfalen-Lippe ist der Kreis Minden-Lübbecke die Hochburg der Clan-Kriminalität. Der Mühlenkreis liegt sowohl was die Straftaten (191) als auch was die ansässigen Tatverdächtigen (92) anbelangt, an der Spitze in der nördlichen Region des Bundeslandes. Auffällig unter den ländlichen Gebieten in NRW ist auch Lippe mit 139 Straftaten und 68 ansässigen Clan-Mitgliedern. Der Lagebericht weist zwei kriminelle Großfamilien aus, die Clans E. und O., die alleine für fast ein Fünftel aller Clan-Straftaten in NRW verantwortlich sind. Auffällig ist auch, dass relativ wenige Mehrfachtäter (insgesamt sechs Prozent der Tatverdächtigen) für ein Drittel aller Straftaten verantwortlich sind. Von den insgesamt 381 Mehrfachtätern unter den Clanmitgliedern gehörten alleine 73 den beiden Familien E. und O. an. Überrascht waren die Spezialisten des LKA auch darüber, dass 20 Prozent der kriminellen Clanmitglieder Frauen sind. Die meisten der kriminellen Clan-Angehörigen sind zwischen 14 und 26 Jahre alt. Der jüngste registrierte Tatverdächtige war gerade zehn Jahre alt. Mehr als ein Drittel der Tatverdächtigen hat inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit. 31 Prozent sind Libanesen, 15 Prozent Türken und 13 Prozent Syrer. Die häufigsten Straftaten: Rohheitsdelikte, Eigentumsdelikte, Betrügereien, Rauschgiftdelikte. Den Clans werden auch 24 versuchte und zwei vollendete Tötungsdelikte zur Last gelegt. Die Migrationsgeschichte der Clans beginnt bereits vor mehr als 100 Jahren, als viele kurdische Großfamilien aus dem türkisch-syrischen Grenzraum zunächst in den Libanon flüchteten. Von dort siedelten sie im Laufe des 20. Jahrhunderts nach Deutschland oder in andere westeuropäischen Länder über.