Minden/Porta Westfalica

Hüllenlos glücklich: FKK-Anhänger geben Einblicke in ihre Welt

Kerstin Rickert

Die FKK-Anhänger haben ihr Vereinsgrundstück auf Vordermann gebracht. Dort wollen sie Neugierigen einen Einblick in die Welt ohne Klamotten geben. Foto: Kerstin Rickert - © Kerstin Rickert
Die FKK-Anhänger haben ihr Vereinsgrundstück auf Vordermann gebracht. Dort wollen sie Neugierigen einen Einblick in die Welt ohne Klamotten geben. Foto: Kerstin Rickert (© Kerstin Rickert)

Minden/Porta Westfalica (kr). Bei den aktuellen Temperaturen ist selbst für Reinhard Gerlach die Schmerzgrenze erreicht. Während der Vorsitzende des Familien-Sportbunds Minden (FSB) und seine Vereinskollegen sich für die kommende Saison rüsten, bleiben die Klamotten an. „Wenn die Temperaturen aber über 20 Grad klettern, können die Hüllen schon mal fallen“, sagt der 69-Jährige strahlend und lässt seinen Blick über das Vereinsgelände am Papensgrund in Porta Westfalica streifen. Freikörperkultur, kurz FKK, wird hier großgeschrieben. Eine Ausnahme machen die Vereinsmitglieder während der Tage der offenen Tür am kommenden Wochenende.

„Vorschreiben kann ich das natürlich niemandem, aber ich habe empfohlen, die Kleidung anzulassen“, sagt Gerlach augenzwinkernd. Normalerweise bewegen die 63 Mitglieder des Sportvereins und auch Besucher sich „selbstverständlich nackt“ auf dem 2,5 Hektar großen Gelände, das der Vereinsvorsitzende „Garten Eden“ nennt. Frei und ungezwungen sei die Atmosphäre. „Bei uns wird niemand komisch angeguckt, egal ob er Falten hat oder einen dicken Bauch.“

In der Regel sind die FKK-Anhänger unter sich, abgeschirmt gegen Blicke von außen. Am kommenden Wochenende allerdings wollen sie Einblicke gewähren: in die Angebote als Sportverein und in das sonnig gelegene Freizeitparadies, das sie sich mitten im Wald geschaffen haben und pflegen. Nach dem Winter liegt einiges an. Deshalb haben sich die Vereinsmitglieder kurz vor dem offiziellen Saisonstart noch einmal in größer Runde getroffen, um die Anlage auf Vordermann zu bringen. An jeder Ecke wird gefegt, geharkt und geschraubt. Die beiden Tennisplätze sind bereits startklar, wieder bespielt zu werden. Auf dem Kinderspielplatz samt Riesentrampolin tummeln sich die ersten Kinder, während Eltern und Großeltern die Sportanlagen für Kugelstoßen, Hoch- und Weitsprung auf die Saison vorbereiten und Beete und Wege von Moos, Unkraut und Laubresten befreien.

„Der Pool ist unser Prachtstück“, sagt Gerlach, der vor einem Jahr den FSB-Vorsitz übernommen hat. Ein Vereinskollege ist gerade dabei, den Bereich rund um das Naturschwimmbecken zu säubern. Stück für Stück rückt er Steinen und Wegen mit einem Abflammgerät zu Leibe. „Schon auf der kleinsten glitschigen Stelle kann man böse ausrutschen“, erklärt er sein akribisches Vorgehen. Eine Sisyphusarbeit, aber mit dem Herzstück auf dem FKK-Gelände nimmt es der Verein ganz genau - auch, was die Regeln anbelangt. „In den Pool geht`s nur nackt, und vorher ist Duschen angesagt, schon aus hygienischen Gründen. Wer dagegen verstößt, den hole ich persönlich aus dem Wasser“, sagt Gerlach mit einem Lachen, das nicht darüber hinwegtäuscht, wie ernst es ihm ist.

Ansonsten nimmt der Verein es mit der Pflicht zur Nacktheit nicht immer ganz so genau. Bei 12 Grad werde natürlich von niemandem verlangt sich auszuziehen. Auch bei Arbeitseinsätzen bleiben die Klamotten aus Sicherheitsgründen an. Und in seiner eigenen Parzelle könne es ohnehin jeder so handhaben, wie er will. Insgesamt 47 solcher Parzellen - Stellplätze für Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte - stehen auf dem Areal zur Verfügung. Der Verein vermietet sie an seine Mitglieder und an Campingurlauber, die vor allem aus den benachbarten Niederlanden kommen. „Oft bleiben die Besucher länger als geplant, weil es ihnen hier so gut gefällt“, sagt Gerlach.

Ganz neu in der Anlage ist auch eine junge Familie, die nach einem Umzug keinen eigenen Garten mehr hat und durch Zufall auf den FSB gestoßen ist. „Hier können die Kinder den ganzen Tag rumspringen und spielen, und es sind immer genügend Leute da, die mit aufpassen“, sagt die Mutter von drei Kindern im Alter von zwei, sechs und zwölf Jahren. Auch für sie als Mutter sei ein Wochenende am Papensgrund deshalb wie Kurzurlaub. „Das ist pure Entspannung.“ „Viele wissen gar nicht, dass es uns gibt“, sagt der Vorsitzende, der sich über regen Zulauf am kommenden Wochenende auf dem FKK-Gelände im Papensgrund freuen würde. „Wer uns nämlich erst einmal entdeckt hat, der kommt auch wieder“, ist er sicher.

Info-Tage in Porta Westfalica

Der Familien-Sportbund Minden veranstaltet am Wochenende, 18. und 19. Mai, zwei Tage der offenen Tür. Jeweils von 11 bis 18 Uhr haben Besucher die Möglichkeit, das Vereinsgelände am Papensgrund 20 in Porta Westfalica, kennenzulernen und sich über die Angebote des Sportvereins zu informieren. Für Kinder wird es einen Kletterfelsen und weitere Attraktionen geben. (kr)

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Minden/Porta WestfalicaHüllenlos glücklich: FKK-Anhänger geben Einblicke in ihre WeltKerstin RickertMinden/Porta Westfalica (kr). Bei den aktuellen Temperaturen ist selbst für Reinhard Gerlach die Schmerzgrenze erreicht. Während der Vorsitzende des Familien-Sportbunds Minden (FSB) und seine Vereinskollegen sich für die kommende Saison rüsten, bleiben die Klamotten an. „Wenn die Temperaturen aber über 20 Grad klettern, können die Hüllen schon mal fallen“, sagt der 69-Jährige strahlend und lässt seinen Blick über das Vereinsgelände am Papensgrund in Porta Westfalica streifen. Freikörperkultur, kurz FKK, wird hier großgeschrieben. Eine Ausnahme machen die Vereinsmitglieder während der Tage der offenen Tür am kommenden Wochenende. „Vorschreiben kann ich das natürlich niemandem, aber ich habe empfohlen, die Kleidung anzulassen“, sagt Gerlach augenzwinkernd. Normalerweise bewegen die 63 Mitglieder des Sportvereins und auch Besucher sich „selbstverständlich nackt“ auf dem 2,5 Hektar großen Gelände, das der Vereinsvorsitzende „Garten Eden“ nennt. Frei und ungezwungen sei die Atmosphäre. „Bei uns wird niemand komisch angeguckt, egal ob er Falten hat oder einen dicken Bauch.“ In der Regel sind die FKK-Anhänger unter sich, abgeschirmt gegen Blicke von außen. Am kommenden Wochenende allerdings wollen sie Einblicke gewähren: in die Angebote als Sportverein und in das sonnig gelegene Freizeitparadies, das sie sich mitten im Wald geschaffen haben und pflegen. Nach dem Winter liegt einiges an. Deshalb haben sich die Vereinsmitglieder kurz vor dem offiziellen Saisonstart noch einmal in größer Runde getroffen, um die Anlage auf Vordermann zu bringen. An jeder Ecke wird gefegt, geharkt und geschraubt. Die beiden Tennisplätze sind bereits startklar, wieder bespielt zu werden. Auf dem Kinderspielplatz samt Riesentrampolin tummeln sich die ersten Kinder, während Eltern und Großeltern die Sportanlagen für Kugelstoßen, Hoch- und Weitsprung auf die Saison vorbereiten und Beete und Wege von Moos, Unkraut und Laubresten befreien. „Der Pool ist unser Prachtstück“, sagt Gerlach, der vor einem Jahr den FSB-Vorsitz übernommen hat. Ein Vereinskollege ist gerade dabei, den Bereich rund um das Naturschwimmbecken zu säubern. Stück für Stück rückt er Steinen und Wegen mit einem Abflammgerät zu Leibe. „Schon auf der kleinsten glitschigen Stelle kann man böse ausrutschen“, erklärt er sein akribisches Vorgehen. Eine Sisyphusarbeit, aber mit dem Herzstück auf dem FKK-Gelände nimmt es der Verein ganz genau - auch, was die Regeln anbelangt. „In den Pool geht`s nur nackt, und vorher ist Duschen angesagt, schon aus hygienischen Gründen. Wer dagegen verstößt, den hole ich persönlich aus dem Wasser“, sagt Gerlach mit einem Lachen, das nicht darüber hinwegtäuscht, wie ernst es ihm ist. Ansonsten nimmt der Verein es mit der Pflicht zur Nacktheit nicht immer ganz so genau. Bei 12 Grad werde natürlich von niemandem verlangt sich auszuziehen. Auch bei Arbeitseinsätzen bleiben die Klamotten aus Sicherheitsgründen an. Und in seiner eigenen Parzelle könne es ohnehin jeder so handhaben, wie er will. Insgesamt 47 solcher Parzellen - Stellplätze für Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte - stehen auf dem Areal zur Verfügung. Der Verein vermietet sie an seine Mitglieder und an Campingurlauber, die vor allem aus den benachbarten Niederlanden kommen. „Oft bleiben die Besucher länger als geplant, weil es ihnen hier so gut gefällt“, sagt Gerlach. Ganz neu in der Anlage ist auch eine junge Familie, die nach einem Umzug keinen eigenen Garten mehr hat und durch Zufall auf den FSB gestoßen ist. „Hier können die Kinder den ganzen Tag rumspringen und spielen, und es sind immer genügend Leute da, die mit aufpassen“, sagt die Mutter von drei Kindern im Alter von zwei, sechs und zwölf Jahren. Auch für sie als Mutter sei ein Wochenende am Papensgrund deshalb wie Kurzurlaub. „Das ist pure Entspannung.“ „Viele wissen gar nicht, dass es uns gibt“, sagt der Vorsitzende, der sich über regen Zulauf am kommenden Wochenende auf dem FKK-Gelände im Papensgrund freuen würde. „Wer uns nämlich erst einmal entdeckt hat, der kommt auch wieder“, ist er sicher. Info-Tage in Porta Westfalica Der Familien-Sportbund Minden veranstaltet am Wochenende, 18. und 19. Mai, zwei Tage der offenen Tür. Jeweils von 11 bis 18 Uhr haben Besucher die Möglichkeit, das Vereinsgelände am Papensgrund 20 in Porta Westfalica, kennenzulernen und sich über die Angebote des Sportvereins zu informieren. Für Kinder wird es einen Kletterfelsen und weitere Attraktionen geben. (kr)