Kommentar zum Thema Strom für die Binnenschiffer: Höchste Zeit für Digitales

Ilja Regier

Ohne ihr Gerät gehen viele nicht mehr aus dem Haus, sonst fehlt ein wichtiger Assistent in der Hosentasche. Was ihre Handys einmal leisten werden, hätten nur die wenigsten vor 15 Jahren erahnt. Längst ähneln Smartphones unverzichtbaren Schweizer Taschenmessern mit hilfreichen Werkzeugen. Sie navigieren, organisieren, fotografieren und bezahlen. Äußerst bequem ist auch, dass sich mit dem Handy von überall jede Menge buchen lässt – Mietwagen, Urlaub und die Karten fürs Theater. Das spart Zeit und sorgt für kürzere Wege.

Längere Wege und mehr Zeit dagegen benötigen die Binnenschiffer, wenn sie ihr Schiff am Kanal in Minden festmachen und Strom beziehen wollen. Für die Säulen brauchen sie eine Karte, die sie nur bis zum Nachmittag beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Minden erhalten. Alternativ dürfen sie Dieselmotoren laufen lassen. Das ist für sie – zugegeben – die bequemere Variante, bringt aber die Anwohner auf die Palme.

In einer digitalen Welt schwebt mir vor, dass die Kapitäne die Schiffe anschließen, mit dem Handy Strom über eine App bestellen, der dann aus den Säulen schießt. Das ist keine Utopie, sondern Realität am Duisburger Hafen, wo jüngst drei solche Ladesäulen installiert wurden. Dadurch sollen Schadstoffe reduziert und die Umwelt entlastet werden – was zu begrüßen ist. Langsam bewegt sich auch die Politik in Berlin, die mit dem Bau einheitlicher Stromtankstellen nachhaltiger handeln will. Minden hat noch keine Lösung gefunden und erinnert mit dem benutzerunfreundlichen System an die analoge Ära. Als man noch ohne Handy aus dem Haus ging. Höchste Zeit, dass sich was ändert.

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Kommentar zum Thema Strom für die Binnenschiffer: Höchste Zeit für DigitalesIlja RegierOhne ihr Gerät gehen viele nicht mehr aus dem Haus, sonst fehlt ein wichtiger Assistent in der Hosentasche. Was ihre Handys einmal leisten werden, hätten nur die wenigsten vor 15 Jahren erahnt. Längst ähneln Smartphones unverzichtbaren Schweizer Taschenmessern mit hilfreichen Werkzeugen. Sie navigieren, organisieren, fotografieren und bezahlen. Äußerst bequem ist auch, dass sich mit dem Handy von überall jede Menge buchen lässt – Mietwagen, Urlaub und die Karten fürs Theater. Das spart Zeit und sorgt für kürzere Wege. Längere Wege und mehr Zeit dagegen benötigen die Binnenschiffer, wenn sie ihr Schiff am Kanal in Minden festmachen und Strom beziehen wollen. Für die Säulen brauchen sie eine Karte, die sie nur bis zum Nachmittag beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Minden erhalten. Alternativ dürfen sie Dieselmotoren laufen lassen. Das ist für sie – zugegeben – die bequemere Variante, bringt aber die Anwohner auf die Palme. In einer digitalen Welt schwebt mir vor, dass die Kapitäne die Schiffe anschließen, mit dem Handy Strom über eine App bestellen, der dann aus den Säulen schießt. Das ist keine Utopie, sondern Realität am Duisburger Hafen, wo jüngst drei solche Ladesäulen installiert wurden. Dadurch sollen Schadstoffe reduziert und die Umwelt entlastet werden – was zu begrüßen ist. Langsam bewegt sich auch die Politik in Berlin, die mit dem Bau einheitlicher Stromtankstellen nachhaltiger handeln will. Minden hat noch keine Lösung gefunden und erinnert mit dem benutzerunfreundlichen System an die analoge Ära. Als man noch ohne Handy aus dem Haus ging. Höchste Zeit, dass sich was ändert.