Minden/Berlin

Wem gehört die LEG? - Eine Recherche von Correctiv

Monika Jäger

Minden/Berlin (mt). Die LEG Immobilien AG mit Sitz in Düsseldorf wurde 1970 als Landesentwicklungsgesellschaft gegründet. 2008 folgte die Privatisierung, 2013 der Börsengang.

Die LEG hat mehrere große Anteilseigner. Blackrock ist mit 10,03 Prozent (25.04.2019) der größte davon, gefolgt von der Massachusetts Financial Services Company (9,29 Prozent). Gut 70 Prozent der Anteile sind sogenannter „Streubesitz“ und in Händen vieler Einzelner, die alle weniger als fünf Prozent Anteile haben und daher laut Börsenrichtlinien nicht öffentlich bekannt gegeben werden müssen.

Blackrock

Blackrock ist ein 1988 in New York gegründetes Anlage- und Risikomanagement-Unternehmen und der weitaus größte Einzelaktionär an der Deutschen Börse. Wert Mitte 2018: Etwa 87 Milliarden US-Dollar.

Blackrock hat beispielsweise auch Anteile an der Deutsche Wohnen und Vonovia. Wegen seines großen wirtschaftlichen Einflusses wird das Unternehmen auch schon mal als „heimliche Weltmacht“ bezeichnet.

Der „Tagesspiegel“ berichtete 2018 ausführlich und veröffentlichte auch Ergebnisse einer Datenbankrecherche, nach denen die Anteile am Wohnungsmarkt größer waren als von Blackrock selbst angegeben. Demnach lägen die Blackrock-Anteile an der LEG bei knapp 15 Prozent. Der Unterschied könnte sich daraus erklären, dass Blackrock auch Immobilien-Indexfonds anbietet, die ihrerseits LEG-Anteile enthalten könnten.

Massachusetts Financial Services Company

Der üblicherweise als MFS abgekürzte Hedgefund hat sich auf Investments in börsennotierte Unternehmen spezialisiert. Seinen Hauptsitz hat der Funds im US-amerikanischen Boston, seine Geschäfte in Europa betreibt Massachusetts Financial Services aber von London aus. Nach eigenen Angaben verwaltet das Unternehmen derzeit ein Vermögen von über 400 Milliarden Dollar und übertrifft mit seiner Finanzkraft sogar den deutschen Bundeshaushalt, der 2018 auf umgerechnet 390 Milliarden Dollar kam. Den größten Teil seines Kapitals hat das Unternehmen in Aktien – wie bei der LEG AG – angelegt. Hinter dem MFS-Fund selbst steht einer der größten Lebensversicherer der Welt: die kanadische Sun-Life-Financial-Gruppe.

Streubesitz

Unter den kleinen Beteiligungen ist unter anderem ein unlängst hinzugekommener britischer Investment-Fonds von den Kaimaninseln. Landsdowne Partners (gut 1 Prozent) werden neben vielen anderen auch an einer Stelle in den Paradise Papers erwähnt – das sind die geleakten Unterlagen zur Steuervermeidung internationaler Firmen und Prominente. 2,99 Prozent meldete das Versicherungsunternehmen AXA in 2018. Der französische BNB Paribas Asset Management melde im April 2019 einen Anteil von 2,99 Prozent.

Gewinne der LEG

In einer aktuellen Analyse der LEG-Immobilien-Aktie schreibt der Analyst der Nord LB: Die LEG habe in 2018 Mieterlöse von 560,2 Millionen Euro erzielt. Das sei eine Steigerung von 4,8 Prozent. Die Gewinne der LEG kletterten im gleichen Zeitraum um 7,9 Prozent auf 319 Millionen Euro. Durchschnittlich stiegen die Mieten, die die LEG AG 2018 verlangte, um drei Prozent pro Quadratmeter. Für 2019 rechnet das Unternehmen mit weiter wachsenden Gewinnen von bis zu 344 Millionen Euro.

Wer hat Einfluss?

Wie der Infodienst Finanzen-Net am 25. April 2018 schreibt, teilte der größte Anteilseigner Blackrock anlässlich der Erhöhung seiner Anteile mit, auf die Ernennung und Abberufung von Mitgliedern der Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorgane der LEG Einfluss nehmen zu wollen. Ziel sei, in den kommenden zwölf Monaten weitere LEG-Aktien zu erwerben. Da es darum gehe, für die Anlieger maximale Rendite zu erwerben, könnte es aber auch sein, dass Aktien wieder verkauft würden.

Michel Penke ist Journalist beim unabhängigen Recherchezentrum Correctiv und erreichbar unter michael.penke@correctiv.org

Wem gehört Minden?

Mit diesem Projekt wollen wir gemeinsam mit den Bürgern mehr Transparenz auf dem Wohnungsmarkt schaffen und werden auch über interessante Beispiele berichten.

Unter wem-gehoert-minden.de kann jeder der Redaktion mitteilen, wer der Eigentümer seiner Mietwohnung ist und welche Erfahrungen er mit dem Vermieter gemacht hat. Aus den gewonnenen Daten setzen wir ein Bild zusammen und recherchieren, wo sich Missstände zeigen.

Das Projekt ist eine Kooperation des Mindener Tageblattes mit Correctiv, dem ersten gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum (correctiv.org).

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Minden/BerlinWem gehört die LEG? - Eine Recherche von CorrectivMonika JägerMinden/Berlin (mt). Die LEG Immobilien AG mit Sitz in Düsseldorf wurde 1970 als Landesentwicklungsgesellschaft gegründet. 2008 folgte die Privatisierung, 2013 der Börsengang. Die LEG hat mehrere große Anteilseigner. Blackrock ist mit 10,03 Prozent (25.04.2019) der größte davon, gefolgt von der Massachusetts Financial Services Company (9,29 Prozent). Gut 70 Prozent der Anteile sind sogenannter „Streubesitz“ und in Händen vieler Einzelner, die alle weniger als fünf Prozent Anteile haben und daher laut Börsenrichtlinien nicht öffentlich bekannt gegeben werden müssen. Blackrock Blackrock ist ein 1988 in New York gegründetes Anlage- und Risikomanagement-Unternehmen und der weitaus größte Einzelaktionär an der Deutschen Börse. Wert Mitte 2018: Etwa 87 Milliarden US-Dollar. Blackrock hat beispielsweise auch Anteile an der Deutsche Wohnen und Vonovia. Wegen seines großen wirtschaftlichen Einflusses wird das Unternehmen auch schon mal als „heimliche Weltmacht“ bezeichnet. Der „Tagesspiegel“ berichtete 2018 ausführlich und veröffentlichte auch Ergebnisse einer Datenbankrecherche, nach denen die Anteile am Wohnungsmarkt größer waren als von Blackrock selbst angegeben. Demnach lägen die Blackrock-Anteile an der LEG bei knapp 15 Prozent. Der Unterschied könnte sich daraus erklären, dass Blackrock auch Immobilien-Indexfonds anbietet, die ihrerseits LEG-Anteile enthalten könnten. Massachusetts Financial Services Company Der üblicherweise als MFS abgekürzte Hedgefund hat sich auf Investments in börsennotierte Unternehmen spezialisiert. Seinen Hauptsitz hat der Funds im US-amerikanischen Boston, seine Geschäfte in Europa betreibt Massachusetts Financial Services aber von London aus. Nach eigenen Angaben verwaltet das Unternehmen derzeit ein Vermögen von über 400 Milliarden Dollar und übertrifft mit seiner Finanzkraft sogar den deutschen Bundeshaushalt, der 2018 auf umgerechnet 390 Milliarden Dollar kam. Den größten Teil seines Kapitals hat das Unternehmen in Aktien – wie bei der LEG AG – angelegt. Hinter dem MFS-Fund selbst steht einer der größten Lebensversicherer der Welt: die kanadische Sun-Life-Financial-Gruppe. Streubesitz Unter den kleinen Beteiligungen ist unter anderem ein unlängst hinzugekommener britischer Investment-Fonds von den Kaimaninseln. Landsdowne Partners (gut 1 Prozent) werden neben vielen anderen auch an einer Stelle in den Paradise Papers erwähnt – das sind die geleakten Unterlagen zur Steuervermeidung internationaler Firmen und Prominente. 2,99 Prozent meldete das Versicherungsunternehmen AXA in 2018. Der französische BNB Paribas Asset Management melde im April 2019 einen Anteil von 2,99 Prozent. Gewinne der LEG In einer aktuellen Analyse der LEG-Immobilien-Aktie schreibt der Analyst der Nord LB: Die LEG habe in 2018 Mieterlöse von 560,2 Millionen Euro erzielt. Das sei eine Steigerung von 4,8 Prozent. Die Gewinne der LEG kletterten im gleichen Zeitraum um 7,9 Prozent auf 319 Millionen Euro. Durchschnittlich stiegen die Mieten, die die LEG AG 2018 verlangte, um drei Prozent pro Quadratmeter. Für 2019 rechnet das Unternehmen mit weiter wachsenden Gewinnen von bis zu 344 Millionen Euro. Wer hat Einfluss? Wie der Infodienst Finanzen-Net am 25. April 2018 schreibt, teilte der größte Anteilseigner Blackrock anlässlich der Erhöhung seiner Anteile mit, auf die Ernennung und Abberufung von Mitgliedern der Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorgane der LEG Einfluss nehmen zu wollen. Ziel sei, in den kommenden zwölf Monaten weitere LEG-Aktien zu erwerben. Da es darum gehe, für die Anlieger maximale Rendite zu erwerben, könnte es aber auch sein, dass Aktien wieder verkauft würden. Michel Penke ist Journalist beim unabhängigen Recherchezentrum Correctiv und erreichbar unter michael.penke@correctiv.org Wem gehört Minden? Mit diesem Projekt wollen wir gemeinsam mit den Bürgern mehr Transparenz auf dem Wohnungsmarkt schaffen und werden auch über interessante Beispiele berichten. Unter wem-gehoert-minden.de kann jeder der Redaktion mitteilen, wer der Eigentümer seiner Mietwohnung ist und welche Erfahrungen er mit dem Vermieter gemacht hat. Aus den gewonnenen Daten setzen wir ein Bild zusammen und recherchieren, wo sich Missstände zeigen. Das Projekt ist eine Kooperation des Mindener Tageblattes mit Correctiv, dem ersten gemeinnützigen Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum (correctiv.org). Lesen Sie auch Wo ist der Hausmeister? - Mieter im Stadtteil Königstor fühlen sich von der LEG allein gelassen Alle Artikel zu Wem gehört Minden? Mehr zum Projekt "Wem gehört Minden?"