Minden

Wo ist der Hausmeister? - Mieter im Stadtteil Königstor fühlen sich von der LEG allein gelassen

Monika Jäger

Ein Plakat, das Ortsvorsteher Vlachos ärgert. „Wir Bürger von Königstor sind vor allem auf der Suche nach der LEG“, spottet er. MT- - © Foto: Alex Lehn
Ein Plakat, das Ortsvorsteher Vlachos ärgert. „Wir Bürger von Königstor sind vor allem auf der Suche nach der LEG“, spottet er. MT- (© Foto: Alex Lehn)

Minden (mt). Ratlos, ärgerlich, frustriert: Athanasios Vlachos ist alles zusammen. Und das ist für einen wie ihn höchst ungewöhnlich. Eigentlich sieht der Ortsvorsteher des Stadtteils Königstor die Dinge positiv. Jammern liegt ihm nicht. Er packt an.

„In Königstor gibt es ?zurzeit nur ein Thema: ?Die LEG.“ Athanasios Vlachos, Ortsvorsteher von Königstor, wünscht sich einen festen Ansprechpartner vor Ort. - © Lehn,Alexander
„In Königstor gibt es ?zurzeit nur ein Thema: ?Die LEG.“ Athanasios Vlachos, Ortsvorsteher von Königstor, wünscht sich einen festen Ansprechpartner vor Ort. (© Lehn,Alexander)

Doch jetzt rennt er vor Mauern. „Wenn ich mit den Menschen in Königstor spreche, dann gibt es nur ein Thema: Die LEG“, sagt Vlachos. Geburtstagsbesuche, Begegnungen beim Einkaufen – da geht es meist um diese private Wohnbausgesellschaft, die früher im Besitz des Landes NRW war. Die Klagen sind immer ähnlich, sagt er: Keiner sei erreichbar, wenn Reparaturen nötig seien. Und wenn dann doch ein Problem gemeldet wurde, dauere es Wochen, bis es gelöst ist. Eine Haustür war mindestens drei Wochen kaputt, ein Wohnblock bekam zum Wintereinbruch kein Öl, defekte Lampen wurden nicht ersetzt – es ist eine Liste kleinerer und größerer Dinge, denen eines gemeinsam ist: Die Bewohner fühlen sich allein gelassen.

Bis vor knapp drei Jahren gab es noch einen Hausmeister. „Der wohnte sogar in einer der Wohnungen, da gab es ein Schild mit Sprechzeiten, und wenn was war, konnte man direkt da hin gehen“, sagt Vlachos. Jetzt müsse man die Service-Nummer anrufen und sich durch Menüs hindurcharbeiten. Für einige seiner Mitbürger hat der Ortsvorsteher das übernommen („Viele sind schon sehr alt, die können das einfach nicht mehr.“). Seine Erfahrung: Auch er wurde durchgereicht. Bewirken konnte er wenig. „Die Bürger hier sagen: Warum tut die Stadt nichts? Aber die Stadt hat damit ja nichts zu tun, die LEG ist doch ein privatwirtschaftliches Unternehmen.“ Er schüttelt den Kopf. „Der Name ist ein Witz: Landes-Entwicklungs-Gesellschaft. Was die entwickeln, weiß ich nicht. Außer ihren Verdienst.“

In der Tat hat die LEG im Herbst 2016 die Kontaktwege verändert. Hauswarte sind nun für mehrere Städte, aber nicht mehr für Reparaturen zuständig. Stattdessen gibt es einen zentralen Kundenservice mit einem Call Center, das die Anfragen beantwortet und bei Bedarf weiterleitet. Hier säßen „LEG-Immobilienprofis“, so Judith-Maria Gillies, Pressesprecherin der LEG. Sie verweist auch auf das Portal im Internet und die LEG-App. Für Schadensmeldungen stehe rund um die Uhr die Firma B&O zur Verfügung – das ist ein überregionaler technischer Dienstleister mit mehr als 30 Niederlassungen und über 2.200 Mitarbeitenden. Heimische Firmen würden mit Reparaturen nicht beauftragt, weil das zu lange dauere. Die LEG behält die Aufträge im eigenen Haus und vergibt sie an „Technik Service Plus“, dessen Gesellschafter LEG und B&O Service sind.

Im städtischen Bündnis für Wohnen ist die LEG nicht Mitglied, anders als die großen Anbieter Wohnhaus und GSW. Zu den Foren für Wohnen die es seit Jahren gibt, sei die LEG nicht eingeladen gewesen, so Gillies. Aber sie arbeiteten mit Pari Sozial zusammen in der Belegung einer Anlage mit 67 Wohnungen, davon 21 für Schwerbehinderte und elf für Senioren. Man sei „stets offen für den Austausch mit der Stadt und anderen Partnern.“

Die Stadt Minden hingegen erklärt, dass an die LEG – genau wie an alle anderen – Einladungen ausgesprochen wurden. Ein Antwort sei niegekommen. Doch nun sucht die Wohnungsgesellschaft das Gespräch. Nach der MT-Anfrage und den Vorwürfen will sie Kontakt zu Vlachos aufnehmen: „Wir kümmern uns.“

Die LEG in Minden

Zurzeit gehören der LEG 664 Wohnungen in Minden. 53 sind öffentlich geförderte Sozialwohnungen. Der größte Ankauf war 2016 mit 231 Wohnungen, weitere Pläne zu Kauf und Verkauf gebe es aktuell nicht.

Die Durchschnitts-Wohnungsgröße ist 67,9 Quadratmeter, die Durchschnittsmiete liegt bei 5,46 Euro/Quadratmeter, bei öffentlich geförderten 4,82 Euro/Quadratmeter. Die Mieter bleiben im Schnitt zehn Jahre wohnen – einige sogar bis zu 60 Jahren, so Sprecherin Gillies. Die seit 2017 ausgesprochenen „Mietanpassungen nach §558 BGB“ lagen bei durchschnittlich 20,63 Euro/Monat (5,9 %).

Welcher Anteil der Erlöse aus Vermietung und Verpachtung (in 2018 LEG-weit 767 Millionen Euro) werden in Minden investiert? Gillies allgemein: 2018 seien rund 250 Millionen Euro in Instandhaltung und Modernisierung geflossen. „Das waren im Schnitt rund 30 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.“

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MindenWo ist der Hausmeister? - Mieter im Stadtteil Königstor fühlen sich von der LEG allein gelassenMonika JägerMinden (mt). Ratlos, ärgerlich, frustriert: Athanasios Vlachos ist alles zusammen. Und das ist für einen wie ihn höchst ungewöhnlich. Eigentlich sieht der Ortsvorsteher des Stadtteils Königstor die Dinge positiv. Jammern liegt ihm nicht. Er packt an. Doch jetzt rennt er vor Mauern. „Wenn ich mit den Menschen in Königstor spreche, dann gibt es nur ein Thema: Die LEG“, sagt Vlachos. Geburtstagsbesuche, Begegnungen beim Einkaufen – da geht es meist um diese private Wohnbausgesellschaft, die früher im Besitz des Landes NRW war. Die Klagen sind immer ähnlich, sagt er: Keiner sei erreichbar, wenn Reparaturen nötig seien. Und wenn dann doch ein Problem gemeldet wurde, dauere es Wochen, bis es gelöst ist. Eine Haustür war mindestens drei Wochen kaputt, ein Wohnblock bekam zum Wintereinbruch kein Öl, defekte Lampen wurden nicht ersetzt – es ist eine Liste kleinerer und größerer Dinge, denen eines gemeinsam ist: Die Bewohner fühlen sich allein gelassen. Bis vor knapp drei Jahren gab es noch einen Hausmeister. „Der wohnte sogar in einer der Wohnungen, da gab es ein Schild mit Sprechzeiten, und wenn was war, konnte man direkt da hin gehen“, sagt Vlachos. Jetzt müsse man die Service-Nummer anrufen und sich durch Menüs hindurcharbeiten. Für einige seiner Mitbürger hat der Ortsvorsteher das übernommen („Viele sind schon sehr alt, die können das einfach nicht mehr.“). Seine Erfahrung: Auch er wurde durchgereicht. Bewirken konnte er wenig. „Die Bürger hier sagen: Warum tut die Stadt nichts? Aber die Stadt hat damit ja nichts zu tun, die LEG ist doch ein privatwirtschaftliches Unternehmen.“ Er schüttelt den Kopf. „Der Name ist ein Witz: Landes-Entwicklungs-Gesellschaft. Was die entwickeln, weiß ich nicht. Außer ihren Verdienst.“ In der Tat hat die LEG im Herbst 2016 die Kontaktwege verändert. Hauswarte sind nun für mehrere Städte, aber nicht mehr für Reparaturen zuständig. Stattdessen gibt es einen zentralen Kundenservice mit einem Call Center, das die Anfragen beantwortet und bei Bedarf weiterleitet. Hier säßen „LEG-Immobilienprofis“, so Judith-Maria Gillies, Pressesprecherin der LEG. Sie verweist auch auf das Portal im Internet und die LEG-App. Für Schadensmeldungen stehe rund um die Uhr die Firma B&O zur Verfügung – das ist ein überregionaler technischer Dienstleister mit mehr als 30 Niederlassungen und über 2.200 Mitarbeitenden. Heimische Firmen würden mit Reparaturen nicht beauftragt, weil das zu lange dauere. Die LEG behält die Aufträge im eigenen Haus und vergibt sie an „Technik Service Plus“, dessen Gesellschafter LEG und B&O Service sind. Im städtischen Bündnis für Wohnen ist die LEG nicht Mitglied, anders als die großen Anbieter Wohnhaus und GSW. Zu den Foren für Wohnen die es seit Jahren gibt, sei die LEG nicht eingeladen gewesen, so Gillies. Aber sie arbeiteten mit Pari Sozial zusammen in der Belegung einer Anlage mit 67 Wohnungen, davon 21 für Schwerbehinderte und elf für Senioren. Man sei „stets offen für den Austausch mit der Stadt und anderen Partnern.“ Die Stadt Minden hingegen erklärt, dass an die LEG – genau wie an alle anderen – Einladungen ausgesprochen wurden. Ein Antwort sei niegekommen. Doch nun sucht die Wohnungsgesellschaft das Gespräch. Nach der MT-Anfrage und den Vorwürfen will sie Kontakt zu Vlachos aufnehmen: „Wir kümmern uns.“ Die LEG in Minden Zurzeit gehören der LEG 664 Wohnungen in Minden. 53 sind öffentlich geförderte Sozialwohnungen. Der größte Ankauf war 2016 mit 231 Wohnungen, weitere Pläne zu Kauf und Verkauf gebe es aktuell nicht. Die Durchschnitts-Wohnungsgröße ist 67,9 Quadratmeter, die Durchschnittsmiete liegt bei 5,46 Euro/Quadratmeter, bei öffentlich geförderten 4,82 Euro/Quadratmeter. Die Mieter bleiben im Schnitt zehn Jahre wohnen – einige sogar bis zu 60 Jahren, so Sprecherin Gillies. Die seit 2017 ausgesprochenen „Mietanpassungen nach §558 BGB“ lagen bei durchschnittlich 20,63 Euro/Monat (5,9 %). Welcher Anteil der Erlöse aus Vermietung und Verpachtung (in 2018 LEG-weit 767 Millionen Euro) werden in Minden investiert? Gillies allgemein: 2018 seien rund 250 Millionen Euro in Instandhaltung und Modernisierung geflossen. „Das waren im Schnitt rund 30 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.“ Lesen Sie auch Wem gehört die LEG? - Eine Recherche von Correctiv Alle Artikel zu Wem gehört Minden? Mehr zum Projekt "Wem gehört Minden?"