Minden

Verkaufte Schönheit - Haus an der Bäckerstraße 45 gehört heute einer Invest-Gesellschaft

Monika Jäger

Minden (mt). Haus Schmieding, das ehemalige BZA, Haus Hagemeyer, Haus Hill: Mindener Schönheiten wie diese gehören nicht alle Mindener Bürgern. Auch das Haus in der Bäckerstraße 45 (da, wo jetzt die Parfümerie Douglas residiert) ist heute im Besitz einer Invest-Gesellschaft. Im Laufe der Jahrhunderte ist es durch viele Hände gegangen. Eine Reise durch die Zeit.

1474

Das prunkvolle Bürgerhaus steht hier mindestens seit dem 16. Jahrhundert. In der Reihe „Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50: Stadt Minden" beginnt die Liste der Menschen, die hier registriert waren, sogar schon 1474: „Bürgermeister Gerhard von Bücken (?)". Die heute ältesten Teile des Gebäudes stammen von einem eingeschossigen Dielenhaus (etwa 1524). Doch schon bald wurde das offenbar zu klein. Denn nur knapp 60 Jahre später (1582) ließen die damaligen Besitzer ein weiteres Geschoss aufsetzen. Auch ein Hinterhaus wurde angebaut. Und wiederum nur wenige Jahre später zeigten die Bewohner, dass sie Geld hatten: Das Haus bekam seinen ersten Prunkgiebel (1595) – übrigens nicht der, der heute zu sehen ist.

Interessant ist das Gebäude nicht nur wegen des opulenten Giebels, sondern auch wegen bestimmter baulicher Details. So bekam das Hinterhaus im 18. Jahrhundert auch eine solide Dachkonstruktion zum Lagern von Lasten. Bauhistoriker betonen, dass so etwas kein zweites Mal in Minden nachgewiesen worden sei.

1767

Der reiche Händler Commerzienrat Harten brauchte 1767 einen repräsentativen Salon und ließ umbauen. Im Erdgeschoss bekam das Haus da zwei in der Fachsprache „Utlucht" genannte Fenstervorsprünge, die auch über den 1. Stock fortgesetzt wurden. Familie Harten war „maßgeblich am Steinhandel nach Bremen und darüber hinaus beteiligt und hatte die Obernkirchener Steinbrüche angepachtet". Sie baute sich eine neue Prunkfassade, die auch ein Aushängeschild für die Familiengeschäfte gewesen sein dürfte. 100 Jahre später (1861) konnten die Bewohner erstmals Gaslicht anstellen, ab 1887 gab es eine Entwässerung. Die Kanalisation folgte erst 1903.

In diesen Jahren entwickelte sich das Erdgeschoss zu einem größeren Verkaufsraum. Die Privatbank zu Gotha residierte jetzt hier und ließ unter anderem den Eingang in einen der Erker verlegen, um in der Mitte ein Schaufenster zu haben.

Überhaupt passte so ziemlich jeder die Stadt-Schönheit seinen Bedürfnissen an. Die Liste der Besitzer und Bewohner über die Jahrhunderte hinweg ist lang und bunt. Händler mit Wein, Holz und Tuch waren darunter, ein Zuckerfabrikant und auch ein Gelehrter und Stadthistoriker, der für seine große Bibliothek in dem Haus gerühmt wurde.

1931

1931 gehörte dem Fahrrad- und Nähmaschinen-Händler Gustav Kopp das Haus. Er verpachtete es jetzt an die Firma Hill aus Hattingen. Inzwischen war der Bau in die Jahre gekommen. 1933 machte die Stadt Druck: Die Fassade war bröckelig. Auch die herausragenden Erker sollten weg, damit die enge Bäckerstraße breiter werden konnte. Die Münsteraner Denkmalschützer legten jedoch ihr Veto ein – stattdessen könnte die Straße doch eine Einbahnstraße werden, schrieben sie. Ergebnis: Die Fassade wurde saniert, die Erker blieben. Erstmal – doch schon 1950 ging die Diskussion erneut los: Der linke Erker hatte Bauschäden. Und als dann 1952 die Eigentümer endgültig wechselten – die Handelskette Hill erwarb das Gebäude – bekamen sie die Freigabe zum Abriss der beiden Vorsprünge.

1976

Die letzte einschneidende bauliche Veränderung war 1976/77, als der gesamte Komplex umgestaltet wurde und nebenan Karstadt und C&A entstanden. Unter anderem verschwand jetzt auch der kleine Zuweg, der bis dahin zwischen diesem Haus und dem ehemaligen benachbarten Hotel „König von Preußen" gewesen war.

Übrigens war auch in all den Jahrhunderten hinter dem Haus zur Hellingstraße hin einiges los: Mal waren hier Lagerflächen – unter anderem für einen Weinhandel–, mal ein großer Garten. 1919 gab es sogar Pläne, auf dem Hof ein Lichtspielhaus zu errichten, mit 575 Plätzen im Parkett und 192 Logensitzen. Kinopläne, die sich auch damals schon zerschlugen.

„Haus Hill" heißt es bei den alten Mindenern bis heute, weil hier der 320 Quadratmeter große Supermarkt mitten in der Stadt war. 1976 wurde dieser deutlich vergrößert und modernisiert. In Hattingen hatte Heinrich Hill 1855 sein erstes Lebensmittelgeschäft eröffnet. Seine Firma bestand bis 1972, dann übernahm die Deutsche Supermarkt AG.

1990

In Minden kauften 1990 Wolfgang Beek aus Bad Oeynhausen und Norbert Voigt aus Luhden das Haus. Sie ließen in monatelangen Arbeiten die Fassade renovieren. Zehn Jahre später kamen wieder neue Besitzer: Die heimische Grundstücksgemeinschaft Fahrenkamp und Gärtner investierte jetzt in die Mindener Innenstadt und erwarb unter anderem auch die Bäckerstraße 45. Im Juli 2001 eröffnete „Douglas."

2007

Im Jahr 2007 standen dann bei vielen Besitzern von Mindener Häusern in 1-A-Lage Immobilienmakler vor der Tür. Die Domhofgalerie sollte gebaut werden, Minden galt als Stadt mit gesunder Kaufkraft. Fahrenkamp und Gärtner trennten sich jetzt von insgesamt acht Immobilien in der Innenstadt. Käufer von „Haus Hill" war 2007 die „Citcor Retail Minden", Tochter der Düsseldorfer Immobiliengruppe „Corpus Sireo".

2014

Weihnachten 2014 wurde das Objekt an die Hansainvest – Hanseatische Investment-Gesellschaft – weiterverkauft. Das Management übernahmen BMO Real Estate Partners. Seither ist das Haus Hill Teil eines Immobilien-Spezialfonds „Best Value Germany II". Pensionskassen, Versorgungswerke, Sparkassen: Sie alle legen in Fonds dieser Art das Geld der Menschen an, die für später vorsorgen wollen.

Sven-Matthias Heim beschreibt im Auftrag der BMO Real Estate Partners, dass es vor allem darum gehe, den Wert der Immobilie zu erhalten. „Bei denkmalgeschützten Häusern wie der Douglas-Filiale stehen wir bzw. unsere Planer selbstverständlich in engem Kontakt mit den Denkmalschutzbehörden, da dann auch kleine Instandsetzungsmaßnahmen genehmigungs- bzw. abstimmungspflichtig sein können."

Wenn ein Immobilienankauf für den Fonds geprüft wird, verfolge BMO Real Estate Partners „stets einen sehr konservativen Ansatz". Instandhaltungsmaßnahmen würden einkalkuliert – inklusive Puffer für Überraschendes. Ein schlechter Zustand des Objekts wirke sich schließlich auf den Kaufpreis und damit auch auf die Rendite aus. Zudem sollen die Mieter langfristig bleiben.

Wie lange „Haus Hill" nun im Besitz der Hansainvest bleibt? Heim: „Unsere Fonds haben in der Regel eine Laufzeit von zehn Jahren. Die Immobilien werden auch in aller Regel so lange gehalten."

So könnte die Stadt-Schönheit in einigen Jahren wieder neue Besitzer haben. Wie schon so oft.

Wer sagt der Besitzer?

Ein Immobilienfonds managt im Auftrag einer Kapitalverwaltungsgesellschaft – aber welche Person oder Personen könnten sich eigentlich vor das Haus Bäckerstraße 45 stellen und sagen „meins"? Diese Frage beantwortet BMO-Geschäftsführerin Iris Schöberl (Managing Director, Head of Institutional Clients):

„Ein offener Immobilien-Spezialfonds wird von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft (Hansainvest) gehalten (=Eigentümer). Die eigentliche Verwaltung (das Asset Management) wird teilweise an einen Fonds Manager ausgelagert. Im Falle von Minden sind wir das.

So gesehen haben wir mehrere Personen, die sich vor das Haus stellen können und gefühlsmäßig sagen können „meins". Die Mitarbeiter der Hansainvest, die Mitarbeiter der Investoren (Pensionskassen etc.) und meine Mitarbeiter, die sich im täglichen Leben mit der Immobilie befassen und sich mit der Vermietung, Instandhaltung etc. zusammen mit einem Property Manager um das Haus kümmern.

Wir haben ein großes Interesse an nachhaltig guter Vermietung, ordentlicher Instandhaltung und stabilem Werterhalt. Wir pflegen guten Kontakt zu den Mietern und zu den lokalen Behörden. Wir managen mehr als 200 Immobilien in Deutschland und machen das mit großer Freude und Leidenschaft."

Iris Schöberl gründete im Jahr 2000 REIT Asset Management Deutschland. Diese Gesellschaft wurde acht Jahre später mit dem Immobilienbereich von F&C verschmolzen und 2014 von der Bank of Montreal (BMO) gekauft

Standpunkt zum Thema Immobilen in der Stadt: Sanfter Druck bitte

Von Monika Jäger

„Ich kann Ihnen sagen, wem Minden gehört", sagte der Vermieter-Vertreter zum Start unseres Crowd-Recherche-Projektes „Wem gehört die Stadt": „Den Mindenern". Das mag für die Häuser stimmen, in denen Mindener wohnen. Eigenheime, in denen sie es sich nett machen, wo sie sich wohlfühlen wollen. Für die Geschäftshäuser in der Innenstadt gilt das definitiv nicht. Die nämlich gehören zum größten Teil nicht „den Mindenern."

Amsterdam, Luxemburg, Berlin, München, Lübbecke, Osnabrück: Das sind einige der Orte, in denen Besitzer von Häusern an der Bäckerstraße residieren. Mal sind es Einzelpersonen, oft Erbengemeinschaften oder Immobilienfonds. Für diese sind die Häuser Mittel zum Geld verdienen. Das ist verständlich und auch nicht verwerflich. Aber es ist nicht immer gut für die Stadt. Und darum wird es höchste Zeit, bei den Diskussionen um „Eigentum" sehr viel genauer als bisher zu differenzieren.

Für Fondsmanager sind Geschäftshäuser in beliebigen Innenstädten eine Geldanlage. Wie unterschiedlich sie „Eigentum" begreifen, ist in Minden an zwei Beispielen zu sehen: Am „Haus Hill" und an der Obermarktpassage. Das eine ist ein prachtvolles Bürgerhaus in guter Lage, langfristig vermietet, überhaupt nur gekauft, weil es respektabel ist und Erträge bringt. Hier kümmert sich der Fondsmanager. Das andere ist eine runtergewirtschaftete Spezialimmobilie, entstanden in einer Zeit, da die Welt noch heile war, als Innenstädte wuchsen und Stadtväter große Pläne schmieden konnten. Die Obermarktpassage steht heute nicht nur deswegen leer, weil am Ende der Kette von Vermarktern und Verwaltern ein amerikanisches Investmentfonds-Managementunternehmen als Besitzer steht. Sondern weil sie zu groß, zu verbaut und schlecht zu erreichen ist: Monument einer grundsätzlich verfehlten Innenstadtplanung mit dem Glauben an unbegrenztes Wachstum. Dennoch muss etwas passieren. Aber die Stadt hat keine Handhabe, den Eigentümer zu Gesprächen über Entwicklungen und Diskussionen über Alternativen zu motivieren.

Auch Teileigentümer und Erbengemeinschaften mit Mindener Wurzeln können problematisch sein, weil für sie ihr Eigentum vor allem eine Geldanlage ist, von der sie oft weit entfernt wohnen und leben. Beispiele dafür sind ehemals Hertie/Karstadt und der Deilmann-Bau/Stadtverwaltung. Jahrelang verhandelten am Wesertor verschiedene Interessenten, um alles in einer Hand zusammenzuführen. Ein Teileigentümer lebte sogar auf der anderen Seite der Erdkugel. Und auch Mindens Stadtkämmerer brauchte Jahre, Geduld und Geld, als er mit den Teileigentümern, die unten im Stadthaus Geschäfte hatten, am Verhandlungstisch saß.

Wäre alles leichter, wenn Menschen einfach so enteignet werden könnten? Das zu glauben ist naiv – mal ganz abgesehen von juristischen oder historischen Implikationen. Sind Instrumente nötig, Fern-Besitzer aller Art mit sanftem Druck dazu zu bringen, sich für das Wohl einer Stadt zu engagieren? Definitiv. Und darum ist „Eigentum" irgendwie nicht gleich „Eigentum". Die differenzierte Diskussion darüber ist lange überfällig.

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MindenVerkaufte Schönheit - Haus an der Bäckerstraße 45 gehört heute einer Invest-GesellschaftMonika JägerMinden (mt). Haus Schmieding, das ehemalige BZA, Haus Hagemeyer, Haus Hill: Mindener Schönheiten wie diese gehören nicht alle Mindener Bürgern. Auch das Haus in der Bäckerstraße 45 (da, wo jetzt die Parfümerie Douglas residiert) ist heute im Besitz einer Invest-Gesellschaft. Im Laufe der Jahrhunderte ist es durch viele Hände gegangen. Eine Reise durch die Zeit. 1474 Das prunkvolle Bürgerhaus steht hier mindestens seit dem 16. Jahrhundert. In der Reihe „Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50: Stadt Minden" beginnt die Liste der Menschen, die hier registriert waren, sogar schon 1474: „Bürgermeister Gerhard von Bücken (?)". Die heute ältesten Teile des Gebäudes stammen von einem eingeschossigen Dielenhaus (etwa 1524). Doch schon bald wurde das offenbar zu klein. Denn nur knapp 60 Jahre später (1582) ließen die damaligen Besitzer ein weiteres Geschoss aufsetzen. Auch ein Hinterhaus wurde angebaut. Und wiederum nur wenige Jahre später zeigten die Bewohner, dass sie Geld hatten: Das Haus bekam seinen ersten Prunkgiebel (1595) – übrigens nicht der, der heute zu sehen ist. Interessant ist das Gebäude nicht nur wegen des opulenten Giebels, sondern auch wegen bestimmter baulicher Details. So bekam das Hinterhaus im 18. Jahrhundert auch eine solide Dachkonstruktion zum Lagern von Lasten. Bauhistoriker betonen, dass so etwas kein zweites Mal in Minden nachgewiesen worden sei. 1767 Der reiche Händler Commerzienrat Harten brauchte 1767 einen repräsentativen Salon und ließ umbauen. Im Erdgeschoss bekam das Haus da zwei in der Fachsprache „Utlucht" genannte Fenstervorsprünge, die auch über den 1. Stock fortgesetzt wurden. Familie Harten war „maßgeblich am Steinhandel nach Bremen und darüber hinaus beteiligt und hatte die Obernkirchener Steinbrüche angepachtet". Sie baute sich eine neue Prunkfassade, die auch ein Aushängeschild für die Familiengeschäfte gewesen sein dürfte. 100 Jahre später (1861) konnten die Bewohner erstmals Gaslicht anstellen, ab 1887 gab es eine Entwässerung. Die Kanalisation folgte erst 1903. In diesen Jahren entwickelte sich das Erdgeschoss zu einem größeren Verkaufsraum. Die Privatbank zu Gotha residierte jetzt hier und ließ unter anderem den Eingang in einen der Erker verlegen, um in der Mitte ein Schaufenster zu haben. Überhaupt passte so ziemlich jeder die Stadt-Schönheit seinen Bedürfnissen an. Die Liste der Besitzer und Bewohner über die Jahrhunderte hinweg ist lang und bunt. Händler mit Wein, Holz und Tuch waren darunter, ein Zuckerfabrikant und auch ein Gelehrter und Stadthistoriker, der für seine große Bibliothek in dem Haus gerühmt wurde. 1931 1931 gehörte dem Fahrrad- und Nähmaschinen-Händler Gustav Kopp das Haus. Er verpachtete es jetzt an die Firma Hill aus Hattingen. Inzwischen war der Bau in die Jahre gekommen. 1933 machte die Stadt Druck: Die Fassade war bröckelig. Auch die herausragenden Erker sollten weg, damit die enge Bäckerstraße breiter werden konnte. Die Münsteraner Denkmalschützer legten jedoch ihr Veto ein – stattdessen könnte die Straße doch eine Einbahnstraße werden, schrieben sie. Ergebnis: Die Fassade wurde saniert, die Erker blieben. Erstmal – doch schon 1950 ging die Diskussion erneut los: Der linke Erker hatte Bauschäden. Und als dann 1952 die Eigentümer endgültig wechselten – die Handelskette Hill erwarb das Gebäude – bekamen sie die Freigabe zum Abriss der beiden Vorsprünge. 1976 Die letzte einschneidende bauliche Veränderung war 1976/77, als der gesamte Komplex umgestaltet wurde und nebenan Karstadt und C&A entstanden. Unter anderem verschwand jetzt auch der kleine Zuweg, der bis dahin zwischen diesem Haus und dem ehemaligen benachbarten Hotel „König von Preußen" gewesen war. Übrigens war auch in all den Jahrhunderten hinter dem Haus zur Hellingstraße hin einiges los: Mal waren hier Lagerflächen – unter anderem für einen Weinhandel–, mal ein großer Garten. 1919 gab es sogar Pläne, auf dem Hof ein Lichtspielhaus zu errichten, mit 575 Plätzen im Parkett und 192 Logensitzen. Kinopläne, die sich auch damals schon zerschlugen. „Haus Hill" heißt es bei den alten Mindenern bis heute, weil hier der 320 Quadratmeter große Supermarkt mitten in der Stadt war. 1976 wurde dieser deutlich vergrößert und modernisiert. In Hattingen hatte Heinrich Hill 1855 sein erstes Lebensmittelgeschäft eröffnet. Seine Firma bestand bis 1972, dann übernahm die Deutsche Supermarkt AG. 1990 In Minden kauften 1990 Wolfgang Beek aus Bad Oeynhausen und Norbert Voigt aus Luhden das Haus. Sie ließen in monatelangen Arbeiten die Fassade renovieren. Zehn Jahre später kamen wieder neue Besitzer: Die heimische Grundstücksgemeinschaft Fahrenkamp und Gärtner investierte jetzt in die Mindener Innenstadt und erwarb unter anderem auch die Bäckerstraße 45. Im Juli 2001 eröffnete „Douglas." 2007 Im Jahr 2007 standen dann bei vielen Besitzern von Mindener Häusern in 1-A-Lage Immobilienmakler vor der Tür. Die Domhofgalerie sollte gebaut werden, Minden galt als Stadt mit gesunder Kaufkraft. Fahrenkamp und Gärtner trennten sich jetzt von insgesamt acht Immobilien in der Innenstadt. Käufer von „Haus Hill" war 2007 die „Citcor Retail Minden", Tochter der Düsseldorfer Immobiliengruppe „Corpus Sireo". 2014 Weihnachten 2014 wurde das Objekt an die Hansainvest – Hanseatische Investment-Gesellschaft – weiterverkauft. Das Management übernahmen BMO Real Estate Partners. Seither ist das Haus Hill Teil eines Immobilien-Spezialfonds „Best Value Germany II". Pensionskassen, Versorgungswerke, Sparkassen: Sie alle legen in Fonds dieser Art das Geld der Menschen an, die für später vorsorgen wollen. Sven-Matthias Heim beschreibt im Auftrag der BMO Real Estate Partners, dass es vor allem darum gehe, den Wert der Immobilie zu erhalten. „Bei denkmalgeschützten Häusern wie der Douglas-Filiale stehen wir bzw. unsere Planer selbstverständlich in engem Kontakt mit den Denkmalschutzbehörden, da dann auch kleine Instandsetzungsmaßnahmen genehmigungs- bzw. abstimmungspflichtig sein können." Wenn ein Immobilienankauf für den Fonds geprüft wird, verfolge BMO Real Estate Partners „stets einen sehr konservativen Ansatz". Instandhaltungsmaßnahmen würden einkalkuliert – inklusive Puffer für Überraschendes. Ein schlechter Zustand des Objekts wirke sich schließlich auf den Kaufpreis und damit auch auf die Rendite aus. Zudem sollen die Mieter langfristig bleiben. Wie lange „Haus Hill" nun im Besitz der Hansainvest bleibt? Heim: „Unsere Fonds haben in der Regel eine Laufzeit von zehn Jahren. Die Immobilien werden auch in aller Regel so lange gehalten." So könnte die Stadt-Schönheit in einigen Jahren wieder neue Besitzer haben. Wie schon so oft. Wer sagt der Besitzer? Ein Immobilienfonds managt im Auftrag einer Kapitalverwaltungsgesellschaft – aber welche Person oder Personen könnten sich eigentlich vor das Haus Bäckerstraße 45 stellen und sagen „meins"? Diese Frage beantwortet BMO-Geschäftsführerin Iris Schöberl (Managing Director, Head of Institutional Clients): „Ein offener Immobilien-Spezialfonds wird von einer Kapitalverwaltungsgesellschaft (Hansainvest) gehalten (=Eigentümer). Die eigentliche Verwaltung (das Asset Management) wird teilweise an einen Fonds Manager ausgelagert. Im Falle von Minden sind wir das. So gesehen haben wir mehrere Personen, die sich vor das Haus stellen können und gefühlsmäßig sagen können „meins". Die Mitarbeiter der Hansainvest, die Mitarbeiter der Investoren (Pensionskassen etc.) und meine Mitarbeiter, die sich im täglichen Leben mit der Immobilie befassen und sich mit der Vermietung, Instandhaltung etc. zusammen mit einem Property Manager um das Haus kümmern. Wir haben ein großes Interesse an nachhaltig guter Vermietung, ordentlicher Instandhaltung und stabilem Werterhalt. Wir pflegen guten Kontakt zu den Mietern und zu den lokalen Behörden. Wir managen mehr als 200 Immobilien in Deutschland und machen das mit großer Freude und Leidenschaft." Iris Schöberl gründete im Jahr 2000 REIT Asset Management Deutschland. Diese Gesellschaft wurde acht Jahre später mit dem Immobilienbereich von F&C verschmolzen und 2014 von der Bank of Montreal (BMO) gekauft Standpunkt zum Thema Immobilen in der Stadt: Sanfter Druck bitte Von Monika Jäger „Ich kann Ihnen sagen, wem Minden gehört", sagte der Vermieter-Vertreter zum Start unseres Crowd-Recherche-Projektes „Wem gehört die Stadt": „Den Mindenern". Das mag für die Häuser stimmen, in denen Mindener wohnen. Eigenheime, in denen sie es sich nett machen, wo sie sich wohlfühlen wollen. Für die Geschäftshäuser in der Innenstadt gilt das definitiv nicht. Die nämlich gehören zum größten Teil nicht „den Mindenern." Amsterdam, Luxemburg, Berlin, München, Lübbecke, Osnabrück: Das sind einige der Orte, in denen Besitzer von Häusern an der Bäckerstraße residieren. Mal sind es Einzelpersonen, oft Erbengemeinschaften oder Immobilienfonds. Für diese sind die Häuser Mittel zum Geld verdienen. Das ist verständlich und auch nicht verwerflich. Aber es ist nicht immer gut für die Stadt. Und darum wird es höchste Zeit, bei den Diskussionen um „Eigentum" sehr viel genauer als bisher zu differenzieren. Für Fondsmanager sind Geschäftshäuser in beliebigen Innenstädten eine Geldanlage. Wie unterschiedlich sie „Eigentum" begreifen, ist in Minden an zwei Beispielen zu sehen: Am „Haus Hill" und an der Obermarktpassage. Das eine ist ein prachtvolles Bürgerhaus in guter Lage, langfristig vermietet, überhaupt nur gekauft, weil es respektabel ist und Erträge bringt. Hier kümmert sich der Fondsmanager. Das andere ist eine runtergewirtschaftete Spezialimmobilie, entstanden in einer Zeit, da die Welt noch heile war, als Innenstädte wuchsen und Stadtväter große Pläne schmieden konnten. Die Obermarktpassage steht heute nicht nur deswegen leer, weil am Ende der Kette von Vermarktern und Verwaltern ein amerikanisches Investmentfonds-Managementunternehmen als Besitzer steht. Sondern weil sie zu groß, zu verbaut und schlecht zu erreichen ist: Monument einer grundsätzlich verfehlten Innenstadtplanung mit dem Glauben an unbegrenztes Wachstum. Dennoch muss etwas passieren. Aber die Stadt hat keine Handhabe, den Eigentümer zu Gesprächen über Entwicklungen und Diskussionen über Alternativen zu motivieren. Auch Teileigentümer und Erbengemeinschaften mit Mindener Wurzeln können problematisch sein, weil für sie ihr Eigentum vor allem eine Geldanlage ist, von der sie oft weit entfernt wohnen und leben. Beispiele dafür sind ehemals Hertie/Karstadt und der Deilmann-Bau/Stadtverwaltung. Jahrelang verhandelten am Wesertor verschiedene Interessenten, um alles in einer Hand zusammenzuführen. Ein Teileigentümer lebte sogar auf der anderen Seite der Erdkugel. Und auch Mindens Stadtkämmerer brauchte Jahre, Geduld und Geld, als er mit den Teileigentümern, die unten im Stadthaus Geschäfte hatten, am Verhandlungstisch saß. Wäre alles leichter, wenn Menschen einfach so enteignet werden könnten? Das zu glauben ist naiv – mal ganz abgesehen von juristischen oder historischen Implikationen. Sind Instrumente nötig, Fern-Besitzer aller Art mit sanftem Druck dazu zu bringen, sich für das Wohl einer Stadt zu engagieren? Definitiv. Und darum ist „Eigentum" irgendwie nicht gleich „Eigentum". Die differenzierte Diskussion darüber ist lange überfällig.