Minden

Fotokunst zwischen Kunst und Spiritualität

Michael Hiller

Die Arbeiten des Fotografen Christoph Droste sind komplex in Überlegung und Umsetzung. - © Foto: Michael Hiller
Die Arbeiten des Fotografen Christoph Droste sind komplex in Überlegung und Umsetzung. (© Foto: Michael Hiller)

Minden (hil). Steht man vor den Fotos von Christoph Droste, nimmt einen die Ästhetik gefangen, die seine Werke ausdrücken. Kunstbilder könnte man sie nennen. Allerdings ist dieser Begriff zu simpel und drückt nicht annähernd das aus, was hinter den Motiven steht. Das BÜZ in Minden zeigt in einer Ausstellung vom 28. April an elf Fotos von Christoph Droste, die nach dem Heyoka-Konzept entstanden sind.

Der Portaner ist dabei in der Benennung seiner Person als Fotograf genauso wenig greifbar wie seine Bilder. Auf die Frage, ob er sich als Fotokünstler sieht, kommt sofort eine für ihn eindeutige Begriffsbeschreibung, die er aufgrund der Komplexität des Wortes persönlich ins Notizbuch schreibt.

Er sei ein Kompositionswolpertinger. Oder ein Medienwolpertinger. Eine wortwörtliche Übersetzung kann an dieser Stelle nicht gegeben werden. Der Versuch: Christoph Droste ist rund um die Uhr digital und verwendet alle Möglichkeiten für die Informationsrecherche sowie gleichermaßen sämtliche Ressourcen des Rechners, der Kamera und der analogen Gestaltung seiner Motive über ein größeres Ausstattungsrepertoire in Form von Kleidung und Dekorationselementen. Dabei werden die Fotos allerdings nur für kleinere Korrekturen am Bildschirm bearbeitet. Alles passiert über Belichtung, Kompositionsaufbau und Perspektive.

Die Arbeiten von Christoph Droste sind komplex. Komplex in der Überlegung zur Umsetzung seiner Ideen genauso wie die Umsetzung selbst. Und gerade das Heyoka-Konzept, unter dem die Ausstellung laufen wird, ist alles andere als einfach. Heyoka bezeichnet im übertragenen Sinn einen verrückten Krieger. Die Lakota-Indianer bezeichneten europäische Clowns mit dem Wort Heyoka. Auch die Lakota-Indianer hatten Clowns und diese machten verrückte Dinge. „Nein“ heißt bei ihnen „Ja“. Im Sommer trugen sie Winterpelz, im Winter beklagten sie die große Hitze. Sie taten immer das Gegenteil. Dabei ist Heyoka keine kurz eingenommene Rolle gewesen, sondern ein konsequentes Leben des Gegenteils.

Die Heyoka brachten andere zum Lachen und Nachdenken und taten einfach gut. Der weiterführende Gedanke, der dahinter steckt: Jeder Mensch hat einen Heyoka. Die Fotos von Christoph Droste sind ästhetische, indianisch anmutende Aktfotos mit einer sehr abstrakten, eigenen Umsetzung zu diesem Thema. Es sind Porträts voller spiritueller Accessoires. Sorgsam arrangiert.

Allein die Modelauswahl war für ihn ein längerer Prozess. Eine Frau zu finden, die muskulös erscheinen sollte, ohne dabei etwa unweiblich zu wirken und gleichzeitig irgendwie indianisch, das nahm schon eine gewisse Zeit in Anspruch.

„Medicine man, Ye olden Yellas oder Swallow my youth“ heißen beispielsweise die Titel. Christoph Droste stellte sich bei der Erarbeitung und Umsetzung seines Konzeptes immer wieder die Frage, wie kleine Ethnien, kleine Volkszugehörigkeiten gegenüber der großen Massengesellschaft aussehen könnten. Der Geist des reinigenden Gewitters ist für ihn der Begriff Heyoka und die dabei fein formulierte Umsetzung der Details an seinen Porträts lässt viel eigene Interpretation zu.

Selbst banale Gegenstände wie Pinsel, die als Accessoires in eines der Fotos integriert sind, geben dem Bild etwas Anmutendes. Nichts wirkt deplatziert oder überflüssig. Alles an den Motiven hat eine Bedeutung – und aus den unterschiedlichen Symbolen wird etwas ganz eigenes.

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MindenFotokunst zwischen Kunst und SpiritualitätMichael HillerMinden (hil). Steht man vor den Fotos von Christoph Droste, nimmt einen die Ästhetik gefangen, die seine Werke ausdrücken. Kunstbilder könnte man sie nennen. Allerdings ist dieser Begriff zu simpel und drückt nicht annähernd das aus, was hinter den Motiven steht. Das BÜZ in Minden zeigt in einer Ausstellung vom 28. April an elf Fotos von Christoph Droste, die nach dem Heyoka-Konzept entstanden sind. Der Portaner ist dabei in der Benennung seiner Person als Fotograf genauso wenig greifbar wie seine Bilder. Auf die Frage, ob er sich als Fotokünstler sieht, kommt sofort eine für ihn eindeutige Begriffsbeschreibung, die er aufgrund der Komplexität des Wortes persönlich ins Notizbuch schreibt. Er sei ein Kompositionswolpertinger. Oder ein Medienwolpertinger. Eine wortwörtliche Übersetzung kann an dieser Stelle nicht gegeben werden. Der Versuch: Christoph Droste ist rund um die Uhr digital und verwendet alle Möglichkeiten für die Informationsrecherche sowie gleichermaßen sämtliche Ressourcen des Rechners, der Kamera und der analogen Gestaltung seiner Motive über ein größeres Ausstattungsrepertoire in Form von Kleidung und Dekorationselementen. Dabei werden die Fotos allerdings nur für kleinere Korrekturen am Bildschirm bearbeitet. Alles passiert über Belichtung, Kompositionsaufbau und Perspektive. Die Arbeiten von Christoph Droste sind komplex. Komplex in der Überlegung zur Umsetzung seiner Ideen genauso wie die Umsetzung selbst. Und gerade das Heyoka-Konzept, unter dem die Ausstellung laufen wird, ist alles andere als einfach. Heyoka bezeichnet im übertragenen Sinn einen verrückten Krieger. Die Lakota-Indianer bezeichneten europäische Clowns mit dem Wort Heyoka. Auch die Lakota-Indianer hatten Clowns und diese machten verrückte Dinge. „Nein“ heißt bei ihnen „Ja“. Im Sommer trugen sie Winterpelz, im Winter beklagten sie die große Hitze. Sie taten immer das Gegenteil. Dabei ist Heyoka keine kurz eingenommene Rolle gewesen, sondern ein konsequentes Leben des Gegenteils. Die Heyoka brachten andere zum Lachen und Nachdenken und taten einfach gut. Der weiterführende Gedanke, der dahinter steckt: Jeder Mensch hat einen Heyoka. Die Fotos von Christoph Droste sind ästhetische, indianisch anmutende Aktfotos mit einer sehr abstrakten, eigenen Umsetzung zu diesem Thema. Es sind Porträts voller spiritueller Accessoires. Sorgsam arrangiert. Allein die Modelauswahl war für ihn ein längerer Prozess. Eine Frau zu finden, die muskulös erscheinen sollte, ohne dabei etwa unweiblich zu wirken und gleichzeitig irgendwie indianisch, das nahm schon eine gewisse Zeit in Anspruch. „Medicine man, Ye olden Yellas oder Swallow my youth“ heißen beispielsweise die Titel. Christoph Droste stellte sich bei der Erarbeitung und Umsetzung seines Konzeptes immer wieder die Frage, wie kleine Ethnien, kleine Volkszugehörigkeiten gegenüber der großen Massengesellschaft aussehen könnten. Der Geist des reinigenden Gewitters ist für ihn der Begriff Heyoka und die dabei fein formulierte Umsetzung der Details an seinen Porträts lässt viel eigene Interpretation zu. Selbst banale Gegenstände wie Pinsel, die als Accessoires in eines der Fotos integriert sind, geben dem Bild etwas Anmutendes. Nichts wirkt deplatziert oder überflüssig. Alles an den Motiven hat eine Bedeutung – und aus den unterschiedlichen Symbolen wird etwas ganz eigenes.