Für Atommüll wird derzeit ein Endlager in Deutschland gesucht. - © picture alliance/dpa
Für Atommüll wird derzeit ein Endlager in Deutschland gesucht. (© picture alliance/dpa)

Atommüllendlager: Kreis Minden-Lübbecke ein möglicher Standort?

Friderieke Schulz

Minden-Lübbecke. Deutschland sucht ein Endlager für hochradioaktive Abfälle, kurz: Atommüll. Für die Suche nach einem geeigneten Standort hat der Bund die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) beauftragt. Die schwenkt ihren Blick derzeit über die gesamte Bundesrepublik und ist zumindest fürs Erste nicht abgeneigt vom Kreis Minden-Lübbecke – allerdings auch von zahlreichen anderen Regionen Deutschlands nicht.

"Der Suchprozess für einen Standort wurde im September 2017 offiziell gestartet. Das Verfahren befindet sich in der ersten Phase", erklärt Sven Petersen, Sprecher der BGE. Und das ist alles andere als einfach. Denn der gesuchte Ort muss für die kommenden eine Million Jahre bestmögliche Sicherheit bieten. Dafür müssen wissenschaftliche und gesetzliche Kriterien beachtet werden. Zum Beispiel schließen diese Kriterien Orte aus, in denen künftig Erdbeben zu erwarten sind oder wo es aktive geologische Störungen gibt.

Mehr als 300 Meter tief und von 100 Metern Salz- oder Tongestein muss das Lager umgeben sein

In der ersten Phase gilt es nun, geologische Daten von Landes- und Bundesbehörden auszuwerten und somit die ersten Gebiete auszuschließen. "Für die nicht ausgeschlossenen Gebiete prüfen wir, ob die gesetzlichen Mindestanforderungen für die Endlagerung erfüllt sind", so Petersen. Neben einer Tiefe von mindestens unter 300 Metern muss eine mindestens 100 Meter starke Schicht aus Salz- oder Tongestein vorliegen, die das künftige Lager umgeben können. "So sieht es das Standortauswahlgesetz (StandAG) vor." Und das sind nur einige Beispiele.

So wird während der Suche die anfangs als "weiß" kategorisierte Landkarte für Deutschland Stück für Stück konkreter und bestimmte Gebiete gerade in den genaueren Blick. Laut Medienberichten gehören dazu auch Gebiete in Nordrhein-Westfalen und zwar die Kreise Borken, Steinfurt und Minden-Lübbecke. "Derzeit werden noch alle Regionen gleichbehandelt und kommen somit gleichermaßen in Frage. Das bedeutet, dass die Landkreise Borken, Steinfurt und Minden-Lübbecke derzeit nicht ausgeschlossen werden können - wie jeder andere Landkreis in Deutschland auch nicht", so Petersen. Einen konkreten Blick auf das Gebiet in OWL haben die Beteiligten also noch nicht geworfen.

Ob die drei NRW-Standorte nach den ersten Standortbedingungen weiterhin in Frage kommen, konnte der Sprecher nicht beantworten. "Die Veröffentlichung des Zwischenberichtes zu möglichen Teilgebietenist für Spätsommer 2020 vorgesehen. Dieser Bericht wird dann für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich sein und mit der Öffentlichkeit diskutiert werden." Danach entscheidet dann der Deutsche Bundestag über die weitere Erkundung der Gebiete.

Noch keine Zeit für Angst

Ein Kommentar von Nina Könemann

Manche Nachrichten sind schon extreme Aufreger, bevor sie Fakt sind. Die Suche nach dem Atommüll-Endlager in Deutschland ist so eine. Ja, der Bund sucht nach einem Standort für seine hochradioaktiven Abfälle. Und selbstverständlich möchte diesen Müll niemand unter den Füßen oder zumindest in seiner Nähe wissen.

Bevor jetzt aber alle in Panik verfallen, lohnt ein kleiner Blick auf die Faktenlage: Der Kreis Minden-Lübbecke kann also bei der Suche nach einem Endlager nicht ausgeschlossen werden. Das ist schade, allerdings ist er damit in guter Gesellschaft. So ziemlich jeder andere Kreis in Deutschland, der von ländlicher Struktur ist und nicht droht von den Überschwemmungen des Klimawandels betroffen zu sein, dürfte in der gleichen Lage sein. Irgendwo muss das Zeug schließlich hin und unterhalb einer Millionenmetropole wird es kaum vergraben werden.

Ja, auch mir wäre wohler, wäre ein Endlager in Minden-Lübbecke schon jetzt vom Tisch. Sich ob der schieren Option zu ängstigen, ist allerdings verfrüht: Sollte Minden am Ende in der engeren Auswahl sein, können wir immer noch auf die Barrikaden gehen. Und dann brauchen wir unsere Kräfte.

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Atommüllendlager: Kreis Minden-Lübbecke ein möglicher Standort?Friderieke SchulzMinden-Lübbecke. Deutschland sucht ein Endlager für hochradioaktive Abfälle, kurz: Atommüll. Für die Suche nach einem geeigneten Standort hat der Bund die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) beauftragt. Die schwenkt ihren Blick derzeit über die gesamte Bundesrepublik und ist zumindest fürs Erste nicht abgeneigt vom Kreis Minden-Lübbecke – allerdings auch von zahlreichen anderen Regionen Deutschlands nicht. "Der Suchprozess für einen Standort wurde im September 2017 offiziell gestartet. Das Verfahren befindet sich in der ersten Phase", erklärt Sven Petersen, Sprecher der BGE. Und das ist alles andere als einfach. Denn der gesuchte Ort muss für die kommenden eine Million Jahre bestmögliche Sicherheit bieten. Dafür müssen wissenschaftliche und gesetzliche Kriterien beachtet werden. Zum Beispiel schließen diese Kriterien Orte aus, in denen künftig Erdbeben zu erwarten sind oder wo es aktive geologische Störungen gibt. Mehr als 300 Meter tief und von 100 Metern Salz- oder Tongestein muss das Lager umgeben sein In der ersten Phase gilt es nun, geologische Daten von Landes- und Bundesbehörden auszuwerten und somit die ersten Gebiete auszuschließen. "Für die nicht ausgeschlossenen Gebiete prüfen wir, ob die gesetzlichen Mindestanforderungen für die Endlagerung erfüllt sind", so Petersen. Neben einer Tiefe von mindestens unter 300 Metern muss eine mindestens 100 Meter starke Schicht aus Salz- oder Tongestein vorliegen, die das künftige Lager umgeben können. "So sieht es das Standortauswahlgesetz (StandAG) vor." Und das sind nur einige Beispiele. So wird während der Suche die anfangs als "weiß" kategorisierte Landkarte für Deutschland Stück für Stück konkreter und bestimmte Gebiete gerade in den genaueren Blick. Laut Medienberichten gehören dazu auch Gebiete in Nordrhein-Westfalen und zwar die Kreise Borken, Steinfurt und Minden-Lübbecke. "Derzeit werden noch alle Regionen gleichbehandelt und kommen somit gleichermaßen in Frage. Das bedeutet, dass die Landkreise Borken, Steinfurt und Minden-Lübbecke derzeit nicht ausgeschlossen werden können - wie jeder andere Landkreis in Deutschland auch nicht", so Petersen. Einen konkreten Blick auf das Gebiet in OWL haben die Beteiligten also noch nicht geworfen. Ob die drei NRW-Standorte nach den ersten Standortbedingungen weiterhin in Frage kommen, konnte der Sprecher nicht beantworten. "Die Veröffentlichung des Zwischenberichtes zu möglichen Teilgebietenist für Spätsommer 2020 vorgesehen. Dieser Bericht wird dann für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich sein und mit der Öffentlichkeit diskutiert werden." Danach entscheidet dann der Deutsche Bundestag über die weitere Erkundung der Gebiete. Noch keine Zeit für Angst Ein Kommentar von Nina Könemann Manche Nachrichten sind schon extreme Aufreger, bevor sie Fakt sind. Die Suche nach dem Atommüll-Endlager in Deutschland ist so eine. Ja, der Bund sucht nach einem Standort für seine hochradioaktiven Abfälle. Und selbstverständlich möchte diesen Müll niemand unter den Füßen oder zumindest in seiner Nähe wissen. Bevor jetzt aber alle in Panik verfallen, lohnt ein kleiner Blick auf die Faktenlage: Der Kreis Minden-Lübbecke kann also bei der Suche nach einem Endlager nicht ausgeschlossen werden. Das ist schade, allerdings ist er damit in guter Gesellschaft. So ziemlich jeder andere Kreis in Deutschland, der von ländlicher Struktur ist und nicht droht von den Überschwemmungen des Klimawandels betroffen zu sein, dürfte in der gleichen Lage sein. Irgendwo muss das Zeug schließlich hin und unterhalb einer Millionenmetropole wird es kaum vergraben werden. Ja, auch mir wäre wohler, wäre ein Endlager in Minden-Lübbecke schon jetzt vom Tisch. Sich ob der schieren Option zu ängstigen, ist allerdings verfrüht: Sollte Minden am Ende in der engeren Auswahl sein, können wir immer noch auf die Barrikaden gehen. Und dann brauchen wir unsere Kräfte.