Minden

Hebammenmangel zwingt Stadt zur Festanstellung von Familienhebammen

Nadine Conti

14.12.2018, Niedersachsen, Neustadt am Rübenberge: Das fünf Tage junge Zwillingsmädchen Ella wird in einen Strampelsack im Klinikum Neustadt am Rübenberge in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe gelegt. In Niedersachsen hat sich die Zahl der Kliniken mit Geburtshilfe in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Hintergrund ist vor allem der Mangel an Hebammen. Im Jahr 2003 gab es landesweit 107 Krankenhäuser, in denen Babys zur Welt gebracht werden konnten. Aktuell sind es nach Angaben der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) noch 73. (zu dpa "Geburtskliniken kämpfen gegen Hebammenmangel" vom 17.12.2018) Foto: Holger Hollemann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ - © Holger Hollemann
14.12.2018, Niedersachsen, Neustadt am Rübenberge: Das fünf Tage junge Zwillingsmädchen Ella wird in einen Strampelsack im Klinikum Neustadt am Rübenberge in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe gelegt. In Niedersachsen hat sich die Zahl der Kliniken mit Geburtshilfe in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Hintergrund ist vor allem der Mangel an Hebammen. Im Jahr 2003 gab es landesweit 107 Krankenhäuser, in denen Babys zur Welt gebracht werden konnten. Aktuell sind es nach Angaben der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) noch 73. (zu dpa "Geburtskliniken kämpfen gegen Hebammenmangel" vom 17.12.2018) Foto: Holger Hollemann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (© Holger Hollemann)

Minden (mt). Der Mangel an Hebammen macht sich schon länger auch in Minden bemerkbar: Nicht alle Frauen, die sich vor und nach der Geburt von einer Hebamme betreuen lassen wollen, finden auch eine. Was für die ganz normale Krankenkassenleistung gilt, gilt erst recht für einen noch spezielleren Bereich: Die frühen Hilfen, die beim Jugendamt der Stadt angesiedelt sind. Hier werden Familienhebammen beschäftigt, die eine Zusatzqualifikation haben und Familien mit besonderen Problemen beistehen sollen. Zum Teil tun sie dies bis zu einem Jahr lang und nicht nur in den ersten Wochen nach der Geburt. Gefördert wird das Ganze aus Bundesmitteln.

Bisher hat die Stadt diese Leistungen nach Bedarf bei freiberuflichen Hebammen „eingekauft“. Doch weil es davon immer weniger gibt und die verbliebenen Hebammen immer stärker ausgelastet sind, war das schon in den vergangenen zwei Jahren nicht immer möglich. Zum Teil mussten deshalb die – im selben Präventionsprogramm der frühen Hilfen beschäftigten – „Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen“ einspringen. So beschreibt es die zuständige Fachbereichsleiterin Jutta Riechmann gegenüber dem Jugendhilfeausschuss.

Minden ist nicht die einzige Kommune, die daraus den Schluss gezogen hat, dass es möglicherweise cleverer ist, die Familienhebammen fest anzustellen. Im Kreis Lippe und in der Stadt Herford wird dies schon so gemacht. Auch die Jugendämter des Kreises und von Bad Oeynhausen streben Festanstellungen an.

Der finanzielle Mehraufwand hält sich nach den Berechnungen der Verwaltung in Grenzen. 42.000 Euro hat die Stadt Minden in den vergangenen beiden Jahren pro Jahr durchschnittlich für Familienhebammenleistungen ausgegeben; 8.000 Euro mehr, also insgesamt 50.000 Euro pro Jahr würde es kosten, zwei halbe Stellen einzurichten.

Der Jugendhilfeausschuss, aus dem die Anregung ursprünglich auch kam, stimmte dem Vorhaben zu.

Das Jugendamt wird nun eine Stellenausschreibung aufsetzen, die möglichst bald veröffentlich werden soll, nachdem sie den üblichen Weg durch Personalrat und andere Instanzen gegangen ist. „Ich hoffe, dass wir Ende Mai ausschreiben können und die Stellen dann zügig besetzt werden“, sagte Jugendamtsleiter Rainer Mohnfeld gegenüber dem MT. Und natürlich wünsche er sich auch, dass sich die Familienhebammen, mit denen das Amt bisher schon zusammen gearbeitet hat, sich bewerben.

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MindenHebammenmangel zwingt Stadt zur Festanstellung von FamilienhebammenNadine ContiMinden (mt). Der Mangel an Hebammen macht sich schon länger auch in Minden bemerkbar: Nicht alle Frauen, die sich vor und nach der Geburt von einer Hebamme betreuen lassen wollen, finden auch eine. Was für die ganz normale Krankenkassenleistung gilt, gilt erst recht für einen noch spezielleren Bereich: Die frühen Hilfen, die beim Jugendamt der Stadt angesiedelt sind. Hier werden Familienhebammen beschäftigt, die eine Zusatzqualifikation haben und Familien mit besonderen Problemen beistehen sollen. Zum Teil tun sie dies bis zu einem Jahr lang und nicht nur in den ersten Wochen nach der Geburt. Gefördert wird das Ganze aus Bundesmitteln. Bisher hat die Stadt diese Leistungen nach Bedarf bei freiberuflichen Hebammen „eingekauft“. Doch weil es davon immer weniger gibt und die verbliebenen Hebammen immer stärker ausgelastet sind, war das schon in den vergangenen zwei Jahren nicht immer möglich. Zum Teil mussten deshalb die – im selben Präventionsprogramm der frühen Hilfen beschäftigten – „Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen“ einspringen. So beschreibt es die zuständige Fachbereichsleiterin Jutta Riechmann gegenüber dem Jugendhilfeausschuss. Minden ist nicht die einzige Kommune, die daraus den Schluss gezogen hat, dass es möglicherweise cleverer ist, die Familienhebammen fest anzustellen. Im Kreis Lippe und in der Stadt Herford wird dies schon so gemacht. Auch die Jugendämter des Kreises und von Bad Oeynhausen streben Festanstellungen an. Der finanzielle Mehraufwand hält sich nach den Berechnungen der Verwaltung in Grenzen. 42.000 Euro hat die Stadt Minden in den vergangenen beiden Jahren pro Jahr durchschnittlich für Familienhebammenleistungen ausgegeben; 8.000 Euro mehr, also insgesamt 50.000 Euro pro Jahr würde es kosten, zwei halbe Stellen einzurichten. Der Jugendhilfeausschuss, aus dem die Anregung ursprünglich auch kam, stimmte dem Vorhaben zu. Das Jugendamt wird nun eine Stellenausschreibung aufsetzen, die möglichst bald veröffentlich werden soll, nachdem sie den üblichen Weg durch Personalrat und andere Instanzen gegangen ist. „Ich hoffe, dass wir Ende Mai ausschreiben können und die Stellen dann zügig besetzt werden“, sagte Jugendamtsleiter Rainer Mohnfeld gegenüber dem MT. Und natürlich wünsche er sich auch, dass sich die Familienhebammen, mit denen das Amt bisher schon zusammen gearbeitet hat, sich bewerben.