Minden

Mietpreise in Minden ziehen an

Sebastian Radermacher und Stefan Koch

Bundesweit protestieren Menschen gegen Wohnungsnot und explodierende Mietpreise. Auch in Minden ist der Markt umkämpft. Und die Lage wird sich 2020 verschärfen. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa - © Patrick Pleul
Bundesweit protestieren Menschen gegen Wohnungsnot und explodierende Mietpreise. Auch in Minden ist der Markt umkämpft. Und die Lage wird sich 2020 verschärfen. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa (© Patrick Pleul)

Minden (mt). Wohnungsnot durch steigende Mieten auch in Minden? Angeblich sollen mittlerweile auf Sozialleistungen angewiesene Mieter der Wohnhaus Minden GmbH ausgezogen sein, weil das Sozialamt die Wohnkosten nicht in voller Höhe übernehmen wollte. Alle zwei Jahre passe das Unternehmen die Mieten konsequent an.

Ab dem 1. April 2020 gilt ein neuer Mietspiegel für Minden - und die Preise werden wohl deutlich anziehen. MT-Grafik: jba
Ab dem 1. April 2020 gilt ein neuer Mietspiegel für Minden - und die Preise werden wohl deutlich anziehen. MT-Grafik: jba

Eugen Pankratz, Geschäftsführer der Wohnhaus, dementiert: „Wir erhöhen die Mieten mit Augenmaß." Zum einen müsse auch die Wohnhaus als Vermieter steigende Kosten ausgleichen. Zum anderen schöpfe sie im vorliegenden Fall den gesetzlichen Rahmen bei weitem nicht aus, der eine jährliche Erhöhung zulasse. Die Wohnhaus Minden GmbH schaffe genau aus diesem Grund mit neuen Mietern eine klare Transparenz für die ersten fünf Jahre. Die Miete müsse absehbar sein und solle sich nicht zwölf Monate nach Einzug einfach ungeplant verändern und einen Umzug erforderlich machen, sagt Pankratz.

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Bürgern mehr Transparenz auf dem Wohnungsmarkt schaffen und werden auch
über interessante Beispiele berichten.

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der Eigentümer seiner Mietwohnung ist und welche Erfahrungen er mit dem
Vermieter gemacht hat. Aus den gewonnenen Daten setzen wir ein Bild
zusammen und recherchieren, wo sich Missstände zeigen.

Das Projekt ist eine Kooperation des Mindener Tageblattes mit
Correctiv, dem ersten gemein-nützigen Recherchezentrum im
deutschsprachigen Raum (correctiv.org).

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In mehreren deutschen Städten haben am Wochenende Tausende Menschen für bezahlbaren Wohnraum und gegen Mietwucher protestiert (das MT berichtete). Vor allem in Ballungszentren ist der Ärger riesig, denn die Preise entwickeln sich dort nur noch in eine Richtung: nach oben, und zwar rasant. Die Situation in Minden ist mit der in Großstädten nicht vergleichbar, aber auch hier ist der Markt angespannt, wie Thorsten Bornemann vom Mieterverein und Thorsten Post von Haus und Grund auf MT-Anfrage bestätigen. „Das Angebot ist begrenzt, die Nachfrage hingegen groß", sagt Bornemann. Und Post ergänzt: „Es ist spürbar, dass das Angebot schrumpft."

Beim Blick in verschiedene Immobilienportale im Internet und die dort geforderten Kaltmieten in Minden muss Bornemann regelmäßig schlucken. „Sie liegen oft deutlich über dem Mietspiegel. In Bärenkämpfen werden teilweise 14 bis 16 Euro pro Quadratmeter verlangt", erklärt Bornemann. Solche Neuvermietungen seien problematisch und würden die Preisentwicklung in den nächsten Jahren mitbestimmen. Denn: Für den neuen Mietspiegel zählen, so der Experte, nur die Mieten der vergangenen vier Jahre. Die hohen Forderungen fließen also in die neue Berechnung ein. Und viele Erhöhungen, mit denen Mieter konfrontiert würden, seien nicht gerechtfertigt, meint der Fachmann.

Im neuen Mietspiegel für Minden, der zurzeit vorbereitet und ab dem 1. April 2020 gültig sein wird, rechnet Post mit einer Steigerung der Durchschnittsmieten von 15 Prozent. Auch Bornemann geht von einer Erhöhung im zweistelligen Bereich aus. Der Mietspiegel ist eine Orientierungshilfe, die es Vermietern und Mietern ermöglichen soll, die Mieten im Rahmen ortsüblicher Entgelte eigenverantwortlich zu vereinbaren und auch zu vergleichen. Zudem schafft er Kostentransparenz für Menschen, die nach Minden ziehen möchten.

Trotz der allgemein steigenden Preise sei das Mietniveau in Minden weiterhin unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt, betonte Lars Bursian, Beigeordneter der Stadt Minden, vor kurzem beim MT-Stadtgespräch rund ums Thema Wohnen. In Minden könne man vergleichsweise günstig wohnen – wenngleich in einigen Bereichen, vor allem in der Nähe zur Innenstadt, die Preise deutlich gestiegen seien.

Für Thorsten Post, Geschäftsführer von Haus und Grund Minden, sind die allgemein höheren Mietpreise gerechtfertigt. Zum einen würden die Bauvorschriften immer umfangreicher, außerdem hätten die Baukosten enorm angezogen. „Die Preise steigen überall dramatisch", sagt er und nennt als Beispiel: Um günstige Mieten in Minden vorhalten zu können, dürften die Gesamtbaukosten in Minden maximal 1.200 Euro pro Quadratmeter betragen. „Aktuell liegen sie aber bei 2.600 Euro – das macht es unmöglich, günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen", erklärt Post. Außerdem stiegen auch die Nebenkosten, etwa für Grundsteuer, Müllabfuhr, Versicherungen und Abwasser. Wie kann man diesem allgemeinen Negativtrend künftig entgegenwirken? „Ich sehe momentan keine Lösung", gibt Post zu.

Die Stadt Minden wird die Erstellung des neuen Mietspiegels diesmal federführend übernehmen. 2018 waren die Durchschnittsmieten in der Übersicht zuletzt an die Marktentwicklung über den Preisindex angepasst worden. Für 2020 müssen alle Daten komplett neu erhoben werden, erklärt Stadtsprecherin Susann Lewerenz. Die Befragung der Eigentümer zur Erhebung der Daten soll zwischen Mai und Juli erfolgen, die Auswertung im Herbst.

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MindenMietpreise in Minden ziehen anStefan Koch,Sebastian RadermacherMinden (mt). Wohnungsnot durch steigende Mieten auch in Minden? Angeblich sollen mittlerweile auf Sozialleistungen angewiesene Mieter der Wohnhaus Minden GmbH ausgezogen sein, weil das Sozialamt die Wohnkosten nicht in voller Höhe übernehmen wollte. Alle zwei Jahre passe das Unternehmen die Mieten konsequent an. Eugen Pankratz, Geschäftsführer der Wohnhaus, dementiert: „Wir erhöhen die Mieten mit Augenmaß." Zum einen müsse auch die Wohnhaus als Vermieter steigende Kosten ausgleichen. Zum anderen schöpfe sie im vorliegenden Fall den gesetzlichen Rahmen bei weitem nicht aus, der eine jährliche Erhöhung zulasse. Die Wohnhaus Minden GmbH schaffe genau aus diesem Grund mit neuen Mietern eine klare Transparenz für die ersten fünf Jahre. Die Miete müsse absehbar sein und solle sich nicht zwölf Monate nach Einzug einfach ungeplant verändern und einen Umzug erforderlich machen, sagt Pankratz. In mehreren deutschen Städten haben am Wochenende Tausende Menschen für bezahlbaren Wohnraum und gegen Mietwucher protestiert (das MT berichtete). Vor allem in Ballungszentren ist der Ärger riesig, denn die Preise entwickeln sich dort nur noch in eine Richtung: nach oben, und zwar rasant. Die Situation in Minden ist mit der in Großstädten nicht vergleichbar, aber auch hier ist der Markt angespannt, wie Thorsten Bornemann vom Mieterverein und Thorsten Post von Haus und Grund auf MT-Anfrage bestätigen. „Das Angebot ist begrenzt, die Nachfrage hingegen groß", sagt Bornemann. Und Post ergänzt: „Es ist spürbar, dass das Angebot schrumpft." Beim Blick in verschiedene Immobilienportale im Internet und die dort geforderten Kaltmieten in Minden muss Bornemann regelmäßig schlucken. „Sie liegen oft deutlich über dem Mietspiegel. In Bärenkämpfen werden teilweise 14 bis 16 Euro pro Quadratmeter verlangt", erklärt Bornemann. Solche Neuvermietungen seien problematisch und würden die Preisentwicklung in den nächsten Jahren mitbestimmen. Denn: Für den neuen Mietspiegel zählen, so der Experte, nur die Mieten der vergangenen vier Jahre. Die hohen Forderungen fließen also in die neue Berechnung ein. Und viele Erhöhungen, mit denen Mieter konfrontiert würden, seien nicht gerechtfertigt, meint der Fachmann. Im neuen Mietspiegel für Minden, der zurzeit vorbereitet und ab dem 1. April 2020 gültig sein wird, rechnet Post mit einer Steigerung der Durchschnittsmieten von 15 Prozent. Auch Bornemann geht von einer Erhöhung im zweistelligen Bereich aus. Der Mietspiegel ist eine Orientierungshilfe, die es Vermietern und Mietern ermöglichen soll, die Mieten im Rahmen ortsüblicher Entgelte eigenverantwortlich zu vereinbaren und auch zu vergleichen. Zudem schafft er Kostentransparenz für Menschen, die nach Minden ziehen möchten. Trotz der allgemein steigenden Preise sei das Mietniveau in Minden weiterhin unter dem Landes- und Bundesdurchschnitt, betonte Lars Bursian, Beigeordneter der Stadt Minden, vor kurzem beim MT-Stadtgespräch rund ums Thema Wohnen. In Minden könne man vergleichsweise günstig wohnen – wenngleich in einigen Bereichen, vor allem in der Nähe zur Innenstadt, die Preise deutlich gestiegen seien. Für Thorsten Post, Geschäftsführer von Haus und Grund Minden, sind die allgemein höheren Mietpreise gerechtfertigt. Zum einen würden die Bauvorschriften immer umfangreicher, außerdem hätten die Baukosten enorm angezogen. „Die Preise steigen überall dramatisch", sagt er und nennt als Beispiel: Um günstige Mieten in Minden vorhalten zu können, dürften die Gesamtbaukosten in Minden maximal 1.200 Euro pro Quadratmeter betragen. „Aktuell liegen sie aber bei 2.600 Euro – das macht es unmöglich, günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen", erklärt Post. Außerdem stiegen auch die Nebenkosten, etwa für Grundsteuer, Müllabfuhr, Versicherungen und Abwasser. Wie kann man diesem allgemeinen Negativtrend künftig entgegenwirken? „Ich sehe momentan keine Lösung", gibt Post zu. Die Stadt Minden wird die Erstellung des neuen Mietspiegels diesmal federführend übernehmen. 2018 waren die Durchschnittsmieten in der Übersicht zuletzt an die Marktentwicklung über den Preisindex angepasst worden. Für 2020 müssen alle Daten komplett neu erhoben werden, erklärt Stadtsprecherin Susann Lewerenz. Die Befragung der Eigentümer zur Erhebung der Daten soll zwischen Mai und Juli erfolgen, die Auswertung im Herbst. Hier gibt es weitere Artikel zum Thema