Minden

Praxis Luwe verlässt die Obermarktpassage

Monika Jäger

Nur über Umwege können Patienten ihren Arzt erreichen. Das ist kein Zukunftsmodell. - © Monika Jäger/mt
Nur über Umwege können Patienten ihren Arzt erreichen. Das ist kein Zukunftsmodell. (© Monika Jäger/mt)

Minden (mt). Er war der erste, der mit seiner Praxis in die Obermarktpassage einzog und hat vom 17. April 1985 bis jetzt ausgeharrt. Doch nun macht auch der Internist Dr. Hans Luwe das Licht aus: Am 30. April ist sein letzter Tag in der ansonsten weitgehend leerstehenden Geschäftsimmobilie. „Wir haben hier alles mitgemacht“, sagt er im Gespräch mit dem Mindener Tageblatt, „und ja, wir haben auch sehr gute Zeiten erlebt.“

Die zentrale Lage, die Nähe zum Busbahnhof, die Parkmöglichkeit im Haus – all das hat Luwe an diesem Standort sehr geschätzt. Doch seit neun Jahren, nachdem mitten in der Umbauphase die Bank pleite machte und von einer Stunde auf die andere nichts mehr passiert war, gehe es stetig bergab. „Früher, da war ja richtig Leben hier, es gab jede Menge Geschäfte und Gastronomie.“

Die Schließung der Tiefgarage zum Oktober 2018 war dann der letzte Schritt. Das habe sich zwar wenig auf die Patientenzahlen ausgewirkt, sagt Luwe. Doch es sei für alle ein fach immer schwieriger und umständlicher geworden, die Praxen zu erreichen.

Einen Nachmieter für Luwes Praxis gibt es nicht. So wird nun nur noch ein einziger Arzt in der Immobilie bleiben, der allerdings kein Mieter, sondern Praxiseigentümer ist.

Für Dr. Hans Luwe ist der Schritt auch eine persönliche Lebensentscheidung. Denn eine eigene neue Praxis will er nicht mehr aufmachen, er schließt sich einer anderen Mindener Praxis an und wird dort ab 1. Mai künftig halbtags arbeiten und Ansprechpartner für die Patienten bleiben, die das gerne möchten.

Mehrere Hindernisse stehen vor einer neuen Entwicklung der Obermarktpassage. Zum Beispiel diese: Sie hat knapp 70 Teileigentümer, die allen Planungen zustimmen müssen. Der Standort ist nicht für jede Nutzung geeignet. Es gibt keine Trennung zwischen dem Bereich Gewerbe und Wohnen. Die Bauweise und innere Aufteilung entspricht nicht mehr der moderner Einkaufspassagen. Und der Besitzer ist inzwischen der amerikanische Immobilienfonds „Cerberus“, der sich wenig um seinen Besitz in Minden schert.

„Der Eigentümer hält an seinem Ziel eines Verkaufs an einen Entwickler fest, und derweil laufen alle regulären Wartungsarbeiten am und im Gebäude weiter“, heißt es beim zuständigen Immobilien-Dienstleister Jones Lang LaSalle.

Auch die Stadt hat ein ganz eigenes Interesse an der Weiterentwicklung: Jedes Jahr kostet die seit 2012 geschlossene Stadthalle rund 75.000 Euro an Unterhalt.

Hier gibt es weitere Artikel zum Thema Obermarktpassage

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MindenPraxis Luwe verlässt die ObermarktpassageMonika JägerMinden (mt). Er war der erste, der mit seiner Praxis in die Obermarktpassage einzog und hat vom 17. April 1985 bis jetzt ausgeharrt. Doch nun macht auch der Internist Dr. Hans Luwe das Licht aus: Am 30. April ist sein letzter Tag in der ansonsten weitgehend leerstehenden Geschäftsimmobilie. „Wir haben hier alles mitgemacht“, sagt er im Gespräch mit dem Mindener Tageblatt, „und ja, wir haben auch sehr gute Zeiten erlebt.“ Die zentrale Lage, die Nähe zum Busbahnhof, die Parkmöglichkeit im Haus – all das hat Luwe an diesem Standort sehr geschätzt. Doch seit neun Jahren, nachdem mitten in der Umbauphase die Bank pleite machte und von einer Stunde auf die andere nichts mehr passiert war, gehe es stetig bergab. „Früher, da war ja richtig Leben hier, es gab jede Menge Geschäfte und Gastronomie.“ Die Schließung der Tiefgarage zum Oktober 2018 war dann der letzte Schritt. Das habe sich zwar wenig auf die Patientenzahlen ausgewirkt, sagt Luwe. Doch es sei für alle ein fach immer schwieriger und umständlicher geworden, die Praxen zu erreichen. Einen Nachmieter für Luwes Praxis gibt es nicht. So wird nun nur noch ein einziger Arzt in der Immobilie bleiben, der allerdings kein Mieter, sondern Praxiseigentümer ist. Für Dr. Hans Luwe ist der Schritt auch eine persönliche Lebensentscheidung. Denn eine eigene neue Praxis will er nicht mehr aufmachen, er schließt sich einer anderen Mindener Praxis an und wird dort ab 1. Mai künftig halbtags arbeiten und Ansprechpartner für die Patienten bleiben, die das gerne möchten. Mehrere Hindernisse stehen vor einer neuen Entwicklung der Obermarktpassage. Zum Beispiel diese: Sie hat knapp 70 Teileigentümer, die allen Planungen zustimmen müssen. Der Standort ist nicht für jede Nutzung geeignet. Es gibt keine Trennung zwischen dem Bereich Gewerbe und Wohnen. Die Bauweise und innere Aufteilung entspricht nicht mehr der moderner Einkaufspassagen. Und der Besitzer ist inzwischen der amerikanische Immobilienfonds „Cerberus“, der sich wenig um seinen Besitz in Minden schert. „Der Eigentümer hält an seinem Ziel eines Verkaufs an einen Entwickler fest, und derweil laufen alle regulären Wartungsarbeiten am und im Gebäude weiter“, heißt es beim zuständigen Immobilien-Dienstleister Jones Lang LaSalle. Auch die Stadt hat ein ganz eigenes Interesse an der Weiterentwicklung: Jedes Jahr kostet die seit 2012 geschlossene Stadthalle rund 75.000 Euro an Unterhalt. Hier gibt es weitere Artikel zum Thema Obermarktpassage