Minden

Gefängnismauer ist fester Bestandteil in Quartierplanung

Henning Wandel

Die fünf Meter hohe Gefängnismauer mitten im Quartier könnte einer Entwicklung im Wege stehen. Im Rahmenplan sind lediglich Durchbrüche in dem denkmalgeschützten Bauwerk vorgesehen. MT-Foto (Archiv): Alex Lehn
Die fünf Meter hohe Gefängnismauer mitten im Quartier könnte einer Entwicklung im Wege stehen. Im Rahmenplan sind lediglich Durchbrüche in dem denkmalgeschützten Bauwerk vorgesehen. MT-Foto (Archiv): Alex Lehn

Minden (mt). Stadthäuser an der Hahler Straße, ein Mehrgenerationenhaus mit Park und Quartierstreff rund um Amtsgericht und Gefängnis, dazu ein Schwerpunkt Wohnen im Bereich Rampenloch und Greisenbruchstraße – die Obere Altstadt könnte ihr Gesicht deutlich verändern. Den Rahmenplan dafür hat der Mindener Bauausschuss in seiner vergangenen Sitzung beschlossen, nachdem das Quartier auch schon in zwei Bürgerforen behandelt worden war. Die Ergebnisse dieses Prozesses haben die Stadtplaner von Wolters Partner in einem umfangreichen Konzept zusammengetragen. Die Coesfelder haben sich dabei auf fünf Bereiche konzentriert, für die jetzt jeweils drei Vorschläge vorliegen, immer eine davon gilt als Vorzugsvariante.

Ganz einfach wird die Entwicklung des Areals zwischen Kampstraße, Königswall und Pöttcherstraße nicht. Dem steht schon die denkmalgeschützte Gefängnismauer im Weg. Besonders die geplante Wohnnutzung könnte darunter leiden, manche Wohnungen lägen buchstäblich im Schatten. Zu diesem Punkt hatte der Ausschussvorsitzende Ulrich Luckner (CDU) extra die Sitzung unterbrochen, um Gäste in die Debatte einzubeziehen. Darunter waren auch Eigentümer, die sich gerne an der Entwicklung des Quartiers beteiligen möchten und daher auf weitere Gespräche mit dem Denkmalschutz drängen. Einen Garten mit Blick auf die mehr als fünf Meter hohe Gefängnismauer dürfte sich nur schwer vermieten lassen. In den bisherigen Überlegungen sind lediglich Durchbrüche vorgesehen, die Raum schaffen sollen für neu Wegeverbindungen in diesem Bereich der Oberen Altstadt.

Auch äußerte ein Anlieger Bedenken, dass der Beschluss des Rahmenplans mögliche Investoren einschränken könne. In der Tat sind die Zeichnungen, die Wolter Partner dem Ausschuss präsentierten, schon sehr konkret. Bursian versucht, die Bedenken zu zerstreuen, und Carsten Lang vom Planungsbüro springt ihm bei: Eine Mischung aus allen drei Varianten sei weiterhin möglich, sagt er. Dabei orientiert sich eine Lösung immer auch am Status quo. Die umstrittene Mauer allerdings taucht in allen Varianten auf. Ob für eine erfolgreiche Quartierentwicklung mehr als nur kleine Durchbrüche gemacht werden können, bleibt in der Diskussion offen.

Ebenfalls kniffelig wird an der Ecke Dammstraße und Greisenbuchstraße. Hier steht nicht nur das denkmalgeschützte ehemalige Doepner-Haus, sondern auch das Parkhaus. In der Vorzugsvariante sprechen sich die Planer gegen einen Abriss das Parkhauses aus (auch das taucht in einer Variante als Option auf) und schlagen stattdessen eine Nutzung als Quartiersparkhaus vor, das mit einer Wohnnutzung aufgestockt wird. Bisher wird das Parkhaus von Hagemeyer genutzt. In Denkmal davor könnte dann ein Obst- und Gemüseladen beziehungsweise ein Bistro entstehen. Zwischen den Gebäuden ist ein Platz vorgesehen, der das Gesamtensemble auflockert, ähnlich sieht auch der Entwurf für den Zugang zum Rampenloch aus.

Zentraler Treffpunkt für das Quartier aber wäre nach dem jetzt beschlossenen Rahmenplan ein kleiner Park mit Spielplatz rund um das Gefängnis. Auch durch das Zusammenspiel von Spielplatz und betreutem Wohnen, zwischen Jung und Alt also, soll der „einst introvertierte Standort“ eine neue Aufmerksamkeit erhalten, schreiben die Planer von Wolters Partner in ihrem Entwurf. Das soll wiederum einen positiven Effekt auf das gesamte Areal haben. Wie wichtig dafür die Mauer ist, wird in kommenden Runden zu diskutieren sein. Der Ausschuss jedenfalls beschließt den Rahmenplan einstimmig bei zwei Enthaltungen.

Der Autor ist erreichbarunter (05 71) 88 21 66 oderHenning.Wandel@MT.de

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MindenGefängnismauer ist fester Bestandteil in QuartierplanungHenning WandelMinden (mt). Stadthäuser an der Hahler Straße, ein Mehrgenerationenhaus mit Park und Quartierstreff rund um Amtsgericht und Gefängnis, dazu ein Schwerpunkt Wohnen im Bereich Rampenloch und Greisenbruchstraße – die Obere Altstadt könnte ihr Gesicht deutlich verändern. Den Rahmenplan dafür hat der Mindener Bauausschuss in seiner vergangenen Sitzung beschlossen, nachdem das Quartier auch schon in zwei Bürgerforen behandelt worden war. Die Ergebnisse dieses Prozesses haben die Stadtplaner von Wolters Partner in einem umfangreichen Konzept zusammengetragen. Die Coesfelder haben sich dabei auf fünf Bereiche konzentriert, für die jetzt jeweils drei Vorschläge vorliegen, immer eine davon gilt als Vorzugsvariante. Ganz einfach wird die Entwicklung des Areals zwischen Kampstraße, Königswall und Pöttcherstraße nicht. Dem steht schon die denkmalgeschützte Gefängnismauer im Weg. Besonders die geplante Wohnnutzung könnte darunter leiden, manche Wohnungen lägen buchstäblich im Schatten. Zu diesem Punkt hatte der Ausschussvorsitzende Ulrich Luckner (CDU) extra die Sitzung unterbrochen, um Gäste in die Debatte einzubeziehen. Darunter waren auch Eigentümer, die sich gerne an der Entwicklung des Quartiers beteiligen möchten und daher auf weitere Gespräche mit dem Denkmalschutz drängen. Einen Garten mit Blick auf die mehr als fünf Meter hohe Gefängnismauer dürfte sich nur schwer vermieten lassen. In den bisherigen Überlegungen sind lediglich Durchbrüche vorgesehen, die Raum schaffen sollen für neu Wegeverbindungen in diesem Bereich der Oberen Altstadt. Auch äußerte ein Anlieger Bedenken, dass der Beschluss des Rahmenplans mögliche Investoren einschränken könne. In der Tat sind die Zeichnungen, die Wolter Partner dem Ausschuss präsentierten, schon sehr konkret. Bursian versucht, die Bedenken zu zerstreuen, und Carsten Lang vom Planungsbüro springt ihm bei: Eine Mischung aus allen drei Varianten sei weiterhin möglich, sagt er. Dabei orientiert sich eine Lösung immer auch am Status quo. Die umstrittene Mauer allerdings taucht in allen Varianten auf. Ob für eine erfolgreiche Quartierentwicklung mehr als nur kleine Durchbrüche gemacht werden können, bleibt in der Diskussion offen. Ebenfalls kniffelig wird an der Ecke Dammstraße und Greisenbuchstraße. Hier steht nicht nur das denkmalgeschützte ehemalige Doepner-Haus, sondern auch das Parkhaus. In der Vorzugsvariante sprechen sich die Planer gegen einen Abriss das Parkhauses aus (auch das taucht in einer Variante als Option auf) und schlagen stattdessen eine Nutzung als Quartiersparkhaus vor, das mit einer Wohnnutzung aufgestockt wird. Bisher wird das Parkhaus von Hagemeyer genutzt. In Denkmal davor könnte dann ein Obst- und Gemüseladen beziehungsweise ein Bistro entstehen. Zwischen den Gebäuden ist ein Platz vorgesehen, der das Gesamtensemble auflockert, ähnlich sieht auch der Entwurf für den Zugang zum Rampenloch aus. Zentraler Treffpunkt für das Quartier aber wäre nach dem jetzt beschlossenen Rahmenplan ein kleiner Park mit Spielplatz rund um das Gefängnis. Auch durch das Zusammenspiel von Spielplatz und betreutem Wohnen, zwischen Jung und Alt also, soll der „einst introvertierte Standort“ eine neue Aufmerksamkeit erhalten, schreiben die Planer von Wolters Partner in ihrem Entwurf. Das soll wiederum einen positiven Effekt auf das gesamte Areal haben. Wie wichtig dafür die Mauer ist, wird in kommenden Runden zu diskutieren sein. Der Ausschuss jedenfalls beschließt den Rahmenplan einstimmig bei zwei Enthaltungen. Der Autor ist erreichbarunter (05 71) 88 21 66 oderHenning.Wandel@MT.de