Wem gehören Immobilien in Minden, Petershagen, Porta und Hille? Das MT bittet die Bürger um Hilfe bei der Recherche. MT-Archivfoto: Alex Lehn
Wem gehören Immobilien in Minden, Petershagen, Porta und Hille? Das MT bittet die Bürger um Hilfe bei der Recherche. MT-Archivfoto: Alex Lehn

MT startet Recherche-Projekt: Wem gehört die Stadt?

Monika Jäger

Wem gehört Minden? Wir wollen es wissen. Denn Wohnen ist ein Thema, das die Menschen bewegt. Verwahrloste Häuser, desinteressierte Immobilienbesitzer, Mieter des Grauens: Fast täglich melden sich bei uns in der Redaktion Menschen, die am Ende ihrer Weisheit sind und auch mit rechtlicher Hilfe nicht weiterkommen.

Oft stoßen wir dann sehr schnell auf die dahinter liegende Frage, was Eigentum eigentlich bedeutet und wie weit die Verantwortung derjenigen für das Allgemeinwohl geht, die Wohnungen oder Geschäfte besitzen. Für die Innenstadt beleuchten wir die Besitzverhältnisse regelmäßig, schreiben über Teileigentümer, die eine gemeinsame Entwicklung erschweren oder internationale Immobilienkonzerne, denen eine heruntergekommene Passage in einer ostwestfälischen Mittelstadt egal ist.

Die Stadt Minden hat keine eigene Wohnungsgesellschaft mehr (aus heutiger Sicht ein Fehler), arbeitet aber intensiv gemeinsam mit Bürgern an einem Handlungskonzept Wohnen und rückt aktuell den Aspekt „bezahlbarer Wohnraum" in den Fokus.

Wir wollen nun genauer wissen, wie es den Mindenern (und auch den Portanern, Hillern und Peterhägern) in ihren vier Wänden so ergeht. In dieser Woche startet darum unser großes Projekt „Wem gehört Minden" in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv – vor allem aber in Zusammenarbeit mit allen Bürgern. Denn die können und sollten sich beteiligen. Solch eine große Bürgerrecherche zu diesem Thema haben die Journalisten von Correctiv schon in Hamburg, Berlin und Düsseldorf gemacht – nun geht es mit Minden auch in eine kleinere Stadt.

Die Bürgerrecherche ermöglicht es, dahin zu schauen, worüber sonst wenig bekannt ist. Auf der Internetseite www.wem-gehoert-minden.de, die im Laufe der Woche online geht, wollen wir nun mehr über den Wohnungsmarkt herausfinden. Gibt es zum Beispiel Vermieter, die überall ähnlich agieren (und die Mieter haben bisher keine Ahnung davon?). Wer steckt hinter Hausverwaltungen, die Mietern Probleme bereiten? Correctiv hat dazu in anderen Städten überraschende Erkenntnisse gewonnen.

Es geht dabei übrigens nicht um die kleinen Hausbesitzer, sondern um schwer durchschaubare Firmengeflechte – um Immobilenhaie. Darum veröffentlichen wir auch keine Namen von Einzelpersonen. Sehr gespannt sind wir aber, ob die Mieter wirklich wissen, wem ihre Wohnung gehört und wer sich hinter Hausverwaltungen verbirgt. Denn anders als in den meisten europäischen Staaten kann man in Deutschland nicht einfach ins Grundbuch sehen, um solche Fragen zu beantworten.

Mehr Transparenz kann da nur gut sein.

Copyright © Mindener Tageblatt 2019
Texte und Fotos von MT.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem Abo oder Tagespass möglich.

MT startet Recherche-Projekt: Wem gehört die Stadt?Monika JägerWem gehört Minden? Wir wollen es wissen. Denn Wohnen ist ein Thema, das die Menschen bewegt. Verwahrloste Häuser, desinteressierte Immobilienbesitzer, Mieter des Grauens: Fast täglich melden sich bei uns in der Redaktion Menschen, die am Ende ihrer Weisheit sind und auch mit rechtlicher Hilfe nicht weiterkommen. Oft stoßen wir dann sehr schnell auf die dahinter liegende Frage, was Eigentum eigentlich bedeutet und wie weit die Verantwortung derjenigen für das Allgemeinwohl geht, die Wohnungen oder Geschäfte besitzen. Für die Innenstadt beleuchten wir die Besitzverhältnisse regelmäßig, schreiben über Teileigentümer, die eine gemeinsame Entwicklung erschweren oder internationale Immobilienkonzerne, denen eine heruntergekommene Passage in einer ostwestfälischen Mittelstadt egal ist. Die Stadt Minden hat keine eigene Wohnungsgesellschaft mehr (aus heutiger Sicht ein Fehler), arbeitet aber intensiv gemeinsam mit Bürgern an einem Handlungskonzept Wohnen und rückt aktuell den Aspekt „bezahlbarer Wohnraum" in den Fokus. Wir wollen nun genauer wissen, wie es den Mindenern (und auch den Portanern, Hillern und Peterhägern) in ihren vier Wänden so ergeht. In dieser Woche startet darum unser großes Projekt „Wem gehört Minden" in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv – vor allem aber in Zusammenarbeit mit allen Bürgern. Denn die können und sollten sich beteiligen. Solch eine große Bürgerrecherche zu diesem Thema haben die Journalisten von Correctiv schon in Hamburg, Berlin und Düsseldorf gemacht – nun geht es mit Minden auch in eine kleinere Stadt. Die Bürgerrecherche ermöglicht es, dahin zu schauen, worüber sonst wenig bekannt ist. Auf der Internetseite www.wem-gehoert-minden.de, die im Laufe der Woche online geht, wollen wir nun mehr über den Wohnungsmarkt herausfinden. Gibt es zum Beispiel Vermieter, die überall ähnlich agieren (und die Mieter haben bisher keine Ahnung davon?). Wer steckt hinter Hausverwaltungen, die Mietern Probleme bereiten? Correctiv hat dazu in anderen Städten überraschende Erkenntnisse gewonnen. Es geht dabei übrigens nicht um die kleinen Hausbesitzer, sondern um schwer durchschaubare Firmengeflechte – um Immobilenhaie. Darum veröffentlichen wir auch keine Namen von Einzelpersonen. Sehr gespannt sind wir aber, ob die Mieter wirklich wissen, wem ihre Wohnung gehört und wer sich hinter Hausverwaltungen verbirgt. Denn anders als in den meisten europäischen Staaten kann man in Deutschland nicht einfach ins Grundbuch sehen, um solche Fragen zu beantworten. Mehr Transparenz kann da nur gut sein.