Minden/Lübbecke

34-Jähriger muss wegen mehrerer Straftaten unter Alkoholeinfluss zwölf Monate ins Gefängnis

Hartmut Nolte

Minden/Lübbecke (hn). Sein Problem ist der Alkohol. Der brachte Mamadou K. jetzt erneut eine Gefängnisstrafe ein. Diesmal für ein Jahr. Und danach?

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, dass er beim Bierbrunnenfest 2017 eine Frau sexuell belästigt haben soll. - © Foto: MT-Archiv
Dem Angeklagten wird vorgeworfen, dass er beim Bierbrunnenfest 2017 eine Frau sexuell belästigt haben soll. (© Foto: MT-Archiv)

Vor dem Schöffengericht Minden erschien der 34-jährige gebürtige Maliler in Handschellen und in Polizeibegleitung. Pünktlich und nüchtern, was er beim Termin vor einer Woche zuvor nicht war. Deswegen hatte das Gericht verfügt, ihn vor der Verhandlung in Gewahrsam zu nehmen (das MT berichtete). So früh, dass er verhandlungsfähig ist. Um 13.15 Uhr am Vortag hatten ihn die Beamten von seiner Unterkunft in Lübbecke abgeholt. Das Gericht verließ er zunächst als (noch) freier Mann.

Sieben Anklagepunkte hatte die Staatsanwaltschaft gegen K. zusammengetragen. Am Ende der siebenstündigen Verhandlung blieben zwei übrig, schwer genug für eine längere Haftstrafe. Fünf leichtere wurden eingestellt. Dazu zählen unter anderem, eine Schwarzfahrt, ein nicht bezahltes Bier im Ratscafé in Minden, eine im Supermarkt in Lübbecke ausgetrunkene Bierdose, die Beleidigung einer jungen Frau und einer Rollstuhlfahrerin, das zweimalige Eindringen trotz Verbots in der Merkur-Arena, eine Taxi-Fahrt ohne Geld und die Jagd auf einen Mitbewohner. Und immer war Alkohol im Spiel.

Auch bei den beiden Anklagen, die ihn jetzt doch hinter Gitter bringen. Zum einen eine räuberische Erpressung. Hört sich nach schwerer Kriminalität an und wird auch so geahndet – nämlich mit bis zu 15 Jahren Haft. In diesem Fall ging es um zehn Euro. Die wollte K. von einem 15-Jährigen haben, dem er Desperado-Bier in einem Tankshop an der Berliner Straße kaufen sollte. Doch auch K. bekam es nicht, denn er hatte Hausverbot.

Er habe das Geld zunächst zurückgegeben, sei dann aber dem Jugendlichen gefolgt, habe ihn bedroht und die zehn Euro verlangt. Der Junge lief zurück zum Tankshop und rief die Polizei. Der Tankwart bestätigte die Aussage des jetzt 17-Jährigen. Die gegenteilige Version des Angeklagten klang kaum glaubhaft. Wegen der geringen Beute handelt es sich um einen minderschweren Fall – Strafrahmen ein halbes bis fünf Jahre.

Beim zweiten, für das Gericht bewiesenen Vorwurf, ging es um sexuelle Belästigung. Ein Delikt, das seit der Silvesternacht in Köln strafrechtlich ein anderes Gewicht bekommen hat. „Nein heißt nein”, hat der Gesetzgeber in Paragraf 184 I StGB die Grenze schärfer gezogen.

Der 34-Jährige hatte sich beim Bierbrunnenfest 2017 stark alkoholisiert drei Frauen aus Pr. Oldendorf genähert. Als er einer von ihnen durch die langen schwarzen Haare strich, verbat sie sich das laut und unmissverständlich. Wenig später dennoch der nächste Annäherungsversuch, diesmal ein Berühren außen am Oberschenkel. Jetzt hatte die Frau endgültig genug und schrie ihn an. Ein Securitymann hatte das Geschehen vor der Bühne beobachtet und kam hinzu. K. verschwand in der Menge. Die Polizei war schnell da, die Täterbeschreibung war sehr gut und wenig später klickten die Handschellen. Verteidiger Paulo Dias stellte sein Plädoyer auf die Harmlosigkeit der Berührungen ab. Es sei kein Grapschen, sondern eher ein Streicheln gewesen. Damit sei es ein Fall von Geringfügigkeit.

Doch seinem Freispruch-Antrag folgte das Gericht nicht. Die Berührungen seien sexuell bestimmt gewesen und die Geschädigte haben sich belästigt gefühlt, sah es die Voraussetzungen des sogenannten Domplatten-Paragraphen erfüllt, wonach eine Geld- oder eine Haftstrafe bis zu zwei Jahren droht. Die Alkoholisierung sei kaum eine Entschuldigung, denn K. wisse ja, dass er dann schnell Verbotenes tue. Allerdings sei es ein minderschwerer Fall und deshalb gab es hierfür drei Monate Haft.

Zusammengezogen kamen zwölf Monate heraus. Die anderen eingestellten fünf Anklagen mit insgesamt zehn Vorwürfen wären als Einzeltaten Geldstrafen oder noch ein paar Wochen drauf „wert” gewesen. Und der „praktische” Nutzen? Geld hat K. nicht und mehr Haft löst sein Alkoholproblem nicht.

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Minden/Lübbecke34-Jähriger muss wegen mehrerer Straftaten unter Alkoholeinfluss zwölf Monate ins GefängnisHartmut NolteMinden/Lübbecke (hn). Sein Problem ist der Alkohol. Der brachte Mamadou K. jetzt erneut eine Gefängnisstrafe ein. Diesmal für ein Jahr. Und danach? Vor dem Schöffengericht Minden erschien der 34-jährige gebürtige Maliler in Handschellen und in Polizeibegleitung. Pünktlich und nüchtern, was er beim Termin vor einer Woche zuvor nicht war. Deswegen hatte das Gericht verfügt, ihn vor der Verhandlung in Gewahrsam zu nehmen (das MT berichtete). So früh, dass er verhandlungsfähig ist. Um 13.15 Uhr am Vortag hatten ihn die Beamten von seiner Unterkunft in Lübbecke abgeholt. Das Gericht verließ er zunächst als (noch) freier Mann. Sieben Anklagepunkte hatte die Staatsanwaltschaft gegen K. zusammengetragen. Am Ende der siebenstündigen Verhandlung blieben zwei übrig, schwer genug für eine längere Haftstrafe. Fünf leichtere wurden eingestellt. Dazu zählen unter anderem, eine Schwarzfahrt, ein nicht bezahltes Bier im Ratscafé in Minden, eine im Supermarkt in Lübbecke ausgetrunkene Bierdose, die Beleidigung einer jungen Frau und einer Rollstuhlfahrerin, das zweimalige Eindringen trotz Verbots in der Merkur-Arena, eine Taxi-Fahrt ohne Geld und die Jagd auf einen Mitbewohner. Und immer war Alkohol im Spiel. Auch bei den beiden Anklagen, die ihn jetzt doch hinter Gitter bringen. Zum einen eine räuberische Erpressung. Hört sich nach schwerer Kriminalität an und wird auch so geahndet – nämlich mit bis zu 15 Jahren Haft. In diesem Fall ging es um zehn Euro. Die wollte K. von einem 15-Jährigen haben, dem er Desperado-Bier in einem Tankshop an der Berliner Straße kaufen sollte. Doch auch K. bekam es nicht, denn er hatte Hausverbot. Er habe das Geld zunächst zurückgegeben, sei dann aber dem Jugendlichen gefolgt, habe ihn bedroht und die zehn Euro verlangt. Der Junge lief zurück zum Tankshop und rief die Polizei. Der Tankwart bestätigte die Aussage des jetzt 17-Jährigen. Die gegenteilige Version des Angeklagten klang kaum glaubhaft. Wegen der geringen Beute handelt es sich um einen minderschweren Fall – Strafrahmen ein halbes bis fünf Jahre. Beim zweiten, für das Gericht bewiesenen Vorwurf, ging es um sexuelle Belästigung. Ein Delikt, das seit der Silvesternacht in Köln strafrechtlich ein anderes Gewicht bekommen hat. „Nein heißt nein”, hat der Gesetzgeber in Paragraf 184 I StGB die Grenze schärfer gezogen. Der 34-Jährige hatte sich beim Bierbrunnenfest 2017 stark alkoholisiert drei Frauen aus Pr. Oldendorf genähert. Als er einer von ihnen durch die langen schwarzen Haare strich, verbat sie sich das laut und unmissverständlich. Wenig später dennoch der nächste Annäherungsversuch, diesmal ein Berühren außen am Oberschenkel. Jetzt hatte die Frau endgültig genug und schrie ihn an. Ein Securitymann hatte das Geschehen vor der Bühne beobachtet und kam hinzu. K. verschwand in der Menge. Die Polizei war schnell da, die Täterbeschreibung war sehr gut und wenig später klickten die Handschellen. Verteidiger Paulo Dias stellte sein Plädoyer auf die Harmlosigkeit der Berührungen ab. Es sei kein Grapschen, sondern eher ein Streicheln gewesen. Damit sei es ein Fall von Geringfügigkeit. Doch seinem Freispruch-Antrag folgte das Gericht nicht. Die Berührungen seien sexuell bestimmt gewesen und die Geschädigte haben sich belästigt gefühlt, sah es die Voraussetzungen des sogenannten Domplatten-Paragraphen erfüllt, wonach eine Geld- oder eine Haftstrafe bis zu zwei Jahren droht. Die Alkoholisierung sei kaum eine Entschuldigung, denn K. wisse ja, dass er dann schnell Verbotenes tue. Allerdings sei es ein minderschwerer Fall und deshalb gab es hierfür drei Monate Haft. Zusammengezogen kamen zwölf Monate heraus. Die anderen eingestellten fünf Anklagen mit insgesamt zehn Vorwürfen wären als Einzeltaten Geldstrafen oder noch ein paar Wochen drauf „wert” gewesen. Und der „praktische” Nutzen? Geld hat K. nicht und mehr Haft löst sein Alkoholproblem nicht.