Minden

In eigener Sache: Buchprojekt blickt hinter die Kulissen des „Ring in Minden“

Ursula Koch

NWD-Intendant Andreas Kuntze (links) und Orchestergeschäftsführer Christian Becker haben das Buch zum Mindener „Ring“ auf den Weg gebracht. MT- - © Foto: Ursula Koch
NWD-Intendant Andreas Kuntze (links) und Orchestergeschäftsführer Christian Becker haben das Buch zum Mindener „Ring“ auf den Weg gebracht. MT- (© Foto: Ursula Koch)

Minden (mt). Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ in Minden ist eines der Projekte, mit denen die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD) über sich selbst hinauswächst. Das tut das Orchester auch schon im „normalen“ Konzertleben: Mit 139 Auftritten im Jahr steht es auf Platz 2 der internationalen Bachtrack-Liste im Internet. Nur das englische Royal Philharmonic Orchestra spielt noch häufiger, allerdings auch mit mehr Personal. Damit liegt die NWD noch vor den berühmten Orchestern aus Chicago, Philadelphia oder New York.

Trotz dieser Beanspruchung hat das Orchester auch noch ein Buchprojekt über die wagnersche Opern-Tetralogie, die seit 2015 im Mindener Stadttheater aufgeführt wird, realisiert. Pünktlich zur zyklischen Aufführung im kommenden September liegt ein prächtiger Band vor, der dieses Großprojekt, an dem der hiesige WagnerVerband als treibende Kraft und das Stadttheater mit Mini-Mannschaft als Produktions- und Spielstätte beteiligt sind, in ausdrucksstarken Hochglanzbildern und in aufschlussreichen Texten darstellt. Kein Wunder, denn die Texte stammen aus erster Hand: Dirigent Frank Beermann, Regisseur Gerd Heinz, Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann, Videokünstler Matthias Lippert und der technische Leiter Michael Kohlhagen erzählen von ihrem Metier.

Dazu hat Doris Reckewell, Journalistin, Lyrikerin und Lebensgefährtin des Regisseurs, ein sehr persönliches und aufschlussreiches Interview mit Dr. Jutta Hering-Winckler, der Vorsitzenden des Wagner-Verbandes, geführt. Hering-Winckler hatte nicht nur die Idee, in einem Theater ohne eigenes Ensemble eine Wagner-Oper auf die Bühne zu bringen, sondern hat seit 2002 für alle Produktionen unermüdlich geworben, um die notwendigen finanziellen Mittel zu sammeln. Das Buch ist zugleich ein Dank an sie. Ihr 70. Geburtstag im vergangenen November hatte das Produktionsteam überhaupt erst auf die Idee zu dieser Dokumentation gebracht.

Zusammen mit Reckewell hat NWD-Geschäftsführer Christian Becker die 240 Seiten gestaltet, die bei J.C.C. Bruns gedruckt wurden. Die Fotos steuerten er selber, seine Frau Erika Becker, Frank Beermann, Regie-Assistentin Cesca Carnieer, Produktionsleiter Friedrich Luchterhandt und Dorothée Rapp bei. Die Autoren sind ausgewiesene Kenner ihres Fachs. Dirigent Frank Beermann ist seit Anfang an ein fester Bestandteil der Mindener Wagner-Produktionen. Der 53-Jährige hatte bereits 2002 die NWD durch den „Fliegenden Holländer“ geleitet. Er hatte die Idee, das Orchester nicht im viel zu engen Graben spielen zu lassen, sondern es auf der Bühne hinter den Sängern zu positionieren. Beermann, der lange Zeit Generalmusikdirektor in Chemnitz (2007-2016) war, ist damit der Urheber der inzwischen als „Mindener Modell“ etablierten Anordnung. Der Hagener hatte an der Hochschule für Musik in Detmold studiert und ist mit der NWD seit vielen Jahren verbunden.

Regisseur Gerd Heinz nannte sein Engagement für den „Ring“ in Minden eine „lebensverlängernde Maßnahme“, denn er feiert noch während der ersten Zyklus-Aufführung am 21. September seinen 79. Geburtstag. Heinz hat nicht nur mehrfach mit Beermann gearbeitet, sondern ist mit ihm auch befreundet. Er blickt auf eine lange Karriere als Schauspieler und Regisseur zurück, war nach Stationen in Aachen, Kiel, Essen, Hamburg und Bochum sieben Jahre lang Intendant des renommierten Schauspielhauses Zürich und bis 2008 Professor an der Freiburger Hochschule für Musik. Neben dem „Ring“ feierte er mit seiner Inszenierung des Dramas „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ bei den Salzburger Festspielen Erfolge.

Frank Philipp Schlößmann entwirft Bühnenbilder für die großen Theater in der ganzen Welt, von London über New York und Chicago bis Tokio und das Mariinsky-Theater in St. Petersburg. Der 55-Jährige gestaltet auch das Bühnenbild für Tankred Dorsts „Ring“ bei den Bayreuther Festspielen. Dort hat auch der Videokünstler Matthias Lippert mehrere Jahre als technischer Assistent gearbeitet. Michael Kohlhagen ist seit 1998 technischer Leiter im Stadttheater Minden.

Er setzt den „Ring“ ebenso wie alle vorangegangenen Mindener Eigenproduktionen ins richtige Licht und schafft immer wieder magische Stimmungen. Sie alle liefern eine spannende Lektüre aus erster Hand.

„Der Ring in Minden“, Herausgeber Nordwestdeutsche Philharmonie, Verlag JCC Bruns, 240 Seiten, 44,90 Euro, ISBN 978-3-00-060989-3

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MindenIn eigener Sache: Buchprojekt blickt hinter die Kulissen des „Ring in Minden“Ursula KochMinden (mt). Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ in Minden ist eines der Projekte, mit denen die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD) über sich selbst hinauswächst. Das tut das Orchester auch schon im „normalen“ Konzertleben: Mit 139 Auftritten im Jahr steht es auf Platz 2 der internationalen Bachtrack-Liste im Internet. Nur das englische Royal Philharmonic Orchestra spielt noch häufiger, allerdings auch mit mehr Personal. Damit liegt die NWD noch vor den berühmten Orchestern aus Chicago, Philadelphia oder New York. Trotz dieser Beanspruchung hat das Orchester auch noch ein Buchprojekt über die wagnersche Opern-Tetralogie, die seit 2015 im Mindener Stadttheater aufgeführt wird, realisiert. Pünktlich zur zyklischen Aufführung im kommenden September liegt ein prächtiger Band vor, der dieses Großprojekt, an dem der hiesige WagnerVerband als treibende Kraft und das Stadttheater mit Mini-Mannschaft als Produktions- und Spielstätte beteiligt sind, in ausdrucksstarken Hochglanzbildern und in aufschlussreichen Texten darstellt. Kein Wunder, denn die Texte stammen aus erster Hand: Dirigent Frank Beermann, Regisseur Gerd Heinz, Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann, Videokünstler Matthias Lippert und der technische Leiter Michael Kohlhagen erzählen von ihrem Metier. Dazu hat Doris Reckewell, Journalistin, Lyrikerin und Lebensgefährtin des Regisseurs, ein sehr persönliches und aufschlussreiches Interview mit Dr. Jutta Hering-Winckler, der Vorsitzenden des Wagner-Verbandes, geführt. Hering-Winckler hatte nicht nur die Idee, in einem Theater ohne eigenes Ensemble eine Wagner-Oper auf die Bühne zu bringen, sondern hat seit 2002 für alle Produktionen unermüdlich geworben, um die notwendigen finanziellen Mittel zu sammeln. Das Buch ist zugleich ein Dank an sie. Ihr 70. Geburtstag im vergangenen November hatte das Produktionsteam überhaupt erst auf die Idee zu dieser Dokumentation gebracht. Zusammen mit Reckewell hat NWD-Geschäftsführer Christian Becker die 240 Seiten gestaltet, die bei J.C.C. Bruns gedruckt wurden. Die Fotos steuerten er selber, seine Frau Erika Becker, Frank Beermann, Regie-Assistentin Cesca Carnieer, Produktionsleiter Friedrich Luchterhandt und Dorothée Rapp bei. Die Autoren sind ausgewiesene Kenner ihres Fachs. Dirigent Frank Beermann ist seit Anfang an ein fester Bestandteil der Mindener Wagner-Produktionen. Der 53-Jährige hatte bereits 2002 die NWD durch den „Fliegenden Holländer“ geleitet. Er hatte die Idee, das Orchester nicht im viel zu engen Graben spielen zu lassen, sondern es auf der Bühne hinter den Sängern zu positionieren. Beermann, der lange Zeit Generalmusikdirektor in Chemnitz (2007-2016) war, ist damit der Urheber der inzwischen als „Mindener Modell“ etablierten Anordnung. Der Hagener hatte an der Hochschule für Musik in Detmold studiert und ist mit der NWD seit vielen Jahren verbunden. Regisseur Gerd Heinz nannte sein Engagement für den „Ring“ in Minden eine „lebensverlängernde Maßnahme“, denn er feiert noch während der ersten Zyklus-Aufführung am 21. September seinen 79. Geburtstag. Heinz hat nicht nur mehrfach mit Beermann gearbeitet, sondern ist mit ihm auch befreundet. Er blickt auf eine lange Karriere als Schauspieler und Regisseur zurück, war nach Stationen in Aachen, Kiel, Essen, Hamburg und Bochum sieben Jahre lang Intendant des renommierten Schauspielhauses Zürich und bis 2008 Professor an der Freiburger Hochschule für Musik. Neben dem „Ring“ feierte er mit seiner Inszenierung des Dramas „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ bei den Salzburger Festspielen Erfolge. Frank Philipp Schlößmann entwirft Bühnenbilder für die großen Theater in der ganzen Welt, von London über New York und Chicago bis Tokio und das Mariinsky-Theater in St. Petersburg. Der 55-Jährige gestaltet auch das Bühnenbild für Tankred Dorsts „Ring“ bei den Bayreuther Festspielen. Dort hat auch der Videokünstler Matthias Lippert mehrere Jahre als technischer Assistent gearbeitet. Michael Kohlhagen ist seit 1998 technischer Leiter im Stadttheater Minden. Er setzt den „Ring“ ebenso wie alle vorangegangenen Mindener Eigenproduktionen ins richtige Licht und schafft immer wieder magische Stimmungen. Sie alle liefern eine spannende Lektüre aus erster Hand. „Der Ring in Minden“, Herausgeber Nordwestdeutsche Philharmonie, Verlag JCC Bruns, 240 Seiten, 44,90 Euro, ISBN 978-3-00-060989-3