Minden

Mietpreise in Minden ziehen an

Stefan Koch

In Minden ziehen die Mietpreise an. Foto: Dieter Assmann/dpa - © DB Dieter Assmann
In Minden ziehen die Mietpreise an. Foto: Dieter Assmann/dpa (© DB Dieter Assmann)

Minden (mt). In Minden ist es offenbar schwieriger geworden, bezahlbaren Wohnraum zu finden. „Leider bekommt man als alleinstehender Wohnungssucher mit normalem Einkommen keine guten Angebote", klagt ein Lkw-Fahrer. Bis vor drei Jahren lebte er als Single in einer sozial geförderten 85-Quadratmeter-Wohnung der Wohnhaus Minden GmbH an der Weserstraße. Dann zog er wegen einer Beziehung in eine größere Wohnung.

Als er nach der Trennung erneut bei der Wohnhaus einziehen wollte, musste er feststellen, dass das nicht mehr so einfach ging. Für einen Wohnungsberechtigungsschein für öffentlich geförderten Sozialen Wohnungsbau – davon hat die Wohnhaus zehn Prozent im Bestand – war sein Einkommen zu hoch. Für die reguläre Wohnhaus-Miete reichte aber sein Geld trotzdem nicht.

Der Lkw-Fahrer: „Die Wohnhaus betreibt mittlerweile eine Vermieterpraxis, wo Wohnungen auf den ersten Blick günstig aussehen. Aber hinterher erfährt man bei der Wohnungsbesichtigung, dass die Verträge mit dreimal gestaffelten Mieterhöhungen in den Folgejahren ausgestattet sind oder dass Kellerräume extra berechnet werden." So ließe sich die Mietpreisbremse umgehen.

Eine Mietpreisbremse gibt es allerdings in Minden nicht. Dieses Mitte 2015 eingeführte Gesetz zur „Dämpfung des Mietanstiegs auf angespannten Wohnungsmärkten" erlaubt den Bundesländern, in besonders belasteten Regionen die Miete zu deckeln. Bei neuen Verträgen darf in solchen Fällen die Kaltmiete nicht mehr als zehn Prozent dessen überschreiten, was der Mietspiegel vorgibt. Und dies gilt auch für die Staffelmieten. Die nächstgelegene Stadt mit dieser Regelung ist Bielefeld, als eine von insgesamt 22 Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Weitere Städte sind Köln, Düsseldorf, Bonn oder Münster.

So wie in anderen Kommunen auch gibt es in Minden für einkommensschwache Haushalte Wohngeld als Zuschuss zur Miete. Betroffene können bei der Stadt den Zuschuss beantragen. Im vergangenen Jahr geschah das 1.673 Mal. In den Vorjahren verzeichnete die Stadt Wohngeldanträge in ähnlicher Größenordnung, wobei 2016 mit 1.883 Fällen die größte Nachfrage entstanden war.

Dem gegenüber stehen allerdings steigende Wohnkosten. „Wir haben hier schon die Situation, dass wir uns über steigende Mieten Gedanken machen müssen", sagt Thorsten Bornemann, Vorsitzender des Mindener Mietervereins. Als wesentliche Ursache für den Preisauftrieb sieht er die großen Gesellschaften auf dem heimischen Wohnungsmarkt wie die LEG Immobilien AG und die Wohnhaus Minden GmbH. Beide Unternehmen entstanden aus dem gemeinnützigen Wohnungsbau und wurden im vergangenen Jahrzehnt privatisiert. Als börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf hat die LEG rund 130.000 Mietwohnungen in Deutschland. Die Wohnhaus hat 3.000 Wohnungen in Minden und gehört einer Investorengruppe in Berlin.

„Anhand der Wohnungsangebote sehe ich, dass die Wohnhaus die Mieten in einer Weise nach oben treibt, die mit dem aktuellen Mietspiegel der Stadt Minden nicht mehr vereinbar sind", meint Bornemann. In der Weserstraße beispielsweise sei laut Mietspiegel für die Immobilien aus den 90er Jahren ein Quadratmeterpreis von 6,47 Euro angemessen. „Die Wohnhaus verlangt hier weit mehr als das Doppelte." Unter anderem begründet das Unternehmen dies mit einem sogenannten „Promenadenzuschlag" – Posten dieser Art sehe ein qualifizierter Mietspiegel aber gar vor.

Bornemann sieht aber auch in Bärenkämpen die Preisschraube im Aufwärtstrend. Es gebe dort zwar viele kernsanierte Wohnungen der Wohnhaus. Dafür liege das Angebot oft mit mehr als elf Euro für den Quadratmeter weit über dem Mietspiegel.

Im kommenden Jahr wird die Stadt Minden den Mietspiegel bis 2020 fortschreiben. Dann sei damit zu rechnen, dass dieser allgemeine Maßstab zur Orientierung am ortsüblichen Mietpreis noch höher liege, befürchtet Bornemann. Denn der Preis bei Neuvermietungen und Mieterhöhungen spiele die entscheidende Rolle bei der Aufstellung des Verzeichnisses. Beispiele verdeckter Mieterhöhungen kennt Bornemann auch aus seiner täglichen Beratungspraxis beim Mieterverein. „Wohnungen werden getrennt vom Keller vermietet, der im ersten Jahr zwar nur mit zehn Euro Mehrkosten zu Buche schlägt", so der Anwalt, dafür komme es dann zu einer jährlichen Verdoppelung der Kellermiete. „Das sind dann in zehn Jahren schon 100 Euro mehr." Zudem verlange die Wohnhaus eine zusätzliche Einmalzahlung beispielsweise für die Ausstellung einer Bescheinigung zur Haltung von Hunden und Katzen in Höhe von 50 Euro. Ein einheitliches Klingelschild koste 35 Euro. „Wir beobachten weiterhin die deutliche Tendenz, dass bei Beendigung eines Mietverhältnisses die Mietkaution nicht ohne weiteres erstattet wird."

Auch der Ton soll auf dem Immobilienmarkt ruppiger geworden sein. „In Minden ist festzustellen, dass die Gesellschaften ihre Mieter nicht wertschätzen", sagt Bornemann. In seiner Beratungspraxis gebe es massive Beschwerden über unfreundliche Behandlung, sei es in der Geschäftsstelle oder am Telefon.

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MindenMietpreise in Minden ziehen anStefan KochMinden (mt). In Minden ist es offenbar schwieriger geworden, bezahlbaren Wohnraum zu finden. „Leider bekommt man als alleinstehender Wohnungssucher mit normalem Einkommen keine guten Angebote", klagt ein Lkw-Fahrer. Bis vor drei Jahren lebte er als Single in einer sozial geförderten 85-Quadratmeter-Wohnung der Wohnhaus Minden GmbH an der Weserstraße. Dann zog er wegen einer Beziehung in eine größere Wohnung. Als er nach der Trennung erneut bei der Wohnhaus einziehen wollte, musste er feststellen, dass das nicht mehr so einfach ging. Für einen Wohnungsberechtigungsschein für öffentlich geförderten Sozialen Wohnungsbau – davon hat die Wohnhaus zehn Prozent im Bestand – war sein Einkommen zu hoch. Für die reguläre Wohnhaus-Miete reichte aber sein Geld trotzdem nicht. Der Lkw-Fahrer: „Die Wohnhaus betreibt mittlerweile eine Vermieterpraxis, wo Wohnungen auf den ersten Blick günstig aussehen. Aber hinterher erfährt man bei der Wohnungsbesichtigung, dass die Verträge mit dreimal gestaffelten Mieterhöhungen in den Folgejahren ausgestattet sind oder dass Kellerräume extra berechnet werden." So ließe sich die Mietpreisbremse umgehen. Eine Mietpreisbremse gibt es allerdings in Minden nicht. Dieses Mitte 2015 eingeführte Gesetz zur „Dämpfung des Mietanstiegs auf angespannten Wohnungsmärkten" erlaubt den Bundesländern, in besonders belasteten Regionen die Miete zu deckeln. Bei neuen Verträgen darf in solchen Fällen die Kaltmiete nicht mehr als zehn Prozent dessen überschreiten, was der Mietspiegel vorgibt. Und dies gilt auch für die Staffelmieten. Die nächstgelegene Stadt mit dieser Regelung ist Bielefeld, als eine von insgesamt 22 Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Weitere Städte sind Köln, Düsseldorf, Bonn oder Münster. So wie in anderen Kommunen auch gibt es in Minden für einkommensschwache Haushalte Wohngeld als Zuschuss zur Miete. Betroffene können bei der Stadt den Zuschuss beantragen. Im vergangenen Jahr geschah das 1.673 Mal. In den Vorjahren verzeichnete die Stadt Wohngeldanträge in ähnlicher Größenordnung, wobei 2016 mit 1.883 Fällen die größte Nachfrage entstanden war. Dem gegenüber stehen allerdings steigende Wohnkosten. „Wir haben hier schon die Situation, dass wir uns über steigende Mieten Gedanken machen müssen", sagt Thorsten Bornemann, Vorsitzender des Mindener Mietervereins. Als wesentliche Ursache für den Preisauftrieb sieht er die großen Gesellschaften auf dem heimischen Wohnungsmarkt wie die LEG Immobilien AG und die Wohnhaus Minden GmbH. Beide Unternehmen entstanden aus dem gemeinnützigen Wohnungsbau und wurden im vergangenen Jahrzehnt privatisiert. Als börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf hat die LEG rund 130.000 Mietwohnungen in Deutschland. Die Wohnhaus hat 3.000 Wohnungen in Minden und gehört einer Investorengruppe in Berlin. „Anhand der Wohnungsangebote sehe ich, dass die Wohnhaus die Mieten in einer Weise nach oben treibt, die mit dem aktuellen Mietspiegel der Stadt Minden nicht mehr vereinbar sind", meint Bornemann. In der Weserstraße beispielsweise sei laut Mietspiegel für die Immobilien aus den 90er Jahren ein Quadratmeterpreis von 6,47 Euro angemessen. „Die Wohnhaus verlangt hier weit mehr als das Doppelte." Unter anderem begründet das Unternehmen dies mit einem sogenannten „Promenadenzuschlag" – Posten dieser Art sehe ein qualifizierter Mietspiegel aber gar vor. Bornemann sieht aber auch in Bärenkämpen die Preisschraube im Aufwärtstrend. Es gebe dort zwar viele kernsanierte Wohnungen der Wohnhaus. Dafür liege das Angebot oft mit mehr als elf Euro für den Quadratmeter weit über dem Mietspiegel. Im kommenden Jahr wird die Stadt Minden den Mietspiegel bis 2020 fortschreiben. Dann sei damit zu rechnen, dass dieser allgemeine Maßstab zur Orientierung am ortsüblichen Mietpreis noch höher liege, befürchtet Bornemann. Denn der Preis bei Neuvermietungen und Mieterhöhungen spiele die entscheidende Rolle bei der Aufstellung des Verzeichnisses. Beispiele verdeckter Mieterhöhungen kennt Bornemann auch aus seiner täglichen Beratungspraxis beim Mieterverein. „Wohnungen werden getrennt vom Keller vermietet, der im ersten Jahr zwar nur mit zehn Euro Mehrkosten zu Buche schlägt", so der Anwalt, dafür komme es dann zu einer jährlichen Verdoppelung der Kellermiete. „Das sind dann in zehn Jahren schon 100 Euro mehr." Zudem verlange die Wohnhaus eine zusätzliche Einmalzahlung beispielsweise für die Ausstellung einer Bescheinigung zur Haltung von Hunden und Katzen in Höhe von 50 Euro. Ein einheitliches Klingelschild koste 35 Euro. „Wir beobachten weiterhin die deutliche Tendenz, dass bei Beendigung eines Mietverhältnisses die Mietkaution nicht ohne weiteres erstattet wird." Auch der Ton soll auf dem Immobilienmarkt ruppiger geworden sein. „In Minden ist festzustellen, dass die Gesellschaften ihre Mieter nicht wertschätzen", sagt Bornemann. In seiner Beratungspraxis gebe es massive Beschwerden über unfreundliche Behandlung, sei es in der Geschäftsstelle oder am Telefon.