Minden

Da ist der Wurm drin: Bei Netto gibt es jetzt Insekten-Pasta

Patrick Schwemling und Ilja Regier

Netto bietet die außergewöhnliche Pasta in dieser Woche an. MT- - © Foto: Katja Hormann
Netto bietet die außergewöhnliche Pasta in dieser Woche an. MT- (© Foto: Katja Hormann)

Minden (mt). Mäuseschwänze, Kamelhirne und Schweinepenisse verspeisen Z-Promis derzeit in der RTL-Sendung „Dschungelcamp". Tapfer kämpfen sie gegen ihre Würgereflexe an. Auch in Minden werden in dieser Woche exklusive Gerichte angepriesen, die für Ekel sorgen könnten. Zwischen Pizza und Gemüse bietet der Discounter Netto passend zum Spektakel im „Dschungel" Tiefkühl-Insekten-Pasta in vier Sorten und bewirbt das Produkt als „Nahrungsmittel der Zukunft".

Patrick Schwemling hat die Mutprobe bestanden. Für den MT-Volontär gab es die Pasta zum Mittag. Netto bietet das Produkt in dieser Woche an. MT- - © Foto: Ilja Regier
Patrick Schwemling hat die Mutprobe bestanden. Für den MT-Volontär gab es die Pasta zum Mittag. Netto bietet das Produkt in dieser Woche an. MT- (© Foto: Ilja Regier)

Für 2,99 Euro erhalten Kunden ein Gericht, das aus zehn Prozent Insektenmehl besteht. Die Mehlwürmer stammen aus einem Betrieb in Frankreich, teilt Netto mit. „Bei der Aufzucht wird ausschließlich biozertifiziertes, pflanzliches Futter und keinerlei Antibiotika, Hormone, Pestizide und andere Chemikalien verwendet", erklärt Christina Stylianou von der Unternehmenskommunikation. Nach einem Lebenszyklus von drei bis vier Wochen werden die Mehlwürmer gefroren, blanchiert, gefriergetrocknet und zum Nudelmehl weiterverarbeitet – bis sie dann im Supermarkt landen.

Seit Anfang 2018 sind Insekten als Lebensmittel in der EU zugelassen. Experten sehen in ihnen tatsächlich einen Lichtblick für die Zukunft, weil sie reichlich Proteine besitzen – Insekten enthalten wie Fisch Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Die Insektenzucht soll außerdem die Umwelt schonen und die Treibhausgase minimieren, heißt es in Studien.

Die Mindener Diätassistentin Doris Borgmann bestätigt diesen Trend: „Spätestens 2030 werden wir auf Insekten zurückgreifen müssen, weil wir sonst keine Eiweiße auf der Erde produzieren können." Borgmann weiß, dass die Bevölkerung noch nicht für Käfer oder Würmer auf dem Teller bereit ist. „Das passt nicht in unser Schema." Bedenken hat sie, wenn künftig nicht klar deklariert werde, ob Insekten in Lebensmitteln enthalten sind. „Dann könnte einfach 'tierische Proteine' auf der Verpackung stehen", meint sie und wittert Betrug.

Nicht nur Netto bietet bis Samstag Speisen aus Insekten an. Auf Amazon finden sich alternative Angebote, Rewe verkauft einen Insektenburger und die Drogeriemarktkette DM setzt ebenfalls auf Insektennudeln. Sogar Ikea experimentiert gerade an Insekten-Köttbullar.

Wie häufig wird die Insekten-Pasta überhaupt verkauft? Dazu schweigt Netto. Unklar ist auch, ob demnächst weitere Mehlwurmprodukte im Sortiment landen. Übrigens macht Netto nicht zum ersten Mal mit ungewöhnlichen Produkten auf sich aufmerksam. Erst im Dezember gab es dort Zebrasteak, was für Kritik sorgte (das MT berichtete). Immerhin sind die Insekten schneller zubereitet als das Zebra. Acht Minuten benötigen Nettos Insekten-Nudeln in der Mikrowelle, bis sie serviert werden können. Ob sie schmecken? Das hat MT-Volontär Patrick Schwemling getestet.

„Dschungelprüfung light" – so schmeckt die Insekten-Pasta:

Als mein Kollege Ilja Regier mich fragt, ob ich die Insekten-Pasta probieren möchte, schießen mir sofort Bilder von Kakerlaken und allerlei anderen Insekten in den Kopf. Meine erste Reaktion ist eindeutig: Nein, das mache ich nicht. Niemals.

Dann komme ich jedoch ins Grübeln, will nicht der Spielverderber sein. Meine Recherche ergibt, dass mich in dem Fertiggericht keine Kakerlaken und auch sonst keine krabbelnden Tierchen erwarten. Lediglich Nudeln aus zehn Prozent Mehlwurmmehl seien in der 400 Gramm schweren Packung.

Also willige ich ein, keine 30 Minuten später steht das Gericht in der Geschmacksrichtung „Red Thai Curry" auf meinem Platz. Je näher die Mittagspause rückt, desto nervöser werde ich. Warum tue ich mir das überhaupt an? Einen Ausweg gibt es jetzt nicht mehr.

Bereits beim Aufwärmen des Gerichts in der Mikrowelle steigt ein intensiver Geruch in meine Nase, den Appetit steigert das keinesfalls. Nach acht langen Minuten ist das Essen fertig. Schön sieht es nicht aus. Allerdings auch nicht anders als herkömmliche Fertiggerichte.

Vor dem ersten Bissen habe ich einen Kloß im Hals, ein flaues Gefühl im Magen. Es kostet mich Überwindung, doch spätestens nach dem dritten Biss ist mir klar: Das Zeug sieht nicht nur aus wie ganz normale Fertiggerichte, es schmeckt auch so. Es ist ziemlich scharf, alles andere als ein Gaumenschmaus und das Schlimmste: Es fühlt sich nicht einmal besonders an – vielmehr wie eine „Dschungelprüfung light". (ps)

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MindenDa ist der Wurm drin: Bei Netto gibt es jetzt Insekten-PastaIlja Regier,Patrick SchwemlingMinden (mt). Mäuseschwänze, Kamelhirne und Schweinepenisse verspeisen Z-Promis derzeit in der RTL-Sendung „Dschungelcamp". Tapfer kämpfen sie gegen ihre Würgereflexe an. Auch in Minden werden in dieser Woche exklusive Gerichte angepriesen, die für Ekel sorgen könnten. Zwischen Pizza und Gemüse bietet der Discounter Netto passend zum Spektakel im „Dschungel" Tiefkühl-Insekten-Pasta in vier Sorten und bewirbt das Produkt als „Nahrungsmittel der Zukunft". Für 2,99 Euro erhalten Kunden ein Gericht, das aus zehn Prozent Insektenmehl besteht. Die Mehlwürmer stammen aus einem Betrieb in Frankreich, teilt Netto mit. „Bei der Aufzucht wird ausschließlich biozertifiziertes, pflanzliches Futter und keinerlei Antibiotika, Hormone, Pestizide und andere Chemikalien verwendet", erklärt Christina Stylianou von der Unternehmenskommunikation. Nach einem Lebenszyklus von drei bis vier Wochen werden die Mehlwürmer gefroren, blanchiert, gefriergetrocknet und zum Nudelmehl weiterverarbeitet – bis sie dann im Supermarkt landen. Seit Anfang 2018 sind Insekten als Lebensmittel in der EU zugelassen. Experten sehen in ihnen tatsächlich einen Lichtblick für die Zukunft, weil sie reichlich Proteine besitzen – Insekten enthalten wie Fisch Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Die Insektenzucht soll außerdem die Umwelt schonen und die Treibhausgase minimieren, heißt es in Studien. Die Mindener Diätassistentin Doris Borgmann bestätigt diesen Trend: „Spätestens 2030 werden wir auf Insekten zurückgreifen müssen, weil wir sonst keine Eiweiße auf der Erde produzieren können." Borgmann weiß, dass die Bevölkerung noch nicht für Käfer oder Würmer auf dem Teller bereit ist. „Das passt nicht in unser Schema." Bedenken hat sie, wenn künftig nicht klar deklariert werde, ob Insekten in Lebensmitteln enthalten sind. „Dann könnte einfach 'tierische Proteine' auf der Verpackung stehen", meint sie und wittert Betrug. Nicht nur Netto bietet bis Samstag Speisen aus Insekten an. Auf Amazon finden sich alternative Angebote, Rewe verkauft einen Insektenburger und die Drogeriemarktkette DM setzt ebenfalls auf Insektennudeln. Sogar Ikea experimentiert gerade an Insekten-Köttbullar. Wie häufig wird die Insekten-Pasta überhaupt verkauft? Dazu schweigt Netto. Unklar ist auch, ob demnächst weitere Mehlwurmprodukte im Sortiment landen. Übrigens macht Netto nicht zum ersten Mal mit ungewöhnlichen Produkten auf sich aufmerksam. Erst im Dezember gab es dort Zebrasteak, was für Kritik sorgte (das MT berichtete). Immerhin sind die Insekten schneller zubereitet als das Zebra. Acht Minuten benötigen Nettos Insekten-Nudeln in der Mikrowelle, bis sie serviert werden können. Ob sie schmecken? Das hat MT-Volontär Patrick Schwemling getestet.„Dschungelprüfung light" – so schmeckt die Insekten-Pasta: Als mein Kollege Ilja Regier mich fragt, ob ich die Insekten-Pasta probieren möchte, schießen mir sofort Bilder von Kakerlaken und allerlei anderen Insekten in den Kopf. Meine erste Reaktion ist eindeutig: Nein, das mache ich nicht. Niemals. Dann komme ich jedoch ins Grübeln, will nicht der Spielverderber sein. Meine Recherche ergibt, dass mich in dem Fertiggericht keine Kakerlaken und auch sonst keine krabbelnden Tierchen erwarten. Lediglich Nudeln aus zehn Prozent Mehlwurmmehl seien in der 400 Gramm schweren Packung. Also willige ich ein, keine 30 Minuten später steht das Gericht in der Geschmacksrichtung „Red Thai Curry" auf meinem Platz. Je näher die Mittagspause rückt, desto nervöser werde ich. Warum tue ich mir das überhaupt an? Einen Ausweg gibt es jetzt nicht mehr. Bereits beim Aufwärmen des Gerichts in der Mikrowelle steigt ein intensiver Geruch in meine Nase, den Appetit steigert das keinesfalls. Nach acht langen Minuten ist das Essen fertig. Schön sieht es nicht aus. Allerdings auch nicht anders als herkömmliche Fertiggerichte. Vor dem ersten Bissen habe ich einen Kloß im Hals, ein flaues Gefühl im Magen. Es kostet mich Überwindung, doch spätestens nach dem dritten Biss ist mir klar: Das Zeug sieht nicht nur aus wie ganz normale Fertiggerichte, es schmeckt auch so. Es ist ziemlich scharf, alles andere als ein Gaumenschmaus und das Schlimmste: Es fühlt sich nicht einmal besonders an – vielmehr wie eine „Dschungelprüfung light". (ps)