Minden

Unverpackt-Laden in Minden geplant

Michael Grundmeier

Das Buffet beim Familienbrunch im Hansehaus. Foto: Michael Grundmeier - © Picasa
Das Buffet beim Familienbrunch im Hansehaus. Foto: Michael Grundmeier (© Picasa)

Minden (mig). Bad Oeynhausen hat einen – Bielefeld auch: Jetzt soll auch Minden einen so genannten Unverpacktladen bekommen. „Wir möchten bis zum 1. März einen Raum anmieten“, sagt Katharina Walckhoff bei einem Treffen der „Projektgruppe Gemeinwohl-Ökonomie“ und der „BUND“-Kreisgruppe.

Das Buffet bei dem Treffen ist beides: essbar und ein Statement. Es gibt leckeren Schafskäse und Wurst, eingelegte Oliven, Möhren, ein Dessert. „Lecker“, finden die Teilnehmer, die an diesem Morgen ins Hansehaus gekommen sind. Alles so schön bunt hier. Und die Botschaft? Die ist auch ohne viele Worte angekommen. Verpackungen sind unnütz und schaffen lediglich zusätzlichen Müll. „Warum muss eine Banane mit Plastik eingepackt werden?“, fragt ein Gast kopfschüttelnd. Die meisten Obstsorten hätten schließlich eine Schale und seien dadurch vor allen Umwelteinflüssen geschützt. „Dass da noch eine Verpackung draufgesetzt wird, macht überhaupt keinen Sinn“.

In einem Unverpacktladen gibt es auch Süßigkeiten lose zu kaufen. Kunden bringen Gläser, Dosen oder Beutel von zu Hause zum Verpacken mit. Foto: Helen Ahmad/dpa - © Helen Ahmad
In einem Unverpacktladen gibt es auch Süßigkeiten lose zu kaufen. Kunden bringen Gläser, Dosen oder Beutel von zu Hause zum Verpacken mit. Foto: Helen Ahmad/dpa (© Helen Ahmad)

Wirkliche Alternativen gibt es bisher nur selten. Wer einen echten Unverpacktladen sucht, muss immer noch weit fahren. Zu finden sind derartige Läden meist nur in Groß- oder Mittel-Städten. Und – geht es nach dem Willen der „Projektgruppe Gemeinwohl-Ökonomie“ und der „BUND“-Kreisgruppe – bald auch in Minden. „Nicht maulen, sondern handeln“ sei das Ziel, sagt Katharina Walckhoff. Die Menschen müssten Nützlinge werden, „dann gibt es auch nicht zu viele“. Was die Gemeinwohl-Ökonomie ausmacht? Lutz Dudek erklärt das am sogenannten „Donut-Prinzip“: „Der äußere Rand des Donuts steht für die Grenzen des Planeten, der innere Kreis heißt, dass niemand unter ein bestimmtes Maß an Versorgtheit kommt“. Es gehe um „gärtnerisches Denken“, so Dudek zusammenfassend.

Die Idee, einen Unverpacktladen zu gründen, geht auf die Mindener Nachhaltigkeitswochen zurück. Seit dem damaligen Workshop „habe ich viel Begeisterung erlebt“, sagt Katharina Walckhoff. Das habe allen Mut gemacht, diese Vision zu entwickeln und in die Tat umzusetzen.

Der Fahrplan für die kommenden Monate sieht zunächst die Gründung eines Vereins oder einer Genossenschaft vor, außerdem müssen möglichst viele Unterstützer für die Idee gewonnen werden. „Dann könnten wir einen Laden in der Obermarktstraße mieten“, erklärt Walckhoff das Prinzip. In einem ersten Schritt soll das Ladenlokal als Treffpunkt oder Teestube dienen, in einem zweiten Schritt will die Initiative Verbraucher und Erzeuger zusammenbringen. Der Unverpacktladen soll dann später – in einem dritten Schritt – entstehen.

Jetzt gelte es erst einmal anzufangen und das Thema in die Breite zu bringen, sagt Walckhoff. Den Laden sehen die Initiatoren als Anlaufstelle, Info- und Kompetenzzentrum.

Weitere Stichworte sind: Open-Source, Foodsharing, Treffpunkt, Teestube, Abholstation für Milch oder Brot. „In dem Laden hätten wir einen Ort, in dem auch Kurse angeboten werden können und in dem man die Vorbereitung für den im nächsten April stattfindenden Bürgerkonvent machen kann“, so Walckhoff. Wobei: „Der Unverpacktladen ist nur ein Baustein in unserem Konzept. Uns geht es vor allem um das Thema 'Minden unverpackt'“.

Lesen Sie dazu auch: Kommentar zum Thema Unverpackt-Laden: Endlich Hüllenlos?

In vielen größeren Städten gibt es mittlerweile Läden, in denen Lebensmittel nicht verpackt sind, sondern abgefüllt werden können. Wenn man den Laden nicht erst über eine weite Strecke mit dem Auto anfahren müsse, sei das eine gute Alternative zum Supermarkt, sagen Experten.

In der Region gibt es Unverpackt-läden in Bad Oeynhausen (Bio-Provinz, Herforder Straße 28 in Bad Oeynhausen) und in Bielefeld (Losgelöst, Weststraße 54 in Bielefeld).

Entweder bringt der Kunde seine eigenen Beutel, Becher oder Schüsseln mit oder die Waren werden im Mehrwegbehältnissen angeboten.

Verpackungen machen mit einem guten Drittel (35,2 Prozent) nach UBA-Berechnungen heute den Löwenanteil der deutschen Verarbeitungsmenge von Kunststoffen aus. Das ist kein Wunder, denn mit dem Boom von Online-Versand, dem Trend zur To-Go-Gastronomie sowie Fertiggerichten wächst der Anteil von Verpackungsmaterial stetig und damit auch der Müllberg.

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MindenUnverpackt-Laden in Minden geplantMichael GrundmeierMinden (mig). Bad Oeynhausen hat einen – Bielefeld auch: Jetzt soll auch Minden einen so genannten Unverpacktladen bekommen. „Wir möchten bis zum 1. März einen Raum anmieten“, sagt Katharina Walckhoff bei einem Treffen der „Projektgruppe Gemeinwohl-Ökonomie“ und der „BUND“-Kreisgruppe. Das Buffet bei dem Treffen ist beides: essbar und ein Statement. Es gibt leckeren Schafskäse und Wurst, eingelegte Oliven, Möhren, ein Dessert. „Lecker“, finden die Teilnehmer, die an diesem Morgen ins Hansehaus gekommen sind. Alles so schön bunt hier. Und die Botschaft? Die ist auch ohne viele Worte angekommen. Verpackungen sind unnütz und schaffen lediglich zusätzlichen Müll. „Warum muss eine Banane mit Plastik eingepackt werden?“, fragt ein Gast kopfschüttelnd. Die meisten Obstsorten hätten schließlich eine Schale und seien dadurch vor allen Umwelteinflüssen geschützt. „Dass da noch eine Verpackung draufgesetzt wird, macht überhaupt keinen Sinn“. Wirkliche Alternativen gibt es bisher nur selten. Wer einen echten Unverpacktladen sucht, muss immer noch weit fahren. Zu finden sind derartige Läden meist nur in Groß- oder Mittel-Städten. Und – geht es nach dem Willen der „Projektgruppe Gemeinwohl-Ökonomie“ und der „BUND“-Kreisgruppe – bald auch in Minden. „Nicht maulen, sondern handeln“ sei das Ziel, sagt Katharina Walckhoff. Die Menschen müssten Nützlinge werden, „dann gibt es auch nicht zu viele“. Was die Gemeinwohl-Ökonomie ausmacht? Lutz Dudek erklärt das am sogenannten „Donut-Prinzip“: „Der äußere Rand des Donuts steht für die Grenzen des Planeten, der innere Kreis heißt, dass niemand unter ein bestimmtes Maß an Versorgtheit kommt“. Es gehe um „gärtnerisches Denken“, so Dudek zusammenfassend. Die Idee, einen Unverpacktladen zu gründen, geht auf die Mindener Nachhaltigkeitswochen zurück. Seit dem damaligen Workshop „habe ich viel Begeisterung erlebt“, sagt Katharina Walckhoff. Das habe allen Mut gemacht, diese Vision zu entwickeln und in die Tat umzusetzen. Der Fahrplan für die kommenden Monate sieht zunächst die Gründung eines Vereins oder einer Genossenschaft vor, außerdem müssen möglichst viele Unterstützer für die Idee gewonnen werden. „Dann könnten wir einen Laden in der Obermarktstraße mieten“, erklärt Walckhoff das Prinzip. In einem ersten Schritt soll das Ladenlokal als Treffpunkt oder Teestube dienen, in einem zweiten Schritt will die Initiative Verbraucher und Erzeuger zusammenbringen. Der Unverpacktladen soll dann später – in einem dritten Schritt – entstehen. Jetzt gelte es erst einmal anzufangen und das Thema in die Breite zu bringen, sagt Walckhoff. Den Laden sehen die Initiatoren als Anlaufstelle, Info- und Kompetenzzentrum. Weitere Stichworte sind: Open-Source, Foodsharing, Treffpunkt, Teestube, Abholstation für Milch oder Brot. „In dem Laden hätten wir einen Ort, in dem auch Kurse angeboten werden können und in dem man die Vorbereitung für den im nächsten April stattfindenden Bürgerkonvent machen kann“, so Walckhoff. Wobei: „Der Unverpacktladen ist nur ein Baustein in unserem Konzept. Uns geht es vor allem um das Thema 'Minden unverpackt'“. Lesen Sie dazu auch: Kommentar zum Thema Unverpackt-Laden: Endlich Hüllenlos? In vielen größeren Städten gibt es mittlerweile Läden, in denen Lebensmittel nicht verpackt sind, sondern abgefüllt werden können. Wenn man den Laden nicht erst über eine weite Strecke mit dem Auto anfahren müsse, sei das eine gute Alternative zum Supermarkt, sagen Experten. In der Region gibt es Unverpackt-läden in Bad Oeynhausen (Bio-Provinz, Herforder Straße 28 in Bad Oeynhausen) und in Bielefeld (Losgelöst, Weststraße 54 in Bielefeld). Entweder bringt der Kunde seine eigenen Beutel, Becher oder Schüsseln mit oder die Waren werden im Mehrwegbehältnissen angeboten. Verpackungen machen mit einem guten Drittel (35,2 Prozent) nach UBA-Berechnungen heute den Löwenanteil der deutschen Verarbeitungsmenge von Kunststoffen aus. Das ist kein Wunder, denn mit dem Boom von Online-Versand, dem Trend zur To-Go-Gastronomie sowie Fertiggerichten wächst der Anteil von Verpackungsmaterial stetig und damit auch der Müllberg.