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Update: Mindener Bar Soho will keine AfD-Wähler mehr reinlassen - Das sagt der Inhaber

Matthias Bungeroth und Nadine Schwan

Screenshot: MT
Screenshot: MT

Minden (nw/mt). Von wegen geruhsame Weihnachten: Das dachte sich offenbar Patrick Zander, Inhaber der Bar „Soho". Bevor das Lokal seinen gastronomischen Betrieb vor den Weihnachtstagen dichtmachte, schrieben die Mitarbeiter ein paar Zeilen auf eine Tafel – mit Folgen. Das Foto davon, das Zander am Morgen des 24. Dezembers auf der Facebookseite der Bar postete, macht derzeit im Internet die Runde und sorgt für rege Diskussionen. Der Text um den es geht, lautet: „Wenn Sie AfD wählen, trinken Sie Ihr Bier bitte woanders. Fühlen Sie sich diskriminiert? Dann wissen Sie endlich mal, wie das ist. Frohe Weihnachten!"

Der Beitrag mit dem Foto wurde inzwischen mehr als 2.000 Mal auf Facebook geteilt und mehr als 7.000 Mal kommentiert - teils mit Humor, teilt kritisch, teils zustimmend und teilt auch böse. Auch der Bielefelder Comiczeichner Ralf Ruthe meldete sich zu Wort. Er schrieb: "Höflich und mit Haltung - Alles richtig gemacht, liebes Soho Minden. Allen, die das lesen, ein schönes Weihnachtsfest."

Das sieht der Nutzer Mark ganz anders. Er sieht in der Aussage der Tafel einen klaren Verstoß gegen das im Grundgesetz verankerte Verbot von Ungleichbehandlung aufgrund von Glauben oder politischer Anschauung und postet: "Bei euch war ich das letzte Mal."

Der politischen Weihnachtspost ist übrigens nicht der Erste, der auf Facebook vom Soho für Aufsehen sorgt. Erst Ende September äußerte sich Inhaber Patrick Zander öffentlich auf der Plattform und warf der Mindener Werbegemeinschaft Lobbyarbeit vor. Auslöser war ein mobiler Burgerwagen, der vor seinem Lokal abgestellt wurde (wir berichteten).

Kurz nachdem der Bericht auf MT.de online ist, meldet sich Zander beim MT. Laut der Statistik-Anzeige für Facebook-Seitenbetreiber, hat sein Post inzwischen rund 348.000 Menschen erreicht und rund 135.900 Interaktionen ausgelöst.  Zander sagt: "Ich wollte eine Botschaft senden, die über Heiligabend hinaus geht. Ich und auch viele andere Gastronomen haben Mitarbeiter mit ausländischen Wurzeln. Ohne sie wäre die Arbeit in der Gastronomie gar nicht möglich." Er merke aber auch, dass nun viele Anfeindungen aus dem rechten Spektrum bei ihm auftauchen. Angst habe er aber nicht. "Angst das richtige zu sagen, darf man nicht haben", so Zander.

Zu den Kommentaren, die ihm einen Marketing-Gag vorwerfen sagt er: "Warum darf sich eine Bar nicht politisch äußern?" Das jetzt besonders viele Gäste wegbleiben, er mit Eiern beworfen wird oder viele neue Fans bei ihm ein Bier trinken werden, glaubt der Soho-Inhaber übrigens nicht. "Der Post erreicht auch viele Menschen, die hier gar nicht wohnen. Facebook ist eben nicht die Realität."

Einige der Facebook-Kommentare zur AfD-Diskussion

Nutzerin Kirsten schreibt: "Ich finde es erstaunlich, dass Sie sich insbesondere auf Rechte des Grundgesetzes berufen, das Sie doch eigentlich abschaffen wollen." Und Christel findet: "Gäste kann man sich zum Glück aussuchen." "Coole Bar mit gesunder Einstellung"

Der Kommentator Florian stützt den Kurs der Bar Soho vorbehaltlos. "Minden war bisher für mich lediglich Handball. Seit heute ist es auch ein weiterer Ort mit einer coolen Bar mit gesunder Einstellung. Weiter so!" postet er.

Monika sieht es genauso. "Das ist das Hausrecht und spiegelt eine Haltung wieder." Sie würde "gerne ein Bier bei euch trinken". Rainer sieht es ähnlich, dankt für das Statement und kündigt an: "Wenn ich in der Nähe bin, komme ich auf jeden Fall mal vorbei."

Ein Nutzer Namens "Mick Man" fühlt sich ob der Aktion der Bar "stark an das Dritte Reich" erinnert und fragt: "Liegen auch schon Blaue Sterne bereit?" Timo dementiert dies strikt. "Hier wird sich mit einer höflichen und legitimen Bitte von einer rechtsextremen Haltung distanziert", ist seine Meinung.

Die Nutzerin Bettina gibt sich zynisch und bemüht ebenfalls eine Anlehnung an die Nazizeit. "Vielleicht sollten AfD-Wähler eine Armbinde oder ein Tattoo tragen damit ihr sie besser erkennen könnt", postet sie. Nils findet diese Art der Diskussion überhaupt nicht witzig. "Wenn man sich den weihnachtlichen Shitstorm hier durchliest, weiß man auch, warum man solche Gäste nicht will", postet er.

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MindenUpdate: Mindener Bar Soho will keine AfD-Wähler mehr reinlassen - Das sagt der InhaberMatthias Bungeroth,Nadine SchwanMinden (nw/mt). Von wegen geruhsame Weihnachten: Das dachte sich offenbar Patrick Zander, Inhaber der Bar „Soho". Bevor das Lokal seinen gastronomischen Betrieb vor den Weihnachtstagen dichtmachte, schrieben die Mitarbeiter ein paar Zeilen auf eine Tafel – mit Folgen. Das Foto davon, das Zander am Morgen des 24. Dezembers auf der Facebookseite der Bar postete, macht derzeit im Internet die Runde und sorgt für rege Diskussionen. Der Text um den es geht, lautet: „Wenn Sie AfD wählen, trinken Sie Ihr Bier bitte woanders. Fühlen Sie sich diskriminiert? Dann wissen Sie endlich mal, wie das ist. Frohe Weihnachten!" Der Beitrag mit dem Foto wurde inzwischen mehr als 2.000 Mal auf Facebook geteilt und mehr als 7.000 Mal kommentiert - teils mit Humor, teilt kritisch, teils zustimmend und teilt auch böse. Auch der Bielefelder Comiczeichner Ralf Ruthe meldete sich zu Wort. Er schrieb: "Höflich und mit Haltung - Alles richtig gemacht, liebes Soho Minden. Allen, die das lesen, ein schönes Weihnachtsfest." Das sieht der Nutzer Mark ganz anders. Er sieht in der Aussage der Tafel einen klaren Verstoß gegen das im Grundgesetz verankerte Verbot von Ungleichbehandlung aufgrund von Glauben oder politischer Anschauung und postet: "Bei euch war ich das letzte Mal." Der politischen Weihnachtspost ist übrigens nicht der Erste, der auf Facebook vom Soho für Aufsehen sorgt. Erst Ende September äußerte sich Inhaber Patrick Zander öffentlich auf der Plattform und warf der Mindener Werbegemeinschaft Lobbyarbeit vor. Auslöser war ein mobiler Burgerwagen, der vor seinem Lokal abgestellt wurde (wir berichteten). Kurz nachdem der Bericht auf MT.de online ist, meldet sich Zander beim MT. Laut der Statistik-Anzeige für Facebook-Seitenbetreiber, hat sein Post inzwischen rund 348.000 Menschen erreicht und rund 135.900 Interaktionen ausgelöst.  Zander sagt: "Ich wollte eine Botschaft senden, die über Heiligabend hinaus geht. Ich und auch viele andere Gastronomen haben Mitarbeiter mit ausländischen Wurzeln. Ohne sie wäre die Arbeit in der Gastronomie gar nicht möglich." Er merke aber auch, dass nun viele Anfeindungen aus dem rechten Spektrum bei ihm auftauchen. Angst habe er aber nicht. "Angst das richtige zu sagen, darf man nicht haben", so Zander. Zu den Kommentaren, die ihm einen Marketing-Gag vorwerfen sagt er: "Warum darf sich eine Bar nicht politisch äußern?" Das jetzt besonders viele Gäste wegbleiben, er mit Eiern beworfen wird oder viele neue Fans bei ihm ein Bier trinken werden, glaubt der Soho-Inhaber übrigens nicht. "Der Post erreicht auch viele Menschen, die hier gar nicht wohnen. Facebook ist eben nicht die Realität." Einige der Facebook-Kommentare zur AfD-Diskussion Nutzerin Kirsten schreibt: "Ich finde es erstaunlich, dass Sie sich insbesondere auf Rechte des Grundgesetzes berufen, das Sie doch eigentlich abschaffen wollen." Und Christel findet: "Gäste kann man sich zum Glück aussuchen." "Coole Bar mit gesunder Einstellung" Der Kommentator Florian stützt den Kurs der Bar Soho vorbehaltlos. "Minden war bisher für mich lediglich Handball. Seit heute ist es auch ein weiterer Ort mit einer coolen Bar mit gesunder Einstellung. Weiter so!" postet er. Monika sieht es genauso. "Das ist das Hausrecht und spiegelt eine Haltung wieder." Sie würde "gerne ein Bier bei euch trinken". Rainer sieht es ähnlich, dankt für das Statement und kündigt an: "Wenn ich in der Nähe bin, komme ich auf jeden Fall mal vorbei." Ein Nutzer Namens "Mick Man" fühlt sich ob der Aktion der Bar "stark an das Dritte Reich" erinnert und fragt: "Liegen auch schon Blaue Sterne bereit?" Timo dementiert dies strikt. "Hier wird sich mit einer höflichen und legitimen Bitte von einer rechtsextremen Haltung distanziert", ist seine Meinung. Die Nutzerin Bettina gibt sich zynisch und bemüht ebenfalls eine Anlehnung an die Nazizeit. "Vielleicht sollten AfD-Wähler eine Armbinde oder ein Tattoo tragen damit ihr sie besser erkennen könnt", postet sie. Nils findet diese Art der Diskussion überhaupt nicht witzig. "Wenn man sich den weihnachtlichen Shitstorm hier durchliest, weiß man auch, warum man solche Gäste nicht will", postet er.